Ohne Panther gäbe es den Täggelibock nicht !!

Vorneweg:

 

Werner Walter Müller / Panther gab Markus Gerber / Gärschte, ( ein ehemaliges Aktiv -und Vorstandsmitglied ) die Rechte, seine Memoiren und Geschichten auf Gärschtes persönlicher Home Page zu veröffentlichen.

Gärschte wiederum gab mir, Heinz Eichenberger ( Betreiber dieser Seiten ) das Recht, diese Memoieren und Geschichten bei uns zu veröffentlichen. 

 

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an dich Markus

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Werner Walter Müller,  Panther 

Jg.1929 

Am 3.Dezember 2012 ist Werner Walter Müller verstorben

Panther.. 

..war 1963 die treibende Kraft für das Projekt Täggelibock

Er hatte den Täggelibock aus dem Boden, respektive aus dem Wasser " gestampft

 

Vorwarnung:

Es gibt hier sehr sehr vieles, aber auch sehr sehr viel spannendes zu lesen

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Die Memoiren beinhalten 81 Seiten

Die Zeit auf Ibiza beinhalten 55 Seiten

Die Predigt / Abdankung beinhalten 3 Seiten

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Zitat von Albert Einstein:

Zeit ist das, was wir auf der Uhr ablesen

Nehmen Sie sich die Zeit und lesen Sie diese spannenden, fast unglaublichen und verrückten

Geschichten / Memoiren

 

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Kapitel 1

- Meine Jugend bis 15 Jahre 1929-1944

( Seiten 1-8 )

 

Kapitel 2

- Meine Abenteuer von 16 bis 30 Jahren 1945-1975

( Seiten 9-26 )

 

Kapitel 3

- Meine Zeit im Seerettungsdienst 1956 bis 1962

( Seiten 27-32 )

 

Kapitel 4

- Die Wasserskischulen 1956 bis 1963

( Seiten 33-40 )

 

Kapitel 5

- Meine Pfadfinderlaufbahn und der Täggelibock

( Seiten 41-76 )

 

Kapitel 6

- Das Ende im Hotel Savoy

Seiten 77 - 81

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 Es folgen nach den Memoiren weiter unten noch: 

Kapitel 7

- Meine 13 Jahre auf Ibiza

und

- Abdankung für Werner Müller von Pfarrer Heinz Leuenberger / Akko

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Nach Ibiza folgte das Kapitel 8, meine Zeit als Filmproduzent

Über diese Zeit sollte ich mit ein wenig Geduld noch Informationen bekommen...

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Kapitel 1

Meine Jugend bis 15 Jahre 1929-1944

Seiten 1-8

 

Ich wurde am 7. August 1929 in Interlaken geboren. Ob ich zu Hause oder im Bezirksspital auf die Welt kam, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Vermutlich im Spital, denn an der Wand war eine Uhr. Ich weiss aber nicht um welche Zeit, da ich die Uhrzeit leider noch nicht kannte. Meine Mutter, geboren als Lina Hadorn von der alten Post in Latterbach (Simmental), hat es mir nie verraten, aber ich glaube, ich habe sie auch nie danach gefragt. Die ersten Monate meines Lebens verbrachte ich in Interlaken an der Kanalpromenade direkt neben dem Schlachthaus. Ich glaube, das ist auch der Grund, dass ich bis heute ein Tierfreund bin und keine Maus umbringen kann. Ich hatte eine riesengrosse  Schwester, sie war bei meiner Geburt schon 18 Monate alt. Wie ich mich erinnern kann, kam ich anfänglich ganz gut mit ihr zurecht. Wie mein Vater wurde auch ich Werner genannt. Damit es keine Verwechslungen gab, hat man bei meiner Taufe an den Namen Werner noch Walter angehängt.  Apropos Taufe: Meine Mutter hatte vor ihrer Hochzeit im Welschland bei einer sehr wohlhabenden Dame gearbeitet. Diese war sehr zufrieden mit ihr und hat sich anerboten, bei mir Taufpate zu sein. Bei der Taufe hat sie mir keinen überwältigen Eindruck gemacht, obschon sie sehr reich war. Ich war ja erst ein paar  Monate alt. Das erste Mal als ich ihr Auge in Auge gegenüber stand und nicht lag, war ich, wie ich mich erinnern kann, zehn Jahre alt. Das war 1939 kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Damals hat sie mir einen gewaltigen Eindruck gemacht. Sie war im Besitz einer wunderbaren Villa und einem grossen Rebberg mit vielen Angestellten. Sie war bereits über 70 Jahre alt und Witwe.  Doch zurück ins Jahr 1933. Mein Vater war gelernter  Mechaniker und hatte in der Auto AG. Interlaken gearbeitet. Er war im Besitz  eines Motorrades. Ein Bekannter wollte ihm das Motorrad abkaufen, doch er hat ihm geschrieben, er könne ihm das Vehikel nicht verkaufen, es habe einen Spalt (Riss) im Motor. Die Antwort kam postwendend. „Ich kaufe das Motorrad trotz Spalt“. Das waren noch Zeiten.

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Als ich zwei Jahre alt wurde, sind wir von der Kanalpromenade an die Waldeggstrasse umgezogen. Ich war froh, denn ich konnte das Gebrüll der armen Tiere nicht mehr mit anhören.  Mein Vater war ein sehr guter Mechaniker und Konstrukteur und meine Mutter hatte vor der Heirat bei Notar Hadorn in Latterbach gearbeitet. Sie war eine sehr fleissige  und sparsame Frau. Deshalb konnten meine Eltern im Jahr 1933 in Goldswil die heutige Burgseeligarage kaufen. Das Haus war alt und früher ein Eiskeller gewesen. Weil es damals noch keine Kühlschränke gab, wurde das Eis im Winter aus dem Burgseeli aufgesägt und in dem 200 Meter entfernten Eiskeller gelagert, um es im Sommer an die Hotel zu verkaufen. Deshalb wurde unsere Familie von den Einheimischen auch, „Müllers im Eiskeller“ genannt. Jedoch gefroren haben wir nur im Winter. Der Eiskeller gehörte früher einem Mann namens „Wismer“. Dieser hat bereits damals im Sommer  Autos repariert. Er war auch Eigentümer  einer alten Drehbank, was sicher zu der Zeit für eine Autogarage noch von grosser Bedeutung war. Im Jahr 1935, ich war gerade sechs Jahre alt, kam noch eine kleine Schwester dazu. Sie wurde Heidi getauft. Der Heidifilm wurde jedoch erst später und ohne ihre Mithilfe gedreht. In den ersten Monaten war sie sehr laut und das hat mich genervt. Meine ältere Schwester muss ich auch noch vorstellen, sie wurde im Januar 1928 geboren, also vor mir. Sie wurde auf den Namen Lili getauft und als sie etwas älter war, fand unsere Mutter, sie würde sich die falschen Freundinnen auswählen, da sie ziemlich wild war. Als ich sechs oder sieben Jahre alt war und meine zweiten Zähne bekam, wackelte mir ein Vorderzahn. Meine Mutter wollte mir einen Faden darum binden, das andere Ende an der Türfalle befestigen und mit einem Ruck die Türe schliessen. Mein Vater hatte einen anderen Einfall. Er ging mit mir in die Werkstatt, holte sich eine Wasserpumpenzange, und zog mir den Zahn mit einem Ruck „sorgfältig“ heraus. Es war ziemlich schmerzhaft und hat ganz schön geblutet.  Mit neun Jahren begann mich meine Schwester Lili zusammen mit ihren Freundinnen etwas zu tyrannisieren. Doch für mich war das gar nicht schlecht, denn wenn ich mich bei der Mutter beklagte, sagte diese: „Du bist selber schuld, wehre dich!“ Mich zu wehren und durchzusetzen, das lernte ich dann auch gründlich. Als ich 1945 in Bern die Lehre als Mechaniker begann, wurde ich zuerst Mitglied des Bürgerturnvereins und nach einem Jahr wechselte ich in den Judo Club, dem ich 35 Jahre angehörte. Später habe ich es ziemlich genossen, wenn selbst die grössten Schlägertypen vor mir Respekt hatten. Doch zurück zu meiner Schulzeit.  In der Schule war ich leider kein besonders guter Schüler. Bis in die vierte Klasse hatten wir eine alte Lehrerin, welche besser Prügel verteilen als Lerninhalte vermitteln  konnte. Bei jedem kleinen Ungehorsam hat sie uns die Finger festgehalten und mit einen vierkantigen Lineal mit voller Wucht ein paar 

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übergezogen. Das war sehr schmerzhaft und hat auf der Handfläche oft blaue Striemen hinterlassen. Mit neun Jahren gründete ich einen Indianerstamm und war natürlich der Häuptling. Zum meinem Glück lernte ich damals einen väterlichen Freund kennen. Er wurde von allen Leuten nur der Maler Müller genannt. Sein Name war Christian Müller. Vor dem Krieg waren meine Eltern mit seiner Familie befreundet. Maler Müller war ein lieber und verständnisvoller Mensch. Deshalb machte ich ihn zu meinem selbst gewählten Ersatzvater. Zu Maler Müller hatte ich Vertrauen und er half mir, meine Jugendprobleme zu bewältigen. Er hatte immer für mich Zeit und er half mir auch, meine Eltern besser zu verstehen. Einmal hat mir Christian Müller meine Kriegsgeräte wunderbar bemalt und mir geholfen, einen Häuptling-Kopfschmuck zu basteln. Diesen mit Federn und Glasperlen zu schmücken und auf der Stirn mit dem stolzen Namen „LÖWE“ zu verzieren. Stolz habe ich diese Herrlichkeiten meinem Vater gezeigt. Seine Antwort darauf war: Das ist doch nichts! Ich werde dir eine Armbrust anfertigen, die viel imposanter ist als dein Pfeilbogen.“  Die Armbrust habe ich aber nie gesehen. Vielleicht, weil ich meinen Vater ab und zu auch genervt habe. In der Oberschule, von der fünften Klasse an, hatten wir einen Lehrer, „Fritz Weingart“. Dieser mochte mich sehr gut, und ich habe bei ihm grosse Fortschritte gemacht. Er hatte jedoch auch eine Macke. Er machte mit uns Diktate und Aufsätze hat diese jedoch nie korrigiert und zurückgegeben. Jahre später fand sein Nachfolger, mein Freund Fritz Sieber, in einem Schrank über hundert unkorrigierte Diktat- und Aufsatzhefte. Später hatte ich ein sehr trauriges Erlebnis. Während meines Militärdienstes verstarb mein bester Freund und ehemaliger Ersatzvater Cristian Müller. Meine Eltern haben es nicht für notwendig gehalten, mir das mitzuteilen. Ich konnte ihn nicht einmal auf dem letzten Weg begleiten. Deshalb besuchte ich sein Grab bestimmt zehn Jahre lang, solange meine Eltern beide noch lebten und wir mit den Geschwistern zu Hause Weihnachten feierten, nach der Weihnachtsfeier um Mitternacht  auf dem Friedhof in Goldswil und dankte ihm für seinen Beistand während meiner Kindheit. Im Jahr 1939, vor Kriegsausbruch, fuhren meine Eltern zusammen mit Maler Müller und seiner Frau, mit unserem alten Fiat (mein Jahrgang 1929) nach Italien, meine Schwester Lili durfte mit. Ich wurde nach Latterbach zu meinem Onkel Arnold Hadorn verfrachtet, um seine Kühe zu hüten. Normalerweise tat ich diese Arbeit in den Schulferien sehr gerne, denn man konnte mit anderen Knaben ein Feuerchen machen,  Kartoffeln braten und Indianerspiele spielen, wobei ich natürlich immer der Häuptling sein musste. Doch dieses Mal hat es mich sehr geärgert, dass ich nicht mit auf diese Auslandreise fahren durfte. 

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Ich hatte immer das Gefühl, dass meine Eltern mich nicht lieben würden. Unsere Mutter hat uns bei jeder Gelegenheit kritisiert und die Kinder von der Verwandtschaft gelobt. Ich kann mich nicht erinnern, einmal ein lobendes Wort von ihr gehört zu haben. Auch bei Verwandten und Bekannten hat sie sich immer über Lili und mich beklagt. Bei jeder Gelegenheit hat sie den Vater aufgefordert, mich zu verprügeln. Dieser hat es zum Glück  fast nie getan. Aber er hat mir oft furchtbar gedroht. Zum Beispiel musste ich oft hören, „Wenn du diese Arbeit bis heute Abend nicht fertig machst, verprügle ich dich, dass dir das Blut über „Tscheichi“ (Beine) hinunter läuft. Diese Worte sind mir bis heute in Erinnerung geblieben.  Mit zwölf Jahren durften wir mit der Schule im „Hondrich“ am Burgseeli Skifahren. Meine Ski waren 20 Jahre alt, die Bindungen aus Tornisterriemen zusammengebastelt. Beinahe nach jeder Skiübung habe ich zu Hause auf der Bremsnietmaschine meine Bindungen repariert.  Im achten Schuljahr hatten wir von Papiersammlungen einiges Geld zusammengespart. Als Belohnung durfte die Oberschule einen Tag auf die Kleine Scheidegg zum Skifahren. Der Lehrer sagte zu mir: „Mit diesen Skis kannst du leider nicht mitkommen. Das kann ich nicht verantworten.“ Ich war damals  im Besitz von stolzen 50 Franken von meinen Veloreparaturen und Benzin-Trinkgeld und Kegelstellen. Damit begab ich mich nach Interlaken ins Sportgeschäft von Fritz Müller und suchte mir ein Paar gebrauchte Ski mit Kandaharbindung und Blaukanten aus. Diese kosteten jedoch 80.- Franken. Herr Müller sagte zu mir: „Bezahl die 50.- Franken, nimm die Bretter mit dir nach Hause, deine Eltern leihen dir sicher die 30.- Franken. Diese kannst du mir gelegentlich bringen.  Stolz trug ich die schönen Ski nach Hause. Ich habe sie am nächsten Tag zurückgebracht und die Klasse fuhr ohne mich auf die Scheidegg. Bereits damals war ich vernarrt in Motorboote. Ich hatte einen älteren Freund, der eine kleine Sattlerwerkstatt und ein Motorboot mit einem 10 PS Aussenbordmotor besass. Ich wäre furchtbar gerne einmal mit ihm mitgefahren. Aber er machte immer mit zahlenden Gästen Rundfahrten. Als ich immer wieder bettelte, gab er mir den Rat, ich solle meine Eltern dazu bewegen, mit ihm eine Rundfahrt zu machen. Es gelang mir die Mutter zu überzeugen. Doch der Vater wollte nicht mitkommen. Also hat meine Mutter ihre Schwägerin eingeladen und diese hat meine gleichaltrige Kusine mitgebracht. Als ich mich ihnen anschliessen wollte, sagte meine Mutter zu mir: „Du kannst Holz spalten. Du bleibst zu Hause!“ Auf einer Abkürzung rannte ich zum Bootshaus, in der Hoffnung, mein Freund würde sie umstimmen. Aber sie blieb hart. Hans Schmocker hat mich danach doch noch einige Male mitgenommen. Ein anderes Mal als ich bereits 14 Jahre alt war, wollte ich bei meiner liebsten Tante (Tante Frida die Schwester meines Vaters, wohnhaft in Niederstocken) meine Schulferien verbringen. Ihr Mann, Onkel Ruedi, war Gemeindeschreiber

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und Kleinbauer. Ich habe bei ihm in den Schulferien viel gelernt. Mit der Sense zu mähen, Kühe zu melken, Ernte einzubringen und vieles mehr. Oft habe ich meine Sommer- oder Herbstferien in Niederstocken verbracht. Als Lohn konnte ich Butter, Käse, Würste und viele andere landwirtschaftliche Erzeugnisse mit nach Hause nehmen, was während den Kriegsjahren von grossem Wert war.  Doch dieses Mal hatte mir mein Vater geraten, ich sollte zuhause bleiben und ihm in der Werkstatt helfen. Er versprach mir einen Stundenlohn von einem Franken, was damals sehr viel Geld war. Ein gelernter Mechaniker kam zu dieser Zeit auf zwei Franken pro Stunde.  Weil ich mir ein Fahrrad kaufen wollte, habe ich zugesagt. Am Ende der Ferien hätte mein  Lohn über 200.- Franken betragen. Doch der Kommentar meiner Eltern lautete: „Du solltest dich schämen, von uns Geld zu verlangen. Du kostest uns auch viel Geld.“ Ich war natürlich sehr enttäuscht, aber auch das hatte etwas Gutes. Ich habe gelernt, dass Geld für meine Wünsche selber zu verdienen, indem ich Velos von Dorfbewohnern reparierte. So hatte ich bald mein eigenes Fahrrad, welches ich aus Bestandteilen vom Alteisenhändler „Stähr“ zusammengebaut habe.  Ein für mich sehr schlimmes Erlebnis hatte ich im letzten Schuljahr.  Ich erwachte am Morgen mit starken Kopfschmerzen und Unwohlsein. Als meine Mutter ins Zimmer kam, um mich zu wecken, sagte ich zu ihr, dass es mir nicht gut gehe, und ich vermutlich Fieber hätte. Meine Mutter antwortete: „Ich glaube eher, du willst die Schule schwänzen!“ Sie gab mir ein Fieberthermometer. Nach 15 Minuten, ich war eingenickt, weil ich in der Nacht schlecht geschlafen hatte, kam sie zur Türe rein und ich bin aufgeschreckt. Sie sagte zu mir: „Jetzt habe ich dich erwischt. Du hast das Fieberthermometer hochgerieben!“ Ich begab mich dann trotz meinen 38 Grad Temperatur zur Schule und bin deshalb nicht gestorben. Nach einer Stunde sagte der Lehrer zu mir: „Werner, du hast einen ganz roten Kopf. Ist dir nicht gut?“ Ich sagte, dass ich Kopfschmerzen habe. Worauf er mich nach Hause schickte. Ich begab mich in den Wald, raffte Streu zusammen und legte mich schlafen. Erst am Nachmittag begab ich mich nach Hause. Doch das Schlimmste für mich kam noch. Eine Woche später - ich hatte Geburtstag - fuhren wir zu meiner Tante Rosa nach Einigen. Tante Rosa war eine Schwester meines Vaters, eine sehr gebildete und fromme Frau und 12 Jahre älter als mein Vater. Ich habe sie sehr verehrt und sie war nach Tante Frieda meine zweitliebste Tante. Wir waren über 10 Personen am Mittagstisch und Tante Rosa hat mich gefragt. „Du bist heute an deinem Geburtstag so still Werner. Geht es dir nicht gut?“ Bevor ich antworten konnte, sagte meine Mutter: „Letzte Woche wollte er die Schule schwänzen. Ich habe ihn dabei erwischt, als er das Fieber-Thermometer hochgerieben hat. 

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Ich bin aufgestanden, hinausgegangen und habe in einer stillen Ecke am See geheult. Ich wollte zu Fuss nach Hause gehen. Aber es waren 25 Kilometer und Autostopp konnte man damals nicht machen, denn es gab nur ganz wenige Autos und die meisten fuhren mit Holzkohlen-Aggregaten. Deshalb habe ich mich in der Nähe des Autos versteckt und gewartet bis zur Abfahrt. Über den Vorfall  hat niemand mehr ein Wort gesprochen. Auch das Auto meines Vaters fuhr mit Holzkohle. Mein Vater hatte den Fiat selber umgebaut. Er war ein sehr guter Mechaniker. Wenn man im Oberland ein Wagen nicht repariert konnte, so hat mein Vater es geschafft, das Fahrzeug wieder in Schwung zu bringen. Während des Krieges bekam man keine Ersatzteile. Mein Vater hat alles selber angefertigt, von Pleuelstangen bis zu Differentialwellen. Er hat auch für Sägewerke und Holzhändler fahrbare Motorseilwinden gebaut. Als ich 14 Jahre alt war, durfte ich meinen Vater nach Kandersteg begleiten. Oberhalb Kandersteg, am „Stock“, wo heute die Kabinenbahn Richtung Gemmipass fährt, sollte er eine Motorwinde reparieren. Die Winde gehörte der Firma Wyssen-Holzhandel in Reichenbach. Wir waren in einem Fussmarsch von zwei Stunden mit unserer  Werkzeugkiste aufgestiegen. . Mein Vater hatte den ganzen Nachmittag am Motor repariert. Gegen Abend hatte Herr Wyssen am offenen Feuer einen Kaffee gekocht. Er sagte zu uns, dass sie nächste Woche die Winde 100 Meter tiefer setzen werden um die Baumstämme von rechts und von links zur Abseilstelle zu schleppen-  Mein Vater fragte, warum er sich nicht eine Einrichtung (Katze) baue, welche man an jeder Stelle des Tragseiles stoppen kann. Das Zugseil wird hinuntergelassen, nach rechts oder nach links ausgezogen und die Stämme vom ihrem Liegeplatz zum Standort, wo die Katze hängt, geschleppt und zu dieser hochgezogen. Die Blockierung der Katze wird  von einem Konus am Zugseil gelöst und die Stämme am Tragseil zur Talstation hinunter gelassen. „Kannst du mir so etwas konstruieren?“ fragte Herr Wyssen zurück. Mein Vater meinte, er könne es versuchen.  Nun kam der abenteuerlichste Teil des Tages.  Mein Vater sagte, dass wir auf der Materialtransportbrücke hinunterfahren wollten. Herr Wyssen entgegnete, dass er das nicht verantworten könne. Doch mein Vater beharrte darauf. Los ging es. Das Ding bestand aus einer zwei Meter langen und 50 Zentimeter breiten Holzpritsche, vorne und hinten mit einer ein Meter langen Eisenstange, an deren oberen Enden je eine Drahtseilrolle befestigt war. Halten konnte sich der Vater nur an der vorderen Eisenstange. Zwischen dieser und ihm befand sich noch die Werkzeugkiste und ich klammerte mich an ihn. Anfänglich ging es 50 Meter leicht aufwärts, danach kam ein mit  Baumstämmen gebauter und mit Drahtseilen verankerter 10 Meter hoher Bock, welcher über die Felswand hinaus ragte, oben mit einem Stahlbügel, über welchen das Tragseil lief. Zuerst schepperte die vordere Rolle mit einem gewaltigen Ruck über den Stahlbügen und eine Sekunde

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später tat es die hintere. Von da ging es mit beinahe 100 % Gefälle (auf einen Meter horizontal ein Meter vertikal) 300 Meter hinunter, unserem Ziel Kandersteg entgegen. Das war eines meiner ersten grossen Abenteuer und ich war stolz, dass ich es ohne Angst zu zeigen überstanden hatte.  Zu dieser Zeit, in den Jahren 1939 bis 1945, war mein Vater viel im Militärdienst. Wenn er zu Hause war, arbeitete er fast Tag und Nacht. Neben den Autoreparaturen aus dem ganzen Oberland baute er seine Seilbahnkatze. Herr Wyssen errichtete für ihn eine Testseilbahn hinter Bönigen am Bönigberg. Jeden freien Moment, oft ganze Nächte durch, baute er an der Konstruktion. Diese bestand aus drei Drahtseilrollen zwischen zwei 70 x 70 cm grossen Stahlplatten. Zwei Rollen liefen über dem Tragseil. Das Zugseil der Winde führte durch eine Klüse über der dritten Rolle nach unten. Ein Meter vor dem Ende desselben war eine Nuss angebracht. Sobald mit der Winde das Zugseil eingezogen wurde, öffnete diese Nuss über einen Mechanismus eine mit starken Federn am Tragseil zusammengepresste Sperre und betätigte zugleich eine Sperre am Zugseil, so dass dieses blockiert wurde. Das bedeutete, dass die Katze am Tragseil wieder frei wurde und die Baumstämme mit dem Zugseil mit Hilfe der Motorwinde gebremst zur Talstation abgeseilt werden konnten.  Herr Wyssen hatte ein Weltpatent auf diese Konstruktion angemeldet und ist damit Millionär geworden. Mein Vater hat ihm für seine Arbeiten in der Stunde zwei Franken und für Maschinenstunden Fr. 2.50 berechnet. Sicher war damals alles viel billiger. Aber ein Kilogramm Brot kostete auch schon damals 1.30 Franken. Übrigens, die Seilkatzen werden heute noch auf der ganzen Welt eingesetzt; natürlich stark modernisiert mit viel Elektronik. Kurz nach meiner Konfirmation starb meine begüterte Gotte im Welschland. Ein Notar meldete sich bei meinen Eltern und eröffnete ihnen, Frau Marconee habe mich in ihrem Testament als Alleinerben  eingesetzt. Ihr Vermögen betrage 1‘700‘000.- Franken. Doch kurz darauf meldeten sich entfernte Verwandte von ihr bei meinen Eltern und verkündeten, sie würden das Testament anfechten und machten folgenden Vorschlag. Sie bezahlen 10‘000.- Franken sofort an meine Eltern aus für den Fall, dass sie die Erbschaft ausschlagen.  Obschon der Notar versicherte, dass die Leute bei einem Prozess absolut keine Aussicht auf Erfolg haben, nahmen die Eltern das Angebot an, mit der Bemerkung ich müsse lernen, meinen Lebensunterhalt selber zu verdienen. Von den 10‘000.-Franken habe ich nie etwas gesehen, und das bestätigt auch meine ältere Schwester Lili. Als ich 20 wurde (damals Volljährigkeit) erhielt ich auf meine Frage nach dem Geld die Antwort, dass das Geld für meine Lehre ausgegeben worden sei. Dabei musste ich bereits im ersten Lehrjahr in meiner Pension im Sommer am Abend im Garten helfen und im Winter um 4.30 Uhr aufstehen, um die mit Kohle betriebene Zentralheizung zu warten. Später habe ich von neuen Hochhäusern Fotos gemacht und sie von Türe zu Türe den neu eingezogenen Mietern als Postkarten verkauft. Ich war Mitglied im Arbeiterfoto-Club, und wir hatten im Keller vom Kino

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Gotthard eine gut ausgerüstete Dunkelkammer. Im letzten Lehrjahr habe ich Fotopapierschneidemaschinen fabriziert. Das Fotohaus Aeschbacher hat gleich 50 Stück bestellt. Danach habe ich in meinen zweiwöchigen Ferien einen Kleinwagen gemietet und in der ganzen Schweiz die Fotogeschäfte besucht. Meine Schwester Lili war bei der Fahrt durchs Welschland dabei um zu übersetzen. Herr Messerli, der Direktor der Sim, hatte auf meinen Wunsch meinen Urlaub um eine Woche verlängert, nachdem ich ihm sagte ich sei auf Geschäftsreise. Ein Riesengeschäft wurde es zwar nicht, K. Dauwalder, welcher eine kleine mechanische Werkstatt hatte, konnte von den 600 bestellten Stück nur 100 liefern. Danach hat er Pleite gemacht. „Ich glaube nicht wegen mir.“ Während meiner Lehrzeit bin ich fast jedes Wochenende, im Sommer meistens mit dem Fahrrad, nach Hause gefahren. Manchmal habe ich am Nachmittag im Bremgartenwald noch an einer Pfadfinderübung  teilgenommen und kam danach mit dem Fahrrad erst nach Mitternacht zu Hause an. Um die Eltern nicht zu wecken, habe ich im nahen Wald unter einem Baum übernachtet, was mir aber nichts ausmachte. Am Sonntag habe ich mit Lilli zusammen die Tankstelle bedient und kleine Reparaturen gemacht. Oft mussten wir das Trinkgeld noch mit den jüngeren Schwestern teilen, was Lili noch heute bestätigt. Doch ich glaube, das alles hat mir nicht geschadet. Im Gegenteil, es hat mich gestärkt und zu meinem Selbstvertrauen viel beigetragen. Worunter ich hingegen in meiner Jugend sehr gelitten habe, war, dass ich immer das Gefühl hatte, meine Eltern würden mich nicht lieben. Man muss berücksichtigen, dass meine Eltern bereits mit 14 Jahren den ersten Weltkrieg mitgemacht hatten, danach noch die Krisenjahre und den zweiten Weltkrieg. Man kann sagen, dass sie sehr harte Zeiten mitgemacht und vier Kinder grossgezogen haben. Ich wollte diesen Bericht nie schreiben, aber weil meine jüngste Schwester, Margrit, ihren Kindern und allen, die es hören wollten, berichtete und immer noch berichtet, ich sei das schwarze Schaf der Familie, fühle ich mich berechtigt, mich zu verteidigen. Warum sie das so sieht, glaube ich heute zu wissen. Sie ist zu einer Zeit aufgewachsen, wo meine Eltern sich immer über mich beschwert haben. 

Ende Kapitel 1

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Kapitel 2 

Meine Abenteuer von 16 bis 30 Jahre

Seiten 9-26

 

Meine Eltern hatten absolut kein Verständnis für unsere Bedürfnisse. Lili und ich hatten am meisten darunter zu leiden. Bei Heidi war es schon besser und Margrit wurde von allen, auch von mir, verwöhnt. Sie wuchs zu einer Zeit auf, als zu Hause  über mich nur noch schlecht gesprochen und Kritik geübt wurde, weil ich mich etwas selbstständig gemacht hatte und nicht immer das tat, was meine Eltern von mir erwartetet hatten. Margrit wurde richtig gehend eingeimpft, dass ich das schwarze Schaf der Familie sei. Dabei habe ich immer wieder versucht, mich einzufügen und zu beweisen, dass auch ich etwas vollbringen und leisten kann. Ich habe in Bern in der Sim AG Motorenreparaturwerkstatt am 16. April 1945 die Lehre als Mechaniker angefangen. Im zweiten Lehrjahr hat mein Vater, welcher ein Kunde der Sim war, einen Motor bei uns abgeholt. Danach hat er mich zum Mittagessen eingeladen und mir ein Mechanikerbuch, „Der Dreher“ geschenkt. Zudem sagte er zu mir, dass der Direktor der Sim, Herr Messerli, mich sehr gelobt habe.  Ich glaube, das war das einzige Lob und Geschenk, welches ich je von meinem Vater erhalten habe. Doch um gerecht zu bleiben, muss ich sagen, als ich 10 Jahre alt war, schenkte er mir zu Weihnachten eine SpielzeugDampfmaschine. Nachdem ich das erste Mal mit ihr gespielt hatte, versteckte er sie und ich habe sie nie wieder gesehen.  Sicher hatte es mein Vater auch nicht leicht. Meine Mutter hat ihn oft richtig tyrannisiert. Ich kann mich erinnern, wie sie die Stück Zucker abzählte, welche er in seinen Kaffee tat. Wenn er Probleme hatte und mit der Mutter darüber sprechen wollte, sagte sie meistens: „ Lass mich in Ruhe, ich mag das „Gequatsche“ nicht hören“. Aber er brauchte jemanden, der ihm zuhören konnte. Da ergab sich Folgendes, was für mich bestimmt schwerwiegende Konsequenzen hatte.  Mein Vater hatte einen Freund namens Hermann Schmocker, welcher während dem Krieg  Lastwagenfahrer bei der Baufirma Borter in Ringgenberg

 

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war. Bei einer Explosion erlitt Herr Schmocker starke Verbrennungen im Gesicht, was später in Krebs ausartete. Auf dem Totenbett nahm er meinem Vater das Versprechen ab, dass dieser sich nach seinem Tod um seine Frau kümmern würde. Damals gab es noch keine AHV! Dies erfuhr ich allerdings erst viele Jahre später von meiner älteren Schwester, welche damals zu Hause arbeitete. Ich  hörte oft von meiner Mutter, dass der Vater fremd gehe. Doch ich glaubte dies nicht, denn er war absolut nicht der Typ dazu. An einem Abend kam ich nach Hause und die Mutter hat mich mit den Worten überrascht, dass der Vater nicht da sei und ich nachschauen gehen soll, ob sein Wagen bei dieser „Schmockeri“ stehe. Auf ihr Drängen ging ich nachschauen und tatsächlich stand sein Auto vor ihrem Haus. Ich ging nach Hause und sagte, der Wagen steht allerdings dort, aber das müsse noch nichts bedeuten. Es könne auch sein, dass er etwas mit ihr besprechen müsse. Als der Vater nach Hause kam, machte meine Mutter ihm eine furchtbare Szene und sagte zu ihm, ich sei ihm gefolgt und habe ihn erwischt. Der Vater hat sich überhaupt nicht verteidigt. Aber von diesem Moment an war ich nicht mehr sein Sohn. Genau wie ich als Kind mir einen Ersatzvater gesucht hatte, hat mein Vater sich einen Ersatzsohn genommen. Sein Name war Hans von Allmen. Er war in meinem Alter, hat bei uns in der Garage die Lehre gemacht und bis kurz vor meines Vaters Tod bei ihm gearbeitet. Ich mochte ihn sehr gut. Er war ein ruhiger Typ, ein sehr zurückhaltender und fleissiger Arbeiter. Er hat meinem Vater nie widersprochen und diesen auch noch nach 10 Jahren mit „Sie“ und mit „Meister“ angesprochen. Ich möchte hier erwähnen, dass mein Vater ein ruhiger Typ war. Aber er suchte auch immer Anerkennung, welche er bei unserer Mutter nicht finden konnte. Allerdings wenn ihm einmal jemand in die Quere kam, war er unversöhnlich. Da konnte er sogar gemein werden, denn er hatte auch einen ausgeprägten Geltungsdrang.  Als ich in Bern die Lehre als Mechaniker abgeschlossen hatte, arbeitete ich zunächst zu Hause. Zuerst machte ich in der Werkstatt gründlich Ordnung. Danach habe ich die Maschinen revidiert, die Transmission entfernt, vom Alteisenhändler Elektromotoren und Autogetriebe  besorgt, die Drehbänke und Fräsmaschine mit Einzelantrieb ausgerüstet. Ich habe an den Wänden Holztafeln montiert und das Spezialwerkzeug, welches vorher in einem Durcheinander in Schubladen verstaut war, daran aufgemacht.  In der Schreinerwerkstatt von Artur Streich, einem älteren Freund von mir, habe ich solide Kisten für die Bestandteile gezimmert, Kundenkarten drucken lassen, damit für jeden Kunden ein Reparaturauftrag gemacht werden konnte, welcher mit den demontierten Teilen seines Wagens zur Kiste gehörte. Genauso wie ich es in der Sim AG gelernt hatte. Danach habe ich den Kompressor hinter dem Haus unter dem Dach montiert, damit der Lärm aus der Werkstatt verschwand. Zudem habe ich im sogenannten

 

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Gibel“ und in dem vom Wagner Zumbrunn ehemals gemieteten Raum, der Wagner-Boutique Regale für Bestandteile gezimmert.  Das alles und noch einiges mehr, habe ich in den drei Monaten zwischen Lehraustritt im April 1959 und Rekrutenschule für Kost, Logis und ein Taschengeld von 50 Franken im Monat getan. Um noch etwas dazu zu verdienen, habe ich an den Abenden in der Kegelbahn vom Parkhotel Kegel gestellt. Dabei war ich bereits vor der RS im Besitz aller Fahrausweise, habe jede Fahrprüfung das erste Mal bestanden und eine einzige Fahrstunde, für Lastwagen, bei einem Fahrlehrer genommen. Die Fahrprüfungen habe ich aus eigener Tasche bezahlt. Unsere Eltern haben uns zu dieser Zeit kaum Taschengeld gegeben. Das mussten wir an Sonn- und Feiertagen an der Tankstelle mit Trinkgeld und ich mit zusätzlich Veloreparaturen verdienen.  Ich möchte hier meine Eltern nicht schlecht machen. Sie hatten auch viele schwere Zeiten durchgemacht. Während den Krisenjahren, vor dem Krieg, hatten sie es sehr schwer. Trotzdem mussten wir auch in den Kriegsjahren nie hungern. Meine Mutter war eine sehr fleissige Frau. Sie hat das Geld zusammengehalten. Mein Vater war ein sehr guter Mechaniker und hatte Kunden mit Vorkriegsautos aus dem ganzen Berner Oberland. Während dem Krieg hat er fahrbare MotorSeilwinden für Sägewerke konstruiert sowie Lastwagen und PW auf Holz- oder Holzkohlenantrieb umgebaut. Im Sommer 1949 rückte ich in die Rekrutenschule ein. Ich meldete mich bei den Panzergrenadieren, aber weil ich der einzige war, welcher im Besitz von sämtlichen Führerausweisen vom Motorrad bis zum Taxi und LKW war, wurde ich zu den schweren Motorwagen eingeteilt. Unsere Gruppe fasste fünf schwere Lastwagengen und wir lernten die ganze Schweiz kennen. Da unser Korporal nur einen Lernfahrausweis besass, wurde ich sozusagen als sein Hilfsfahrlehrer eingesetzt. (Siehe auch „Mein Militärdienst“) Nach der Lehre und Rekrutenschule arbeitete ich zwei Monate an der Grimsel. Nach der Fertigstellung der Handeckstaumauer verdiente ich dort mein erstes Geld. Mit einer Acetylen- und einer Sauerstoffflasche am Rücken kletterte ich in den Felsen herum. Meine Aufgabe bestand darin, für 2.80 Stundenlohn, (damals ein Spitzenlohn) alle ins Erdreich gerammten Eisenteile abzubrennen und zur Sammelstelle zu schleppen. Arbeitszeit 9 Stunden am Tag, Kost und Logis frei. Von dieser Arbeit in der freien Natur und der guten Entlöhnung war ich begeistert. Ich bekam Muskeln wie ein Bär, was mir später in der Unteroffiziersschule sehr nützlich war. Danach arbeitete ich in der Garage Egon Grossniklaus in Brienz. Dort entdeckte  ich in einem Alteisenfass einen amerikanischen „Lokwood“ 8 PS Aussenbordmotor. Die Pleuelstange war gebrochen und der Zylinder hatte ein Loch, was für mich allerdings kein Problem war. Ich fertigte zu Hause einen neuen Pleuel an, drehte den Zylinder aus, schnitt darin ein Innengewinde und passte eine Gussgewinde-Büchse wasserdicht ein.  Ich habe an den Wochenenden

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viele Stunden an diesem Motor gearbeitet. Meine Mutter hatte mir 30.- Franken für die Elektrizität und die Werkstattbenutzung aufgeschrieben. Mit einem Teil des hart verdienten Geldes kaufte ich von Hans Schmocker für 400.- Franken sein vier Meter langes selbstgebautes Gleitboot (ohne Motor). Nun hatte sich mein Traum erfüllt: Ich war Besitzer eines Motorbootes mit einem 8 PS Lokwood Aussenbordmotor. Ein Jahr nachdem ich bei Egon Grossniklaus in Brienz gearbeitet hatte, fuhr ich mit meinem Boot nach Brienz. Ich begab mich mit einem Kanister zur Garage Grossniklaus um 10 Liter Benzin zu kaufen. Als ich bezahlen wollte, sagte Herr Grossniklaus: „Für dich kostet das nichts!“ Ich war sehr erfreut und stolz. Das war für mich die Bestätigung, dass er mit meinen Arbeiten zufrieden war. Mein Vater hätte so etwas nie gemacht. Seine Worte waren immer: „Du kannst ja einmal die Garage übernehmen, deshalb kannst du ruhig etwas dafür tun, ohne immer gleich die Hand aufzuhalten.“ Als nächstes kaufte ich beim Alteisenhändler ein Unfallmotorrad mit Totalschaden, eine BSA mit 500 Kubikzentimeter. Ich zerlegte die Maschine vollständig, richtete den Rahmen, fertigte diverse Ersatzteile an und führte die Maschine im Frühjahr beim Verkehrsamt vor. Darauf fuhr ich an Pfingsten 1951 mit Adolf Ritschard, einem Rover-Freund, über den Simplonpass nach Genua, meine erste Auslandreise.  Im Juni 1951 rückte ich in die Unteroffiziersschule ein. Es war eine schöne erlebnisreiche Zeit, worüber ich in „Mein Militärdienst“ berichte.  Da ich etwas Geld verdienen wollte und dies zu Hause nicht möglich war, übersiedelte ich nach der UO 1952 nach Bern, wo ich in der Motorradwerkstatt Schneeberger arbeitete. Ich kaufte mir eine gebrauchte Ariel mit 1000 Kubikzentimeter. Eine Vier-Zylinder Maschine, welche ich selber revidierte. Herr Schneeberger war auch Mitorganisator des letzten Grand Prix Bern. Er verkaufte einem Uhrenfabrikant einen gebrauchten Cooper (1500 ccm) Rennwagen mit Zustandsgarantie. Bei seinem ersten Bergrennen versagte das Getriebe. Schneeberger beauftragte mich mit der Reparatur. Ich eröffnete ihm, die Hauptwelle sei verbogen, er sollte in England eine neue Welle bestellen. Er befahl mir, sie auf der Presse zu richten. Ich weigerte mich mit dem Hinweis, bei einem Rennwagen wäre das unverantwortlich. Daraufhin beauftragte er Fritz Mühlemann, damals ein bekannter Motorradrennfahrer, diese Arbeit zu erledigen. Ich fragte Mühlemann, ob er dies verantworten könne. Worauf er erwiderte, er nicht aber scheinbar der Chef. Als Herr Gilomen den Wagen zum Bergrennen am Albis abholte, fragte er mich, ob das Getriebe halte. Ich antwortete: „Am besten bestellen Sie in England per Luftfracht ein neues.“ Er tat es und nahm mich zum Rennen als Rennmechaniker mit. Beim ersten Trainingslauf gab das reparierte Getriebe den Geist auf und ich baute ihm über Nacht das neue ein. Wer das neue Getriebe bezahlen musste, glaube ich zu wissen. Herr Gilomen machte den ersten

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Preis und hat mir für die drei Tage 1000.- Franken, plus Hotel und Verpflegung bezahlt, damals ein Monatslohn. Im  Februar 1952 kaufte ich bei Herrn Känel „Foto Helios“ in Mürren eine gebrauchte Leica. Ich wollte sie gleich ausprobieren, belichtete einen Film (36 Aufnahmen) und übergab ihn seinem Labor zum Entwickeln. Drei Tage später hat mich Herr Känel in Bern angerufen. Er machte mir den Vorschlag, bei ihm als Fotograf anzufangen. Er bot mir 350.- Franken im Monat, Kost und Logis, ein Abo für alle Lifte und Bahnen, keine Arbeit im Labor und 10 % an allen verkauften, von mir aufgenommenen Fotos. Auf meine Entgegnung, ich sei Mechaniker und nicht Fotograf, antwortete er, dass die Fotos, welche ich am Sonntag gemacht habe, viel besser seien als diejenigen, welche ihm seine Fotografen liefern.  Weil ich gerade von der Firma Schneeberger zu Fiat gewechselt hatte und mich noch in der Probezeit befand, kündigte ich bei Fiat und begab mich nach Mürren. Das war eine schöne Zeit. Ich bekam ein schönes Zimmer mit Dusche, damals ein Luxus. Ich habe jeweils mit dem Ehepaar Känel gegessen, wobei es zu jeder Mahlzeit Wein und ein Dessert gab. So gut gelebt und verdient hatte ich vorher noch nie. In Mürren lernte ich damals den Tourismusdirektor kennen. Wir unterhielten uns oft über Tourismus-Marketing. Er war der Meinung, die Werbung sollte lebendiger sein. Ich dachte darüber nach. Damals kam gerade die Farbfotografie auf. Ganz neu auf den Markt kamen auch von einer Seite durchsichtige Spiegel. Also konstruierte ich eine zwei Meter hohe, sechseckige Spiegelsäule. Die Spiegel waren oben 50 cm und unten 35 breit. Der Bruder von meiner Freundin in Bern war Grafiker. Ich tat mich mit ihm zusammen und er lieferte mir Farbdias in der Grösse 18x24 cm. Diese wurden innen an den Spiegeln in einem Kästchen mit Lampe befestigt. Ein Automat sorgte dann dafür, dass die Lampen abwechslungsweise ringsum immer in mehreren Kästchen aufleuchteten und man die Dias rund um die Spiegelsäule bewundern konnte. In jedem Spiegel waren sechs Dias angebracht. Das waren 36 farbige Dias, welche einzeln oder in Gruppen aufleuchteten. Die Säulen wurden in Hotelhallen und Tourismusbüros aufgestellt, die erste natürlich in Mürren. Ich mietete mir in Bümpliz eine 2 ½ Zimmer Wohnung. Die Apparate liessen wir fabrizieren und ich fuhr mit meinem Citroen  durch die ganze Schweiz zu allen grösseren Tourismusbüros und verkaufte oder vermietete Spiegelsäulen. Als das Geschäft organisiert war und von selber lief, wurde mir die Sache zu langweilig. Ich übergab das Geschäft meinem Partner, dem Grafiker Kurt Dällenbach und wendete mich etwas anderem zu. Zuerst machte ich Urlaub. Ich begab mich mit meiner Schwester Lili und meiner starken Arielmaschine auf eine lange Reise. Wir beabsichtigten, für drei Wochen nach Spanien zu fahren und haben uns für dieses Land ein Visum besorgt. Aber daraus wurde nichts. In Frankreich begegneten wir einem Schotten

 

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Mit einem dreirädrigen Wohnmobil und dieser schwärmte von Schottland. Meine Schwester hatte in London Bekannte, bei welchen sie im Vorjahr gearbeitet hatte. Also schifften wir uns am nächsten Morgen nach England ein. Aus den drei Wochen wurden drei Monate in Frankreich England und Schottland. (Siehe auch den Bericht über meine Reisen.)  Von London aus habe ich die Arielfabrik in Birmingham angerufen und mich als Schweizer Journalist vorgestellt (natürlich war ich das auch ein wenig). Ich habe den Herren mitgeteilt, ich befände mich auf einer Europareise, was eigentlich auch stimmte, und möchte meine Maschine überholen lassen. „Leider hätten sie ab Montag geschlossen, aber ich solle einen Moment warten“. Nach fünf Minuten hat man mir mitgeteilt, ich könne am Montag um 8.00 Uhr bei ihnen vorsprechen. Zur angegebenen Zeit war ich dort. Der Direktor hat mich persönlich empfangen und sich entschuldigt, da sie eigentlich Betriebsferien hätten. Aber er habe zwei Mechaniker aufgeboten, welche sich meiner Maschine annehmen würden.  Mein Ariel wurde in 1 ½ Tagen total zerlegt und revidiert. Als ich die Rechnung bezahlen wollte schenkte er mir eine Broschüre über ihren Betrieb und sagte zu mir, das koste nichts, das ist unser Ariel Service. Ich habe später mein Wort wegen Journalist doch gehalten und im Kim, der schweizerischen Pfadfinderzeitung, einen Reisebericht geschrieben in welchem ich meinen Ariel sehr lobte.  Nach dreimonatigem Aufenthalt in Schottland musste ich zurück in die Schweiz zum Militärdienst, einem Wiederholungskurs. Mister Stuart, der Farmer, bei welchem ich längere Zeit als Maschinist gearbeitet hatte, bat mich zu bleiben. Er hatte sogar auf dem Schweizer Konsulat vorgesprochen,  aber vergeblich. Für die Schweizer war damals der WK noch ein Heiligtum. Also schickte ich ein Telegramm an die aufbietende Militärbehörde. „Befinde mich auf einer Motorradreise in Schottland. Habe eine Panne. Muss auf Ersatzteile warten. Rückkehr bis WK nicht möglich.“  Die Antwort kam postwendend. „WK mit Elitetruppe verschoben. Nachzuholen am …….“. (drei Wochen später.) Also machten wir uns auf die Rückreise. Wenn das Militär nicht gerufen hätte, wäre ich möglicherweise noch heute auf Reisen.   Zurück in der Schweiz holte ich meinen versäumten WK bei einer Motorradeinheit nach. Natürlich bin ich mit meiner Ariel-Maschine eingerückt. Nach ein paar Tagen berichtete uns der „Kadi“, dass in zwei Wochen in Lausanne die Schweizer Motorrad Militärmeisterschaften stattfinden würden. Wer daran teilnehmen möchte solle sich bei ihm melden. Natürlich meldete ich mich. Das Problem war aber, dass ich mit meiner Privatmaschine nicht teilnehmen durfte. Aber unser Leutnant hatte Verständnis und lieh mir seine Militärmaschine. Jeden Abend durften wir trainieren.  Am Samstag fuhren wir nach Lausanne, vier Mann von unserer Kompanie. Am Samstag und am Sonntagmorgen waren die Wettkämpfe. Es waren sehr

 

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anspruchsvolle Parcours dabei und es wurden grosse sportliche Leistungen verlangt. Am Sonntagnachmittag machten wir auf der Allmend eine Demonstration. Ich fuhr eine Maschine mit Seitenwagen und ein Motorradmechaniker aus Bern war mein Seitenwagen-Pilot. Während ich in einem grossen Kreis den Seitenwagen anhob, demontierte er mit vorsichtigen Bewegungen das Seitenwagenrad, zeigte es hochhaltend dem Publikum, um es danach wieder zu montieren. Vom Publikum bekamen wir einen gewaltigen Applaus. Natürlich hatten wir das vorher einige Male geübt. Ich war damals sehr gut in Form, denn ich hatte seit langer Zeit sehr viel Krafttraining gemacht. Jeden Morgen vor der Arbeit bewältigte ich einen Dauerlauf von ein paar Kilometern. Daneben habe ich auch an Waffen- und Geländeläufen teilgenommen. Über den eigentlichen Wettkampf berichte ich in meinem Bericht „Mein Militärdienst“.  Im Winter 1952/53 arbeitete ich zu Hause. Die Spannungen zwischen meinen Eltern und mir hatten sich etwas abgebaut. In der Freizeit handelte ich etwas mit Gebrauchtwagen und es wurde mir auch ein Stundenlohn von zwei Franken bezahlt. Allerdings hatte meine Mutter es verstanden, meinen verdienten Lohn mit Abzügen und Bussen immer stark zu reduzieren. Da hat sie zum Beispiel aufgepasst, ob ich irgendwo das Licht nicht gelöscht  hatte. Selbst wenn ich nur für eine Minute mein Zimmer verlassen habe wurde mir ein Franken Busse aufgeschrieben. Sehr beschäftigt haben mich zu der Zeit auch zwei Vorkommnisse. Weil ich bei den Kunden sehr beliebt war und mein Vater mit Leuten, welche er nicht näher kannte, zwar nicht unfreundlich, aber oft etwas griesgrämig war, ist es vorgekommen, dass ein Kunde in die Werkstatt kam und nach mir gefragt hat. Einmal hörte ich ihn zur Mutter sagen: „Jetzt gibt er sich bereits als Chef aus. Die Kunden verlangen nicht mehr mich, sondern ihn!“ Ein anderes Mal, zu der Zeit kamen gerade die neuen Neonhandlampen auf den Markt, hat mein Vater sich so ein Ding geleistet. Kurz darauf ist Hans von Allmen in einen Wagen eingestiegen, um ihn aus der Werkstatt zu fahren. Der Vater stand neben mir an der Werkbank und die neue Lampe lag noch unter dem Auto. Wir riefen: „Stopp!“. Aber es war schon zu spät, das Hinterrad hat die Lampe zerquetscht. Mein Vater bekam einen rote Kopf und verliess ohne ein Wort zu sagen die Werkstatt. Ich vermutete, dass er zur Mutter gehen würde, um ihr das zu berichten. Ausser Sichtweite verfolgte ich ihn. Genau so war es. Nur, dass er berichtete, ich habe die Lampe überfahren. Ich verzog mich unbemerkt. Aber Ende des Monats, als mir 35.- Franken vom Lohn abgezogen wurden, habe ich gehörig protestiert. Hans begab sich dann zur Mutter und klärte die Sache auf.  Am 5. März 1953, einem Sonntag, wollte ich mit meiner Ariel nach Brienz fahren um einen Kunden zu besuchen. Zwischen Ringgenberg und Niederried, kam mir in einer Linkskurve ein Motorrad entgegen. Die Strasse war sechs Meter

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breit. Auf der linken Seite befand sich eine Felswand und rechts auf meiner Strassenseite war ein Eisenzaun, hinter welchem es sechs Meter senkrecht auf die Eisenbahnlinie hinunter ging. In diese Kurve kam mir ein Motorrad entgegen, welches gerade von einem MG Sportwagen überholt wurde. Wir wären bestimmt aneinander vorbeigekommen. Aber als der MG-Fahrer mich sah, riss er das Steuerrad nach rechts und kam ins Schleudern. Zwischen seinem hinteren Kotflügel und dem Eisenzaun wurde meine Maschine eingeklemmt. Ich flog über den Lenker und blieb auf der linken Seite unter der Felswand bewusstlos liegen. Man verfrachtete mich in ein vorbeikommendes Taxi und dieses lieferte mich in Interlaken im Spital ab. Unterwegs bin ich aufgewacht und als sie mich beim Krankenhaus auf eine Bahre legen wollten, sagte ich, dass ich zu Fuss gehe. Sie führten mich zum Lift, in den ersten Stock und zum Untersuchungszimmer. Als ich mich auf den Tisch legen wollte, verlor ich wieder das Bewusstsein. Als ich erwachte lag ich in einem Bett, den linken Arm in einem Gipsverband. Über eine Rolle lief eine Schnur mit Gewicht und so wurde mein Arm bis zum Ellbogen gestreckt. Mein rechter Arm war mit einem Lederriemchen am Bett befestigt. Im Halbbewusstsein bemerkte ich das und begann zu toben. Ich riss die Riemenschnalle ab, riss die Rolle mit dem Gewicht herunter, worauf mein Bettnachbar Sturm läutete. Erst als der Riesenkrankenpfleger (Kari) kam, gelang es ihnen, mir eine Beruhigungsspritze zu verpassen. Der Gips konnte seine Aufgabe nicht mehr erfüllen  Also hatte ich die Ehre, der erste zu sein, welchem sie in Interlaken den Knochen mit einer Silberplatte verschraubt haben. Dies trage ich noch heute in meinem Knochen. Doch um nicht Grabräuber anzulocken sollte ich das nicht zu laut erzählen. Insgesamt hatte ich am Oberkörper neun Knochenbrüche, davon fünf gebrochene Rippen. Als mir der Arzt sagte, mein Aufenthalt im Krankenhaus würde mindestens zwei Monate dauern habe ich ihn ausgelacht. Ich sagte zu ihm, dass ich anfangs Mai mit einem Freund eine Reise mit meinem ersten eigenen Auto (einem eingetauschten und von mir revidierten Ford Eiffel Kleinwagen Jahrgang 1936) nach Spanien vereinbart hätte und diese wolle ich auf keinen Fall verpassen. Ich war jeden Moment sicher, dass ich das schaffe würde. Schliesslich sind wir am 5. Mai mit meinem Ford Eiffel losgefahren und haben es bis Marokko geschafft. Es wurde eine abenteuerliche Reise. (siehe den Bericht „Meine Reisen“.)   Ab Sommer 1953 arbeitete ich wieder in der Sim AG Bern, bei meinem ehemaligen Lehrmeister. Ich hatte Pläne gemacht für ein Zwei-MannUnterseeboot und konnte am Abend die Maschinen benutzen. Ich baute das Boot in fünf Monaten und im Dezember haben wir es im Bubenseeli getestet. Es funktionierte nicht in jedem Detail auf Anhieb. Aber nach einigen Korrekturen war es tauchfähig und auch sicher. Es bestand aus einem Druckkörper für zwei

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Personen mit einer Plexiglashaube. Rechts und links davon befanden sich zwei miteinander verbundene Druckbehälter, welche man fluten konnte. Unter dem Boot waren zwei Pressluftflaschen und eine Ballastplatte montiert. Diese konnte im Notfall abgeworfen werden. Die Tauchtiefe war auf 15 Meter beschränkt. Es wurde mit einem Elektromotor und einer Lastwagen-Batterie angetrieben. Ebenfalls war es mit einem Seiten-, einem Höhenruder und mit einem Tiefensicherheitsventil ausgerüstet. Nach einigen Testfahrten im Bubenseeli verlegten wir es in die Aare beim Marzilistrandbad. Von diesem Moment an war es vorbei mit der Ruhe. Das erste Schweizerunterseeboot  im Westentaschenformat wurde von Reportern und Fotografen bestürmt und kam sogar auf der Titelseite der Schweizer Illustrierten. Nach den Pressemeldungen hat mich der Stadtpräsident angerufen. Er sagte, er sei mit Herrn Strahm zusammen. Das sei der Mann, welcher die Internationale Gastronomie Ausstellung „Hospes“ von  Mai bis Juni 1954 organisiere und sie möchten mich kennenlernen.  Sie luden mich zum Abendessen ins Casino Bern ein und unterbreiteten mir ihr Anliegen. Herr Strahm sagte, er habe die Zeitungsberichte über das Klein-UBoot gelesen und er möchte so etwas als Attraktion im Lunapark haben. Ein Teich mit einem Dutzend Unterseebooten stelle er sich vor.  Ich überlegte und sagte, das sei viel zu gefährlich. Bei Kollisionen könnten die Insassen nass werden. Aber es würde die Möglichkeit bestehen, ein Tauchboot-Karussell zu bauen. Ob ich das schaffe bis anfangs Mai wurde ich gefragt. Nichts ahnend sagte ich, ich werde darüber nachdenken. Das Essen war fantastisch. Der Wein, von dem ich reichlich genossen habe, noch besser. Ich begab mich vergnügt nach Hause und dachte nach.  Am nächsten Tag besuchte ich einen alten Bekannten, mit welchem ich 1947 die Bernische Lehrlingsvereinigung gegründet hatte. Er war von der Idee begeistert. Die Frage stellte sich nur bei der Finanzierung. Doch Karl Dauwalder gab vor, da jemanden zu kennen, einen Paul Siegentaler, von Beruf Handelsreisender mit Maschinen, der sehr viele Geschäftsleute kenne.  Am nächsten Abend trafen wie uns bei K. Dauwalder. Ich hatte meine Konstruktionsskizzen mitgebracht und bereits einen Verteilerplan für die Vergabe der Arbeiten ausgearbeitet. Also übernahm ich den technischen Teil, Dauwalder die Verhandlungen mit den Lieferanten und Siegentaler die Beschaffung der Finanzen.  Am selben Abend arbeiteten wir eine Patentschrift auf die Namen Müller, Dauwalder und Siegentaler aus. P. Siegentaler wurde beauftragt, diese am nächsten Tag auf dem Patentamt einzureichen. Von nun an hatte ich 18 Stunden- und später sogar 20 und mehr Stundentage. Ich machte Zeichnungen, wälzte technische Bücher, machte Berechnungen und Firmenbesuche, holte Offerten ein und kam kaum mehr zum Schlafen. Mit der Finanzierung ging es schlecht voran. Doch ich hatte keine Zeit

 

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mich auch noch darum zu kümmern. Mit den grösseren Lieferanten handelte ich einen Kredit von vier Monaten aus. Nach drei Wochen waren erst 12’000 Franken gezeichnet und Dauwalder meldete mir, am Abend um 20 Uhr sei ein Treffen bei ihm.  Als ich dort eintraf, traf mich fast der Schlag. Die Beiden befanden sich in der guten Stube mit meinem Vater zusammen. Man teilte mir mit, mein Vater wolle sich an dem Unternehmen sowohl mit Geld wie mit Arbeit beteiligen. Ich war sehr skeptisch und enttäuscht, dass da hinter meinem Rücken und ohne mein Wissen gehandelt worden war. Zum Vater sagte ich, dass ich ihm nicht verbieten könne, da mitzumachen. Aber wenn etwas schief gehen würde, solle er mir nicht irgendwann einen Vorwurf machen.  Doch bald merkte ich wo der Hase im Pfeffer lag. Siegentaler, welcher sehr gut reden und überzeugen konnte, hatte meinem Vater von fabelhaften Gewinnen vorgeschwärmt. Vater sagte zwar, es liege ihm nicht am Geld. Mit dem Gewinn würde er für die Kirche Ringgenberg eine neue Orgel stiften. Wenn die Weltpatente eine Million eingebracht hätten, hätte ich nicht daran gezweifelt, dass er das getan hätte. Kurz vorher war er in den Kirchgemeinderat gewählt worden und man konnte ihm nicht absprechen, dass er es liebte wenn er bewundert und gerühmt wurde. Ein religiöser Mensch war er jedoch nicht, obschon Mitglied des Kirchenrates.  Es war ein harter Kampf bis zur Hospes. Es wundert mich noch heute dass ich das durchgestanden habe. Zum Schlafen kam ich nur noch stundenweise und dass die Anlage termingerecht fertig wurde, erscheint mir wie ein Wunder. Die Mannesmannrohre für die Mittelsäule, welchen ich in Deutschland bestellen musste, kamen mit drei Wochen Verspätung an. Tagsüber rannte ich den Lieferanten nach und nachts habe ich gezeichnet, gerechnet und Bücher über Materialkunde und über Festigkeitsberechnungen gewälzt. Danach begab ich mich mit meinen Berechnungen zu meinem ehemaligen Gewerbeschullehrer für Materialkunde und bat ihn, meine Aufgaben nachzusehen und zu korrigieren. Er antwortete, das sei ihm zu hoch, damit müsse ich zu einem Kranbauingenieur bei der Firma von Roll gehen. Diese wollten dafür 2000.- Franken kassieren. Also vertraute ich lieber auf mein Können. Doch die Behörden verlangten ein Gutachten von einem Ingenieur.  Ein paar Wochen vor der Eröffnung der Ausstellung kamen zwei Ingenieure von der von Roll. Die Anlage war hinter der Sim am Trockenen aufgebaut Die Herren  kontrollierten im Auftrag der Behörden zusammen mit mir meine Berechnungen. Mein Vater und Direktor Messerli waren auch anwesend. Bis auf eine Verstärkung welche noch irgendwo eingebaut werden musste, war die Sache in Ordnung. Mir fiel ein Riesenstein von der Brust. Am Tag vor der Eröffnung stand die Anlage mit 12 Tauchbooten betriebsbereit in ihren Teich im Lunapark und die Feuerwehr von Bern füllte 900‘000  Liter Wasser ein.

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Der Gerechtigkeit willen muss ich sagen, dass auch mein Vater einiges dazu beigetragen hatte, dass der Termin eingehalten werden konnte. Zwei Tage vor Eröffnung kam er mit einem Lehrling und beide haben kräftig zugepackt und die ganze Nacht durchgearbeitet.  Am Abend vor der Eröffnung sagte der Vater zu mir, dass er nach Hause müsse, sie hätten  zwei Nächte nicht geschlafen, ich müsse sie fahren. Ich entgegnete, dass dies unmöglich sei, da ich in den letzten 10 Tagen keine 10 Stunden geschlafen und die ganze Zeit Aufputschmittel zu mir genommen hätte. Auf mein Angebot, ich würde ihm das Hotel  bezahlen, sagte er, dass er sich Zuhause umziehen müsse. Er habe zwei Tage für mich gearbeitet und ich würde ihm diesen kleinen Gefallen nicht ausschlagen können. Ich willigte unter der Bedingung ein, dass wir uns gegenseitig wachhalten sollten und keiner einschlafen dürfe. Beide stimmten zu und eine Zeitlang funktionierte das auch. Vor Merligen am Thunersee bemerkte ich, dass beide schliefen. Ich sagte mir, ich fahre bis an das Dorfende, stelle aus und schlafe ebenfalls ein paar Stunden. Doch es war bereits zu spät. In einer Linkskurve beim Überqueren der Brücke im Dorf nickte ich einen Moment ein und touchierte mit dem rechten Vorderrad den Gehsteig. Es riss mir das Steuerrad aus den Händen und wir landeten im Brückengeländer. Zum Glück fuhr ich nur mit 30 Stundenkilometer, so dass niemand verletzt wurde. Der Wagen jedoch, ein älterer Buick, erlitt Totalschaden. Später hat ihn mir meine Mutter am Erbe abgezogen. Das hat man davon, wenn man vor seinem Vater nicht als undankbar dastehen möchte.  Vom ersten Tag der Eröffnung bis zum Schluss der Ausstellung standen die Leute vom Morgen um 9.00 Uhr bis um Mitternacht Schlange vor unseren Kassen. Das nicht zuletzt wegen dem gewaltigen Wirbel, welcher um das Tauchkarussell in der ganzen  Schweizerpresse veranstaltet wurde. Doch da ist noch etwas zu erwähnen: Nachdem wir bei Dauwalder die Patentschrift ausgearbeitet und gemeinsam unterschrieben hatten, begaben sich Dauwalder und Siegentaler auf das Patentamt, holten ein neues Formular, auf welchem sie nur ihre Namen eintrugen. Zwei Wochen später begab ich mich aufs Patentamt wegen einem anderen Patent, welches ich eingereicht hatte. Einer Vorahnung folgend, sagte ich zu dem Beamten, er möchte mir bitte auch das Patent auf Müller, Dauwalder und Siegentaler zeigen. Als er mir berichtete, er finde nichts, sagte ich: „Sehen sie unter Dauwalder und Siegentaler nach.“ und da fand er es. Natürlich wurde das am nächsten Tag geändert, denn ich  drohte ihnen mit einer Anzeige. Davon wusste mein Vater natürlich bei der ersten Zusammenkunft bei K. Dauwalder nichts, aber an diesem Abend unterrichtete ich ihn darüber. Die beiden sagten, sie haben das nur gemacht, damit sie mich etwas unter Kontrolle hätten. Das gefiel ihm, und er machte P. Siegentaler zum Finanzverwalter. P. Siegentaler wurden jeden Abend nach Kassenschluss die Einnahmen gegen Quittung ausbezahlt. Meine Schwester Lili, welche Hauptkassierin war,

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übergab ihm die Tageseinnahmen. Siegentaler bezahlte das Geld bei einer Bank ein, auf der nur er über die Vollmacht verfügte. Meine Schwester und ich fanden dies als unvorsichtig. Aber unser Vater vertraute diesem Mann und mir waren Geldangelegenheiten nie so wichtig. Nach Schluss der Ausstellung sollten nach meiner Rechnung rund 160‘000.- Franken auf diesem Konto stehen. Etliche Rechnungen sollten bereits während der Ausstellung bezahlt werden. Eine Abrechnung haben wir nie  erhalten. Doch das liebe Geld ist zusammen mit P. Siegentaler ins Nirgendwo verschwunden, auch eine Anzeige hat nichts eingebracht.  Ich hatte Zeichnungen für eine neue, zerlegbare Anlage angefertigt. Es wurde eine Gläubigerversammlung einberufen. Die Gläubiger zeigten sich beeindruckt. Es wurde ein Stillhalteabkommen unterzeichnet. Bis auf zwei Gläubiger haben alle unterschrieben. Die beiden abtrünnigen Gläubiger hatten zusammen Forderungen von 8000.- Franken. Da wir drei zu Beginn des Unternehmens gegenüber den Lieferanten ein Abkommen mit Solidarhaftung unterzeichnet hatten und bei den beiden anderen nichts zu holen war, wurde mir Jahre später die Rechnung präsentieret. Im Jahr 1959, als ich schon das Geschäft in Interlaken hatte und die Wasserskischulen betrieb, bekam ich einen Einschreibbrief von einem Anwalt und es ist mir nichts anderes übrig geblieben, als diese alte Schuld zu begleichen..  Mein Vater als Hauptgläubiger wurde von der Versammlung beauftragt, die weitere Verwendung der Anlage zu organisieren. Dafür wurde das Patent auf ihn überschrieben. Er sollte sowohl den Verkauf der bestehenden Anlage wie auch den Verkauf der Patente übernehmen. Zu diesem Zweck tat er sich mit einem älteren Mann, einem Kunden von ihm, Herr Wetzel, von Beruf Ingenieur, pensioniert und wohnhaft in Ringgenberg zusammen. Ich wurde bei den Beratungen nicht mehr beigezogen. Nach einigen Monaten meldete Herr Wetzel, er habe einen Interessenten in Amerika gefunden. Dort wurde zu der Zeit ein riesiger Vergnügungspark gebaut. Diese Leute verlangen jedoch, dass der Konstrukteur, also ich, nach Amerika käme,  den Bau der Anlage überwache und später ein halbes Jahr den Betrieb leite.  Als ich den Vater fragte, wie es da mit meinem Sold aussehen würde, sagte er zu mir, du hast uns die Sache eingebrockt. Das kannst du gegen Spesen machen. Ich weigerte mich und es wurde nichts daraus. Von den Dia-Automaten hatte ich noch etwas Geld bei K. Dällenbach auf einem Bankkonto. Von diesem Geld, von dem nur K. Dällenbach und ich wussten, kaufte ich mir bei der Firma Räss-Kunststoffe in Lützelflüh ein amerikanisches Wasserskiboot mit 40 PS Aussenbordmotor. Ich eröffnete im Sommer 1955 in Bönigen eine Wasserskischule und gründete  im Frühjahr 1956 den Wasserskiclub Bönigen. Nach dem ersten Sommer hatten wir 45 Mitglieder, und es kamen immer mehr Leute von Interlaken und Umgebung dazu.  Im

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Neuhaus betrieben der Pächter, Herr Talhauser und der Eigentümer der Garage Zeiter von Interlaken, zu dieser Zeit ebenfalls eine Wasserskischule. Als die Herren sahen, dass mein kleiner Betrieb so gut funktionierte, boten sie mir ihr Wasserskigeschäft zum Kauf auf an. Der Preis von 8000.- Franken mit Boot, Landesteg und einem Vertrag mit dem Pächter von Neuhaus war sehr günstig. Mit einem Bankkredit, für den mir Herr Talhauser bürgte, konnte ich das Geschäft tätigen. Ich gründete den Wasserskiclub Interlaken und konnte Herrn Hess, Verkehrsdirektor von Interlaken, welchen ich von meinem Geschäft mit den Dia Automaten gut kannte, als Präsident gewinnen. (Siehe auch: „Die Wasserskischulen“).  Zurück zum Autohandel. Anfangs der fünfziger Jahre, kamen immer mehr Neuwagen auf den Markt. Zuerst waren es die Amerikaner, etwas später der Deutsche Volkswagen und danach eine Marke nach der anderen. Mit jedem Kunden, welcher einen Neuwagen kaufte, verlor mein Vater einen Kunden an die Vertretungen. Ich habe ihm dringend geraten, eine Autovertretung zu übernehmen. Nachdem ich und einige Kunden ihn von der Notwendigkeit überzeugen konnten, entschloss er sich mit mir nach Genf an den Autosalon zu fahren. Damals kam gerade der neue DKW 3=6 Drei-Zylinder-Zwei-Takt-Motor auf den Markt. Ich hatte in Fachblättern schon einiges darüber gelesen und glaubte, dass dieser Wagen mit dem 3=6 Motor eine Zukunft hatte. Die Schlossgarage in Thun besass die Vertretung von DKW für das Oberland. Nach einigen überzeugenden Worten von Herrn Moser entschloss sich mein Vater, den Vertrag für eine Untervertretung zu unterzeichnen und für 7500.- Franken einen Vorführwagen zu bestellen. Er stellte jedoch die Bedingung, dass ich den Verkauf übernehme. Auf der Heimfahrt schob er mir den Vertrag zu und sagte: „Nimm den an dich und verstecke ihn vor der Mutter bis ein paar Wagen verkauft sind!“ Wir vereinbarten, dass ich den Verkauf mache und ein Viertel der Gewinnmage bekomme. Von Interlaken bis Innerkirchen notierte ich die Nummern der älteren Wagen, und holte auf dem Verkehrsamt die Adressen der Besitzer. Danach habe ich ihnen einen netten Brief geschrieben, in dem ich auf die Vorzüge des neuen DKW hinwies, einen Prospekt beilegte und ihnen mitteilte, dass ich sie in den nächsten Tagen anrufen werde. Ein paar Tage später habe ich, wenn sie Interesse zeigten, eine Vorführung mit ihnen vereinbart. Innert drei Monaten habe ich 16 DKW verkauft. Ich hätte also bei einem Verdienst von 300.- Franken pro Wagen 4800.- Franken bekommen sollen. Meine Eltern fanden aber, dass das viel zu viel sei, mit der Begründung: Wenn einer den ganzen Tag in der Gegend herum fährt

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soll er nicht mehr verdienen als ein Mann, welcher in der Werkstatt schwer arbeitet. Der Bruttolohn eines Mechanikers betrug damals um die 900.- Franken im Monat. Also wurde mir die Provision um die Hälfte gekürzt und es wurde beschlossen dass ich in Zukunft noch das Benzin selber bezahlen müsse. Der Autoverkauf und damit natürlich auch die Reparaturwerkstatt liefen zu dieser Zeit sehr gut. Jedoch je mehr ich verkaufte, desto mehr wurde mir am Verdienst abgezogen. Als mehr Verkehr aufkam und das Geschäft gut ging, beschlossen meine Eltern gegenüber unserem Haus auf der andern Strassenseite eine zweite Tankstelle zu bauen. Es entstanden dort eine Tankstelle, ein Haus mit Waschraum und Autolift, ein Ausstellungsraum, ein Büro und ein WC. Im Untergeschoss, durch eine Abfahrt zugänglich, eine Einstellhalle sowie der Heizungsraum und nach feuerpolizeilichen Vorschriften, ein kleiner Vorraum vor der Heizung von 4 x 2,5 Metern. Mein Vater fragte mich ob ich die Installationsarbeiten übernehmen könnte und ich sagte zu. Der Kostenvoranschlag der Firma Steiner in Ringgenberg betrug über 8000.- Franken.  Damit wir keinen zweiten Kompressor anschaffen mussten, habe ich eine 40  Meter lange Druckleitung unter der Strasse  durchgezogen. In der Einstellhalle habe ich Ölfässer und Schmierfettfässer aufgestellt und von diesen Leitungen in den Serviceraum geführt für Ölwechsel und Fettpressen. Im Vorraum zur Heizung habe ich einen 2 Meter Schacht ausgehoben, ein Betonröhre mit Deckel eingelegt und darin eine starke Wasserpumpe montiert, damit bei Hochwasser die Einstellhalle nicht geflutet werden kann. Ebenfalls die Hochdruckwasserpumpe für den Autowaschraum, alle Wasserleitungen, Pressluftleitungen und auch der neue Autolift wurden von mir montiert. Fast zwei Monate war ich damit beschäftigt in insgesamt über 300 Stunden harter Arbeit. Als ich meinen Lohn kassieren wollte, hörte ich wieder die alte Leier: „Für Arbeiten im Betrieb bezahlen wir dir nichts!“ Nach langem Hin und Her machte ich den Vorschlag, dass ich als Gegenleistung den Vorraum vor der Heizung für mich einrichten dürfe. Damit war der Vater einverstanden. Ich richtete mir dort einen kleinen gemütlichen Musiksalon ein, wo ich lesen, Musik hören, meine Ruhe haben oder mit meinen Freunden diskutieren und ein Bier trinken konnte, ohne dass die Musik jemanden störte.  Im Frühjahr verreiste ich für zehn Tage nach Ingolstadt, um an einem Autoverkäuferkurs teilzunehmen. Es war ein sehr interessanter und lehrreicher Kurs und die Kurslehrer haben mich den „Wikinger“ genannt. Als ich nach Hause kam, war mein „Salon“ ausgeräumt und mein Vater hatte dort einen Lagerraum für Öl eingerichtet. „Im Vorraum der Heizung!“

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Ich war sehr böse. Damals habe ich meinem Vater das erste Mal gründlich die Meinung gesagt. Aber ein Streitgespräch konnte ich mit ihm nie führen. Sobald er sich angegriffen fühlte, zog er sich in sein Schneckenhaus zurück und sagte nichts mehr. Auch das hat mich oft sehr wütend gemacht. Vor allem weil er bei der Mutter, seinen Freunden und Kollegen sich ganz schön über mich ausgelassen hatte. Das musste ich bemerken, als viele seiner näheren Bekannten und besonders die Mitglieder vom Männerchor, welchem auch er angehörte, mich mit verachtenden Blicken bedienten. Zuhause verkaufte ich immer noch Autos. Aber es war keine erfreuliche Arbeit. Bei jeder Abrechnung wurde gefeilscht und Abzüge wurden gemacht. Dann hat sich wieder etwas ereignet, was das Fass bei mir zum Überlaufen brachte. Ich hatte in Zürich einen Neuwagen abgeholt und danach noch einen Verkaufskurs besucht. Nach dem Kurs diskutierten wir noch bis 24 Uhr, so dass ich erst am Morgen um 3 Uhr zu Hause ankam. Den Wagen, es war ein Coupé, mit weissen Kunstlederpolstern, stellte ich in die Werkstatt, weil es sonst keinen Platz hatte und liess die Schlüssel stecken. Um 8.00 Uhr ging ich hinunter. Der Wagen stand auf dem Parkplatz, was in Ordnung war. Als ich die Türe öffnete, sah ich auf dem weissen Polster die ganze Handfläche einer öligen Hand abgedruckt. Ich wusste sofort, dass hat jemand absichtlich getan. Ich ging in die Werkstatt und frage ganz ruhig, wer meinen Wagen hinausgestellt hatte. Der Erstjahrlehrling meldete sich. Ich antworte ihm, bitte gehe hinaus und mache das Polster sauber. Darauf antwortete er mir.  „Mache das selber. Du hast sowieso immer deine blöde Schnorre offen.“ Ich musste mich beherrschen, dass ich ihm nicht eine Ohrfeige verpasst habe, um mich abzuregen. Also verliess ich den Raum zur hinteren Werkstatttüre hinaus und höre ich wie der Vater zum Lehrling sagte: „Es war gut, dass du ihm einmal die Meinung gesagt hast.“ Ich sah nun ein, dass das mit meinen Eltern keine Zukunft hatte und zog mich ganz nach Interlaken zurück.  Ich begab mich nur noch nach Hause, wenn ich etwas zu besorgen hatte. Eines Tages sagte meine Mutter zu mir: „Immer wenn du hier warst, fehlt Geld in der Benzinkasse.“ Ich hatte eine Vermutung. Das nächste Mal fuhr ich von zu Hause weg und beobachtete im Rückspiegel, wie der jüngste Lehrling über die Strasse zum Büro rannte. Ich hielt an und ging zurück und betrat das Büro zum Seiteneingang. Als ich die Türe aufmachte, verstaute der Lehrling gerade einen 50.- Frankenschein in seiner Geldbörse. Natürlich hatte er alles abgestritten und nach Ausreden gesucht. Ich glaube, meine Eltern haben doch etwas geahnt, denn in Zukunft wurde ich nicht mehr beschuldigt. Die Töchter der Familie Dietschi, Pächter vom Hotel Savoy, in Interlaken, waren fleissige Wasserski- Fahrerinnen. Im Erdgeschoss des Hotels war früher ein Kurbad und diese Räume wurden zu der Zeit nicht benutzt. Frau Dietschi hat

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mir den Vorschlag gemacht, dort ein Wassersportgeschäft zu eröffnen. Die Miete betrug anfänglich 60.- Franken im Monat für 160 Quadratmeter. Allerdings blieb es mir überlasse, die Badekabinen und Badewannen auszubauen und die Räumlichkeiten einzurichten. Diese lagen im Erdgeschoss des Hotels direkt an der Hauptstrasse. Mein Teil hatte auch zwei Schaufenster gegen die Strasse. Im hinteren Teil richtete ich die Werkstatt ein. Da gab es nichts zu feilschen. Mit ein paar 100.- Franken Startkapital kann man jedoch schlecht ein Wassersportgeschäft eröffnen. Also beschloss ich zu Beginn, Bootsmotoren zu reparieren. Werbung machte ich im Kino „Rex“. Ich bestellte bei meinem Freund und Grafiker in Bern ein Kinodiapositiv. Ein Mann hinten in einem Boot über einen Aussenbordmotor gebeugt, in der Hand schwingt er einen grossen Hammer, darunter die Schrift: “Wott z’Motörli nümme ga, isch der Müller gleitig da!“.  Bald hatte ich genügend Arbeit, dass ich abends noch einen Mechaniker vom Flugplatz beschäftigen konnte. Zu dieser Zeit war ich mit Bruno Brunner, Sohn der Garage Brunner in Matten befreundet. Bruno hatte gerade die Lehre auf dem Flugplatz als Mechaniker abgeschlossen. Herr Brunner, der bereits gegen die 60 war, machte mir den Vorschlag, mit Bruno zusammen seine Garage zu übernehmen. Gerne wäre ich darauf eingegangen. Aber ich wusste, dass ich das meinem Vater nicht antun durfte. Er verkehrte mit keinem anderen Garagisten, da diese seine Konkurrenten waren. Also blieb ich lieber bei meinen Bootsmotoren im Savoy. Ein Jahr später besuchte mich mein Vater abends im Savoy und hat mich zu einem Bier bei seinem Freund Egger im Restaurant „Spiess“ eingeladen. Dort bat er mich mit Unterstützung  von Christian Egger wieder bei ihm den Verkauf zu übernehmen. In dem Jahr meiner Abwesenheit hat er nur drei Wagen verkauft, was sicher nicht am schlechten Service lag. Ich willigte unter folgenden Bedingungen ein. Wir machen einen schriftlichen Vertrag. Ich kaufe den Vorführwagen selber und bezahle das Benzin. Die Gewinnmarge wird nach Abzug der Spesen hälftig geteilt. Wird ein Wagen eingetauscht, wird dieser in der Werkstatt überholt. Die Reparaturkosten werden abgezogen und nach Verkauf des Gebrauchtwagens der Gewinn oder Verlust je zur Hälfte geteilt. Herr Egger fand das eine gute Lösung und wir hielten es schriftlich fest. Ebenfalls wurde festgehalten dass ich meinen Vorführwagen mit 2000 km ausserhalb unseres Verkaufsgebiet verkaufen konnte.  Weil ich zu dieser Zeit viele Pfadfinderfreunde hatte, welche ins Autoalter kamen, lief das Geschäft wieder gut an. Neben meinem Geschäft in Interlaken betrieb ich  Wasserskischulen in Bönigen, im  Neuhaus und in Hilterfingen. Ich hatte in der Saison Studenten als Bootsführer angestellt und hatte vom Kurkomitee Interlaken eine schriftliche Schlechtwetter-Defizitgarantie erhalten. Zudem habe ich in der Zwischenzeit noch eine Vertretung für Motorsägen übernommen und habe die Vorführungen miteinander verbunden. 

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Als der DKW durch den Audi abgelöst wurde, florierte der Verkauf wieder richtig. Fast jede Woche konnte ich in Zürich einen Wagen abholen. Doch wieder gab es Meinungsverschiedenheiten bei jeder Abrechnung. Zum Beispiel war der Vater der Meinung, dass wenn ich noch eine Motorsäge mitnehmen und vorführen würde, müsste er daran auch beteiligt werden. Ich musste ihm klarmachen, dass das nur der Fall wäre, wenn er mir ein monatliches Fixum bezahlen würde. Die Streitereien gingen so weit, vor allem mit der Mutter, dass ich meinen Vorführwagen nach Bern verkaufte und mich ganz meinem Geschäft in Interlaken, den Wasserskischulen und den Pfadfindern widmete. Wobei ich erwähnen muss, dass die Wasserskischulen praktisch keinen Gewinn abwarfen und die Pfadfinder, das heisst vor allem der Schiffsbau „Täggelibock“, mich sehr viel Geld kosteten. Ein Jahr später wurde der Garage W. Müller die Audi Vertretung weggenommen und seinem Nachbarn und Konkurrenten, der Garage  Suter übergeben. Kurz  zuvor hatte ihm auch Hans von Allmen gekündigt um sich als Fahrlehrer zu betätigen. Ich glaube, das war zuviel für ihn. Ein paar Monate später mit 76 Jahren starb er an einem Herzinfarkt. Das war für mich ein Tiefschlag. Ich hatte immer gehofft, wir könnten einmal ein Gespräch von Vater zu Sohn führen und uns gegenseitig zu verstehen suchen. Aber auf einmal war es zu spät. Ich stand eine ganze Nacht an seinem Sarg und dachte nach, was ich falsch gemacht hatte. Nachdem unser Vater gestorben war, verpflichteten meine Mutter und meine Schwestern mich, die Geschäftsführung zu übernehmen, verbunden mit der Drohung, sonst würden sie sofort alles verkaufen. Ich sah darin eine Möglichkeit, mit Manfred und Lili zusammen das  Geschäft zu übernehmen. Ich begab mich zu Herrn F. Flückiger, damals schon Direktor der Berufsschulen, vorher Personalchef vom Flugplatz Interlaken. Ich wollte mich zur Meisterprüfung anmelden. Friedrich Flückiger hatte sich immer sehr für die Arbeiten am Roverschiff Täggelibock interessiert. Von den Flugplatzlehrlingen waren immer 5-6 im Roverharst und hatten am Schiff  mitgearbeitet. Ebenfalls hatten Lehrlinge auf dem Flugplatz unter der Leitung von F. Flückiger die Einspritzpumpen vom Täggelibockmotor revidiert.  Er wusste meine Arbeit mit den jungen Leuten sehr zu schätzen, denn er sagte zu mir: „Dank deiner langjährigen Arbeit mit den jungen Leuten am Täggelibock und anderen Projekten bin ich befugt, dir die Meisterprüfung zu schenken. Deine handwerklichen Fähigkeiten sind sehr gut und du bist ein Führungstalent.“ Darauf übernahm ich sofort eine neue Autovertretung von General Motors, stellte einen neuen Lehrling an und verkaufte innert einem Jahr sehr viele Autos. Ich wurde zweimal innert einem Jahr von der G.M. General Vertretung in Biel als einer der 30 besten  Verkäufer der Schweiz zu einer Auslandreise eingeladen.

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Einmal zehn Tage nach England und das zweite Mal drei Tage nach Wien. Bereits damals war meine jüngste Schwester Margrit furchtbar neidisch und hat sich in Anwesenheit des GM-Managers wie eine Furie aufgeführt. Zum Trost hat er beschlossen, dass auch sie mitfahren könne. Als Leute kamen, um unser Geschäft zu besichtigen, wusste ich Bescheid. Ich begab mich nach Biel zu General Motors und teilte den Herren mit, dass meine Schwestern und meine Mutter das Geschäft hinter meinem Rücken verkaufen wollten. Man fragte mich, warum nicht ich es übernehme. Ich antwortete, dass mir dies aus finanziellen Gründen nicht möglich sei, da meine Schwestern und meine Mutter alle voll ausbezahlt werden wollten. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Generaldirektor im Nebenraum kamen sie zurück und machten mir eine sehr gute Offerte, wobei ich sicher kein Risiko eingegangen wäre. Ich wollte noch ein paar Änderungen. Der Vertrag wurde geschrieben und von allen Parteien unterschrieben. Man sagte zu mir, ein Doppel gehe nach Amerika zur Ratifizierung. Das sei aber nur eine Formsache. Als ich das zu Hause erzählte, wurde der Verkauf sehr hektisch vorangetrieben. Zehn Tage später eröffnete mir die Mutter, dass wir am nächsten Morgen zum Notar zur Verschreibung müssten. Ich wusste, dass sie das Geschäft nicht ohne meine Unterschrift tätigen konnten, vor allem nicht unter den Voraussetzungen des GM-Vertrags. Eine ganze Nacht habe ich nicht geschlafen und gegen Morgen habe ich mir gesagt: „Du hast ein Geschäft in Interlaken, welches du in weiser Voraussicht nicht verkauft hast. Also, was willst du gegen deine Mutter und deine Schwestern kämpfen und wenn möglich noch vor Gericht ziehen, das bringt nichts!“  Darauf schrieb ich der Direktion von GM, dass ich aus familiären Gründen vom Vertrag zurücktrete.

 

Diese 26 Seiten von meinem Bericht, wurden von meiner älteren Schwester Lili Wetzel gelesen und die Wahrheit hat sie mit ihrer Unterschrift bestätigt.

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Ende Kapitel 2

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Kapitel 3

Meine Zeit im Seerettungsdienst 1956 bis 1962

( Seiten 27-32 )

Seit 1950 war ich auf dem Brienzer- und seit 1956 auch auf dem Thunersee zuhause.  Hier ein kurzer Bericht über meine Seeerfahrung: Schon während meiner Schulzeit war ich befreundet mit einem der ersten Motorbootbesitzer auf dem Brienzersee. Das Boot war ein Eigenbau aus Holz, fünf Meter lang, mit einem 8 PS Archimedes Aussenbordmotor. Mit dem Besitzer Hans Schmocker fuhr ich oft schon morgens, vor Tagesbeginn und vor der Schule hinaus zum Fischen oder zum Holzsammeln. Bereits damals habe ich meine ersten Erfahrungen mit den Tücken vom Brienzersees gemacht. Nach meiner Lehrzeit als Motorenmechaniker in der SIM AG in Bern habe ich in Brienz das erste Mal am Motor vom Täggelibock gearbeitet. Der Auspufftopf der Maschine wurde bei längeren Fahrten, besonders beim Schleppen von Holz-Flössern, oft rot-warm, was ein Brand im Maschinenraum zur Folge hatte. Deshalb wurde ich vom Besitzer beauftragt, einen Wassergekühlten Auspuff anzufertigen. Mit den damaligen Mitteln keine leichte Aufgabe. Ich war sehr stolz auf diese Arbeit, nicht ganz zu Unrecht, denn der Auspuff hält noch heute noch nach 60 Jahren. Zugleich war ich von diesem Schiff begeistert und fasziniert. Nach der Lehre und der Rekrutenschule verdiente ich mein erstes Geld an der Grimsel, nach der Fertigstellung der Handeckstaumauer. Mit einer Acetylen- und einer Sauerstofflasche am Rücken kletterte ich in den Felsen herum. Meine Aufgabe bestand darin, für Franken 2.80 die Stunde (damals ein Spitzenlohn) alle ins Erdreich gerammten Eisenteile abzubrennen und zu sammeln. Arbeitszeit 9 Stunden am Tag sowie Kost und Logis frei. Von dieser Arbeit in der freien Natur

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und der guten Entlöhnung war ich begeistert. Ich bekam Muskeln wie ein Bär, was mir später in der Unteroffiziersschule sehr nützlich war. Von diesem hart verdienten Geld, kaufte ich mir mein erstes Boot, und das noch bevor ich im Besitz eines Motorrades oder eines Autos war. Damals arbeitete ich vorübergehend in der Garage Egon Grossniklaus in Brienz. Dort fand ich in einem Fass mit Alteisen einen amerikanischen 8 PS Aussenbordmotor. Die Pleuelstange war gebrochen und der Zylinder hatte ein Loch. Die Autogarage meines Vaters war maschinell gut eingerichtet, mit zwei Drehbänken und einer Fräsmaschine. Diese Maschinen waren in einem nicht mehr sehr guten Zustand und ich habe sie nach Beendigung meiner Lehre gründlich revidiert. Dort fertigte ich eine neue Pleuelstange an, bohrte den oben  geschlossenen Zylinder aus und passte eine Gewindebüchse aus Guss ein. Drei Wochen arbeitete ich nach Feierabend an meinem Motor. Zu meiner Freude konnte ich ihn wieder zum Leben erwecken.  Der Dämpfer kam Ende des Monates, meine Mutter zog mir 30.- Franken vom Lohn ab. Wie meine Eltern mir eröffneten, für Werkstattbenützung und Stromverbrauch. Bei einem damaligen Stundenlohn von Fr.1.90  und Stromkosten von 3 Rappen pro kWStunde fand ich das etwas happig. Aber eben, meine Eltern waren sehr sparsam. Also hatte ich mein erstes Motorboot. Es war ein Stufengleiter, 4 Meter lang und 1,5 Meter breit. Mit einer Person belastet, kam es auf ein Tempo von fast 40 Kilometern Damals eines der schnellsten Boote auf dem Brienzersee. Ich war sehr stolz, aber das Boot hatte einen Nachteil. Mit ein bis zwei Personen belastet und meinem 8 PS Lokwood Aussenbordmotor bestückt, kam die Stufe in der Bootsmitte aus dem Wasser und das Boot wurde sehr schnell, mit drei oder mehr Personen war es mit diesem Motor eine lahme Ente. Deshalb kaufte ich ein Jahr später mit meinem im Autohandel verdienten Geld einen neuen 18 PS Mercury Aussenbordmotor und übernahm gleichzeitig die Mercury Vertretung für den Brienzersee.  Im Winter 1952/53 baute ich mir ein Rennboot. Leider wollten meine Eltern mir den Raum wo früher unser Nachbar Herr Zumbrunn eine Wagnerwerkstatt betrieben hatte, die „Wagnerbudig“, nicht für den Bau zur Verfügung stellen. So mietete ich mich bei einem befreundetem Nachbarn Artur Streich ein. Artur Streich betrieb am Burgseeli eine Schreinerwerkstatt. Er wollte kein Geld von mir, dafür bat er mich, ihm als Gegenleistung Fahrschule zu geben. Ich war damals bereits im Besitz sämtlicher Kategorien und bereitete mich für die Fahrlehrer-Prüfung vor, ich hatte viele Fahrschüler. Das Boot hatte das  Aussehen

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einer Rakete, es war 4,2 Meter lang und 1.2 Meter breit, ebenfalls ein Stufengleiter, mit Platz für 1 bis 2 Personen. Wir tauften es auf den Namen „Smoky“. Ich versah es mit einem 40 PS Aussenbordmotor und mit gut 75 Stundenkilometer war es damals absolut das schnellste Boot auf dem Thuner und dem Brienzersee. Die ersten Probefahrten machte ich auf dem Burgseeli Goldswil im Frühjahr 1953 was sehr viele Zuschauer anlockte. Danach wechselte ich mit dem Boot auf den Brienzersee und einige Mal auch auf den Thunersee. So auch an einem Sonntag im Mai 1953. Auf dem Thuner- und Brienzersee war noch keine Seepolizei stationiert, aber es waren neue Vorschriften in Kraft getreten. So die Uferzonen: bis 300 Meter vom Ufer betrug die erlaubte höchst Geschwindigkeit  10 km/h. Von da an war die Geschwindigkeit frei.  Wildhüter „Farni“ hatte die Aufgabe, mit dem zweitschnellsten Boot, (45 km/h.) diese neue Vorschrift zu überwachen. Mit 70 km/h fuhr ich mit einem Freund über den See und Herr Farni beobachtete uns, wie er später auf dem Gericht aussagte, mit dem Fernglas. So etwas Schnelles hatte er auf dem See vorher nie gesehen, da musste er ein Exempel statuieren. Er verfolgte uns. Ich stoppte einige Male, wartete schätzungsweise 300 Meter vom Ufer bis er sich mit seinem Boot auf 100 Meter genähert hatte und stach danach Vollgas in den See hinaus. So auch beim Kanderkies, wo ich bei einer Markierungsboje, welche ich auf die vorgeschriebene Distanz schätzte, anhielt. Bis zu dieser Stelle verfolgte er mich, doch danach hat er aufgegeben. Am Nachmittag erschien Herr Farni bei der Wasserskischule Neuhaus und sagte zu mir er müsse mich anzeigen, wegen Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit in Ufernähe. Ich antwortete, Herr Farni, tun Sie was sie nicht lassen können, aber ich werde Einspruch einlegen. Der Wildhüter tat es und wir gingen zusammen in Thun vor Gericht. Ich sagte, die besagte Boje sei mindestens 300 Meter vom Ufer verankert gewesen und Herr Farni behauptete das Gegenteil. Der Richter war ein weiser Mann, er hat folgende Entscheidung getroffen.  Dieses sei der erste Fall wegen den neuen Vorschriften, welcher vor dem Gericht ausgehandelt werde. Er wolle es deshalb genau wissen. Er werde zu einer neuen Verhandlung am Tatort aufbieten und meinen Freund Hans Amacher als Zeuge vorladen. Dazu werde er auch das Militär beiziehen um Messungen zu machen. Gesagt getan, einen Monat später begaben wir uns wieder mit dem Boot zu der Boje. Ich sagte, an dieser Stelle sind wir gestanden und Hans Amacher

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bestätigte es. Herr Farni sagte, 30 Meter näher gegen das Ufer. Das Militär machte Messungen und kam zu folgendem Schluss: nach meinen Angaben waren wir 310 Meter vom Ufer und nach den Angaben vom Wildhüter waren es 280 Meter. Viel Aufwand um nichts! Ich wurde mit Entschädigung freigesprochen und die Kosten bezahlte der Staat. Ich war immer dafür, dass auf dem See Ordnung herrscht. Ich habe selbst immer versucht, mich an die Vorschriften zu halten. Jedoch hatte ich etwas dagegen, dass man mich, nur weil ich schnelle Boote hatte, als Sündenbock abstempelte und dass ich deshalb für andere bezahlen sollte. Zudem war es für den Kläger eine Lehre, sicher war er in der Folge vorsichtiger mit Anzeigen, der Richter hat ihn auch dazu ermahnt. 1957 an einem schönen Wasserskitag habe ich den Bootsführer in Bönigen zum Essen abgelöst, plötzlich kommt ein Kind gerannt und ruft: im Strandbad ist jemand ertrunken, bitte kommen Sie sofort. Ich startete den Motor und fuhr die 200 Meter zu der Stelle. De Leute am Ufer riefen mir zu er habe um Hilfe gerufen und sei dort verschwunden. Ich sprang ins Wasser und auf 8 Meter Tiefe sah ich ihn liegen. Am Ufer machten wir Mund zu Mund Beatmung und nach ein paar Minuten kam er zu sich. Es war ein 18-jähriger deutscher Feriengast. Seine Eltern bedankten sich bei mir und spendeten dem Wasserskiclub Bönigen 100,- Franken. Einen traurigen Einsatz hatten wir 1960 auf dem Brienzersee. Fünf junge Burschen aus Brienz wollten im Winter gegen Mitternacht mit einem Ruderboot von Brienz zu einer Tanzveranstaltung nach Iseltwald rudern. Das Boot war monatelang am Ufer gelegen und deshalb nicht mehr dicht. So kam es, dass sie nach kurzer Zeit auf See mit den Füssen im Wasser standen. Zum Schöpfen war nichts da, also wurde schnell gerudert. Doch das reichte nicht, auf halbem Weg, 100 Meter vom Ufer, kenterte das Boot und die 5 Burschen befanden sich im 6 Grad kalten Wasser. Vier Mann hofften das Ufer schwimmend zu erreichen, der fünfte konnte nicht schwimmen, hielt sich am gekenterten Boot fest und hat um Hilfe gerufen. Das rettete ihm das Leben. Ein Fischer, welcher sich in Ebligen auf dem Weg von der Wirtschaft nach Hause befand, hörte die Hilferufe. Er machte sein Fischerboot flott und konnte den total unterkühlten Jungen, welcher sich noch immer an dem gekenterten Boot klammerte retten. Seine vier Kameraden ertranken. Vom Seerettungsdienst Brienz wurde ich aufgeboten, mich mit meinem Wasserskiboot an der Suche nach den Vermissten zu beteiligen. Ich besorgte auf dem Flugplatz ein Bergungsgerät. Zwei Handwinden mit Kurbeln und mit 5mm Drahtseilen. Diese waren am untern Ende mit einem 20 Meter langen Drahtseil

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verbunden, mit zwei Bleigewichten an den Enden. An diesem Drahtseil waren im Abstand von einem Meter je ein starker Dreiangel aus Stahl befestigt. An der Unfallstelle wurde das Gerät bis auf den Grund abgesenkt, das bei einer Seetiefe von 100 Metern. Auf den Windentrommeln befanden sich je 150 Meter Drahtseil, die restlichen 50 Meter wurden abgespult. Der seitliche Abstand von unseren Booten betrug ungefähr 30 Meter und so fuhren wie ganz langsam los. Zwanzig bis 30 Meter spürte man den Widerstand vom Seegrund, danach ging es widerstandslos weiter. Ich machte den Vorschlag, auf dem Flugplatz längere Drahtseile zu besorgen, weil der Wasserwiderstang das Suchgerät von Seegrund abhob, aber man wollte mir nicht glauben. Am dritten Tag sagte ich zu den Männern, so mache ich nicht weiter, das sei eine Alibiübung mit wenig Erfolgsaussichten und würde nur den Angehörigen Kosten verursachen. Darauf erwiderte der Teamchef von Brienz, die Übung werde abgebrochen.  Im Juni 1959, das Wasser war noch kalt, wurde um 17 Uhr von Genf ein Sturm gemeldet. Ich begab mich zum Neuhaus, der Bootsführer machte gerade Feierabend. Der See war spiegelglatt, doch am Berghang von Därligen hatten sich ein paar Quellwolken gebildet, was sehr verdächtig war. Ein deutscher Tourist hatte gerade beim Neuhaus sein Gummiboot mit Aussenbordmotor „gewassert“ und war dabei, mit seiner Frau und zwei Kindern einzusteigen. Ich begab mich im Laufschritt zu ihnen und sagte, sie würden besser nicht ausfahren, von Genf sei eine Sturmwarnung gekommen. Er antwortete: Das Boot ist unsinkbar und ich bin schon oft bei starkem Wind ausgefahren. Er startete den Motor und ist losgefahren. Das war um 18.30, um 19.15 Uhr fiel der sogenannte „Därliger“ Sturmwind über den Berg herunter und innert ein paar Minuten hatten sich auf dem See Wellen von gut 150 cm aufgetürmt. Ich dachte, hoffentlich sind die Leute rechtzeitig in einen Hafen eingelaufen. Um sicher zu sein, startete ich den Motor und kreuzte Richtung Balmholz und von dort in Richtung Leissigen. Mitten auf dem See hörte ich Hilferufe und hielt darauf zu. Zum Glück hatte der Wind ein wenig nachgelassen, aber es war immer noch Windstärke sechs und Wellen von über einem Meter Höhe.  Bald sah ich ein Boot randvoll mit Wasser und im Wasser sitzend der deutsche Tourist mit seiner Familie. Ich half ihnen in mein Boot und fahre auf dem kürzesten Weg mit ihnen zurück zum Neuhaus. Natürlich waren sie bis auf die Haut durchnässt und die Lufttemperatur war höchstens 15 Grad. Er sagt immer wieder: Holen Sie mein Boot, nehmen Sie mein Boot in Schlepp. Ich antworte ihm, bei diesem Seegang kann ich das nicht riskieren. Das Leben von ihren Kindern und ihrer Frau sind mir wichtiger als ihr Boot. Im Neuhaus angekommen hat der Mann sich bei Herr Talhauser beschwert,

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ich habe sein Boot im Stich gelassen. Dieser hat ihm dann gehörig die Meinung gesagt. Ich fuhr sofort noch einmal raus, um mich um das Boot zu kümmern. Doch es war zu spät, an den Felsen beim Balmholz wurde es total zerschlagen. Was ich abends um 22 Uhr zum Neuhaus zurück brachte, war ein Haufen Schrott ohne Motor. Als der Mann sich weigerte die Bergungskosten von 180 Franken zu bezahlen hat Herr Talhauser die Polizei gerufen.  An einem schönen Sommersonntag 1961 löste ich den Bootsführer vom Seebad ab. Mit einem Wasserskifahrer am Zugboot fuhr ich vom Startsteg Richtung Bönigen. Auf der Höhe vom „Depotseeli“ standen mehr als 50 Menschen am Ufer, ruderten mit den Armen und winkten uns ans Ufer. Ich nahm das Gas zurück, zog den Wasserskifahrer ins Boot und fuhr zum Ufer. Schon von weiten haben mir die Leute zugerufen, im „Seeli“ sei jemand ertrunken. Ich begab mich zur angegebenen Stelle, dort stand bereits ein Freund mit meinem Tauchgerät, welches er 100 Meter weiter in meinem Zelt geholt hatte. Zuerst wollte ich wollte frei tauchen, aber man sagte mir, der Mann sei über 100 Kilogramm schwer, also streifte ich das Tauchgerät über. Die Sicht betrug von den vielen in Schlamm wühlenden Füssen in Ufernähe kaum 50 cm. Das Tauchgerät ist vorher seit Monaten nicht benutzt worden, deshalb klemmte ein Ventil. Ich bekam keine Luft und schob die Maske aus dem Gesicht. In neun Metern Tiefe spürte ich einen Körper, welcher mit angewinkelten Knien auf dem Rücken lag. Ich unterlief mit meinem Arm sein Kniegelenk und strampelte mit ihm nach oben. Ohne Schwimmflossen und mit einem unbrauchbaren Tauchgerät am Rücken keine leichte Aufgabe. Zehn Meter vom Ufer konnte ich endlich Luft schnappen. Am Ufer standen bestimmt 200 Menschen in Badehosen, aber obschon ich ziemlich erschöpft war, hat mir keiner geholfen den Mann ans Ufer zu bringen. Der Arzt stand bereits dort, konnte jedoch nur den Tod feststellen. Wie sich später herausstellte durch Herzschlag. Das sind einige von vielen Einsätzen, davon einer mit tödlichem Ausgang. Beim zweiten haben wir dem Segellehrer der Segelschule Hilterfingen und seinem Schüler das Leben gerettet.

 

Die Beschreibung davon findet man im Kapitel 4: Die Wasserskischulen & weitere Lebensrettungs-Aktionen und in Kapitel 5  Pfadfinderlaufbahn.

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Ende Kapitel 3

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Kapitel 4

Die Wasserskischulen

( Seiten 33-40 )

Beim Hotel Neuhaus Unterseen am Thunersee, betrieb der damalige Pächter Herr Talhauser seit dem Jahre 1955 zusammen mit Herrn Emil Zeiter, dem Besitzer der Autogarage Zeiter in Interlaken, die Wasserskischule Neuhaus. Ich war damals im Besitz eines kleinen Motorbootes mit einem 18 PS-MercuryAussenbordmotor. Damit machten wir die ersten Versuche im Wasserskisport. Mit der Leistung dieses Motors war das jedoch eine etwas mühsame Sache. Also baute ich mir im Winter 1955/56 etwas ganz Spezielles: ein Rennboot. Es bestand aus einem glasfaserverstärkten Sperrholzrumpf, war 4 Meter lang und 120 cm breit, im Boden mit einer Gleitstufe. Das Boot rüstete ich mit einem 40 PS-Mercury-Aussenbordmotor aus. Im Frühjahr 1956 wurde es auf den Namen „Smoky“ getauft. Unternehmungsfreudig wie ich immer war, baute ich im Frühjahr 1956 beim TCS Campingplatz in Bönigen einen Wasserskisteg und gründete die Wasserskischule Bönigen. Neben der Wasserskischule  im Neuhaus war das die zweite Wasserskischule auf dem Bödeli, mit anfänglich 30 Mitgliedern. Im Sommer 1956 kaufte ich mit einem Bankkredit ein gebrauchtes amerikanisches Wasserskiboot mit sehr guten Fahreigenschaften. Dieses glasfiberverstärkte Boot war 4,3 Meter lang, mit einem 40 PS-MercuryAussenbordmotor ausgerüstet und man konnte damit auch Rundfahrten mit Touristen machen. Von nun an benutzten wir das Rennboot „Smoky“ nur noch bei Demonstrationen oder wenn Hochbetrieb herrschte. Im Frühjahr 1957 wurde mir von den Herren Talhauser und Zeiter die Wasserskischule Neuhaus zum Kauf angeboten. Weil Herr Talhauser als Geschäftsmann wusste, dass der Wasserskibetrieb ihm im Sommer sehr viele Gäste brachte - an schönen Tagen war der Restaurantgarten immer bis zum letzten Platz mit Zuschauern besetzt - boten sie mir das Geschäft zu günstigen Bedingungen an. Ich willigte ein und machte den Handel mit Hilfe eines Bankkredites. Das Boot war mit einem Innenbordmotor von 110 Pferdestärken ausgerüstet. 

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Leider konnte ich nicht an zwei Orten gleichzeitig wirken. Deshalb stellte ich für die Wasserskischule Neuhaus einen Studenten als Bootsführer ein. Herr Talhauser anerbot sich, diesen für zwei Franken pro Tag zu verköstigen und stellte uns einen Raum für Material und Unterkunft zur Verfügung.  Zur gleichen Zeit erweiterte  ich die Wasserskischule Bönigen zu  den Wasserskischulen Bödeli. Ich entwarf einen 40-seitigen Mitgliederpass und begann Mitglieder zu werben. Diese bezahlten einen Jahresbeitrag von 37.50 Franken und erhielten dafür 15 rote Marken à Fr. 2.50. Für jede Fahrt von fünf Minuten wurde den Mitgliedern der Wasserskischulen vom Bootsführer eine Marke entwertet. Danach konnten sie beliebig viele blaue Marken an 3.50 Franken kaufen und einkleben. Dieses System bewährte sich sehr gut. Der Bootsführer wurde entlastet und brauchte nur von den Touristen Bargeld einzukassieren. Im Herbst 1957 berichtete mir der Bootsführer vom Neuhaus, dass sein Innenbordmotor stottere. Gemeinsam fuhren wir zu einer Kontrollfahrt hinaus. Auf der Höhe von Sundlauenen entfernte ich die Motorenabdeckung und stellte fest, dass vom Benzinfilter Benzin ins Bilgewasser tropfte. Ich ordnete an, sofort zurückzufahren, damit ich den Schaden reparieren konnte. Als der Bootsführer den Motor wieder starten wollte, gab es einen Knall, wir befanden uns im Wasser und das Boot brannte lichterloh. Das Kursschiff „Interlaken“ fischte uns aus dem Thunersee und beförderte uns als Gratispassagiere  zurück ins Neuhaus. Das Boot brannte aus bis auf die Wasserlinie. Zu meinem Glück hatte der Vorbesitzer, Herr Talhauser, eine Kaskoversicherung abgeschlossen. Im Winter 1957/58 baute die Bootswerft Müller AG in Spiez  ein neues Boot nach meinen Angaben mit einem 185 PS-Interceptor-Innenbordmotor. Die Wasserskischule zählte nach kurzer Zeit 150 Mitglieder und nach dem zweiten Sommer waren bereits 260 im Verein eingeschrieben. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Seepolizei und der Seerettungsdienst wurde von Privatleuten betrieben. Mit dem Kauf der Wasserskischule Neuhaus  übernahm ich auch den Seerettungsdienst für den oberen Thunersee und zugleich für den Brienzersee von Interlaken bis Iseltwald. Wenn ein Sturm im Anzug war wurde ich von den Flugplätzen Genf oder Dübendorf telefonisch benachrichtigt. Ich begab mich sofort zum Boot im Neuhaus oder in Bönigen, je nachdem von wo der Sturm gemeldet wurde, und das zu jeder Tageszeit, von morgens 6 Uhr bis abends um 10 Uhr. Für diese Dienstleistung bezahlte mir der Kanton Bern im Jahr 300.- Franken und das Kurkomitee Interlaken sicherte mich mit einer jährlichen Defizit-Garantie von 2000.- Franken ab. Herr Hess Verkehrsdirektor von Interlaken, wünschte, dass ich als Gegenleistung die Leitung der Segelschule Neuhaus übernahm. Diese war Mitglied der Segelschulen Thunersee und stand unter dem Patronat des Kurkomitees Interlaken. Über die Rettungseinsätze gäbe es viel zu berichten . 

 

(Kap..3 „Meine Zeit im Seerettungsdienst“)

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Bei aller Bescheidenheit darf ich sicher erwähnen, dass ich in den sechs Jahren im Seerettungsdienst mindestens sechs Menschen auf dem Thuner- und Brienzersee das Leben gerettet habe. Nebenbei erwähnt, konnte ich bereits mit 14 Jahren im Burgseeli in Goldswil meine erste Lebensrettung vollziehen. Der gerettete Junge, Ueli Grossmann, war damals ein Jahr älter als ich und wesentlich grösser. Die Lehrerin hatte uns strengstens verboten von diesem Vorfall etwas zu Hause zu erzählen. Damit verbunden war die Drohung, dass wir sonst nie mehr mit der Schule baden gehen würden. Vor einigen Jahren traf ich Ueli Grossmann, inzwischen bereits 70 Jahre alt, zufällig bei einem Krankenbesuch im Spital Interlaken. Er dankte mir bei dieser Gelegenheit das erste Mal für die Lebensrettung. Zwei Wochen später verstarb er. Weil niemand je über den Vorfall gesprochen hatte, glaubte ich er sei längstens vergessen.  Beide Seen haben ihre Tücken und können sehr gefährlich sein. Von vielen Einsätzen und Erlebnissen auf dem Thuner und Brienzersee möchte ich nur zwei hier erwähnen, eines davon ein sehr trauriges Ereignis. Im Frühjahr 1959 wurden rings um den Thunersee die Sturmwarnungsampeln montiert. Der Segellehrer der Segelschule, Herr Rupp, war vom Verkehrsverein Interlaken angestellt, ein sehr guter Segler, aber auch ein risikofreudiger Mann.  Als Leiter des Seerettungsdienstes beobachtete ich eines Tages, wie der Herr Rupp bei einer Sturmwarnung sein Boot auftakelte. Unverzüglich ordnete ich an, dass er mit dem Boot im Hafen bleibt. Ein paar Tage später wiederholte sich dieselbe Übung. Der Segellehrer antwortete mir, er habe von Herrn Zbinden, (Sekretär vom Verkehrsverein) die Erlaubnis erhalten auszufahren wenn er es verantworten könne. Ich kochte vor Wut, begab mich sofort ans Telefon und habe Herrn Helbling, den Präsidenten der Segelschule Thunersee angerufen und ihm mitgeteilt, dass ich unter diesen Umständen jede Verantwortung ablehnen müsse. Ein paar Wochen später begab ich mich mit dem Bootsführer in die Bootswerft Müller AG nach Spiez, um unser Wasserskiboot auszuwassern und die Antriebsschraube auszuwechseln. Auf einmal, von einer Minute auf die andere, brachen mehrere Sturmböen über den Bootshafen, einige Bäume wurden entwurzelt und diverse Segelboote an den Bojen wurden losgerissen. Das ist nicht übertrieben, denn in diesen Jahren gab es oft noch Stürme wie ich sie später nie mehr erlebt habe. Wir waren gerade mit der Arbeit fertig und dabei das Boot zu wassern, als Frau Müller kam und uns mitteilte, ihr Mann sei bereits mit dem Rettungsboot im Einsatz, doch soeben haben habe sie noch einen Notruf erhalten. Ein Segelboot sei 300 Meter vor dem Elektrizitätswerk gekentert.  Bei annähernd 2 Meter hohem Seegang kreuzten wir in dieser Richtung. Auf einmal sah ich wie sich eine Mastspitze von einem gekenterten Boot für einen Moment vom Wasser abhob. Wir hielten darauf zu und sahen, wie sich zwei Männer an einem gekenterten Boot festklammerten. Jede neu ankommende Welle zog sie fast vollständig aus dem Wasser. Auf Bootslänge entfernt, beobachteten wir, wie der eine der beiden Männer im Wasser verschwand. Ich sprang ins Wasser, tauchte ab und

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bekam ihn an den Haaren zu fassen. Gemeinsam mit meinem Bootsführer zogen wir die beiden in unser Boot und brachten sie zurück nach Spiez. Es waren der Segellehrer der Segelschule Hilterfingen und ein Segelschüler. In Spiez angekommen, meldete uns Frau Müller, wir sollten sofort zurück zum Neuhaus, es sei ein Unglück geschehen. Als wir dort ankamen, meldete man uns, die Segelyacht der Segelschule Interlaken sei 200 Meter vor dem Neuhaus untergegangen, Herr Rupp, der Segellehrer sei ertrunken, sein Segelschüler habe sich schwimmend ans Ufer retten können. Ich war sehr froh, dass ich mich bei Herrn Helbling rückversichert hatte. Ein paar Wochen später hatten wir in Hilterfingen eine Sitzung wegen diesem Unglück. Nach kurzer Zeit versuchte Herr Zbinden als Vertreter des Verkehrsvereins mir eine Mitschuld zu zuweisen. Aber der Präsident, Herr Helbling, stellte die Sache richtig und ich wurde entlastet. Trotz sehr intensiven Suchaktionen konnte der Segellehrer Rupp nie gefunden werden. Der Mitgliederbestand der Wasserskischule erhielt wie oben erwähnt ständig Zuwachs und zählte 1959 bereits über 260 Mitglieder. Wir veranstalteten jede Woche verschiedene Demonstrationen. An einem Abend im Neuhaus und danach in Därligen. Diese wurden mit einem Hochseescheinwerfer vom Hotel Harder-Kulm aus angestrahlt und zusätzlich mit Magnesiumfackeln und Scheinwerfern am Ufer beleuchtet. Eine Demonstration dauerte jeweils eine Stunde. An weiteren Abenden wurden die Darbietungen in Bönigen, Ringgenberg oder Iseltwald und Brienz durchgeführt. Neben der Beleuchtung durch die Scheinwerfer am Ufer hielten die Fahrer farbige Magnesium-Fackeln in den Händen.  Das Programm begann mit einem Sechserstart auf Monoskis, wobei jedes Zugseil um einen Meter verkürzt war, so dass die Fahrer gegenseitig über die Zugseile springen konnten. Danach wurden einige Akrobatikfiguren gezeigt, so die Fünfer- und später sogar die Sechser-Pyramide (1962 als erste solche Darbietung in Europa). Der Abschluss bildete in der Regel die Sensation im Programm:  „Der Todessturz bei 90 km/h“. Ein Monoskifahrer mit einem 60 Meter langen Zugseil holte nach rechts aus bis annähernd auf die Höhe des Zugbootes. Darauf steuerte der Bootsführer ebenfalls nach rechts und der Monofahrer zog voll nach links und überholte das Boot um einige Meter. Durch das verlängerte Zugseil bekam der Wasserskifahrer eine höhere Geschwindigkeit als das Zugboot. Bei der höchsten Geschwindigkeit zog der Monoskifahrer die Füsse aus den Bindungen, kugelte sich zusammen und spickte als menschliche Kugel drei bis vier Mal über die Wasseroberfläche bevor er eintauchte. Die Verkehrsvereine der betreffenden Ortschaften bezahlten jeweils pro Demo 150.- Franken an meine Ausgaben. Zudem verkauften die Klubmitglieder Abzeichen unter den Zuschauern. In der Folge zeigten einige Mitglieder der Schule Interesse für die Teilnahme an den  Schweizerischen Wasserskimeisterschaften. Das bedingte aber, dass man in einem eingetragenen Wasserskiclub Mitglied sein musste. Also gründeten wir neben

 

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der Wasserskischule noch den Wasserskiclub Interlaken. Für den Anfang konnte ich Herrn Hess, Verkehrsdirektor von Interlaken, als Präsidenten gewinnen. Im Frühjahr 1959 kaufte ich zwei weitere Motorboote und eröffnete die  Wasserskischulen Hilterfingen und Brienz. Als Bootsführer stellte ich Studenten ein, welche vorher einen Kurs bei mir absolvierten. Leider war es nicht einfach diese zu kontrollieren. Der Aufwand an Material, Benzin sowie der Verschleiss und die Reparaturen wurden mir zu gross, weil die Sache doch sehr wetterabhängig war. So betrieb ich von 1959 an nur noch die Wasserskischulen Neuhaus und Bönigen. Im selben Jahr eröffnete ich ein Wassersportgeschäft im Hotel Savoy in Interlaken.  Im Frühjahr 1958 konnte unser Wasserskiclub vom Wasserskiclub Montreux eine gebrauchte Sprungschanze für 300.- Franken erwerben. Ich erstellte mit meinen Leuten oberhalb vom Restaurant Seebad einen Bojenslalom. Das war keine leichte Aufgabe. An vier Bojen mit je zweihundert Kilogramm Auftrieb, welche auf dem Grund zwischen 10 und 120 Meter Tiefe verankert waren, wurde ein Rechteck aus Spezialdrahtseil von, wenn ich mich recht erinnere, 267 Meter Länge und 42 Meter Breite 1.5 Meter unter dem Wasserspiegel gespannt. An den Längsseiten wurden die Markierungsbojen an 1.5 Meter langen Strupen auf den Zentimeter genau befestigt. In der Mitte des Drahtseilrechteckes spannte man ebenfalls zwei etwas leichtere 267 Meter lange Drahtseile, mit 2.5 Meter Abstand. An diesen Seilen wurden die Durchfahrtsbojen für das Zugboot befestigt. Die Sprungschanze wurde neben dem Slalom montiert und ebenfalls am Grund verankert. Zur gleichen Zeit zog sich Verkehrsdirektor Hess als Präsident zurück, mit der Begründung, er möchte einem aktiven Mitglied Platz machen. Das wurde von einigen Mitgliedern begrüsst, weniger von mir. Ich übernahm im Club das Amt des Trainers und des technischen Leiters. Als Präsident wurde Theo Mühlemann, ein Versicherungsagent, aus Bönigen gewählt. Nun konnte es losgehen.   Im Herbst 1959 beteiligte sich unser Wasserskiclub das erste Mal an den schweizerischen Wasserskimeisterschaften. Mit gutem Erfolg: Drei von unserem Club kamen in die vorderen Ränge. Zu den Mitgliedern der Wasserskischule (vom Club getrennt) konnte ich auch einige bekannte Personen zählen. So den Gerichts- und Kurkomitee-Präsidenten Herrn Dr. Zollinger so wie einige Hoteliers, Anwälte und Beamte. Im August 1958 hatten die Rotarier in Interlaken ein Treffen. Herr Dr. Zollinger sagte zu mir, sie hätten ein Kursschiff gemietet und möchten, dass wir, der Wasserskiclub, den Anlass mit einer kleinen Demonstration etwas auflockern. Ich machte ihm den Vorschlag, selber mitzuwirken. Mein Vorschlag: „Eine Hochzeitgesellschaft auf Wasserski“. Er war einverstanden und konnte auch noch Herrn Hofmann, Besitzer vom Hotel „Du Lac“ Interlaken, dazu überreden mitzumachen. Als das Schiff vom Restaurant Seebad Richtung Bönigen fuhr, starteten wir beim Restaurant Seebad mit einem Siebenerstart. An erster Stelle der Gerichtspräsident Herr Dr. Zollinger, ein grosser breitschultriger Mann, mit Brautschleier als Braut

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verkleidet. Neben ihm Herr Hofmann, ein eher schmächtiger Herr im Frack mit Zylinder und Spazierstock als Bräutigam. Zwei Meter dahinter kamen der Pfarrer und die Trauzeugen, dann die Hebamme mit ihrem Köfferchen und zuhinterst das Kindermädchen mit dem Kinderwagen. Nachdem wir das Kursschiff zweimal umrundet hatten, versenkte ich die ganze Prozession sehr langsam im Wasser. Alle tauchten unter und Herr Hofmann streckte an seinem Spazierstock nur noch seinen Zylinderhut aus dem Wasser. Es war ein toller Erfolg! Zu dieser Zeit habe ich auch noch eine Wasserskischule in Hilterfingen betrieben. Beim Restaurant Seebad am Brienzersee fuhren hauptsächlich die Clubmitglieder, im Neuhaus die Schulmitglieder und die Touristen. Der Wasserskiclub verursachte mir sehr viel Arbeit und grosse Unkosten. Ein hoher Materialverschleiss und  wegen den hohen Fahrgeschwindigkeiten auch einen grossen Benzinverbrauch. Zudem habe ich Lehrlinge und Studenten, welche an Meisterschaften teilnehmen wollten, stundenlange Gratistraining angeboten. Mit anderen Worten, der Club war für mich kein Geschäft. Aber ich hatte viel Freude am sportlichen Erfolg der jungen Leute. Das Restaurant Seebad befindet sich auf Boden der Gemeinde Interlaken. Die Naturstrasse, welche dazu führt, verläuft jedoch zum grossen Teil über den Boden der Gemeinde Bönigen. Durch den stark erhöhten Autoverkehr brauchte die Strasse natürlich vermehrten Unterhalt, was zu Lasten der Gemeinde Bönigen ging. Diese war verständlicher Weise nicht mehr bereit, die ständig wachsenden Mehrkosten für diesen Unterhalt zu übernehmen. Deshalb  machten sie mir den Vorschlag die Strasse zu asphaltieren. Die Hälfte der Kosten, zirka 3500.- Franken, sollten die Besitzer vom Seebad, Herr und Frau Freiburghaus und der Wasserskiclub übernehmen, die andere Hälfte wollte die Gemeinde Bönigen beisteuern.  Weder der Wasserskiclub noch Herr Freiburghaus waren bereit etwas zu bezahlen. Meinerseits hatte ich mit dem Wasserskiclub Umtriebe und Spesen genug und konnte mich nicht finanziell beteiligen. Um zu verhindern, dass die Strasse von Bönigen mit einem Fahrverbot belegt wird, habe ich dann die Schlaglöcher während der Sommermonate jeweils mit meinen Arbeitern ausgebessert. Das Material bekamen wir von Bönigen zur Verfügung gestellt. An den Schweizermeisterschaften 1959 in Zug kam Interlaken wieder in die vorderen Ränge. An der nachfolgenden Generalversammlung in Montana wurde beschlossen die Meisterschaften 1960 in Interlaken durchzuführen. Das war für mich natürlich eine Herausforderung. Ich habe alles darangesetzt, die Veranstaltung mit meinen Angestellten und einigen freiwilligen Club- und Schulmitgliedern bis ins kleinste Detail zu organisieren. Nach den Meisterschaften haben wir zwei Tage aufgewendet, um den Strand aufzuräumen und die Zufahrtstrasse auszubessern. Die Meisterschaften waren nicht zuletzt auch für unsere Teilnehmer ein voller Erfolg. An der nächsten Hauptversammlung des schweizerischen Wasserskiverbandes lobte der Präsident die Organisation und die idealen

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Windverhältnisse beim Seebad. Darum wurde beschlossen in Zukunft die Schweizermeisterschaften jedes Jahr in Interlaken zur Durchführung zu bringen Es kam jedoch anders. An der Hauptversammlung unseres Wasserskiclubs wurde beschlossen, dass der Club ein eigenes Boot kauft. Ein Hotelier, dessen Tochter eine sehr aktive Fahrerin war, erklärte sich bereit, das Wasserskiboot von der Firma Bösch zu finanzieren und seine Tochter sollte vom Wasserskiclub als Bootsführerin eingesetzt werden. Dieser Vorschlag wurde von den anwesenden Stimmberechtigten mit 43 gegen 40 Stimmen angenommen. Ich gratulierte der Versammlung zu diesem Beschluss, und versicherte, dass es unter diesen Voraussetzungen sicher das Beste sei, wenn ich mich als aktives Vorstandmitglied zurückziehen würde, jedoch dem Wasserskiclub als Passivmitglied ohne besondere Aufgabe und Verpflichtung weiterhin  treu bleibe und meinen Beitrag bezahlen würde. Der Wasserskisteg sowie die bestehenden Anlagen könne der Club kostenfrei übernehmen und in Zukunft in eigener Arbeit unterhalten.  Die nächsten Meisterschaften besuchte ich als Zuschauer. Ein paar Wochen danach verhängte die Gemeinde Bönigen ein Fahrverbot über die Strasse. Wie mir der Gemeindepräsident von Bönigen mitteilte, musste die Gemeinde zwei Mann für mehr als zwei Tage bezahlen, um den Strand vom Restaurant Seebad bis zum Strandbad Bönigen aufzuräumen und in Ordnung zu bringen. Der Wasserskiclub Interlaken ist ein Jahr später eingegangen. Herr Dr. Zollinger teilte mir später mit, dass das Kurkomitee bereit gewesen wäre einen Kostenanteil für die Asphaltierung der Strasse zu übernehmen. Nach meinem Rücktritt hätten sie jedoch davon abgesehen. Ich möchte noch erwähnen, dass es auch im Wasserskiclub Interlaken Leute gab, welche bereit gewesen waren an Unterhaltungsarbeiten mitzuarbeiten. Aber es brauchte auch jemanden, der sie angespornt und organisiert hätte. Von nun an betrieb ich nur noch die Wasserskischule Neuhaus. Bereits in der dritten Saison arbeitete ein Student aus Holland als Bootsführer bei mir. Für das Hotel Neuhaus war der Wasserskibetrieb eine Fundgrube. Sehr viele Gäste kamen nur zum Hotel Neuhaus, um diesem Betrieb, mit den kopfüber ins Wasser purzelnden Wasserskianfängern oder den tollkühnen Akrobatikfahrern zuzusehen.  Im Herbst 1961 begab sich Herr Talhauser in Pension. Sein Nachfolger Herr Bruderer kündigte mir den Vertrag auf und verlangte sogar eine Platzgebühr und für die Verköstigung des Bootsführers 25.- Franken pro Tag.  Ich sprach mit Herrn Ritschard, dem Besitzer vom Campingplatz Manorfarm. Darauf stellte ich an das Amt für Verkehr das Gesuch, die Wasserskizone vor den Campingplatz Manorfarm zu verlegen, was auch umgehend bewilligt wurde. Im Neuhaus gab es ein Wasserskistartverbot. Bereits im Sommer 1962 eröffnete mir Herr Ritschard, er müsse für jedes Fahrzeug welches den Campingplatz überquere zwei Franken verlangen. Deshalb stellte ich auch dort den Betrieb ein.

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Anlässlich der Bootsausstellung im Jahre 1963 in Zürich traf ich den Präsident des Schweizerischen Wasserskiverbandes, Herr Burger, und er hat mich zum Mittagessen im Ausstellungsrestaurant eingeladen. Er bedauerte sehr, dass es das Wasserskizentrum Interlaken Seebad nicht mehr gab. Er versicherte mir, dass der Platz beim Seebad für Meisterschaften absolut ideal gewesen sei. Die ersten Meisterschaften in Interlaken seien sehr gut organisiert gewesen und der Verband hätte bereits in Erwägung gezogen, Interlaken für die nächsten Europameisterschaften in der Schweiz vorzuschlagen.  Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Im Jahre 1963 habe ich mich wieder den Pfadfindern der Abteilung Unspunnen und den Rovern des Oberlandes gewidmet. Viele interessante Übungen gemacht, eine 12 Meter lange Brücke mit vier Tonnen Tragkraft am Grünenberg ob Habkern gebaut. Danach habe wir das Ledischiff „Täggelibock“ zu einem Wohn- und Ausflugsboot umgebaut, welches noch heute mit seinem 83-jährigen Benz-Motor im Sommer seine Fahrgäste erfreut. 

 

(Kapitel 5 meine Padfinderlaufbahn)

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Ende Kapitel 4

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Kapitel 5

Meine Pfadfinderkarriere und der Täggelibock

 

1938 trat ich der Pfadfinderabteilung „Unspunnen“ Interlaken bei. 1941 legte ich die OP-Prüfung ab. Ich war Spezialist im Anschleichen, deshalb wurde ich auf den Namen Jaguar getauft. Ich war ein eifriger Pfadfinder, konnte jedoch in meinen letzten Schuljahren leider die Übungen nicht mehr jeden Samstag besuchen. Meine Eltern waren Besitzer der Burgseeli-Garage in Goldswil und am Wochenende wurden meine bescheidenen Kräfte dort benötigt.  1945, am 16. April begann ich eine Lehre als Motorenmechaniker in der Sim AG in Bern. Ich lernte einen Stammführer der Pfadfinderabteilung „Patria“ Bern kennen. So kam es dass ich mich jeden freien Samstagnachmittag als Hilfsstammführer betätigte. In Herbst 1946 absolvierte ich bei „Patria“ einen Stammführerkurs. Im dritten Lehrjahr erinnerte ich mich an etwas. Während meiner Aktivzeit bei Unspunnen Interlaken zeigte uns der damalige Abteilungsleiter, Viktor Hag unsere Abteilungsfahne mit der eigenhändigen Unterschrift von „Lord Baden Powell“ dem Gründer der Pfadfinderbewegung.  1948. Ich hatte im Jahr zwei Wochen Ferien, ich entschloss mich diese zu nutzen um eine Kundschaft über die Abteilung Unspunnen zu machen. Ich begann im Juli in Interlaken, begab mich anschliessend nach Bern, wo ich zwei Tage an der Gerechtigkeitsgasse im Pfadfinderarchiv stöberte. Danach fuhr ich mit dem Fahrrad nach Köniz zum  damaligen Abteilungsleiter Herbert H. Schubnell, „Hebi“ genannt. Von dort ging es nach Langental zum Direktor der Kamgarnspinnerei „Viktor Hag“ (Abteilungsleiter während des 2. Weltkriegs.). Ich fuhr mit dem Fahrrad weiter nach Basel zu Herrn Beldi (Bankprokurist), Mitbegründer unserer Pfadfinderabteilung. Er zeigte mir die Tresore seiner Bank

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und erzählte mir einiges aus den Gründungsjahren von Unspunnen. Ebenfalls besuchte ich den Direktor der Beatushöhlen, Herrn Hartmann, welcher ebenfalls zu den Gründern gehörte so wie auch Herr Rauber, damals Lebensmittelgeschäft am Höhenweg gegenüber der Drogerie Messerli. Herr Rauber war der erste Abteilungsleiter von Unspunnen.  Was ich in Erfahrung gebracht habe war ausserordentlich aufschlussreich. Im Pfadfinderarchiv suchte ich zwei Tage in allen „Kim“-Ausgaben (PfadiZeitschrift) seit deren Erscheinen im Jahr 1919 nach Vermerken über  die Abteilung Unspunnen. Dort fand ich auch einen Bericht über den Besuch von BiPi (Lord Baden Powell) in Interlaken, dem Gründer der Pfadfinderbewegung. Dabei waren Fotos vor dem Hotel Beau-Rivage und die Reden von BiPi sowie vom Bundespräsidenten, Dr. Häberlin, welche ich abgeschrieben habe. Ich fand dort ebenfalls sehr interessante Berichte über Führerausbildung und MitgliederBestände unserer Abteilung, In einem Dossier von über 40 Seiten habe ich die Geschichte von Unspunnen, von der Gründung bis zum damaligen Zeitpunkt mit allen Führern, Kursen und Anlässen festgehalten. Vermutlich habe ich insgeheim gehofft, mich mit dieser Arbeit für die Interlakner Pfadfinder wieder etwas interessant zu machen, das Echo kam jedoch erst ein paar Jahre später. Im Sommer 1949 machte ich in Thun die Rekrutenschule, ich wurde zu den Schweren Motorwagen eingeteilt. Eigentlich wollte ich zu einer Panzergrenadier-Einheit, doch weil ich damals bereits im Besitz des LKW Ausweises war landete ich bei den schweren Motorwagen. Ich nahm Verbindung mit den Rovern der Abteilung Berchtold Thun auf und trat der Roverrotte „Zorro“ bei. Unser Rottmeister war der Sohn des Schlossverwalters und unsere Rottenbude befand sich zuoberst in einem der vier Türme vom Schloss Thun. Nach der Lehre und der Rekrutenschule verdiente ich mein erstes Geld an der Grimsel, nach der Fertigstellung der Handeckstaumauer. Mit einer Acetylen- und einer Sauerstofflasche am Rücken kletterte ich in den Felsen herum. Meine Aufgabe bestand darin, für 2.80 Franken in der Stunde (damals ein guter Lohn) alle ins Erdreich gerammten Eisenteile abzubrennen und zu sammeln. Arbeitszeit 9 Stunden am Tag, Kost und Logis frei. Von dieser Arbeit in der freien Natur und der guten Entlöhnung war ich begeistert. Ebenfalls war es ein sehr gutes Konditionstraining für die nachfolgende Unteroffiziersschule. In den folgenden Jahren habe ich, soviel meine Freizeit es erlaubte, bei den Rovern in Thun aktiv mitgemacht. Meine Zeit war jedoch wegen der Autogarage meiner Eltern sehr beschränkt. 1950 kaufte ich ein Unfallmotorrad, BSA 500,

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Jahrgang 1938, für 300.- Franken. Ich habe die Maschine total zerlegt, den Rahmen gerichtet und das Ding wieder fahrtüchtig gemacht. Über Pfingsten 1951 machte ich mit Adolf Ritschard, einem Rover von Interlaken mit dem neu zum Leben erweckten BSA meine erste Fahrt ins Ausland. Wir fuhren über den Simplonpass nach Genua. Später habe ich den BSA für Geländefahrten umgebaut. Im Winter habe ich mit dieser Maschine Demonstrationen auf dem Eis vom Burgseeli gemacht. Ebenfalls habe ich es im Hondrich als Skilift verwendet.  Im Sommer 1951 nahm ich mit der Thuner Roverrotte „Zorro“ am Kampf um das Schweizerische Roverschwert in Zürich teil. Ich verdiente damals den Unteroffiziersrang ab und bekam für diesen Anlass Urlaub.  In 24 Stunden absolvierten wir einen 72 Kilometer Fussmarsch mit vielen Posten, Aufgaben und Hindernissen ohne eine Stunde Schlaf. Kurz vor dem Ziel hatten wir eine Meinungsverschiedenheit. Ein Teil der Rotte wollte eine Abkürzung von etwa fünf Marschkilometern nehmen. Es handelte sich um einen bewaldeten Hügel von etwa 200 Metern Höhe, nach der Karte mit einigen sehr steilen Felspartien. Es war kurz nach fünf Uhr morgens. Nach kurzer Diskussion einigten wir uns, die Rotte zu teilen. Wir wählten den längeren Weg und die andern drei haben sich für die „Erstbesteigung“ entschieden. Am Ziel, gegen Mittag haben wir eine Stunde auf die Abtrünnigen gewartet. Sie mussten vor einer Felsbarriere kehrt machten. Von 70 teilnehmenden Rotten kamen wir „nur“ in den zweiten Rang. Danach reisten wir glücklich und zufrieden nach Hause. Den guten Platz haben wir gewonnen weil unsere Rotte sowohl sehr gut in Kondition und auch ziemlich zusammengewürfelt war. Sie bestand nämlich aus zwei Studenten, einem Lehrer und drei Handwerkern, was uns an den Posten grosse Vorteile gebracht hatte.  Nach dem Abverdienen übersiedelte ich für sechs Monate in die französische Schweiz, nach St Aubin. Ich arbeitete in einer Bremstechnikfabrik. Dort hatte ich viel Freizeit. Also trat ich dem Roverharst St. Aubin bei. Dort wurde ich Panther genannt, weil die Aussprache des Namens in der französischen Sprache einfacher ist. Dieser Pfadfindername ist mir bis heute geblieben. In St. Aubin machte ich auch die Roverhike-Prüfung, ein Fussmarsch vom Freitag auf Samstag nach Bern und meine Kundschaft über die Pfadfinderabteilung Unspunnen wurde mir als schriftliche Arbeit angerechnet. Mit den Pfadfindern von Interlaken hatte ich zu dieser Zeit praktisch keine Verbindung. Ich wusste allerdings, dass es auch in Interlaken ein Rover-„Stamm“ (wie er damals genannt wurde) gab und kannte eine Roverrotte mit dem Namen

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" Pax.“ Wie ich fand, passte ihre Mentalität jedoch nicht zu meinem abenteuerlichen Temperament. An einem Unterhaltungsabend von Berchtold in Thun 1959 lernte ich Karl Plattner aus Interlaken kennen. Er war Sekundarschullehrer und gehörte der Rotte „Pax“ an. Seit dieser Zeit hatte ich viel Kontakt mit der Familie Plattner. Er war ein kleiner, sehr nervöser Mensch, bereits gegen die fünfzig und ein total angefressener Pfadfinder. Er wurde von den Pfadfindern „Casimir“ genannt, allerdings hörte er diesen Namen nicht gerne, er wollte, dass man ihn „Kari“ nannte. Seine Frau wurde „Propeller“ genannt, und kein Name hätte besser zu ihr gepasst. Sie hatte die Aufsicht über die Pfadfinderinnen, war immer in Bewegung und sehr rechthaberisch. Ich war immer wenn es mir möglich war, am Freitagmittag bei ihnen zum Kaffee eingeladen. Dabei wurde viel über Pfadfinder Angelegenheiten diskutiert. Was mir bei Plattners sehr Eindruck machte, war ihr grosser Familienzusammenhang, was ich bei uns zuhause sehr vermisste. Es ergab sich auch, dass Kari mich bat, ihm für eine Weile die Unterlagen meiner Abteilungskundschaft zu überlassen. Natürlich machte ich das gerne, aber ich habe sie nie wieder gesehen. Ich möchte Kari Plattner allerdings nicht unterstellen, dass das böse Absicht war. Er war ein sehr guter ehrlicher Mensch, aber auch ein zerstreuter Professor und immer sehr nervös. Praktisch zur gleichen Zeit lernte ich eine junge Roverrotte von Interlaken, die „Troubadours“ kennen. Ich begleitete sie oft mit meinem Auto wenn sie auswärts aufspielten. So auch an den Grand Prix Brunnenhof (Nationaler Musikwettbewerb) in Zürich, wo sie den ehrenhaften zweiten Rang erkämpften. Sie waren sehr stolz, hatten jedoch das Gefühl sie hätten den ersten Rang verdient. Sowohl durch die Familie Plattner wie auch durch die Rotte „Troubadours“ fühlte ich mich bei den Pfadfindern in Interlaken bald wieder zu Hause. Anfangs der sechziger Jahre, zu „Karis“ Zeit als Sekundarschullehrer, hatte die Abteilung Unspunnen einen sehr guten Bestand; 90 % der Pfadfinder waren Sekundarschüler. Aber weil die Führerkurse fehlten bestand Führermangel. Es wurde geflüstert, dass „Kari“ den Pfadfindern bessere Noten geben würde. Lange hielt ich das für ein Gerücht. Doch später, zu meiner Zeit als Harstführer - „Kari“ war bereits Lehrer am Gymnasium - rief er mich einmal an und fragte mich, ob der Sohn vom Pächter des Hotels Neuhaus bei den Rovern sehr aktiv sei. Auf meine Frage warum, antwortete er, er sei gerade dabei die Zeugnisnoten zu machen. Kari Plattner war für mich ein guter Freund, aber ich muss sagen, dass

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mich das etwas beschäftigte. Natürlich habe ich mit ihm danach auch darüber gesprochen. Nach der Eröffnung des Gymnasiums in Interlaken wurde Kari zum Gymnasiallehrer gewählt. Er war sicher ein ausgezeichneter Lehrer, hatte jedoch etwas Mühe die Übersicht zu behalten und es war schwer für ihn, die Disziplin bei den Schülern aufrecht zu erhalte. Die Schüler mit etwas weniger Gehirnmasse nahmen ihn zu wenig ernst was ihn sehr kränkte. Ich glaube, das war auch ein Grund, warum er sich bei den Pfadfindern so intensiv einsetzte. Der Roverharst hatte damals auf dem Papier einen Bestand von 85 Rovern. Die einzige Jahresaktivität von denen ich wusste, war der alljährliche Ruchensteinlauf. 1960 haben an diesem sportlichen Ereignis 15 Rover teilgenommen. Ebenfalls wurde von der Abteilung jährlich ein Elternabend im Kursaal organisiert und ein Korbballturnier des Roverstamms veranstaltet. Eine eigene Tätigkeit der Roverrotten bestand praktisch nicht, mit Ausnahme der Troubadour. Es ist noch zu erwähnen, dass von den bestehenden neun Roverrotten sechs im Durchschnitt über zwanzig Jahre alt waren. Zu dieser Zeit hatte Unspunnen keinen Abteilungsleiter. Kurze Zeit übernahm Benedikt Horn dieses Amt, Doch vermutlich wegen seines Studiums konnte er diese Aufgabe nicht lange bewältigen. Karl Plattner war praktisch mit seiner Familie alles in einem. Er war Präsident des Eltern-Komitees, seine Frau Führerin der Pfadfinderinnen, die Tochter „Meise“ Führerin der Wölfe und der Sohn „Raki“ Hilfsstammführer 1962 Bei einem Kaffeebesuch bei der Familie Plattner, kamen wir überein, einen grossen Bazar zu veranstalten. „Kari“ beabsichtigte, im Sommer 1963 mit den Pfadern, wie bereits zwei Jahre vorher, in Frankreich ein Sommerlager zu organisieren. „Propeller“ seine Frau schlug vor, über Winter mit den Pfadfindern und Pfadessen Bastelarbeiten anzufertigen und diese an einem Bazar zu verkaufen. Ich sah darin kein grosses Geschäft und habe vorgeschlagen, in der „Peter Ober Allee“ (Höhenmatte) zehn bis zwanzig originelle Wettbewerb-Stände aufzustellen. Nach einigem Hin und Her beschlossen wir die Sache zu teilen. Ich war bereit, mit den Rovern das Geschäft mit den Ständen und die Überwachung des gesamten Bazars zu organisieren (drei Nachtwachen), stellte jedoch die Bedingung, dass mit dem Reingewinn dieses Anlasses ein Heimfonds angelegt wird und dieser nicht, wie vorgeschlagen, für ein Sommerlager Verwendung findet. Ebenfalls sollten die beiden Geschäfte mit getrennten Kassen geführt werden. „Propeller“ organisierte mit der übrigen Abteilung die Bastelarbeiten und ihr Verkauf.

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Der Bazar an der Peter Oberallee Herbst 1962 . 

 

Dank dem grossen Einsatz wurde das ganze zu einem vollen Erfolg mit 22.000.- Franken Reingewinn. Der Verkaufsstand von „Propeller“ und ihren Truppen hatten einen Reingewinn von 320.- Franken erzielt, obschon sie sich mit ihren Leuten voll eingesetzt hatten und sicher im Gesamten wesentlich mehr Arbeit geleistet hatten als ich mit den Rovern, blieb nach Abzug vom Material und Spesen für die gewaltige Bastelarbeit nur ein so kleiner Gewinn. Von den 100 schönen uniformierten 30 cm grossen Pfadfinderpuppen wurden 30 Stück verkauft, auch von den andern mit viel Geduld und Mühe angefertigten Gegenständen ist auch noch einiges übrig geblieben. Nach diesem Anlass wurde wie beschlossen ein Bankkonto für einen Heim-Neubau eröffnet. 1963  Im Frühjahr 1963 war wieder ein Elternabend im Kursaal Interlaken auf dem Abteilungsprogramm. Ich war ja noch nicht Mitglied von Unspunnen, deshalb machte ich nicht sehr aktiv, aber doch als Berater mit. Als ehemaliges Vorstandsmitglied der Bernischen Lehrlingsvereinigung hatte ich mit solchen Anlässen (Bern Kursaal und Casino) etwas Erfahrung. Der Abend wurde unter der Leitung von Frau Plattner „Propeller“ und der Rotte Troubadour sehr gut vorbereitet. Leider gab es jedoch nach kurzer Zeit Spannungen zwischen den beiden Parteien. Ich versuchte schlichtend einzuwirken, indem ich den Vorschlag machte, die Kompetenzen zu teilen. „Propeller“ übernahm und leitete die Darbietung der Pfadfinderinnen und die Troubadours den Rest der Abteilung. Der Abend wurde wieder zu einem Erfolg. Der Theatersaal vom Casino Interlaken war bis zum letzten Platz besetzt und der Reingewinn annähernd 2000.- Franken. Dieser Betrag wurde ebenfalls dem Heimfonds gutgeschrieben, Am nächsten Tag, einem Sonntag, organisierten die „Troubadours“ einen Katerbummel nach Därligen. Leider haben sie vergessen die Familie Plattner zu diesem Anlass einzuladen und das ging verständlicherweise gründlich daneben. Bei Plattners hatte „Propeller“ die Hosen an was ich bei meinen vielen Kaffeebesuchen bereits feststellen konnte.  Ein paar Wochen nach dem Unterhaltungsabend, erhielten die drei aktivsten Troubadour Rover einen Einschreibbrief von K. Plattner in dem ihnen ihr Ausschluss aus der Pfadfinderabteilung Unspunnen mitgeteilt wurde. Die drei, alle eifrige Pfadfinder und Führer, waren über dieses Vorgehen von „Kari“ sehr erstaunt und erbost. Sie wehrten sich mit einem Rekurs an die Bezirksleitung, welcher ich damals auch angehörte. Es war naheliegend, dass ich

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als einziger Interlakner in diesem Gremium mit der Untersuchung der Angelegenheit, im Namen der Bezirksleitung, beauftragt wurde. Es war für mich keine leichte Aufgabe. Ich wurde plötzlich von beiden Parteien als Freund der Gegenseite angesehen. Ich gab mir alle Mühe, der Sache absolut neutral und ohne Vorurteile auf den Grund zu gehen und kam zu folgendem Ergebnis: Das Eltern-Komitee mit Herr Plattner als seinem Präsidenten, existierte bereits seit Jahren, aber leider nur auf dem Papier, wie mir Herr Pfarrer Meier (Vizepräsident) berichtete. Er und die auf diesem Papier aufgeführten Komitee Mitglieder versicherten mir, Herr Plattner habe sie vor Jahren einmal um die Mitgliedschaft gebeten aber zusammen- gekommen seien sie nie. Sämtliche ehemaligen Abteilungsführer, welche mit den drei ausgeschlossenen Rovern gearbeitet hatten, konnten mir nur das beste Zeugnis über sie ausstellen. Der Ausschluss wurde von der Bezirksleitung einstimmig rückgängig gemacht mit der Begründung, dass es nicht angehe dass bewährte Vereinsmitglieder von einer Einzelperson wegen persönlichen Differenzen ausgeschlossen würden. Die drei gaben danach von sich aus den Austritt. Von dem Moment an wurde ich von „Propeller“ nicht mehr gegrüsst. Wie ich glaube ging es danach mit der Gesundheit von Karl Plattner bergab. Knapp zwei Jahre später ist er nach einer Blinddarmoperation an einem Nervenleiden gestorben. Das hat mich sehr beschäftigt und ich habe dafür gesorgt dass er ein würdiges Pfadfinderbegräbnis bekam und die Bi-Pi Fahne persönlich in sein Grab gesenkt. Seine Frau, „Propeller“ hat mir nie verziehen und meine Kundschaft habe ich nie zurück bekommen. Zwei Jahre später ist sie mit 54 Jahren ebenfalls gestorben.  Im Sommer 1963 habe ich bei einem zufälligen Treffen mit dem damaligen Roverstammführer „Sugus“ nebenbei erwähnt, ich finde es sollte etwas mehr Aktivität im Roverharst und den Roverrotten angestrebt werden. Es sei sonst zu befürchten dass die jungen Rover zu anderen Organisationen abwandern. Das hätte ich besser nicht gesagt. Kurze Zeit später fragte er mich ob ich während seiner Abwesenheit in der Offiziersschule seine Vertretung übernehmen könne. Eigentlich wollte ich ablehnen, ich hatte damals bereits mein eigenes Geschäft und nicht sehr viel freie Zeit zur Verfügung. Ich überlegte mir jedoch dass ich ihn kritisiert hatte und  nun musst du beweisen dass man mit den jungen Leuten deutlich mehr erreichen kann. Also sagte ich zu. 

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im Juli 1963 übernahm ich den Roverstamm Unspunnen, wie ich glaubte während der Abwesenheit von „Sugus“, aber  es dauerte 20 Jahre. Der Brückenbau  Ich suchte sofort nach einer grösseren Aufgabe für die jungen Leute, welche auch etwas abenteuerlichen Charakter aufweisen sollte. Bald fand ich am Grünenberg oberhalb Habkern eine 10 Meter lange Brücke aus morschen Baumstämmen und mit Steinplatten belegt. Diese diente, wie ich in Erfahrung gebracht habe, einer Alpgenossenschaft zur Begehung ihrer Lombachalp mit dem Viehbestand.  Umgehend begann ich mit den Vorbereitungen. Die Gemeinde Habkern spendete das Holz, Unterseen stellte eine fahrbare, motorisierte Drahtseilwinde zur Verfügung. Von der Baufirma Hoch & Tiefbau AG konnte ich jeweils am Freitag das benötigte Werkzeug und das Material abholen. G. Brentel Gemüsehandlung, hat uns einen Lieferwagen geliehen. Ich selber stellte den grossen Landrover, eine Motorsäge, meinen Privatwagen, mein Organisationstalent und meine Zeit zur Verfügung. So ging es los. Auf mein Rundschreiben traten zum ersten Wochenende am Samstagmorgen um acht Uhr 16 Rover beim Hotel Drei Schweizer an. Das voller Erwartung der Dinge die da kommen werden. Zwei Rover begaben sich mit der Seilwinde im Schritttempo (3 Stunden), über Habkern Die restlichen wurden per VW Transporter und mit meinem Privatwagen zur Brücke transportiert. Dort angekommen teilte ich die Mannschaft in fünf Gruppen ein. Drei Mann befreiten die Brücke von den Steinplatten, zwei Mann richteten die Motorwinde ein und verankerten diese. Drei Mann bereiteten den Bau eines Kranes vor, weitere zwei Mann bereiteten die in der Nähe stehende Alphütte für die Übernachtung und die Malzeiten vor und der Rest kam mit mir, um die vorher von mir ausgewählten und vom Revierförster angezeichneten Bäume zu fällen und zu entasten. Die Brücke hatte ein Gewicht von ca. 10 Tonnen. Um das Unternehmen etwas interessanter zu gestalten, bauten wir einen Kran aus Baumstämmen. Dieser bestand aus einem 10 Meter langen, sehr starken Baumstamm, welcher mit dem untern Ende im Boden eingelassen und senkrecht aufgestellt wurde. Am oberen Ende wurden 10 Drahtseile befestigt, welche wir im Umkreis von 280 (nicht 360) Grad am Boden verankerten. Am untern Ende des Stammes wurde ein acht Meter langer, ebenfalls starker, Stamm als Ausleger angebracht. An den oberen Enden der beiden Stämme befestigten wir eine Dreifache-Drahtseilrolle,

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so dass das Ganze einen Flaschenzug bildete. So konnte die ganze Brücke mit dem Ausleger durch die Motorwinde angehoben und mit einem am Ausleger befestigten Habeggerzug um 80 Grad auf die Seite geschwenkt und zwecks Entsorgung deponiert werden. Danach wurden die gefällten Baumstämme entrindet, mit der Seilwinde und Umlenkrollen zum Arbeitsplatz geschleppt. Beim Kranbau kam es zu unvorhersehbaren Problemen, weil die Kranbauer nicht genau nach meinen Anweisungen gearbeitet hatten, was eine Verzögerung zur Folge hatte. So ergab es sich, dass wir die Arbeitsplanung bis am Sonntagabend nicht ganz einhalten konnten. Auf dem Heimweg machten wir Halt in Habkern und genehmigten im Restaurant Bären noch einen „Schoppen“.   Zwei Rover meldeten, sich sie haben in der kommenden Woche Urlaub und würden gerne am Montag weiterarbeiten. Ohne ein Wort stand ich auf, begab mich zum Telefon und rief den Personalchef vom Militärflugplatz an. Fünf der Rover arbeiteten damals als Lehrlinge auf den Flugplatz. Ich konnte mit der frohen Botschaft zurückkehren, dass die Lehrlinge vom Flugplatz am Montag unbezahlten Urlaub hatten. So konnten wir die verlorene Zeit wieder aufholen und mein Ansehen bei den jungen Leuten ist noch einmal gewaltig gestiegen. An meinem Geschäft stand am Montag:  Heute geschlossen ! Am nächsten Wochenende ging es weiter. An den folgenden drei Wochenenden wurde die alte Brücke abgehoben, zur Seite geschwenkt, neue Fundamente gemauert, die drei bis vierhundert Kilogramm schweren Baumstämme mit dem Kran eingebaut. Zum Schluss wurden 90 kleine Tannen gefällt, geschält und mit 30 cm langen Nägeln quer zu der zehn Meter langen und drei Meter breiten Brücke aufgenagelt. Es ist noch zu erwähnen, dass an den drei weiteren Wochenenden jeweils zwischen 30 und 40 Rover mitgearbeitet haben.  Am letzten Arbeitswochenende wurde unsere Brücke nach dem grossen Aufräumen der Umgebung eingeweiht. Nebst den Gemeinderäten von Habkern, mit ihren Gemahlinnen waren eine ganze Menge prominenter und weniger prominenter Leute anwesend. So der Kantonale Rover Kommissar, der Bez. FM. Weitere Besucher welche von dem Ereignis gehört hatten und natürlich auch die Presse glänzte mit ihrer Anwesenheit. Zur Eröffnung rollte ein 3,5 Tonnen LKW vollbeladen mit 40 Rovern langsam über die Brücke. Die Belastungsprobe war bestanden, die Feier konnte beginnen. Verschiedene Reden wurden gehalten, viele Fotos gemacht und ich wurde vom KRK zum Rover-Kommissar befördert. Ich meinerseits hatte auch

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einige Beförderungen zu tätigen. Die Gemeinde Habkern spendete Brot, Hobelkäse und Wein. Ein fünf Kilogramm schwerer Braten am Spiess (meine Spezialität,) wurde von den Frauen der Gemeinderäte sehr gelobt. Einige Tage später berichteten viele Zeitungen, so auch der „Brückenbauer“, über unsere Brücke. Der Stammhöck „Harsthöck“ Anfangs Oktober im Jahr 1963 kurz nach der Fertigstellung der Brücke, trafen sich die Rover von Unspunnen zum jährlichen Stammhöck im Pfadfinderheim. Auf Wunsch der Kantonsleitung wurde bei dieser Gelegenheit der „Roverstamm“ Unspunnen in „Roverharst“ Unspunnen umbenannt. Der Aufenthaltsraum im Pfadfinderheim war berstend voll, 72 Rover haben sich zu diesem Anlass in die Präsenzliste eingetragen. Eigentlich wollte ich die Führung des Harstes wieder an U. Rohrer „Sugus“ übergeben, dieser weigerte sich jedoch mit der Begründung, seine Militärkarriere sei noch nicht beendet. Ich wurde bedrängt, als Harstführer weiterzumachen. Ich willigte ein, mit der Bedingung, dass die Rover bereit sein müssten, eine grössere Aufgabe über längere Zeit dauernd zu übernehmen. Dies allerdings sehr zum Nachteil meines jungen Wassersportgeschäfts. Ich schlug die Instandsetzung und den Umbau des letzten Ledischiffes auf dem Brienzersee, dem Täggelibock, vor. Ich war jedoch bereit, auch andere Vorschläge zu diskutieren. Weil ich geahnt hatte was da auf mich zukommen würde, ging ich nicht ganz unvorbereitet an den Stammhöck von Unspunnen. Zum selben Zeitpunkt 1963 las ich in der Zeitung, dass die BLS beabsichtige das Kurschiff „Beatus“ abzubrechen. Ich überlegte mir, dass das Deck dieses Schiffes aus Eiche oder Teakholz ist und für den Innenausbau vorwiegend Harthölzer verwendet wurden. Also setzte ich mich mit dem damaligen Schiffsfahrtdirektor vom Thuner- und Brienzersee, Herr Haager, in Verbindung und erkundigte mich, ob es möglich sei, das Holz und die Bullaugen vom „Beatus“ käuflich zu erwerben. Er antwortete: „Das Holz können sie gratis haben. Der Alteisenhändler bezahlt uns mehr, wenn das Holz entfernt ist. Für die Bullaugen bezahlen Sie 30.- Franken für das Stück“. Also kam ich zum Schluss, dass der Täggelibock mit viel Arbeit und wenig Geld gerettet werden kann.

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Anmerkung: Das Schiff Täggelibock kannte ich gut. Ich hatte als junger Motorenmechaniker im Jahr 1950 in Brienz am Motor  gearbeitet und war damals schon von diesem Schiff fasziniert gewesen. Der Täggelibock ist das letzte Ledischiff auf dem Brienzersee, mit einer Länge von 21 Metern, 6 Meter Breite und einem Gewicht von ca. 40 Tonnen. Er wurde 1907 gebaut und diente als Transport- und Schleppschiff. Im Jahr 1959 wurde es von seinem damaligen Besitzer, H. Abegglen Sägereibesitzer in Bönigen wegen Unrentabilität aufgegeben und im Hafen vom Strandbad Bönigen verankert. Das Deck wurde in der folgenden Zeit teilweise von Holzräubern entfernt. Im Sommer 1963 sank es auf Grund. Nur das Steuerhaus und 2 Meter von Bug schauten noch aus dem Wasser.  Zurück zum Harsthöck 1963 Ich umschrieb das Projekt und machte auf die Schwierigkeiten einer gemeinsamen, über längere Zeit dauernden Aufgabe aufmerksam Ich gab auch zu bedenken, dass so eine Aufgabe nur mit grosser Ausdauer, grossem Willen und entsprechender Disziplin bewältigt werden kann. Zudem versicherte ich allen, dass falls sie diesem Projekt zustimmen würden, eine grosse Verantwortung auf mir und auch auf ihnen lasten werde. Das würde mit anderen Worten heissen dass ich bei undiszipliniertem Verhalten hart durchgreifen müsste. Mein Vorschlag: Den Roverharst wird in 3 Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe umfasst die 16 bis 18 jährigen Jungrover, in der zweiten Gruppe werden die Rover und Führer (18-25 Jahre) eingeteilt und in der dritten Gruppe werden die älteren Rover als Seniorenrover geführt, da diese nicht mehr unter die Pfadfinderversicherung fallen (bis zu diesem Zeitpunkt bezahlte die Abteilung für jeden Rover, ob Aktiv oder Passiv, eine Versicherungsprämie von  30.- Fr. pro Jahr). Die Jungrover- und Rover-Rotten werden verpflichtet, sich einmal im Monat an den Arbeiten zu beteiligen. Falls ein Mann verhindert ist, sucht er bei einer anderen Rotte einen Stellvertreter. Anfangs Jahr bekommt jeder Rover das Arbeitsprogramm schriftlich zugestellt. Die Pfadfinderführer und die Seniorenrover werden gerne als Helfer und Organisatoren auf dem Schiff gesehen; jedoch auf freiwilliger Basis. Jede Roverrotte sollte nach Möglichkeit eine Rottenbude haben wo sie sich regelmässig treffen können (darauf komme ich später noch zu sprechen).

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nach kurzer Diskussion wurde abgestimmt mit dem Ergebnis; 75 Stimmen für das Projekt Täggelibock, 3 Enthaltungen, keine Gegenstimme. Es ist zu erwähnen, dass der Roverharst damals 98 Mitglieder zählte, 78 waren anwesend und 4 Rover entschuldigt Bemerkung: Das Protokoll dieser Sitzung habe ich mit sämtlichen anderen Akten in zehn Bundesordnern bei meinem Abschied im Herbst 1982 meinem Nachfolger Urs Mühlemann übergeben (Wo sind sie geblieben?) Leider dachte ich damals nur an die internen Probleme, was ich später sehr bedauern sollte. Das Unternehmen Täggelibock wurde aus Angst vor Konkurrenz von ganz anderer Seite heftig bekämpft.

1964 Der Vennerkurs           

Jährlich wurde vom Bezirk Oberland im Herbst ein Vennerkurs organisiert. Im August habe ich Hansueli von Allmen, den heutigen Stadtpräsident, damals Abteilungsleiter der Thuner Pfadfinder, angerufen, Ich wollte wissen, wie viele Pfadfinder von Interlaken zum Kurs angemeldet wurden. Seine Antwort: „Keine und die Anmeldefrist ist zu Ende.“ Ich war schockiert. Ich wusste, wenn ich von den Pfadfindern keinen Nachwuchs habe ist das Rover-Projekt Täggelibock gefährdet. Also habe ich selber einen Vennerkurs ausgeschrieben. Das Resultat waren 27 Anmeldungen. Die drei damaligen Pfaderstammführer hatten kein Interesse mitzumachen. Zum Glück waren einige Venner bereit, als Mustervenner teilzunehmen. Also bereitete ich diesen Kurs mit einigen Rovern bis ins kleinste Detail vor.  Im Frühjahr 1964 kam der Kurs an drei Wochenenden auf dem Beatenberg zur Durchführung. Am Nachmittag des dritten Wochenendes waren die Eltern eingeladen und staunten über das viele Können und die Pfadfindertechnik welche ihre Söhne an den drei Wochenenden gelernt hatten. Selbst die drei vermissten Pfaderführ waren anwesend und haben interessiert zugeschaut. Im November 1964 organisierten wir eine grosse Abteilungsübung in der Gegend Neuhaus, Manorfarm, Unterseen. Bald darauf wurde ich von der Bezirksleitung zum Bez Rfm. gewählt.  Auch diese Wahl nahm ich nicht ganz ohne Hintergedanken an, ich organisierte kurz darauf ein Bezirks-Arbeitslager auf dem TB.

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Die gut ausgebildeten Venner vom Vennerkurs sowie zwei Mustervenner waren nun Hilfsstammführer und Stammführer, das bewirkte, dass der Bestand der Pfadfinder von Unspunnen kräftig Zuwachs bekam. Im Januar 1965 begab ich mich zu Herrn Lenz, Direktor von  Kursaal Interlaken, um mit ihm unseren nächsten Kursaalanlass zu besprechen. Unspunnen hatte für seine Elternabende immer den Theatersaal benutzt. Herr Dir. Lenz, seine beiden Söhne waren kurz danach auch bei den Pfadfindern, erklärte sich bereit uns den Konzertsaal gratis zur Verfügung zu stellen. Kurze Zeit darauf wurde ich von der Bezirksleitung aufgefordert die Abteilung Unspunnen als Abteilungsleiter zu übernehmen. Weil ich damals gute Pfaderführer hatte und befürchtete, es könnte sonst ein Täggelibock Gegner, die gab es zu diesem Zeitpunkt leider schon, dieses wichtige Amt an sich ziehen, willigte ich ein; nicht zuletzt weil die Aufgaben des AL bereits auf mir lasteten. Die gute Führercrew setzte sich aus den beiden Söhnen von Professor Cottier „Rosso“ und „Büsu“, dem Sohn von Dr. Baumgartner „Bor“ und dem Sohn von Dr. Schneider „Luv“ zusammen. Das war für mich ein Glücksfall, da ich ihnen während ihrer Aktivzeit die Pfadfinderstufe praktisch selbstständig überlassen konnte. Auch in der Wolfsstufe hatte ich fünf sehr selbstständige Führerinnen. Stufenleiterinn der Wolfsmeute war immer noch Denise Plattner, „Meise“ über die sich die übrigen Führerinnen beklagten. Der Unterhaltungsabend im April 1965 im Konzertsaal wurde von den vier Stufen, den Pfadfinderinnen, Wölfen, Pfadfindern und Rovern organisiert und durchgeführt. Der Anlass wurde mit 2800.- Franken Reingewinn wieder zum Erfolg. Der Gewinn wurde zu gleichen Teilen dem Heimfonds und dem Täggelibock gutgeschrieben. Im Mai organisieren wir eine grosse Abteilungsübung auf dem Bödeli. Mit Antreten der ganzen Abteilung beim Westbahnhof. Bei dieser Übung waren natürlich auch die jüngsten, die Wolfsmeute, eingeplant. Dabei kamen Helikopter, Polizeiautos, Privatwagen, die Funkanlage von Alex Ritter und sogar ein „Russischer Agent“ zum Einsatz. Bei der Post wurde eine fahrbare Armeeküche aufgestellt und zum Abschluss der Übung an alle Gulaschsuppe verteilt. Die Pfader waren ausserordentlich erstaunt, dass der von uns gejagte und von der Polizei verhaftete Agent nach einer Stunde wieder aus dem Polizeiposten marschierte und sich ebenfalls eine gratis Gulaschsuppe schmecken lies. Bei dieser Übung gab es ein Vorspiel .

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Zum Vorbereitungshöck erschienen die fünf Wolfsführerinnen, jedoch nicht ihre Chefin, Denise Plattner „Meise“. Ein Anschlag mit den entsprechenden Instruktionen und dem Vermerk „für alle Stufen Antreten Samstag um 14.00 Uhr bei Westbahnhof“, hing am Dienstag am Anschlagbrett. Am Mittwoch teilten mir die Wolfsführerinnen mit, ihre Chefin „Meise“ habe den Anschlag abgeändert und für die Wölfe Antreten um 14.00 Uhr beim Pfaderheim angeordnet. Ich bestellte einen Car für 40 Personen um 13.45 Uhr zum Pfadfinderheim. Zudem die fünf Wolfsführerinnen und ein paar Rover. Ich erteilte ihnen folgenden Auftrag: „Sobald die Wölfe erscheinen, verfrachtet ihr sie in den Car und bringt sie um 14.05 zum Westbahnhof“. Dazu habe ich die Bezirks Wolfsführerin gebeten, dass sie „Meise“ am Platz  beruhigen möchte. Es funktionierte fantastisch, von der „Meise“ haben wir nachher nichts mehr gehört. Einen weiteren Vennerkurs haben wir 1966 bei der Jugendherberge Bönigen durchgeführt, auch diesen haben 38 Pfadfinder besucht. An dieser Stelle könnte man noch diverse Abteilungsübungen, JFm-, RJFm-Kurse sowie einige Gutetatübungen erwähnen. Während der Bauzeit vom Täggelibock hatte ich sicher nicht zuletzt dank der Kurse ein sehr gutes Führerteam. Ich konnte den Stufenführern und Führerinnen ihre Aufgabe praktisch selbstständig überlassen. Dazu ist zu sagen, dass ich. während dieser Zeit auf strenge Disziplin in allen Stufen grossen Wert gelegt habe. Anfangs der siebziger Jahre bei Beginn der sogenannten „Antiautoritären Welle“ hatte ich grosse Befürchtungen. Denn ich war überzeugt, dass dieser Trend für unsere Bewegung nur negative Auswirkungen haben kann. Deshalb habe ich mich nicht an die neuen Bundesweisungen betr. Disziplin gehalten sondern die Zügel sogar etwas gestrafft.  Der Erfolg zeigte sich 2 Jahre später. Die Pfadfinderabteilungen Brienz und Spiez sollten wegen Führermangel geschlossen werden. Wir hatten einen Führerüberschuss. Ich war also in der Lage, den beiden Abteilungen gegen Entgelt der Reisekosten über längere Zeit je 2 Führer  auszuleihen. 

Das „Bezschwein“. 

Im Herbst 1965 veranstalteten und organisierten wir eine Bezirksübung mit den Rovern vom ganzen Oberland auf den Lombachdelta und dem Gelände Manorfarm. Es kamen Geländefahrzeuge und Motorboote zum Einsatz und ein 70 kg schweres Schwein wurde am  Spiess gebraten. Auch der intelligenteste und der stärkste Rover von Bezirk wurden auserkoren. Danach wurde beschlossen, das

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sogenannte „Bezirksschwein“ jedes zweite Jahr zu wiederholen. Der Anlass kam bis im Herbst 1981 zur Durchführung. Ob später noch ist mir leider nicht bekannt. Ebenfalls wurde während meiner Amtszeit als AL zweimal eine „Roverwache“ abgehalten. Weil dieser Anlass der Geheimhaltung unterstellt ist, kann ich hier nicht Näheres darüber berichten. Das Wachebuch habe ich meinen Nachfolger Beat Mühlemann übergeben.

 

Nun zurück zur Auferstehung des Täggelibock im Herbst 1963.

 

Die Arbeiten am Schiff begannen unmittelbar nach den Harsthöck im Oktober 1963. Zuerst kaufte ich den Täggelibock dem Besitzer H. Abegglen für 300.- Franken ‚wie besichtigt‘ ab und hob es mit Pumpen und mit Hilfe einer Baumaschine vom Kieswerk.  Damals wusste ich auch noch nicht, was ich mit diesem Projekt auf mich geladen habe. Aber ich möchte erwähnen, die Arbeit mit den jungen Leuten war sehr schön und aufschlussreich, sie hat mich in meiner Aufgabe bestärkt und auch ich habe viel dabei gelernt. Der Ärger kam nicht von den Rovern sondern von Behörden, Zweiflern und nicht zuletzt von Neidern. Vom 5. November 1963 an ging es mit voller Kraft voraus. Wir arbeiteten dreimal in der Woche, abends, in verschiedenen Betrieben, Schlosserei, Schreinerei, bei mir am Motor, eine Rotte übernahm das Technische und am Samstag arbeiteten wir auf dem Schiff. Anfänglich lief es viel besser als ich zu denken gewagt hatte. Eine Gruppe von 10 bis 15 Rovern arbeitete fast an jedem Wochenende freiwillig und kleinere Gruppen arbeiteten mit mir zusammen abends in irgendeinem Betrieb an unserem Projekt. Die Antriebsmaschine, ein Benz Zweizylinder Diesel mit einem Gewicht von über 3000 Kilogramm, wurde ausgebaut und in meiner Motorenwerkstatt total zerlegt, gereinigt, jeder einzelne Bestandteil wurde kontrolliert und überholt. Die Pleuellager habe ich selber ausgegossen und ausgedreht (gelernt ist gelernt) und die Sim AG Bern (mein Lehrmeister) hat neue Kolben angefertigt. Die Schiffsschale wurde gründlich gereinigt und um 70 cm von 1,4 Meter auf 2,1 Meter Innenhöhe aufgestockt. Die Eisenspanten wurden entrostet und mit Rostschutzfarbe grundiert. Vom Kursschiff „Beatus“ haben wir leider keinen rostigen Nagel mehr bekommen. Ich hatte jedoch das Glück, bei einem Alteisenhändler welcher im Jahr zuvor ein Kursschiff abgebrochen hat, noch einige Deckspanten fürs Schiffsdeck, (leicht gebogene Eisenträger von 6 Meter Länge) aufzutreiben. Diese wurden zugeschnitten und eingeschweisst. Zum Glück hatte ich die Bullaugen bereits

 

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bezahlt. Herr Hager wollte mir das Geld zurückgeben, aber ich habe auf dem Handel bestanden.

So begannen die Probleme.

An einem Samstag anfangs November besuchte uns Herr Rohrer, der Journalist welcher bereits beim Brückenbau anwesend war. Ohne dass jemand von uns so etwas erwähnt hatte, schrieb er am Ende seines Artikels: „Sie beabsichtigen, später mit Pfadfindern und fremden Gästen Fahrten auf dem Brienzersee zu machen“.  Zwei Tage nach dem Erscheinen des Artikels, erhielt ich einen Einschreibbrief von der BLS-Schifffahrtdirektion in Thun. Auszüge daraus: 

 

„Bei unserer Besprechung glaubte ich, das Schiff würde nicht fahrbereit gemacht, sondern lediglich am Ufer vertäut. Da der Brienzersee für uns defizitär ist lassen wir uns auf keinen Fall eine Konkurrenz erwachsen. Wir raten Ihnen, in Ihrem eigenen Interesse, die Arbeiten einzustellen, denn das Schiff bekommt auf keinen Fall je eine Betriebsbewilligung.“ 

 

Nebenbei erwähnte Herr Hager: Die Ausbauarbeiten auf dem „Beatus“ sind sofort einzustellen (wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Holzausbau begonnen.) 

 

Ich sah vom der rechtlichen Seite kein Hindernis auf uns zukommen, da die BLS nur das Privileg für Kursfahrten, nicht aber für Rundfahrten hatte. Wir beschlossen also weiterzumachen.

 

Drei Wochen später bekam ich einen eingeschriebenen Brief von der Gemeinde Bönigen, das Schiff müsse bis am Ende des Monats aus ihrem Hafen geräumt werden. Es ist zu bemerken, dass ich vor Arbeitsbeginn mit dem Gemeindepräsident von Bönigen, Herr Michel gesprochen habe (er war Vorsteher vom Bahnhof Interlaken Ost und sein Sohn war ebenfalls Mitglied des Roverharsts Unspunnen). Er versicherte mir damals, die Gemeinde Bönigen hätte nichts gegen den Umbau. Ich informierte ihn auch, dass dieser Umbau über längere Zeit - mindestens zwei Jahre - dauern werde. Darauf gratulierte er mir zu dem Unternehmen und wünschte uns Glück. Herr Pfarrer Leuenberger „Akko“ von Thun war damals unser Bezirkspfarrer. Mit „Akko“ begab ich mich nach Bönigen zu Herrn Michel und wir baten ihn, die Kündigung zurückzunehmen. Er antwortete das letzte Wort

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sei leider gesprochen, er könne nichts machen. .Die Arbeiten gingen trotzdem weiter. Als die Seitenspanten und die Deckträger eingeschweisst waren, belegten wir das Deck. Leider konnten wir uns nicht Lärchen- oder sogar Teakholz leisten, weil das zu kostspielig für uns war. Deshalb entschieden wir uns für billigeres Fichtenholz. Die Stämme wurden im Sägewerk zugeschnitten und danach von uns in der Schreinerei Wenger Unterseen bearbeitet. Auch von diesem Unternehmen waren zwei Söhne Mitglieder bei Unspunnen. Die fertigen Bretter wurden auf das Deck aufgeschraubt und mit einem glasfaserverstärkten Polyesterbelag beschichtet. Wenigstens konnten wir nun bei schlechtem Wetter am Trockenen arbeiten. Während des Sommers 1964 wurde auch der obere Teil der Schiffsschale fertiggestellt und die Bullaugen eingesetzt. Auf das Schreiben der Gemeinde Bönigen machte ich ein Gesuch an die Seepolizei, das Schiff in den Hafen beim Restaurant Seebad „Sendli“ wo ich damals eine Wasserskischule hatte, zu verlegen. Das Gesuch wurde mit der Begründung abgelehnt, dass das Schiff nicht vom Amt für Verkehr abgenommen ist und keine Betriebsbewilligung hat, nicht über den See verschoben und auch nicht abgeschleppt werden dürfe. Falls es von Bönigen entfernt werde, müsse das auf dem Landweg geschehen“.

 

Man überlege: ein Schiff 21 Meter lang, 6 Meter breit und 5 Meter hoch mit einem Gewicht von 40 Tonnen!!

 

Also habe ich einen Brief an die Redaktion der Schweizer Illustrierten geschrieben und die Herren um Hilfe gebeten. Das Problem bestand hauptsächlich darin, dass es auf dem Brienzersee nebst Bönigen und dem „Sendli“ keine Möglichkeit gab, wo wir das Schiff sturmsicher verankern konnten. Ich bat sie ausdrücklich, das Problem mit allen beteiligten Parteien zu besprechen und möglichst neutral zu schildern. Der Artikel wurde kurze Zeit später im Juli 1964 veröffentlicht. Eine riesige Überschrift titelte über zwei Seiten

 

„Amtsschimmel reitet über den Brienzersee“.

 

Sogleich wusste ich, dass das der Sache mehr schaden als dienen würde. Die Antwort kam auch postwendend von der Gemeinde Bönigen in Form eines eingeschriebenen Briefs vom Gemeindepräsident. Auszüge daraus:

 

„Wir bitten Sie, das Schiff innert 10 Tagen aus unserem Hafen zu entfernen. andernfalls werden wir es auf Ihre Kosten räumen lassen“.

 

Ich antwortete sofort. 

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Ich habe Ihren eingeschriebenen Brief erhalten und zur Kenntnis genommen. Ich bitte Sie mir mitzuteilen, ob wir den Täggelibock in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen sollen. Das bedeutet, in Ihrem Hafen zu versenken oder anzünden. Ein Abbruch kommt aus zeitlichen Gründen nicht in Frage“.

Bemerkung: Eine Kopie unseres Schriftverkehrs geht an den Schweizerischen Beobachter. Die Reaktion blieb nicht aus. Der Beobachter schrieb ohne etwas zu veröffentlichen sofort fünf Briefe. An den Gemeinderat von  Bönigen, an die Erziehungsdirektion, an das Amt für Verkehr, an die Liegenschaften-Verwaltung und an die Seepolizei Brienzersee.

Rasch folgten nun weitere Reaktionen: 

Ein Schreiben von der Liegenschaft Verwaltung: „Nach Prüfung der Angelegenheit kommen wir zu folgendem Schluss: Sie können das Schiff Täggelibock in den Hafen beim Rest. Seebad Interlaken überführen. Ein Mietvertrag wird Ihnen demnächst zur Unterzeichnung zugestellt. Die jährliche Hafenmiete beträgt Fr. 1020.-„  Dieses Problem war gelöst, jedoch die Schwierigkeiten noch lange nicht ausgestanden. Der Bock war vor der Überführung zum Seebad, hinter der Quaimauer vom Kanderkieswerk in Bönigen festgebunden. Eines Nachmittags erhielt ich ein Telefon vom Campingplatz, es gebe einen Föhnsturm, der Täggelibock habe sich losgerissen. Er sei über die Bucht getrieben und es schlage ihn mit jeder Welle gegen die Mauer. Ich raste nach Bönigen, der Sturm hatte sich noch verstärkt und das Schiff wäre innert einer Stunde Schrott gewesen. Ich sprang aufs Deck, ging hinunter und öffnete auf der Seeseite die Bullaugen, damit das Wasser eindringen konnte. Nach ein paar Minuten legte sich der Bock auf Grund; weil das Wasser dort nur einen Meter tief war sah ich darin kein Problem. Der Innenausbau war damals noch nicht ausgeführt und die Antriebswelle noch nicht montiert, nebst ein paar Schrammen an der Schiffsschale war nichts passiert.

Nachträglich stellten wir fest, dass sich das Schiff nicht losgerissen hatte, sondern alle vier Befestigungstaue durchschnitten wurden.

Über den Fortschritt der Arbeiten am Roverschiff wurde jede Woche in der Zeitung berichtet. Ich hütete mich jedoch, der Presse zuviel über unsere externen Schwierigkeiten zu sagen und versuchte mit viel Diplomatie der Sache Herr zu werden.

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Am Anfang liefen die Arbeiten vorbildlich gut. Es erschienen oft viel mehr Leute als ich erwartet hatte zur Arbeit. Doch als die Schwierigkeiten mit den Behörden durchsickerten, wurden die jungen Leute aufgewiegelt. Man sagte ihnen: „Was wollt ihr euch da für diesen Kahn abrackern, der bekommt nie eine Betriebsbewilligung“. Natürlich gab es bei diesem Beschuss nach einiger Zeit, auch in den eigenen Reihen Zweifler.  Als die Sache prekär wurde habe ich die Kernmannschaft zu einem Höck einberufen, wir nannten ihn den „Rütlihöck“. Es waren 14 Mann anwesend. „Die Eisernen.“ Ich sprach mit ihnen über die externen Probleme. Ich erklärte auch, dass es kein Gesetz gäbe das uns verbieten könne das Schiff weiter zu bauen. Wenn der TB betriebssicher ist und den Vorschriften entspricht müssen die Behörden uns eine Betriebsbewilligung erteilen. Ich sagte im Weiteren, dass sie entscheiden können ob mit der Arbeit weitergemacht oder das Projekt gestoppt wird. Bei einer Entscheidung fürs Weitermachen würde ich aber erwarten, dass mir vertraut wird, alle hundertprozentig hinter mir stehen und gemeinsam allen Zweiflern und Verleumdern entgegentreten. Ich könne nichts garantieren aber versprechen, dass ich für unseren Täggelibock mit allen Rechtsmitteln kämpfen werde. Sollte die Entscheidung für die Einstellen der Arbeiten sprechen, so würde ich einen Harsthöck einberufen und den Kameraden mitteilen, dass die behördlichen Schwierigkeiten zu gross geworden sind und wir das Projekt abbrechen müssen. Einstimmig wurde beschlossen weiterzumachen. Weil allerorts gemunkelt wurde, der Täggelibock erhalte nie ein Betriebs- Bewilligung, beschloss ich, mich abzusichern. Deshalb besuchte ich Herrn Walser in Quinten am Walensee. Dieser Mann war Rentner und früher der Betreiber einer Bootswerft für Ledischiffe am Zürichsee. Ich konnte ihn gewinnen, bis zur Abnahme unseres Schiffes jeden Monat einmal an einem Wochenende nach Interlaken zu kommen und die Arbeiten zu überwachen. Er sicherte mir auch zu, vor der amtlichen Abnahme ein Gutachten erstellen. Als Gegenleistung garantierte ich ihm Kost und Logis im Hotel Savoy. Im Frühjahr 1965 überführten wir unser Schiff in den Seebadhafen und waren einige Zeit glücklich. Der Hafen war kurze Zeit später, nach Rückgang des Seespiegels um fast zwei Meter trockengelegt und wir konnten das Schiff mit Winden aufbocken und den Boden untersuchen. Es zeigte sich, dass der hintere Teil des Bodens, welcher vor Jahren ersetzt wurde, noch in gutem Zustand war. Der vordere Teil musste erneuert werden. 

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Bei Herr Paul Wenger, Schreinerei; schnitten wir abends sechs Meter lange Lärchenbretter zu und hobelten sie auf 5 cm. Dicke. Ich mietete bei der Armee ein 10 Meter Werkstattzelt und organisierte ein zehntägiges Bezirks-Arbeitslager. Auf mein Rundschreiben haben sich 24 Rover aus dem ganzen Oberland gemeldet. Es wurde am Schiff gearbeitet und auch Sport getrieben. An verschiedenen Abenden wurden Referate gehalten. Unter anderem konnte ich einen Arzt vom Inselspital Bern gewinnen. Dieser berichtete mit einem Referat und Diavortrag über die Gefahren des Rauchens. Ebenfalls habe ich Herrn Bösch (Chef der Seepolizei Brienzersee) angefragt, ob er den Rovern etwas über die Aufgaben der Seepolizei vermitteln könnte. Leider habe ich eine Absage erhalten. Danach wendete ich mich an die Kantonspolizei, diese Leute waren erstaunt über die Absage von Herrn Bösch und haben den Abend mit einem Film über die Bergung eines Geldtresors aus dem Burgseeli bereichert. In dem Armeezelt wurde geschlafen, vor dem Zelt auf einer Feuerstelle gekocht und bei schönem Wetter auf dem Deck des aufgebockten Schiffs gegessen. Während diesem Lager wurden der Boden in der vorderen Schiffshälfte erneuert, der Boden und die Schiffsschale kalfatert, abgeschliffen, grundiert und drei Mal mit Leinölfarbe gestrichen. Da der Hafen im Winter trockenlag, entschlossen wir uns diesen auszubaggern. Auf eine Anfrage bei Herr Bösch, erhielt ich die Antwort: „Das wird auf keinen Fall bewilligt!“ Darauf machte ich ein Gesuch an die Liegenschaften-Verwaltung in Bern. Es wurde mir mitgeteilt, dass dafür der Oberwegmeister Herr Bettschen zuständig sei. Ich kannte Herrn Bettschen gut und wusste, dass er ein strenger aber korrekter Mensch war. Ich wusste aber auch, dass er mit dem Nachbarn von unserem Hafen, Herrn Balmer (einem Landwirt) einen langjährigen Streit hatte, welcher kurz vor einem Prozess stand. Zudem hatte ich bei Herr Bettschen einen „Stein im Brett:“ Ein paar Monate vorher, nach einem sehr schlimmen Sturm, hörte ich in den Nachrichten, dass die Strasse von Wilderswil bis Lauterbrunnen wegen entwurzelten Bäumen gesperrt war. Telefonisch benachrichtigte ich 10 Rover. Eine halbe Stunde später fuhren wir mit dem Landrover und zwei Motorsägen los. Innert einer Stunde haben wir auf einer Länge von 2 Kilometern 20 Bäume von der Strasse entfernt. Herr Bettschen bedankte sich in einem sehr netten Brief. Bei Herr Balmer ging es um den Unterhalt der 300 Meter langen Mauer von der Eisenbahnbrücke bis zum Seebadhafen. Nach dem Gesetz war Balmer für den Unterhalt der Mauer verantwortlich. Dieser aber weigerte sich mit der berechtigten Begründung, die BLS mit ihrer Schifffahrt sei für die Unterspülung

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verantwortlich. Entgegenkommend veranlasste Herr Bettschen, dass der Werkhof acht LKW mit Steinen in gewissen Abständen dem Ufer nach verteile. Die Steine warteten bereits seit zwei Jahre auf ihre Zweckbestimmung. Ohne Wissen von Herrn Bettschen habe ich für den Samstagnachmittag die Pfadfinder aufgeboten mit der Aufgabe, die Steine ihrem Zweck zuzuführen. Ich verabredete mich mit Herrn Bettschen zu einer Hafenbesichtigung am kommenden Samstag um 15.00 Uhr. Wir trafen uns bei der Eisenbahnbrücke. Als wir den Weg zum Seebad beschritten waren über hundert Pfadfinder dabei, die Steine zu verteilen. Auf die erstaunte Frage von Bettschen antwortete ich unschuldig: Wir machen mit der Abteilung jedes Jahr eine gute Tat-Übung. Weil der Schutz dieser Mauer bereits lange fällig ist und Herr Balmer ein alter Mann, der keine Angestellten hat haben wir beschlossen ihn zu entlasten. Die Bewilligung der Ausbaggerung war noch eine Formsache.  Im Winter, als der Wasserstand auf dem Tiefpunkt stand, lieh ich bei einem befreundeten Steinbruchbesitzer einen Trax sowie Rollwagengeleise, zwei Drehscheiben und zwei Rollwagen. Das Schiff verankerten wir vor der Hafenmauer mit dem Heck zur See. Die Verankerung bewältigten wir mit zwei mit Beton gefüllten 200 Liter Fässern à 500 kg. Die Rollwagengeleise legten wir über die Quaimauer mit zwei Drehscheiben. Mit der Traxschaufel habe ich die Rollwagen gefüllt, anschliessend schoben die Rover sie über die Geleise auf den Bock, bis zum hintern Deck, dort wurden sie ins Wasser, das an dieser Stelle neun Meter tief war, gekippt. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass die Arbeit zu aufwendig und zu zeitraubend war. Der Lehm blieb an der Traxschaufel und in den Rollwagen hängen. Deshalb fragte ich Herr F. Feuz (Baugeschäft) ob er bereit sei, die Arbeit zu einem Spezialpreis auszuführen. Er war bereit, sicher auch weil sein Sohn ebenfalls bei den Pfadfindern mitmachte. Mit einem „Gradall 100“ und zwei LKW wurde die Arbeit angegangen. An drei Tagen wurden 220 Lastwagen Lehm abtransportiert. Zum Glück auf kurzem Weg (ca. 100 Meter). Ich habe Frau Freiburghaus vorgeschlagen den Aushub rund um ihren Campingplatz beim Restaurant Seebad als zwei Meter hohen Windschutzwall zu deponieren. Wie sich später herausstellte war es gut, dass ich diese Erlaubnis schriftlich verlangt habe mit der Zusicherung, für die Schiffstaufe würde Freddy Quinn als Pate und sie als Patin ausgewählt. Ab sofort schwamm der Bock auch im Winter. Doch eine kleine Geschichte möchte ich noch erwähnen. Dreizehn Monate später hatten wir einen Elternabend im Hotel „Drei Schweizer“. Auch Herr Feuz war mit seiner Frau

 

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anwesend. Am Schluss verdankte ich die grosse Arbeit welche Herr Feuz mit seiner Baufirma ohne Rechnung zu stellen für uns geleistet hatte. Zwei Jahre später sagte mir ein Berufskollege von Herr Feuz, dieser habe zu ihm gesagt, der Müller hätte ihn schön erwischt, vor der ganzen Versammlung hätte ich ihm gedankt dass er uns für die Arbeit keine Rechnung gestellt habe. Nun könne er doch keine Rechnung mehr schicken. Ich war nicht sehr unglücklich, denn ich hatte kein Geld und das Baugewerbe hatte damals eine gute Zeit. Nun konnten wir mit dem Innenausbau und dem Einbau der neu revidierten 3000 Kilogramm schweren Zwei-Zylinder-Antriebsmaschine beginnen. Zwei Schottwände mit wasserdichten Türen wurden eingebaut. Mit dem einzigen Hartholz vom Kurschiff Beatus zimmerten wir Blindböden. Die Firma „Trösch“ spendete eine Einbauküche. Die „Maschinenfabrik Burckhardt“ einen 30 Atü Kompressor (der TB-Motor wird mit Pressluft gestartet). In einer Schlosserei baute ein Rover (Sohn des Besitzers) das neue Kommandohaus. Die PressluftFlasche wurde in eine Spezialwerkstatt in Bern zum Sandstrahlen und Prüfen gebracht. Im Bug wurden 18 Schlafkojen gezimmert und die Rover-Mütter fertigten 80 Schwimmwesten an.  Sobald das Schiff fahrbereit wurde, musste ich natürlich die-Prüfung für Last und Schubschiffe machen. Ich wusste, dass ich diese bei Herrn Bösch nie bestehen würde. Deshalb meldete ich mich bei der Seepolizei Thunersee an. Ich hatte damals auf dem Thunersee zwei Wasserskischulen und war Leiter der Seegelschule Neuhaus. Bevor die Seepolizei auf dem Thunersee eingesetzt wurde betrieb ich sechs Jahre lang den Seerettungsdienst auf dem Thuner- und dem Brienzersee. Als Taucher wurde ich oft für Taucheinsätze angefordert. Deshalb hatte ich zu den Herren eine freundschaftliche Beziehung. Ich mietete vom Balmholz ein Lastschiff und von den Herren Widmer und Bohnenblust (Chef und Vizechef der Seepolizei Thunersee) begleitet fuhren wir Richtung Thun. Am Ende des Sees wurde gewendet und es ging zurück nach Merligen. Unterwegs unterhielten wir uns über alles Mögliche und es sah mir nicht gerade nach einer Prüfung aus. In Merligen verlangte Herr Widmer meinen Lehrfahrausweis und unterzeichnete ihn. Auf meine Frage, was ist mit der Theorie, antwortete er. „Die schenken wir Ihnen, Sie sind länger auf dem See als wir und wir wissen, dass Sie die Vorschriften kennen“. Am Sonntag darauf stach der Täggelibock das erste Mal offiziell in See. Wir fuhren mit meinen Händlernummern, welche nach meinem Ausweis für Schiffe bis zu 300 PS zugelassen waren. Der Täggelibock hatte 40 und es war

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eine Probefahrt. Mit 50 Rovern an Bord fuhren wir los. Kaum waren wir auf hoher See kommt das Polizeiboot auf uns zu und stoppt uns. Herr Bösch klettert an Bord und fragt mich, ob wir eine Begleitperson mit Ausweis dabei hätten. Ich antworte ihm, dass er sofort wieder zurück in sein Boot solle, da ich auf diesem Schiff der Kapitän sei und ohne meine Erlaubnis niemand das Schiff betreten dürfe. Herr Bösch stieg zurück und ich reichte ihm meinen Ausweis. Darauf hin wurde er ziemlich blass im Gesicht und sein Kollege musste das Lachen verkneifen.  Bereits seit einem Jahr hatte ich die Schiffabnahme vorbereitet. Ich besorgte von den Industriellen Betrieben ein Gutachten über die elektrischen und die Wasserinstallationen. Von der Feuerwehr ein Gutachten über den Brandschutz und Herr Walser machte uns ein Gutachten über den Zustand des Schiffes. Im Weiteren war ich mir bewusst, dass wir eine bekannte Persönlichkeit als Taufpate brauchen, damit die Taufe für die Medien interessant wird. Auf einmal hatte ich die zündende Idee. In der deutschen Illustrierten „Der Stern“ fand ich einen Artikel über Freddy Quinn (weltbekannt von seinen Seemannsliedern). Ich war überzeugt, dass er der richtige Mann ist. Am selben Tag schrieb ich an sein Sekretariat in Hamburg. Doch wie befürchtet kam die Antwort, Herr Quinn hätte keine Zeit. Also ging ich zum Kursaaldirektor Herr Lenz um ihm folgenden Vorschlag zu unterbreiten. Herr Lenz verpflichtet Freddy für einen Abend im Kursaal und am Nachmittag tauft Herr Quinn unser Schiff. Herr Lenz lachte und meinte, er möchte Fredy Quinn schon lange nach Interlaken holen. Allerdings könne sich der Kursaal die 11‘000 Franken die sein Auftritt kostet nicht leisten. Nach kurzem Nachdenken meinte Herr Lenz, dass Freddy Quinn im Februar nächstes Jahr in der Festhalle in Bern in einem Musical auftreten werde. Wenn es mir gelänge, mich dort bis zu Freddy durchzuboxen und ihm mein Dosier mit den vielen Zeitungsartikeln zeigen könne, dann bestehe die Möglichkeit, dass er mitmache.  Am 2. Februar 1966 am Nachmittag um 16.00 stand ich auf der Bühne der Festhalle. Das Musical war für 20.00 Uhr angesagt,  Doch ich wollte noch die Lage auskundschaften. Es ergab sich, dass ich dort Herrn Strahm, der im Jahre 1954 die Internationale Gastronomie Ausstellung in Bern organisiert hat, wieder traf. Für diese Ausstellung habe ich ein Unterwasser-Karussell mit 12 Unterseebooten gebaut und betrieben. Die Anlage mit einem Durchmesser von 24 Metern war die Sensation auf dem Lunapark. Eine Abbildung kam auf der

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Titelseite der Schweizer Illustrierten, was für die Ausstellung eine gute Werbung war. Ich erklärte Herrn Strahm mein Anliegen, er zeigte mir die Garderobe von Freddy und hat mich beraten, wie ich am besten vorgehen würde. Ich befolgte seine Ratschläge. Zeigte Freddy Quinn kurz mein Dossier mit den vielen Zeitungsartikeln und Fotos. Er sagte, dass das eine gute Sache sei und willigte ein als Taufpate aufzutreten. Er werde seinen Manager Herr Grabowski beauftragen, einen Vertrag mit Herrn Lenz vorzubereiten und am Nachmittag dieses Tages unser Schiff taufen. Kurz darauf teilte mir Herr Dir. Lenz mit, Freddy Quinn würde am 27. August 1966 im Kursaal Interlaken auftreten. Leider ein Dienstag, für unseren Anlass nicht günstig. Es gab lange Verhandlungen mit Herrn Grabowski, weil Freddy am Sonntag den 25. August im Kongresshaus in Zürich auftrat. Nach einigem Zögern und nachdem ich ihm bestätigte, dass TV und Presse anwesend seien, war er bereit zu veranlassen, dass Herr Quinn am Sonntag mit einem Mietwagen nach Interlaken kommt um unseren Täggelibock. zu taufen. Am 15. August rief ich Herr Bösch an und fragte, ob er in der Presse gelesen habe, dass am 25. August  Freddy Quinn den Täggelibock taufen werde. Das Schiff müsse bis zu diesem Datum amtlich geprüft werden. Er antwortete, dass dies unmöglich sei. Worauf ich erwiderte, er sollte das möglich machen, sonst könne es zu einem Skandal kommen. Das gab ihm doch zu denken und er antwortete, er werde mich zurückrufen. Der Anruf kam zwei Stunden später. Herr Ingenieur „Schnebeli“ von Amt für Verkehr, welcher auch die Kursschiffe abnehme, werde das Schiff am Mittwoch den 21. August um 14.00 Uhr prüfen. 

Am Mittwoch um 14.00 trafen wir uns auf dem Täggelibock.

Ich überreichte Herr Schnebeli meine Gutachten und er sah sich das Schiff gründlich an. Herr Bösch machte ihn einige Male auf Mängel aufmerksam, Herr Schnebeli antwortete, das sei nach den neuen Vorschriften in Ordnung. Nach der Probefahrt, ich befand mich noch im Maschinenraum, hörte ich wie Herr Bösch zu Ingenieur Schnebeli sagte: „Wir geben ihnen am besten einen provisorischen Ausweis bis zum nächsten Sonntag“. Das hatte ich erwartet. Ich begab mich an Deck und sagte: „Meine Herren, ich habe da soeben etwas gehört von einem provisorischen Ausweis. Ich sage Ihnen hier etwas: Entweder habe ich bis am Samstag den 24. August den definitiven Ausweis, ohne jeden Vorbehalt, oder ich werde am Sonntag vor den 34 gemeldeten Reportern und vor Wochenschau und TV berichten was hier seit langem gespielt wird.“ AM SAMSTAG HATTE ICH DEN AUSWEIS, OHNE VORBEHALTE. Die Taufe war ein grosser Erfolg. Unser Ehrengast und Taufpate Freddy wurde mit einem Chevrolet Cabriolet, welches ein Hotelier zur Verfügung gestellt

 

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hat, von uns beim Kursaal Interlaken abgeholt und nach Bönigen gefahren, wo sich bereits über tausend Menschen eingefunden hatten. Wie mir seine Eskorte berichtete war er zuerst sehr schlecht gelaunt, taute jedoch angesichts der versammelten Presse und der Menschenmenge rasch auf. Wie er mir später berichtete, hat sein Manager Herr Grabowski ihm kein Wort von der Taufe gesagt. Bei seiner Ankunft in Zürich hätte er in der Zeitung gelesen, dass er am Sonntag in Interlaken ein Schiff taufen würde.  Nach dem Presserummel stachen wir in Bönigen in See, ich habe Freddy das Ruder überlassen und er steuerte den Täggelibock bis vor den Hafen vom Restaurant „Sendli.“ Dort erwarteten uns über 3000 Personen. Als Taufpatin amtierte Frau Freiburghaus, die Wirtin vom Restaurant Seebad. So wurde der Täggelibock feierlich auf den Namen „Lord Baden Powell“ getauft.  Zwei Roverkapellen spielten auf, Darbietungen vom Meeresgott „Neptun“ sowie Taucher zeigten ihr Können. Zum Abschluss schwebte ein von der Feuerwerkfabrik Hamberger gespendeter zwei Meter grosser Kaminfeger, als Glücksbringer, an einem Fallschirm vom Himmel herunter.  Die Seepolizei ist dem Anlass ferngeblieben. Was fast ausser ein paar Hartgesottenen niemand glauben wollte, ist geschehen, unser Schiff war geprüft und für gut befunden.

 

Nach der Abnahme gründeten wir zwei Vereine

 

Den Besitzerverein , bestehend aus den drei juristischen Mitgliedern: Abteilung Unspunnen. Kantonalverband Bern-Aare und dem Schweizerischen Pfadfinderbund. Jedes Mitglied bezahlte einen vereinbarten Anteil, zum Teil als Darlehen. Insgesamt kamen, wenn ich mich recht erinnere, 30‘000 Franken zusammen. Insgesamt hatte ich zu diesem Zeitpunkt über 35‘000.- Fr. Fremdrechnungen bezahlt, das natürlich ohne meine Spesen und Arbeit. Den Verein „Freunde des Täggelibocks“ Jedes Mitglied bezahlt im Jahr 30 Franken und hat dafür das Recht an einer der jährlich für diesen Verein organisierten Rundfahrten gratis teilzunehmen.

 

Doch wer glaubte die Schwierigkeiten lagen nun hinter uns der hat sich geirrt.

 

Ich begann sofort mit der Ausbildung einer Schiffsmannschaft. Ich wusste, dass man nur darauf wartete, dass uns ein Fehler passiert und das Schiffspatent würde sofort eingezogen. Also brauchte ich eine gut ausgebildete Mannschaft. Es gab Rettungsübungen wie ‚Mann über Bord‘, Leck, Feuerwehr, Sturm und

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Kompassübungen praktisch jedes Wochenende, oft auch bei Gästerundfahrten. Jedes Mannschaftsmitglied erhielt einen Mannschaftpass, dort wurden sowohl die Fahrbetriebstunden, Arbeitseinsätze sowie Kurse, Prüfungen und sonstige Leistungen eingetragen.   Ab Herbst 1966 bis zur ersten Rundfahrt mit Fahrgästen gab es viele Ausbildungs-Wochenenden und viele Neuzugänge (Schiffsjungen und Leichtmatrosen). Wegen meiner Erfahrung als Chef des Seerettungsdienstes legte ich den grössten Wert auf Sicherheit. Nach einjähriger Ausbildung bestand die Täggelibock-Mannschaft aus 22 gut instruierten  Mitgliedern. Die Schiffsmannschaft setzte sich zusammen aus Kapitän, Schiffsführern (erste Offiziere), Obermaschinisten, Maschinisten sowie Matrosen und Schiffsjungen. Hie und da kamen noch eine Köchin oder ein Koch dazu. Es gab auch eine Mannschaftsuniform, welche von einigen begabten Müttern nach unseren Wünschen genäht wurden. Um den jungen Leuten vor Augen zu führen wie wichtig eine gute Seemannsausbildung ist, besorgte ich Filme über Seerettungseinsätze von der amerikanischen Botschaft in Bern.

Einiges zum Finanziellen:

 

DAS NACHFOLGENDE ERZÄHLE ICH NUR, WEIL ES IMMER LEUTE GAB UND, WIE ICH VERMUTE, HEUTE NOCH GIBT, WELCHE BEHAUPTEN, ICH HÄTTE MICH AM TÄGGELIBOCK BEREICHERT.

 

Nach dem Harsthöck 1963 bürgte ich für einen Bankkredit von 2000.- Franken. Guglielmo Brentel wollte ebenfalls für 5000.- Franken gutstehen, zog sich aber bei den ersten Schwierigkeiten mit den Behörden total zurück. Während der vier Jahre Umbauzeit von 1963 bis zur amtlichen Abnahme 1966 hatte das Projekt Täggelibock nur wenig Einnahmen. Es gab einige Anlässe wie Papiersammlungen, Losverkäufe und ein paar kleinere Anlässe welche etwas Geld einbrachten. Das war jedoch nur ein Tropfen auf einen heissen Stein.  Der Aufwand an Material, Maschinen, Werkzeug und Umtrieben war jedoch gross, oft mussten wir, weil das Geld fehlte, Notlösungen suchen welche später Mehrkosten verursachten. Nur ein Beispiel von vielen. Die Stromversorgung: Zuerst kauften wir eine gebrauchte Notstromgruppe für 150.- Fr. von der Armee. Das genügte gerade für das Licht und eine Bohrmaschine. Etwas später beschaffte ich, ebenfalls aus Armeebeständen, ein 220 Volt Gerät 1000 Watt für 500.- Franken. Zum Elektroschweissung reichte das nicht, einen Landanschluss hatten

 

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wir noch nicht. Also kaufte ich auf eigene Rechnung ein McCulloch-Schweissgerät mit Benzinmotor zum Preis von 3800.- Franken. 1964 kauften wir aus Armeebeständen ein 30 jähriges „Mägerli“ Dieselaggregat mit einer Leistung von 3 kW. Endlich 1972, als der Bock bereits im Betrieb war, reichte das Geld für ein passendes Notstromaggregat. Wir kauften von der SBB. mit Einnahmen von Rundfahrten ein Kühlwagen-Aggregat für 2500.- Franken, welches noch heute seinen Dienst tut. Das McCulloch-Schweissaggregat war nie in einer Abrechnung vom Schiff aufgeführt, dieses  konnte ich drei Jahre später nach einigen Inseraten für 900.- Franken einem Seilbahnbauer verkaufen. Die Werkzeuge, welche von den jungen Leuten versehentlich im Brienzersee versenkt wurden sowie hunderte abgebrochene Bohrer und sehr viel Material, welches aus meinem Geschäft stammte, wurden nie verrechnet. Von mir wurde auch nie eine Spesenrechnung gestellt. Nicht zu denken an die weit über 100‘000 Autokilometer welche ich in den 20 Jahren für das Schiff und die Pfadfinderabteilung zurückgelegt habe. Auch für Benzin und andere Unkosten wurde von mir nie eine Spesenrechnung gestellt. Wie oben erwähnt habe ich vom Baubeginn bis zur Abnahme über 35‘000.- Franken Fremdrechnungen bezahlt. Das für Material, welches wir unbedingt brauchten und für welches kein Geld vorhanden war. Sobald die Schwierigkeiten mit den Behörden angefangen haben, wollte niemand mehr die Geldbörse aufmachen.  Ich verlangte, was Arbeitsleistung und Disziplin betraf, sehr viel von den jungen Leuten. Deshalb lag es an mir, hie und da auch etwas zu unternehmen um sie bei gutem Willen zu halten.  Für Unterwasserreparaturen und Sport habe ich eine Tauchboje für 2 Taucher, Tauchtiefe 6 Meter, für 3900.- Franken auf meine Kosten angeschafft. Der Campingplatz beim Rest. Seebad wurde nicht mehr benutzt. Also richtete ich auf diesem einen Übungsparcours mit alten Autos ein. Damit alle Roverrotten eine eigene Bude für ihre Höcke hatten, mietete ich von der Auto AG an der Waldeggstrasse ein Abbruchhaus für monatlich 100.- Franken. Wie oft habe ich die Jungmannschaft, nach getaner Arbeit in einem Lokal zu einem Imbiss eingeladen. Zweimal bin ich mit der Mannschaft mit meinem PW und Landrover zu einem Urlaub ins Ausland gereist. Herr Walser und seiner Frau habe ich zwölfmal das Hotelzimmer im Hotel Savoy bezahlt. Es gäbe hier noch einige Spesen meinerseits anzuführen. Der langjährige Kassier, Beat Mühlemann soll bitte eine Spesenrechnung von mir vorweisen. Kurz vor meinem Rücktritt und der Abreise nach Ibiza habe ich den Pfadfinderinnen für die Durchführung ihres Sommerlagers ein Darlehen von 250.- Franken gegeben, sowie einem Rover und Familienvater, damit er nicht gepfändet wurde, 150.- Franken geliehen. Das

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Darlehen und die Leihgabe wurden zu Spenden. Ich habe sehr viel Geld und viele Zeit in dieser Sache investiert. Am meisten in den letzten zwei Jahren vor der amtlichen Abnahme. Zu einer Zeit als nebst ein paar Dutzend Rovern kein Mensch daran glaubte, dass der TB. je eine Betriebsbewilligung bekommt. Diese Zeit und dieses Kapital fehlten natürlich in meinem Wassersportgeschäft. So kam es, dass ich kurz vor Vollendung unserer Aufgabe einige Male sogar in Zahlungsschwierigkeiten gekommen bin. Wenn das Geld am Ende eines Monats nicht reichte um alle Rechnungen von meinem Geschäft und dem Täggelibock zu bezahlen, sagte ich zu Frau Gool (Frau Gool hat 13 Jahre in meinem Büro gearbeitet): „Bezahlen Sie zuerst die Rechnungen vom Täggelibock und mit dem, was noch bleibt machen Sie Akontozahlungen. Ich habe da eine Verantwortung übernommen und ich will nicht, dass die Pfadfinderabteilung durch mich in einen schlechten Ruf kommt“. Jahre später nach meiner Rückkehr von Ibiza und nach meiner schweren Operation besuchte mich Frau Gool im Krankenhaus und sagte zu mir: „Herr Müller, wenn Sie diesen Täggelibock und die Pfaderei nicht gehabt hätten, könnten sie heute ein wohlhabender Mann sein“. Frau Gool wird das heute noch gerne bestätigen. Dabei ging es natürlich nicht nur um das investierte Geld, sondern vor allem um die Zeit und Energie welche ich nicht ins Geschäft sondern in die Pfaderei gesteckt habe.  Trotzdem glaube ich, wenn ich noch einmal beginnen könnte und wüsste was mich erwartet, würde ich wahrscheinlich diese Aufgabe noch einmal übernehmen. Ich würde jedoch zuvor eine reiche Frau heiraten. ******** Wie ich geahnt habe, kam nach der Schiffsabnahme einiges auf uns zu. Wir wurden von der Seepolizei schikaniert (wenn ich Seepolizei sage meine ich deren Chef Herrn Bösch.)  Ich bin zwar sehr diplomatisch, lasse mich jedoch nicht einschüchtern. Ich war schon damals und bin noch heute davon überzeugt, Herr Bösch erhielt von einer übergeordneten Stelle einen Auftrag: Dieser lautete, weil es nicht möglich war die Betriebsbewilligung für das Schiff zu verhindern, rate man ihm, uns scharf zu beobachten und bei den kleinsten Fehlern Anzeige zu erstatten.  Es wurde mir berichtet, Herr Bösch wurde vom Bielersee auf den Brienzersee versetzt weil dort eine Unterschriftsammlung gegen ihn eingeleitet worden sei. Das nur nebenbei. Hier noch einiges zur Seepolizei Thuner- und Brienzersee.

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Im Jahr 1959 wurden auf dem Thunersee die Sturmwarnungsampeln montiert. Kurze Zeit darauf kam die Seepolizei mit Sitz in Spiez auf dem Thunersee zum Einsatz. Ich betrieb zu dieser Zeit Wasserskischulen im Brienzersee beim TCS Campingplatz in Bönigen, das seit 1955, später beim Restaurant „Sendli“ und ab 1957 auch beim Neuhaus und in Hilterfingen. Mit den zuständigen Behörden, hatte ich einen Vertrag zur Ausübung des Seerettungsdienstes auf dem Thuner- und Brienzersee. Dies bis im Thunersee eine Seepolizei stationiert wurde, Ich bekam jeweils eine telefonische Sturmwarnung entweder von Genf oder von Zürich. Über meine Einsätze bei jedem Sturm bei bis zu zwei Meter hohen Wellen gäbe es einiges zu berichten. Doch das in meinen Berichten “Meine Zeit im Seerettungsdienst 1956 bis 1962“ und „Die Wasserskischulen“. 1961 kam ich zur Überzeugung, auf dem Brienzersee sollte ebenfalls eine Seepolizei stationiert werden. Das nicht zuletzt, weil immer mehr Ausländer mit ihren Booten den See bevölkerten und das oft sehr undiszipliniert. Deshalb habe ich im Restaurant Sendli eine Zusammenkunft mit Regierungsrat Bauder organisiert. Zu dieser Versammlung habe ich alle Gemeindebehörden und Campingplatzbesitzer rund um den Brienzersee eingeladen. Wir konnten Herrn Bauder überzeugen, dass der Bootsverkehr auf dem Brienzersee stark zugenommen hat. Es sei eine Notwendigkeit, auch hier eine Seepolizei einzusetzen. Zwei Jahre danach, 1963, kam die Seepolizei Brienzersee zum Einsatz. Bereits nach einer Woche, noch bevor ich Kontakt mit den beiden Herren hatte, hörte ich von überall Klagen. So erzählte mir ein Fischer, Herr Bösch habe am selben Tag drei Mal seine Ausweise und seine gefangenen Fische kontrolliert. Ein paar Tage später wässerte ich in Unterseen ein neues Motorboot, mit der Hilfe eines Rovers. Wir fuhren mit zehn km/h die Aare hinauf Richtung „Sendli“. Von weitem sah ich einen Mann im blauen Überzieher auf meinem Wasserskisteg stehen. Dieser befahl mir mit energischen Armbewegungen, bei ihm anzulegen. Ich tat wie befohlen und er sagte ohne Einleitung. „Sie fahren da in einem schönen Tempo durch die Aare.“ Ich antwortete: “Erstens stellen Sie sich bitte vor und zweitens möchte ich sagen, dass ich die Aare absolut korrekt und nach Vorschrift befahren habe.“ Ein Wort gab das andere, ich blieb sachlich aber fühlte mich in meiner Ehre verletzt. Zu Hause angekommen habe ich den Chef der Seepolizei, Herr Oswald Fischereiaufseher, angerufen und berichtete ihm über den Vorfall. Mit Hans Oswald war ich seit langer Zeit befreundet. Am selben Abend kam Herr Bösch zu mir ins Geschäft und beklagte sich, ich hätte ihn bei seinem Chef angeschwärzt.

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Ich entgegnete: „Ja das stimmt, und wenn Sie so weiter machen und die Leute schikanieren werde ich sie noch woanders anschwärzen“. Darauf Bösch: „Was verstehen Sie unter schikanieren?“. Ich antwortete; „Wenn Sie einem Fischer am selben Tag dreimal die Ausweise und Fische kontrollieren sehe ich das als Schikane an“. Bösch: „Ich bin Polizist ich kann jemanden zehnmal die Ausweise kontrollieren wenn ich es für gut finde“. Ich antwortete. „Wenn Sie so denken und handeln ist es durchaus möglich, dass sie noch einmal auf dem Bau arbeiten und nicht mehr bei der Polizei sind“. Herr Geiser, sein Begleiter hat hinter seinem Rücken gelächelt.

 

Doch noch einmal zu den Geschehnissen auf und um den Täggelibock ab 1967.

 

Durch die Schiffstaufe und den Presserummel, wurde unser Schiff in der ganzen Schweiz bekannt.

Das hatte zur Folge, dass wir ab 1967 mit Rundfahrten und Übernachtungen ausgebucht waren. Zum Glück hatte ich eine grosse und gut ausgebildete Mannschaft. Meistens hatten wir am Freitagabend die erste Wochenendfahrt. Am Samstag gab es ein bis zwei Rundfahrten und oft sind wir am Samstag mit einer Gruppe am oberen See-Ende übernachtet und am Sonntag gegen Mittag im „Sendli“ angekommen. Dort warteten bereits neue Gäste welche für eine Rundfahrt am Nachmittag gebucht hatten. Als Zwischeneinlage eine kleine Begebenheit:  An einem Ausbildungswochenende übernachteten wir auf dem Schiff am oberen See oberhalb Brienz. Nach dem Frühstück um 7.30 Uhr blieben 4 Mann als Wache auf dem Schiff zurück, die restlichen 15 begaben sich in Uniform nach Brienz in die Kirche zur Sonntagspredigt. Am Ende der Predigt sprach Pfarrer Hopf von der Kanzel: „Ich möchte hiermit die Mannschaft vom Täggelibock hier in der Kirche von Brienz herzlich begrüssen und mitteilen, dass die heutige Kollekte für den TB bestimmt ist“. Es waren 168.- Franken Leider gab es auch andere weniger erfreuliche Begebenheiten. Hier möchte ich von sehr vielen nur zwei erwähnen. Kurz darauf charterte eine Pfadfinderabteilung aus Luzern das Schiff für eine Seerundfahrt. Ihr Abteilungsleiter, ein Pfarrer, bat mich mitten auf dem See, ob er sich hinter das Steuer stellen dürfe, seine Pfader möchten Fotos machen. Natürlich erlaubte ich ihm das gerne, blieb jedoch neben ihm stehen. Ein paar Minuten später legte das Polizeiboot bei uns an. Herr Bösch fragte, ob dieser Mann einen Ausweis für diese Schiffsklasse habe. Ich antwortete: „Sie haben doch gesehen dass ich das Steuer nicht verlassen habe“. Darauf Bösch: „Das gibt zwei Anzeigen. Wegen Führen-lassen und wegen Führen ohne Ausweis“. Ich erwiderte: „Herr Bösch, tun

 

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Sie was Sie tun müssen, dann sehen wir uns vor Gericht wieder“. Kurz darauf sahen wir uns tatsächlich vor dem Richter. Ich überreichte dem Richter das Schifffahrt-Reglement wo ich folgenden Artikel unterstrichen habe: “Der Kapitän kann sich am Steuer durch eine geeignete Person vertreten lassen, muss aber bei gefährlichen Passagen an Deck sein.“ Darauf der Richter, Herr Kuhn: “Herr Bösch, kennen Sie diesen Artikel?“. Bösch: „Nein“. Der Richter: „Dann sollten Sie die Gesetze besser studieren“.  Eine Rotarier Gruppe, darunter auch Herr Dr. Zollinger, ein Richter von Interlaken, hatte das Schiff für eine Seerundfahrt gechartert. Mitten auf dem See, zwischen Oberried und Iseltwald, machten wir als Einlage eine Leckübung. Innert ein paar Minuten hatten alle Passagiere Schwimmwesten an und das Lecksegel war gesetzt. In dem Moment kam ein Kursschiff gerade auf uns zu. Es schien als wollten sie uns rammen. Mein erster Gedanke war, die glauben es handle sich um einen Ernstfall. Am Lautsprecher unterrichtete ich sie, es handle sich um eine Übung. Kurz vor dem Zusammenstoss scherte sie aus und kreuzte uns 10 Meter vor unserem Bug. Herr Dr. Zollinger sagte zu mir, was ist denn in die gefahren. Ich antworte ihm, ich bin froh habe ich Sie als Zeugen, spätestens am Mittwoch bekomme ich einen eingeschriebenen Brief, wir hätten die Kursfahrt behindert. So geschah es auch, ich schickte den Brief ans Gericht, es gab sogar eine Anzeige gegen uns, aber es kam nie zu einer Gerichtsverhandlung. Insgesamt war ich dreimal mit Herr Bösch vor dem Richter und habe jedesmal Recht bekommen. Deshalb habe ich volles Verständnis dafür dass Herr Bösch mich hasste. In den folgenden Jahren gab es noch unzählige unschöne Zusammentreffen mit Herrn Bösch. Ich habe jedesmal einen Rapport geschrieben und Zeugen um ihre Unterschrift gebeten. Drei Monate vor meiner Abreise nach Ibiza hatte ich eine Aussprache mit seinem Chef, Herr Major Widmer in Thun. Ich legte ihm meine Unterlagen vor und er dankte mir. Ich vermute das hat wesentlich dazu beigetragen, dass Herr Bösch kurze Zeit später nach Bern in den Bürodienst versetzt wurde. Mit einem eigenen Haus in Bönigen ist er danach jeden Tag nach Bern zur Arbeit gefahren. Damals haben wir einen grossen Fehler gemacht. Eine Seerundfahrt kostete in der Regel 300.- Franken. Und dauerte vier Stunden. Das meistens mit 30 – 40 Passagieren. Bei einem Preis pro Person von nur 15- 20- Franken hätten wir ein wesentlich besseres Geschäft gemacht. Wenn ich nicht nur Praktiker sondern auch ein gut kalkulierender Geschäftsmann wäre hätte die Rechnung besser

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ausgesehen. Doch ob unter diesen Umständen der Täggelibock wieder auferstanden wäre bezweifle ich. Wie gesagt, wir waren zu dieser Zeit bereits im Mai des laufenden Jahres total ausgebucht. Zum Glück hatte ich wie bereits erwähnt eine gut ausgebildete Mannschaft von über 20 Mann. Bei einer Schiffsmannschaft von 5 – 8 Besatzungsmitgliedern pro Fahrt und dem grossen Interesse hatte ich Leute genug. Allein für mich hatte ich keinen Ersatzmann. Bei den jungen, zum Teil sehr guten Leuten meiner Mannschaft wäre es bestimmt möglich gewesen einen oder mehrere Ersatzleute zu finden. Den zu Schiffsführern ausgebildeten Männern konnte ich punkto Fahrtechnik kaum noch etwas vormachen. Ich befürchtete jedoch, dass sie den Feindseligkeiten von Herr Bösch nicht gewachsen wären. Deshalb war ich bei jeder Fahrt auf dem Schiff, auch wenn ich das Steuer andern überlassen  konnte. Zum Thema Disziplin ist noch folgendes zu sagen: Während dem Bau des Täggelibocks und der Mannschaftsausbildung habe ich auf strenge Disziplin in allen Stufen unserer Pfadfinderabteilung grossen Wert gelegt. Anfangs der siebziger Jahre, bei Beginn der sogenannten „Antiautoritären Welle“ hatte ich grosse Befürchtungen. Denn ich war überzeugt, dass dieser Trend für unsere Bewegung nur negative Auswirkungen haben konnte. Deshalb habe ich mich nicht an die neuen Bundesweisungen betr. Disziplin gehalten sondern die Zügel sogar etwas gestrafft. Was bei einigen Führerinnen  und Führern hinter meinem Rücken scharfe Kritik ausgelöst hat. Das kam soweit, dass eine Pfadessen-Führerin welche oft bei Ausfahrten dabei war, die Mannschaft gegen mich aufgehetzt hat. Besonders ein Offizier wurde mir gegenüber ziemlich aufsässig.  Nach einigen Aussprachen drohte ich ihm mit drei Monaten Schiffsverbot. Als auch das nicht geholfen hat, habe ich ihm für drei Monate das Betreten des Täggelibocks verboten. Nach drei Wochen erhielt ich einen Brief von ihm. Er bat mich, das Verbot aufzuheben, das Leben ohne Täggelibock sei langweilig. Ich hatte von da an keine Probleme mehr mit meinen Offizieren. Der Erfolg meiner Strenge zeigte sich 2 Jahre später. Die Pfadfinderabteilungen Brienz und Spiez sollten wegen Führermangel geschlossen werden. Wir hatten einen Führerüberschuss. Ich war also in der Lage den beiden Abteilungen gegen Entgelt der Reisekosten über längere Zeit je 2 Führer  auszuleihen. Hier noch eine erfreuliche Begebenheit.

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Der Generaldirektor der Bauunternehmung Rinderknecht mit 13 Niederlassungen in der Schweiz charterte den Täggelibock an einem Mittwoch ganztägig. Es handelte sich dabei um eine Zusammenkunft mit seinen 13 Direktoren und ihren Sekretärinnen. Ich wurde beauftragt, alles, auch das Mittagessen, in einem guten Hotel am Brienzersee mit 3 Menüvorschlägen sowie die Nachspeise und den Kaffee auf dem Schiff zu organisieren. Ein Problem! Wie bekomme ich an einem Mittwoch die Mannschaft zusammen? Meine Leute arbeiteten oder waren im Gymnasium. Wieder zeigte der Personalchef vom Militärflugplatz sein Wohlwollen. Er gab 5 Lehrlingen am Mittwoch Urlaub unbezahlt. Alles stimmte bis ins kleinste Detail, selbst eine Kiste mit teuren Zigarren habe ich mir in einem Zigarrengeschäft in Kommission geliehen. Vor dem Anlegen in Bönigen verlangte der Generaldirektor, Herr Rinderknecht, noch eine Ehrenrunde für die Mannschaft und den Kapitän. Beim Abschied drückte er mir einen klein zusammengefalteten Tausender als Trinkgeld für die Mannschaft in die Hand. Das das unserer Schiffskasse gut. Im Frühjahr 1975 starb Frau Freiburghaus, Wirtin vom Restaurant „Seebad“ und Gotte vom Täggelibock und kurz darauf ihr Mann Emil. Danach kam mir der Gedanke, im Seebad ein Internationales Pfadfinderheim zu schaffen. Ein Gegenstück zu Kandersteg, jedoch mit einem Seepfadfinder-Zentrum. Ich hatte bereits einige Besprechungen mit „Heiner“, Heinrich Graf, dem Bundesfeldmeister und  „Rico“, Dr. Richard von Wattenwil, unserem Bundesanwalt. „Zerro“, ein sehr tüchtiger Rover und in der Zwischenzeit zum Architekten ausgebildet, entwarf ein Projekt in finnischem Stil mit 90 Schlafplätzen. Das Projekt habe ich einigen Hotelbesitzern und dem Präsidenten vom Kurkomitee, Herrn Dr. Zollinger unterbreitet. Die Herren waren sehr interessiert und haben in Aussicht gestellt, sich bei Verwirklichung finanziell zu beteiligen. Mit Frau Cottier, Präsidentin vom Lokalvorstand unserer Abteilung, und „Zerro“ haben wir das Restaurant „Seebad“ besichtigt. Dieses sollte wie geplant als Restaurant und Verpflegungsstätte für das Unternehmen Pfadfinderzentrum dienen. Die Lage wäre ideal und für Interlaken und das Oberland eine nicht zu unterschätzende touristische Bereicherung.  Kurze Zeit nach unserer Besichtigung habe ich in der Zeitung gelesen, die Gebrüder Schärz, zwei bekannte Geschäftsleute von Interlaken, haben das Sendli gekauft und beabsichtigen dort ein Wassersportzentrum zu verwirklichen. 

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Ein Monat später wurde uns der Seebadhafen von der LiegenschaftenVerwaltung gekündigt. Auf meine Anfrage teilte man mir mit, die Herren Schärz hätten ihnen einen mehrfach höheren Zins zugesichert. Da gab es nichts anderes als sofort zu reagieren . Ich habe Regierungsrat Dr. Günter angerufen (seine Söhne waren Pfadfinder.) Danach habe ich mit dem Gemeindepräsident, Notar Hirni, einen Termin vereinbart (sein Sohn war bei der Täggelibockmannschaft). Dr. Günter versprach mir, sich der Sache anzunehmen und Herr Hirni sagte zu mir, an der nächsten Gemeinderatsitzung werde das Gesuch von den Gebrüder Schärz verhandelt. Ich besuchte also noch einige mir bekannte Gemeinderatsmitglieder und schilderte ihnen unser Problem. Anschliessend machte ich zehn Tage Taucherurlaub in Deutschland. Am neunten Tag, ich befand mich bereits auf der Rückreise, machte ich Halt in einer Autobahnraststätte bei München und hörte die Nachrichten von Radio Luxemburg. Plötzlich kam eine Meldung. „Herr Werner Müller, welcher sich auf einer Urlaubsreise in Deutschland befindet, wird gebeten sofort seine Schwester Frau Wetzel anzurufen“. Meine Schwester teilte mir mit, der Täggelibock sei abgesoffen. Ich begab mich sofort auf die Rückreisen und kam am Morgen um sieben im Hafen vom „Sendli“ an. Und tatsächlich, der Bock lag schräg in der Fahrrinne, das Deck Backbord wurde ein Meter vom Wasser überspült. Die von mir alarmierte Feuerwehr ist spontan mit zwei Pumpen eingetroffen. Diese genügten jedoch nicht, Ich musste unter Wasser im Schiffsinnern die Bullaugen schliessen und die Fenster vom Maschinenraum abdichten. Danach holte ich auf dem Militärflugplatz eine grössere Wasserpumpe. Mit dem Einsatz der drei Pumpen, bequemte sich unser Täggelibock langsam wieder aufzutauchen. Natürlich war auch Herr Bösch zur Stelle. Ich machte ihn auf ein drei Zentimeter grosses Bohrloch aufmerksam, welches sich genau auf der Wasserlinie im Maschinenraum befand. Herr Bösch stellte fest, das sei ein Astloch!! Ich konnte ihm jedoch das Gegenteil beweisen indem ich ihn auf die hellen Holzränder hinwies. Ausserdem entdeckte ich auf dem Boden des Beibootes die Bohrspäne. Daraufhin befestigte ich das Beiboot zwischen dem Schiff und dem Ufer, damit es niemand betreten konnte und benachrichtigte den Erkennungsdienst. Als ich am nächsten Morgen mit den Herren vom Erkennungsdienst auf dem Platz eintraf war das Beiboot am Ufer und die Bohrspäne waren verschwunden. Zudem bestätigte mir ein Amateurfunker, er habe folgenden Polizeifunk mitgehört: Herr Theiler (Seepolizist) habe Herr Bösch mitgeteilt, der Täggelibock hätte Schlagseite, ob er mich verständigen sollte. Herr Bösch habe verneint. 

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Dazu ist folgendes zu sagen: bei einem Loch von drei cm braucht es drei Tage bis das Schiff absäuft. Bei fünf cm Wasserstand schalten die Bilgen-Pumpen ein. Erst wenn die Batterien leer sind und das Ladegerät die Nachladung nicht mehr schafft ist es soweit dass er zu sinken beginnt. Zum Glück war das Schiff bei der „Mobiliar“ versichert. Kurz darauf bekam ich vom Gemeindepräsident die Mitteilung, das Gesuch der Herren Schärz sei abgelehnt worden. Herr Dr. Günter hat mich angerufen und mir mitgeteilt, die Kündigung von Hafen sei rückgängig gemacht worden. Die Instandsetzung  des Schiffs dauerte annähernd ein Jahr. Die gesamte Inneneinrichtung, inklusive Maschinen und Geräte sowie Küche und Schlafkojen musste ausgebaut, revidiert und zum Teil ersetzt werden. Zum Glück kamen mit Bekanntwerden der „Sabotage“ sofort Spenden von allen Seiten. Auch die Mitglieder des Vereins „Freunde des Täggelibocks“ haben sich sehr grosszügig gezeigt. In dieser Zeit war ich mit unserem Schiff so beschäftigt, das ich mich sehr wenig um die anderen Pfadfinderstufen und nicht zuletzt auch um mein Geschäft kümmern konnte. Gewohnt, dass dort alles gut läuft, habe ich mich beim Abgang der guten Führer nicht um den Nachwuchs gekümmert und es diesen überlassen, ihre Nachfolger zu bestimmen. Das hat sich gerächt, denn auch unsere Pfaderabteilung hat zu dieser Zeit die Auswirkungen der Antiautoritären Welle zu spüren bekommen. Während des Sommerlagers bekam ich Anrufe von Eltern, ihre Söhne seien nach Hause gekommen. Es wurde mir mitgeteilt, die Führer lägen in den Zelten und lesen Romane und die Pfader seien sich selber überlassen. In kurzer Zeit musste ich zwei Führer entlassen und die Leitung der Pfadfinderstufe einige Zeit selber übernehmen.  Mit der Pfaderstufe ging es zum Glück bald wieder aufwärts, aber die abgesetzten Führer und ihre Komplizen versuchten alles, um mir zu schaden und es war ihnen nichts zu gemein. So bekam ich plötzlich in der Nacht ganz zweideutige Telefonanrufe. Das erste Mal hängte ich gleich den Hörer auf, das zweite Mal fragte ich woher, haben Sie eigentlich meine Telefonnummer. Seine Antwort: beim Westbahnhof im WC. Am andern Morgen konnte ich mich überzeugen dass es so war. An einem Abend nach neun Uhr besuchte mich ein Rover. Er berichtete, nebenan in der Pony Bar sei eine Geschäftsfrau und erzähle die schlimmsten Lügen über mich. Sie erzählt unter anderem, du seist schwul und der Täggelibock sei ein Schwulennest. Ich begebe mich sofort in die Pony Bar und tatsächlich: an der Bar sitzt eine mir bekannte Geschäftsfrau von Interlaken, in angetrunkenem

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Zustand, und im Lokal befinden sich mindestens zwanzig Gäste, darunter auch zwei Polizisten in Zivil. Ich setze mich neben die Frau und sage zu ihr laut und deutlich. Frau „Meier“ (Name geändert), ich möchte Sie bitten, die Verleumdungen welche sie da gerade erzählt haben, zu wiederholen. Sie versichert, sie habe gar nichts über mich erzählt. Einer der Polizisten steht auf und sagt zu ihr „Doch das haben Sie, wir können es bezeugen“. Ich sage zu Frau „Meier“: Ich gebe Ihnen genau 24 Stunden Zeit das alles zurückzunehmen und sich schriftlich bei mir zu entschuldigen, sonst werde ich eine Anzeige gegen Sie machen. Die Entschuldigung hat sie am anderen Tag persönlich vorbeigebracht und dazu 100.- Franken mit der Bemerkung, es sei eine Spende für den Täggelibock. Für die Spende habe ich ihr natürlich eine Quittung ausgestellt. Die Verleumdungen hinter meinem Rücken gingen so weit, dass ich im Herbst 1979 beim Lokalvorstand meine Demission als Abteilungsleiter auf Ende Jahr einreichte. Der versammelte Lokalvorstand bat mich weiterzumachen bis ein Nachfolger gefunden sei, sonst sei man gezwungen, die Abteilung zu schliessen. Das wollte ich nicht, deshalb habe ich eingewilligt bis zu meiner Abreise nach Ibiza weiterzumachen.

Ende Kapitel 5

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Kapitel 6

Das Ende im Hotel Savoy

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Ein Jahr später hat die Bank „Inmoba“ in Zürich beschlossen, das Hotel Savoy zu verkaufen. Ich und alle Mitbewohner bekamen die Kündigung. Als einziger konnte ich meine Kündigung gerichtlich um ein Jahr hinausschieben, weil ich seit 20 Jahren Mieter war und es für mein Geschäft nicht leicht war, einen anderen geeigneten Platz zu finden. Im Jahr 1981 war ich der einzige Bewohner im Hotel Savoy. Ich hatte damals bereits seit 18 Jahren die Johnson-Vertretung für Bootsmotoren. Zwei Jahre vorher hatte ich mit der Firma W.A.R in Adligenswil einen Vertrag  für den Alleinvertrieb ihrer Boote auf dem Thuner- und Brienzersee abgeschlossen. Im Frühjahr 1981 besuchten mich der Direktor der W.A.R. und der Manager der  Almacoa, Eugen Ritz. Er machte mir folgenden Vorschlag: Da ich im Savoy über 13 Schaufenster plus Parkplatz und Garten verfügte, könnte ich doch eine permanente Motoren- und Bootsausstellung einrichten. Ich willigte ein unter der Bedingung, dass sie mir die Motoren und Boote in Kommission zur Verfügung stellen. Herr Ritz war sofort einverstanden und Herr Amrain machte folgenden Vorschlag: Da sie die Boote in Amerika im Voraus bezahlen müssen, solle ich ihnen für jedes Boot einen Sichtwechsel unterschreiben. Dazu würden sie mir einen Vertrag unterzeichnen, dass die Wechsel erst fällig werden, wenn das Boot verkauft ist. Zuerst war ich sehr skeptisch, aber Eugen Ritz beruhigte mich.  In der Folge einigten wir uns auf  sechs Sportboote in der Preisklasse zwischen 6’000 und 9’000 Franken und vier Kabinenboote zwischen 30’000 und 45’000 Franken. Die erste Hälfte des Sommers war schlechtes Wetter, deshalb florierte der Bootsverkauf nicht sehr gut. Immerhin verkaufte ich 3 Sportboote mit Aussenbordmotoren und ein Kabinenboot zum Preis von 38‘500 Franken. Im Herbst teilte ich der W.A.R. mit, ich möchte die nicht verkauften Boote zurückbringen und die Wechsel dafür in Empfang nehmen. Das war an einem Freitagmorgen. Herr Amrain sagte zu mir, er werde mich zurückrufen. Der Anruf kam um 19.00 Uhr. Er teilte mir mit, dass die Boote am Montag um 9.00 Uhr bei

 

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Ihnen auf dem Gelände sein müssten. Es komme jemand von der Bank, um sie zu besichtigen. Wie der Kran bedient werde, wisse ich ja selber.  Es war für mich kein Problem. Meine Gehilfen hatten bereits Feierabend. Aber mit meiner Hebeanlage konnte ich die Boote selber aufladen und transportieren. Also transportierte ich am Samstag zwei und am Sonntag das dritte Boot nach Adligenswil, ohne dass mir jemand die Rücklieferung bestätigt hätte. Am Montag um 14.00 Uhr meldete ich mich im Büro von Herrn Amrain und verlangte die Wechsel zurück. Die Sekretärin versicherte mir, ihr Chef sei heute Morgen für drei Wochen nach Amerika geflogen und sie habe keinen Schlüssel zum Tresor. Ich überlegte mir, dass die Verantwortlichen der W.A.R. dachten, wenn der Müller das Geschäft in Interlaken aufgibt und nach Ibiza geht, ist er für uns nicht mehr interessant. Die Wechsel haben wir der Bank abgetreten (was sie laut Vertrag nicht durften), unser Geschäft florierte diesen Sommer schlecht, also lassen wir ihn hochgehen.“ Tatsächlich hat mir die Bank, bei welcher auch ich in Interlaken mein Geschäftskonto hatte, die Wechsel präsentiert. Für die Sportboote war das Geld auf dem Konto. Das wurde beschlagnahmt, obwohl noch drei Boote bei mir standen und von den verkauften Booten die Wechsel bereits eingelöst waren. Es war gut, dass ich diese noch nicht zurückgebracht hatte. Zudem pfändete die Bank meine Lebensversicherung. Zum Glück hatte ich noch kurz vorher die fälligen Rechnungen bezahlt.  Doch das dicke Ende kam erst noch. Am nächsten Tag kam der Chef vom Betreibungsamt Interlaken, Herr Stähli und wollte all mein Hab und Gut unter Arrest nehmen. Ich telefonierte mit dem Gerichtspräsidenten, Herrn Kuhn, einem Kunden von mir und unterrichtete ihn kurz über das Vorgefallene. Herr Kuhn verlangte Stähli ans Telefon und sagte: „Warten Sie! Ich komme persönlich!“ Ich zeigte ihm den Vertrag mit der W.A.R. und er sagte zu Herrn Stähli, dass er gehen könne, da im Moment nichts unternommen werde. Er werde von den Herren einen Vorschuss verlangen.  Als Stähli draussen war, sagte Herr Kuhn zu mir: „Ich verlange von der W.A.R. einen Vorschuss von 50‘000.- Franken. Vermutlich kommen sie Morgen mit einem Scheck, diesen akzeptiere ich jedoch nicht, ich verlange das Bargeld. Am Montag werden sie mit dem Bargeld kommen. Auf alle Waren, welche sich bis dann noch im Amtsbezirk Interlaken befinden, müssen wir Arrest legen. Danach ging alles blitzschnell. Ich rief Freunde in Bern und in Biel an. Diese besorgten mir innert Stunden Plätze für meine Boote und mein gesamtes Material, von Bern über Biel bis nach Lausanne. Mit meinem neuen Wohnwagen zog ich auf einen Campingplatz bei Wohlen. 

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Mit der Almacoa habe ich vereinbart, dass sie die nicht verkauften Kommissionsmotoren anfangs Dezember abholen. Die verkauften Motoren waren zum Glück bezahlt. Als diese bis am 20. Dezember nicht abgeholt wurden, habe ich angerufen. Der Telefonbeantworter sagte mir, dass die Firma bis am 10. Januar Betriebsferien habe. Am 31. Dezember musste ich die Schlüssel vom Savoy abgeben und am 4. Januar für eine deutsche Firma ein 12 Meter-Boot von Düsseldorf nach Cannes transportieren.  Ein Freund stellte mir in Bern eine leere Garage zur Verfügung, wo ich die Motoren bis sie abgeholt wurden einlagern konnte. Am Silvester 1981 schrieb ich einen Brief an die Firma Almacoa Zürich und teilte ihnen mit, wo sie die Motoren abholen können. Den Brief übergab ich meiner Schwester Lili, mit der Bitte ihn am 3. Januar eingeschrieben abzuschicken. Lili legte ihn in die Stahlkassette, wo ich meine wichtigen Sachen verwahrte und vergass ihn dort. Im November hatte ich noch ein Schnellboot mit  einem 75 PS Aussenbordmotor an einen Deutschen verkauft. Der Kaufvertrag wurde abgeschlossen und der Käufer bat mich, das Boot nach Köln zu bringen. Er hatte eine Akontozahlung von 500.- Franken geleistet. Der Rest in der Höhe von 8‘500.- Franken sollte bei Übernahme bezahlt werden. Also fuhr ich am 2. Januar nach Köln. Doch der Mann erschien nicht zum vereinbarten Treffen. Also stellte ich das Boot in einer Einstellhalle unter und schrieb dem Mann in einen Brief, dass ich in vier Tagen zurückkommen würde und das Boot mitnehmen würde, wenn es bis dann nicht bezahlt sei. Ich sicherte den Anhänger mit Kette und Schloss an meinen Wagen und transportierte das 12-Meterboot mit LKW und Anhänger nach Cannes. Als ich zurück nach Köln kam, fand ich am Boot eine Marke vom Betreibungsamt Köln. Das Boot war gepfändet. Ich begab mich auf das Amt und protestierte, dass es sich um mein Boot handle. Der Beamte sagte, sie hätten bei diesem Mann einen Vertrag über den Kauf dieses Bootes gefunden und ich müsse mit einer Quittung beweisen, dass das Boot mir gehöre. Auf meinen Einwand, die Quittung befände sich in der Schweiz, antwortete er, dann müssen ich diese holen. Ich wartete bis nach sechs Uhr, riss die „Pfändungsmedaille“ herunter und fuhr in derselben Nacht mit Boot und Anhänger über die Grenze nach Spanien. Von nun an holte ich im Abstand von ein paar Wochen immer eines meiner Boote und die Kisten mit den Maschinen und dem Werkzeug aus der Schweiz und überführte es nach Ibiza. Am Zoll hatte ich nie Schwierigkeiten, denn ich wartete immer bis kurz vor Mitternacht (Schichtwechsel). Wenn ein Zöllner fragte, ob ich etwas zum Verzollen habe, antwortete ich, dass ich Urlaub in Spanien mache und er nachschauen könne. Darauf wurde umgehend abgefertigt, denn schliesslich wollten die Beamten nach Hause. Im Januar, als die Almacoa die Motoren im Savoy abholen wollten, war das ganze Hotel ausgestorben und weder Motoren noch ein Werner Müller

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anzutreffen. Auf Nachfragen bei den Nachbaren sagte man ihnen, ich sei nach Spanien verreist, wohin sei unbekannt. Das war schlecht. Sie warteten noch ein paar Wochen. Danach glaubten sie aber, ich hätte die Motoren mitgenommen und sie machten eine Anzeige gegen mich. Die Nachricht, ich sei mit unbezahlten Booten und Motoren nach Spanien abgehauen und hätte einen betrügerischen Konkurs gemacht, verbreitete sich schnell. Zu der Zeit wurde an meinem Namen richtig Rufmord betrieben. Im März verkaufte ich einem Schweizer auf Ibiza einen 180 PS Motor und bestellte diesen bei der Almacoa. Eugen Ritz fragte mich, wo denn ihre Motoren seien. Erstaunt antwortete ich, ob diese denn nicht in Bern abgeholt worden seien. Darauf stellte sich heraus, dass meine Schwester den Brief nicht abgeschickt hatte. Die Motoren wurden dann doch noch abgeholt und die Anzeige zurückgezogen. Trotzdem musste ich bei einem Besuch in Interlaken vor Gericht erscheinen. Herr Ritz musste von Zürich kommen und die Geschichte bestätigen. Natürlich wurde ich freigesprochen. Über meinen Aufenthalt, meine Arbeit und meine Abenteuer in Ibiza berichte ich - falls es jemanden interessieren sollte - möglicherweise noch später. In Kurzfassung kann ich dazu Folgendes sagen. Ich habe anfänglich kleine Reparaturen verrichtet. Mein erster Auftrag war eine WC-Türe zu reparieren. Danach habe ich dem Salzbaron von Österreich, Adi Vogel, mit zwei jungen Gehilfen seine Villa in Stand gestellt. Es kamen immer mehr Leute, welche meine Dienste in Anspruch nahmen.  Bei Adi Vogel lernte ich an einer Grillparty eine deutsche Frau kennen. Sie besitzt in Achen das  Steakhaus „La Pampa“. Weil ich nicht mit ihr nach Deutschland wollte, kaufte sie in Ibiza ein Haus und lebte vier Jahre mit mir zusammen. Mit ihr reiste ich unter anderem nach Brasilien, Argentinien und Chile. Sie hatte dort viel Besitz. Weil ich eine Beobachtung der Drogenpolizei meldete und einige Leute verhaftet wurden, wollte mich die Drogenmafia ermorden. Beinahe wäre es ihnen gelungen. Ich trug schwere Verbrennungen davon.

Ich gründete die Firma "Swiss Yacht Service".

Ende Kapitel 6

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Kapitel 7

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Mein Abschied vom Hotel Savoy und von Interlaken war mit Hindernissen und Intrigen gepflastert. Wie im vorigen Kapitel erwähnt, wurden mir von der Firma W.A.R. in Luzern im Frühjahr 1981 insgesamt 6 Sportboote ohne Motor und vier Kabinenboote mit Innenbordmotoren in Kommission geliefert. Das gegen Sichtwechsel, wobei die W.A.R. sich vertraglich verpflichtete, mir die Wechsel erst nach Verkauf der Boote zu präsentieren. Vermutlich weil auch sie einen wetterbedingt schlechten Sommer hinter sich hatten, wurden die Wechsel ihrer Bank bereits vor der Fälligkeit und bevor ich die Boote verkauft hatte,  abgetreten. Zufällig hatte die Firma W.A.R. dieselbe Bank in Luzern wie ich in Interlaken. Die Wechsel für die drei noch nicht verkauften Sportboote wurden am 31. Oktober meiner Bank präsentiert und von meinem Konto eingelöst. Zum Glück hatte ich ein paar Tage zuvor noch die fälligen Rechnungen bezahlt, denn mein Konto wurde dadurch um annähernd 4`000.- Franken überzogen. Damit waren alle Sportboote bezahlt. Wie in Kapitel 6 berichtet, habe ich daraufhin Ende Oktober die drei nichtverkauften Kabinenboote sofort an die W.A.R. zurück geliefert. Diese Wechsel waren bei Verkauf bzw. am 30. November fällig.   Ich befand mich also in der glücklichen Lage, kurz vor meiner Abreise nach Ibiza nebst zwei Occasionsbooten noch drei nicht verkaufte Sportboote ohne Motor zu besitzen.  Weil ich für die Firma W.A.R. im Ausland nicht mehr von Interesse war und sie selber in finanziellen Schwierigkeiten steckten beschlossen sie, mich fertig zu machen. Auch die Wechsel von den zurückgelieferten Booten wurden mir von der Bank präsentiert (siehe Kapitel 6 Seite78).  Zum Glück hatte ich noch ein Privatkonto bei der  Ersparniskasse. Dieses Geld habe ich sofort abgehoben und damit einen Wohnwagen und den Nissan Patrol Geländewagen gekauft. Mein 20-jähriger Landrover war in gutem Zustand, verbrauchte jedoch auf 100 Kilometer gute 20 Liter Benzin. Der Nissan verbrauchte die Hälfte, zudem war der Dieseltreibstoff damals noch wesentlich billiger als Benzin. Sicherheitshalber habe ich die beiden Fahrzeuge auf den Namen meiner Schwester eingelöst. Es wäre noch zu erwähnen, dass die Kreditanstalt sogar meine Lebensversicherung, welche ein Jahr später zur Auszahlung fällig war, gepfändet hatte. So ebenfalls einen Scheck im Betrag von 2`500.-, welcher mir von einem Kunden für mein Ladeninventar auf den Namen dieser Bank ausgestellt worden war.  Es blieb mir nichts anderes übrig als die Flucht vor dem bösen Chef vom Betreibungsamt. Dieser, Herr Stähli, war scheinbar nicht gut auf mich zu

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sprechen, da meine Schwester kurze Zeit zuvor von seinem Bruder geschieden worden war; nebenbei bemerkt: ohne meine Schuld! Dass die Firma W.A.R. keine Anzeige gegen mich machen würde, davon war ich überzeugt, da sie wussten, dass ich die Boote zurückgeliefert hatte.  Ein guter Freund von mir, ein Rechtsanwalt, sagte zu mir. „Du musst der W.A.R. den Beweis erbringen, dass du die Boote an sie zurückgeliefert hast“. Wenn ich meinen Wohnsitz in der Schweiz behalten hätte, wäre mir das wahrscheinlich auch gelungen, denn ich hatte mich schon einige Male als Detektiv bewährt. Aber leider war meine Zukunft bereits verplant.  Ich bin also mit meinem Gespann von Wohnwagen und Nissan nach Wohlen auf den Campingplatz gefahren (meine übrige Habe war ja gut versteckt) und habe in aller Stille Weihnachten 1981 dort verbracht. Der Wohnwagen war gut eingerichtet, er hatte sogar einen Kochherd mit Backofen, eine gute Heizung und eine Klimaanlage. Nebenbei bemerkt: die Klimaanlage funktionierte leider in Ibiza nicht, weil, wie man mir später sagte, dort die Luftfeuchtigkeit zu gross ist. Noch eine „lustige“ Begebenheit:   Im Oktober 1981 habe ich einem Deutschen von Köln, welcher auf dem Campingplatz Manorfarm in Unterseen weilte, ein Occasions-Schnellboot mit einem 110 PS Aussenbordmotor verkauft. Er hat 500.- Franken angezahlt und es wurde schriftlich vereinbart, dass ich ihm das Boot im Frühjahr nach Deutschland bringe, wo er es übernimmt und den Rest bezahlt. Mit der Bootsfirma Schröder in Düsseldorf habe ich an der Bootsmesse in Zürich einen Wartungsvertrag abgeschlossen. Diese Firma verkaufte Boote in der Preislage von mehreren hunderttausend Franken an mehrere Eigentümer. Jeder Mitbesitzer konnte das Boot jährlich je nach Anteil eine Zeit benutzen. Er übernimmt es in einem Hafen an der Riviera von mir und übergibt es in einem anderen Hafen an den nächsten Mitbesitzer, nachdem ich es kontrolliert und gewartet hatte. Diese Aufgabe sollte ich ab 1. März 1982 übernehmen und von Ibiza aus erledigen.  Nebenbei: Die Firma Schröder hat im März darauf, bevor ich mit meiner Arbeit beginnen konnte, Konkurs angemeldet.  Am letzten Tag in Interlaken bekam ich ein Telefon von Herrn Schröder und er  machte mir folgende Mitteilung: Ihr Fahrer liege nach einem Motorradunfall im Krankenhaus und am 10. Januar seien sie vertraglich verpflichtet, ein neues Seite 

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Boot in Cannes dem Eigentümer abzuliefern. Ich sollte den Transport mit dem Sattelschlepper übernehmen.  Das passte sehr gut in meine Planung. Statt im Frühjahr konnte ich das Schnellboot ja bereits im Januar nach Köln bringen. Meine gesamte Habe von Booten und die in Militärkisten verpackte Werkstatteinrichtung hatte ich in Bern, Biel  und Lausanne eingelagert.  Zwei Tage vor Weihnachten begab ich mich noch kurz nach Ringgenberg zu meiner Schwester. Lili war total aufgeregt und sagt zu mir, die W.A.R. habe zwei Privatdetektive  beauftragt mich zu suchen.  Gegen Mittag seien zwei Männer vor ihrer Türe gestanden und wollten wissen, wo ich mich aufhalte. Sie habe zu ihnen gesagt, dass sie es nicht wisse und wollte die Türe schliessen. Doch der eine habe den Schuh dazwischen gestellt und die beiden hätten sie gleich in ihre Wohnung gedrängt und ihr gedroht. Sie habe grosse Angst ausgestanden und hätte den beiden vermutlich gesagt wo ich sei, wenn sie es gewusst hätte. Am gleichen Tag wollte ich noch das letzte Boot von Bern nach Biel in die Halle überführen, welche mir ein Freund vermittelt hatte. Nach Därligen bemerkte ich, dass uns ein Wagen verfolgte. Als dieser uns vor Bern immer noch folgte, sagte ich zu meinem Begleiter: „Dem zeigen wir es!“ Ich fuhr weiter bis zur Autobahnraststätte Grauholz. Dort begaben wir uns ins Restaurant. Nach kurzer Zeit erschienen zwei Herren und setzten sich an einen entfernten Tisch. Ich sagte zum meinem Begleiter, dass dies bestimmt die beiden seien und er keine Anzeichen machen solle, dass unsere Verfolger bemerken, dass wir sie erkannt haben. Als die Bedienung bei ihnen die Bestellung aufnahm, schlenderte ich unauffällig an ihrem Tisch vorbei und fragte die Bedienung, wo das WC sei. Im untern Eingang begab ich mich nicht auf das WC sondern zum Hinterausgang auf den Parkplatz. Den Wagen, der uns verfolgt hat, erkannte ich sofort an seiner roten Farbe. Er stand etwas abseits auf dem Parkplatz. Ich begab mich zu ihm und liess - von einem Gebüsch etwas verdeckt - am rechten Vorderrad die Luft heraus. Darauf ging ich zu meinem Begleiter zurück. Wir legten das Geld für den Kaffee auf den Tisch, begaben uns rasch zum Wagen und fuhren zurück nach Bern und danach nach Biel. Von unseren Verfolgern haben wir nichts mehr bemerkt. Am 5. Januar fuhr ich mit meinem Nissan, dem Anhänger und dem Schnellboot von Bern Richtung Köln. Dort angekommen, wartete ich vergebens auf den Kunden des Bootes an unserem vereinbarten Treffpunkt, einer Einstellhalle. Auch zuhause habe ich ihn nicht angetroffen. Ich teilte ihm in einem Brief mit, ich würde mit einem Lastzug nach Frankreich fahren, sei in 5 Tagen zurück und wenn bei meiner Rückkehr das Boot nicht bezahlt werde, so würde ich es Seite 

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wieder mitnehmen. Ich kaufte eine starke Kette mit Schloss, sagte dem Parkwärter Bescheid, bezahlte den Einstellplatz für fünf Tage im Voraus und kettete Boot und Anhänger in der Halle an einen Stützpfeiler. Daraufhin machte ich mich auf die Reise. Die Reise nach Frankreich mit dem 15 Meter langen Kabinenboot auf dem Sattelschlepper verlief ohne erwähnenswerte Ereignisse. Ich musste mich allerdings etwas eingewöhnen, denn ich war schon viele Jahre nicht mehr mit einem solchen Vehikel unterwegs gewesen. So verlief auch die Rückreise, auf welcher ich ein 10 Meter langes Schnellboot für die gleiche Firma zurücknehmen konnte. Wieder in Köln bei meinem Auto und Boot angekommen, stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass an meinem schönen Schnellboot ein Siegel vom Betreibungsamt Köln klebte. Es war 15.30 Uhr, also begab ich mich sofort auf das Amt um die Sache zu klären. Ein freundlicher Herr dort sagte zu mir, dass beim Käufer in der Wohnung ein Kaufvertrag für das Boot gefunden worden sei und ich beweisen müsse, dass das Boot mir gehöre. Auf meinen Einwand, dass die Papiere in der Schweiz seien, antwortete er, dass ich diese dann eben holen müsse. Ich begab mich zurück zum Boot, riss das Siegel herunter und fuhr Richtung Spanien. In der gleichen Nacht überquerte ich die spanische Grenze und war glücklich darüber. Ich glaube jedoch, dass es nicht so eilig gewesen wäre, denn wenn der Betreibungsbeamte überhaupt etwas unternommen hätte, so hätte er sich bestimmt beim Zoll an der Schweizergrenze gemeldet. Aber „gebrannte Kinder meiden das Feuer.“ Um mein Eigentum möglichst bald aus der Schweiz bei mir zu haben, transportierte ich Boote und Materialkisten etappenweise über Frankreich nach Ibiza. Zuerst die neuen Boote, die ich kurz hinter der Schweizergrenze in einer Bootswerft einstellte. Danach habe ich den Wohnwagen nach Barcelona gefahren, das Gespann auf die Fähre verladen und nach Ibiza überführt. Anschliessend holte ich ein Boot nach dem anderen in Frankreich ab und überführte sie nach Ibiza. Am Strand in der Nähe von Béziers lernte ich ein älteres Ehepaar kennen. Diese besassen ein Haus direkt am Meer mit einer Bootsrampe. Diese Leute erlaubten mir, das Boot für ein paar  Wochen bei ihrem Haus abzustellen. Als ich drei Wochen danach zurückkam, klebte ein Zollpapier am Boot, woraus hervorging, dass dieses beschlagnahmt sei und ich mich auf dem Polizeiposten melden müsse. Der Hausbesitzer sagte mir, dass Herren vom Zoll da gewesen seien. Sie hätten gesagt, dass das Boot beschlagnahmt sei und wenn ich zurückkomme, ich beweisen müsse, dass dieses nicht länger als drei Monate in Frankreich sei. 

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darauf sagte ich zu dem Mann, dass ich ihm 100 Schweizerfranken gebe und er am Abend irgendwo gut essen gehen solle. Wenn er dann zurückkomme sei das Boot nicht mehr da. So wurde es gemacht und wieder hatte ich ein Abenteuer hinter mir. Bei meiner letzten Abenteuerfahrt aus der Schweiz nach Ibiza war mir etwas mulmig zu Mute. Es war der Transport eines Occasionskabinenboots, welches ich kurz vor meiner Abreise aus der Schweiz eingetauscht hatte. Im Heckteil des Boots befand sich neben Kisten mit Handmaschinen auch eine teure Heisswasserreinigungs- und Sandstrahlanlage. Das Ding war 100 kg schwer und das Heck vom Boot war mit einer Plane abgedeckt. Ich überlegte, dass wenn die Zöllner das alles sehen, ich ganz ordentlich Zollgebühren bezahlen müsste oder  möglicherweise sogar alles beschlagnahmt würde. So habe ich mich erkundigt, um welche Zeit die spanischen Zöllner abgelöst werden. Die Antwort: ab Mitternacht alle acht Stunden. Ein paar Kilometer vor der Grenze hielt ich auf einem stillen Parkplatz an und bereitete alles vor. In der Kabine legte ich etwas Kochgeschirr sowie ein paar Kleider auf die Bänke und den Tisch. Danach kontrollierte ich noch einmal die Plane und spannte rings um das Boot ein Wasserskiseil, welches ich gut verknotete, damit man Zeit brauchte um die Knoten zu lösen und auch die Plane nicht hochheben konnte um ins Bootsheck zu schauen. Um 23.50 Uhr hielt ich beim spanischen Zoll, stellte am Radio, nicht zu laut, spanische Musik ein und kurbelte das Fenster herunter. Wie gewohnt kommt der Beamte und fragt, ob ich etwas zu verzollen hätte. Ich sagte ganz ruhig zu ihm, dass ich nach Ibiza fahre, dort ein Haus gekauft habe, meine Familie nachkomme und meine Fähre am nächsten Morgen um 10.00 Uhr fahre. Dann  fragte ich, ob es in Spanien erlaubt sei, auf einem Parkplatz im Boot zu übernachten. Er sagt ja, aber ich solle vorsichtig sein und fragte noch einmal, ob ich etwas zu verzollen habe. Ich antwortete, dass er ohne Weiteres nachschauen könne. Darauf nimmt der Zöllner seine Taschenlampe, leuchtet damit durch das Kabinenfenster, kommt zurück und sagt: “Fahren Sie weiter, gute Fahrt!“ In diesem Moment fiel mir eine LKWLadung Steine von der Brust. Wie ich vermute, hat auch das furchtbare Knurren im Heck des Nissan, welches von meinem grossen Schäferhund „Rolly“ herrührte, den Zöllner von weiteren Untersuchungen abgehalten. Doch das Glück hielt nicht lange. In Barcelona suchte ich einen Parkplatz um das Ticket für die Fähre zu lösen und etwas zu essen. Zufällig fuhr unter der 20 Meter breiten Treppe zum Telegrafenamt gerade ein Wagen weg, so dass zwei Plätze frei waren. Weil es die letzte Überführungsfahrt aus der Schweiz war, habe ich dort noch einiges zu Geld gemacht, ich hatte eine Aktentasche mit verschiedenen Verträgen und 3‘000 Franken in bar darin, neben mir auf dem Seite 

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Beifahrersitz. Mein Nissan war im Heck bis fast unter das Dach mit Gepäck beladen. Zuhinterst vor der Heckscheibe habe ich einen Platz für meinen Hund freigehalten. Der Durchgang von seinem Liegeplatz nach vorn war wegen des vielen Gepäcks nur etwa 30 cm hoch. Von vielen Erzählungen wusste ich, dass Barcelona zu dieser Zeit eine sehr gefährliche Stadt war. Das sollte ich übrigens, wie ich später berichten werde, noch einige Male erfahren. Oben an der Treppe hielten zwei Polizisten Wache. Ich begab mich zu den beiden und bat sie, ein Auge auf mein Gespann zu halten, ich hätte Wertsachen darin. Ich überlegte mir, dass wenn der Wagen von zwei Polizisten und meinem Hund bewacht wird, ich meine wertvolle Tasche wohl besser darin lasse. Als ich nach gut einer Stunde zurückkam, waren sowohl die beiden Polizisten wie meine Tasche weg und auf dem Fahrersitz befand sich ein kopfgrosser Stein. Meine rechte Türscheibe war eingeschlagen und Rolly war sehr nervös. Er befand sich vorne auf dem Beifahrersitz. Ich begab mich ins Telegrafenamt und fragte die Dame am Empfang, wo die beiden Polizisten seien. Sie schaute hinaus und sagte zu mir, dass sie dies nicht versehen könne da sonst immer zwei Beamte dort stehen würden. Ich bat sie, die nächste Polizeistation anzurufen, da mein Wagen unten an der Treppe aufgebrochen worden sei. Danach wartete ich eine Stunde. In dieser Zeit stellte ich fest, dass sich Blutspuren am rechten Rückspiegel befanden. Endlich kamen acht Polizisten mit zwei Polizeifahrzeugen. Sie schauten sich die Bescherung kurz an, gingen etwas beiseite und besprachen sich. Nach fünf Minuten trat ich zu ihnen und bat sie um Beeilung, in zwei Stunden sei die Abfahrt meiner Fähre. Sie erwiderten, ich solle hier warten, sie würden wiederkommen. Nach anderthalb Stunden kam ein Polizeifahrzeug um die Ecke, und als sie sahen, dass ich noch da war, sind sie gleich weitergefahren. Da wusste ich Bescheid. Darauf habe ich die Schweizerbotschaft angerufen. Sie  rieten mir, ich solle ruhig auf die Fähre gehen, sie würden die Anzeige für mich einreichen und diese am nächsten Tag dem Fährenkapitän zur Unterzeichnung für mich mitgeben. Am nächsten Morgen bekam ich ein Telefon von der Botschaft in Barcelona, die Tasche sei von der Polizei in einem Abfalleimer gefunden und bei ihnen abgegeben worden. Als die nächste Fähre ankam wurde mir vom Kapitän sowohl die Anzeige zur Unterzeichnung wie auch meine Tasche übergeben. Natürlich war das Geld weg und die Akten waren mit Blut verschmiert. Also stellte ich fest: Mein Wagen war rechts am Strassenrand direkt vor der Treppe zum Telegrafenamt parkiert gewesen. Auf der Treppe 3 Meter höher standen zwei Polizisten und hielten Wache (falls sie zu diesem Zeitpunkt noch dort standen). Jemand hat mit einem grossen Stein die Scheibe eingeschlagen,

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hinein gelangt und die Tasche zum Loch im Fenster hinausgezogen. Dabei hat mein Hund, welcher aus seinem Versteck nach vorn gekommen war, ihn noch gerade an einer Hand erwischt. Deshalb das Blut am Rückspiegel und an den Akten. Ich war froh, dass das Loch im Wagenfenster nicht gross genug war, dass Rolly den Wagen verlassen konnte, sonst wäre er möglicherweise noch erschossen worden.  Endlich war ich nun an meinem Domizil auf der Insel Ibiza. Meinen Wohnwagen hatte ich bereits an einem wunderbaren Plätzchen auf einer 50 Meter breiten Landzunge  direkt über einer kleinen, gut geschützten Bucht aufgestellt, unter einem grossen Affenbrotbaum in der Bucht von Cale Tarida. Ein Jahr vorher hat mich ein Kunde, Herr Heinrich Rohrer „Sipuro“ aus Münsingen angerufen und mich gebeten, sein Boot in Ibiza, wo er ein Haus besitze, instand zu stellen. Ich antwortete, auf Ibiza gebe es doch sicher Leute, welche das besser könnten als ich. Darauf meinte er: „Das sind alles Betrüger,  die können nichts als Rechnungen stellen.“ So vereinbarte ich mit ihm, während meinen Betriebsferien im Herbst 1980 seinem Wunsch nachzukommen. Dort stellte ich fest, dass die dortigen Zustände wirklich schlimm waren. Die meisten spanischen Handwerker dachten sich, wenn sich einer so ein Haus und dazu noch ein Boot von mehreren 10`000 oder sogar 100`000 Franken leisten kann, darf man ihn ruhig etwas schröpfen. Ich habe Rechnungen von Werften gesehen, in denen Bestandteile für etliche hundert Franken aufgeführt waren, welche man in den betreffenden Motor absolut nicht einbauen konnte. Aus diesem Grund habe ich mir überlegt, dass wenn einer hier seriös arbeitet und sein Handwerk kennt, er bestimmt ein gutes Auskommen hat. Ich entschloss mich also nach meinem Abschied von Interlaken nach Ibiza zu übersiedeln.  Eigentlich hatte ich mich immer mit dem Wunschgedanken befasst, nach Afrika auszuwandern und als Wildhüter in einem Tierschutzpark zu arbeiten. Natürlich wusste ich, dass man damit nicht grosses Geld verdienen kann, aber am Geld lag mir nie viel. Für diesen Job war ich mit 53 Jahren jedoch etwas zu alt. Also dachte ich mir, dass ich mit meinen Kenntnissen als Auto- und Motorenmechaniker möglicherweise etwas finden würde. Bei meiner vorläufig letzten Fahrt in die Schweiz zu Ostern 1980 begab ich mich nach Interlaken, weil der Sohn meiner Schwester, mein Patenkind Markus Schlegel, konfirmiert wurde. Das war für zwei Jahre mein letzter Besuch in Interlaken. 

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als ich dann wieder nach Ibiza fuhr wusste ich nicht, ob ich dort als Tourist mehr als drei Monate bleiben kann und ob es mir gelingen würde, eine Arbeitsbewilligung zu bekommen, was zu dieser Zeit für einen Schweizer sehr schwierig war.  Das war auch ein Grund, weshalb ich mich für einen Wohnwagen und einen Geländewagen entschieden hatte. Wenn es in Ibiza fehlschlagen sollte, konnte ich meine Boote verkaufen. Ich hätte etwas Grundkapital und könnte über Marokko weiterziehen. Doch es kam anders. Die Ibizenkos wollten mich behalten. Ich landete also zuerst in der Bucht Cale Tarida  auf einer 200 Meter langen und 50 Meter breiten Landzunge, direkt über einer kleinen geschützten Bucht. Unter einem riesigen Affenbrotbaum habe ich meinen Wohnwagen mit dem grossen  Vorzelt aufgestellt. In diesem richtete ich für die ersten paar Wochen meine Werkstatt ein. In meinem Hund „Rolly“ hatte ich einen guten Wächter. Niemand durfte ohne seine oder meine Erlaubnis die Landzunge betreten. Er stellte sich einfach vor die Störenfriede und sein Knurren tönte wie die Motorbremse eines alten LKW.  Die Bucht war nur auf 50 Meter Breite vom Land  oder von der 50 Meter tiefer gelegenen Bucht über einen schmalen Felspfad zugänglich. Am Anfang „meiner“ Landzunge befand sich ein Tourismuszentrum, der Club Cale Tarida. Ein 2 Hektaren grosses Gelände mit Bars und Restaurants, daneben -  direkt am Meer - ein Stufengebäude mit 60 Appartements. Das alles gehörte einem Herrn aus Thun, nämlich Herrn Frutiger von der Baufirma Frutiger Thun. Natürlich habe ich mich erkundigt, wem das Land gehörte auf dem ich mich niederlassen wollte. Es gehörte dem BMW-Vertreter von München. Auf meine Anfrage, ob ich dort meinen Wohnwagen aufstellen dürfe, antwortete er für 5000 Peseten (50.- Fr.) im Monat. Ich antwortete ihm, dass ich nichts bezahle, ihnen dafür aber das Gelände vom ganzen Müll säubere den die Touristen beim Grillen dort haben liegenlassen. Zudem sorge mein Hund dafür, dass diese der Landzunge fernbleiben würden. Er war einverstanden. Später habe ich gehört dass er das Land gekauft hatte, um dort ein Haus zu bauen. Erst nach dem Kauf erfuhr er, dass das Land Militärzone ist, belegt mit einem Bauverbot.  Drei Wochen nach meiner Ankunft auf Ibiza begegnete mir Herr Frutiger aus Thun. Ich kannte ihn bereits von einer Fahrt mit dem Täggelibock auf dem Brienzersee. Herr Frutiger war Eigentümer des Clubs Cale Tarida und ich fragte ihn, ob er mir gestatten würde, eine Wasserleitung vom Club bis zu meinem Wohnwagen zu legen. Er sagte ja und ich hatte fliessendes Wasser.   

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Im Restaurant vom Club lernte ich Herrn Liebmann kennen. Er war der Sekretär vom sogenannten „Salzbaron“ von Österreich. Dieser war zu der Zeit in allen Medien von Europa vertreten. In Österreich hatte er vier Millionen Schulden beim Staat, in Deutschland ein schönes Landgut (dort war ich mit meiner Freundin 1983 zu seiner Geburtstagfeier eingeladen. Es kamen 80 Personen,  auch viele Filmschauspieler und Adelige). Daneben besass er in Argentinien eine grosse „Jagd“, so gross wie der Kanton Solothurn (dort habe ich mich mit meiner  Freundin auf unserer Argentinienreise eine Woche aufgehalten). In Ibiza über der Bucht von Cale Tarida  besass er ein Gelände mit 10 Bungalows, welche er seinen Gästen und Angestellten zur Verfügung stellte. Im Mittelpunkt  (das Gelände ist ein Hügel direkt am Meer) steht seine wunderbare Villa mit Blick auf die Bucht und das Meer.  Wie gesagt, ein paar Tage nach meiner Ankunft lernte ich seinen Sekretär kennen. Dieser klagte mir, in einer Woche würde das Restaurant, welches dem Salzbaron Adi Vogel gehörte, aufmachen und es sei noch vieles zu machen. Im Garten seien zwei Mann beschäftigt und in der Küche und dem Restaurant zwei Frauen. Aber die WC-Türe sei kaputt und er könne keinen Schreiner auftreiben. Ich erbot mich, diese zu reparieren, und machte das zu seiner Zufriedenheit. Am nächsten Tag klagte mir Herr Liebmann, er habe ein grosses Problem. In einem Monat käme Herr Vogel und an seiner Villa seien noch sehr viele Arbeiten zu erledigen. Er bekäme keine zuverlässigen Handwerker. Ich schaute mir mit ihm zusammen das Haus an und machte ihm eine Offerte für das Sandstrahlen und Streichen des Eingangstors und des Eisentors vor dem Haupteingang der Villa. Dazu konnte ich meine Hochdruckanlage benutzen, welche ich auch in der Schweiz zum Sandstrahlen benutzt hatte. Ich bekam den Auftrag und hatte eine Woche Arbeit. Ich holte in Ibiza Gold- und Silberfarben und frischte die Verzierungen am Eingangsengel auf. Meine Arbeit wurde bewundert und gelobt.  Plötzlich kam immer mehr auf mich zu. Die Fensterläden waren noch zu streichen, ein Möbel zu reparieren. Auf einmal sah Herr Liebmann überall Dinge, welche noch gemacht werden mussten. Ich sagte zu ihm, dass wenn ich das alles bis zur Ankunft von Herrn Vogel schaffen sollte,  müsste ich noch mindestens zwei Mann einstellen. Er war einverstanden und ich entschied mich für einen jungen Spanier und einen Deutschen, welcher spanisch sprechen konnte.  Bis zur Ankunft von Adi Vogel sah seine Villa wesentlich besser aus und Herr Liebmann hatte unsere Arbeit sehr gelobt. Am Tag vor der Ankunft des Salzbarons kam sein Freund  Hermann aus Argentinien mit seiner Frau an und auch sie waren sehr zufrieden. 

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Dann kam der Tag, an dem der Salzbaron mit seiner Tochter und seinem Gefolge nach mehr als zwei Jahren wieder das erste Mal auf seinem Besitz erschien. Sein Sekretär und sein Freund zeigten ihm mit mir zusammen unsere Arbeiten. Ich wunderte mich anfänglich, dass er kaum etwas dazu sagte. Als ich ihm die Rechnung übergab, schob er sie lässig in eine Schublade und verabschiedete mich. Am nächsten Tag sagte ich zum Sekretär in Anwesenheit von Herrn Hermann, dass ich meine Angestellten bezahlt habe und das Geld brauche. Darauf meinte Herr Hermann: „Der Adi ist ein Schwein. Du bist der einzige, welcher ihm gute Arbeit gemacht hat und nun will er dich nicht bezahlen.“  Sekretär Liebmann sagte, das sei nur weil Adi Vogel vermute, dass der Schweizer (so wurde ich in Ibiza genannt) keine Arbeitsbewilligung habe. Darauf hatte Herr Hermann den rettenden Gedanken. Er sagte zu mir: „Komm morgen um halb eins rauf zur Villa. Da sitzen wir alle auf der Terrasse beim Mittagessen. Du sagst zu Adi, dass du das Geld für deine Arbeit möchtest.“ Wie geraten, tat ich es.  Zehn Personen sassen am grossen Tisch. Herr Vogel stand auf, begrüsste mich, und fragte: „Herr Müller, trinken Sie mit uns ein Glas Wein.“ Ich antworte: „Nein Herr Vogel, aber ich möchte meine Rechnung kassieren.“ Darauf  Adi Vogel: „Bitte begeben Sie sich in mein Büro, ich komme sofort.“ Ich begab mich ins Büro und warte. Nach 15 Minuten kam Herr Vogel, setzte sich in seinen Sessel und schlug eine Zeitung auf. Ich warte ein paar Minuten und sagte danach: „Herr Vogel, ich möchte jetzt mein Geld.“ Darauf legte er die Zeitung beiseite, stand auf und wollte das Büro verlassen. Ich stellte mich aber in die Türe und sagte: „Herr Vogel, Sie bleiben jetzt hier bis ich mein Geld habe!“ Er setzte sich wieder, stellte einen Scheck aus und überreichte ihn mir. Diesen brachte ich zur Bank Matutes, wo ich ein Konto eröffnet hatte. Bei meinem nächsten Besuch informierte mich der Beamte, dass der Scheck nicht gedeckt sei.  Nun gab es für mich kein Halten mehr. Ich fuhr zur Villa Vogel, und sagte zu Herrn Liebmann, dass ich eine Anzeige gegen Adi Vogel machen würde. Dieser entschuldigte sich mit der Bemerkung: „Typisch Adi Vogel!“ und stellte mir einen neuen Scheck aus. Dieser war dann auch gedeckt.  Kurz darauf lernte ich im Club einen Schweizer aus Lausanne mit Namen Eigenheer kennen. Er erzählte mir, dass sein Boot, ein 8-Meter-Kabinenboot,  unten im Clubhafen liege, und es sei halb voll mit Wasser. Er bat mich, das Boot fahrbereit zu machen.   Der Motor stand bis auf halber Höhe im Wasser. Ich sagte zu ihm, ich würde den Motor sicher wieder zum Laufen bringen, müsse ihn jedoch total zerlegen, entrosten und die elektrische Anlage ersetzen. Weil ich ihm für diese Arbeit jedoch keine Garantie geben könne, würde ich ihm raten, einen neuen Motor Seite 

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einzubauen. Er bat mich, den Motor zu reparieren, was ich daraufhin auch machte. Die Probefahrt verlief gut, und Herr  Eigenheer bezahlte die Rechnung.  Nach zwei Wochen musste ich das Boot abschleppen. Der Motor war heissgelaufen. Ich stellte fest, dass die Kühlwasserpumpe von Rostschuppen total verstopft war. Ich fragte den Eigner, wie lange das Boot eigentlich vor der Reparatur so im Hafen gelegen habe. Er antwortete: „Gut zwei Jahre!“ Worauf ich ihm sagte, dass er mir das vorher hätte sagen können, dann hätte er sich die Reparatur sparen können. Ich sagte zu ihm, dass ich den Motor noch einmal reparieren könne, aber das Risiko bestehe, dass nach einiger Zeit eine Zylinderwand durchrosten würde.  Ich riet Herrn Eigenherr, einen Z-Antriebsmotor einzubauen. Der Motor käme dabei hinten ins Boot unter eine Liegefläche und vorne würde viel Platz frei. Er war einverstanden, bat mich, einen 185 PS Motor in der Schweiz zum Preis von 22`000 Franken zu bestellen und einzubauen. Ich sagte zu ihm, ich würde bei einer Bank in der Schweiz ein Konto eröffnen. Sobald er das Geld auf dieses Konto einbezahlt habe, würde ich den Motor bestellen. Er begab sich zurück in die Schweiz und schickte mir ein Telegramm, er habe das Geld auf Konto Nr.  XXX überwiesen und er bitte mich, den Motor sofort zu bestellen. Im August mache er mit seiner Familie Urlaub auf Ibiza, bis dann müsse das Boot fertig sein. Eine Woche danach habe ich bei der Bank nachgefragt und sie teilten mir mit, es sei kein Geld eingegangen. Ich dachte, ich kann warten, in der Zwischenzeit hatte ich genug andere Arbeiten und ich teilte der Bank mit, sobald das Geld auf meinem Konto eingegangen sei sollten sie mich bitte benachrichtigen. Nach einem Monat hat mich Herr Eigenheer angerufen und gefragt, ob der Motor eingebaut sei. Ich sagte zu ihm, sobald die Bank mich benachrichtigt habe, dass das Geld da sei, würde ich den Motor bestellen und danach dauere es drei bis vier Wochen bis er in Ibiza eintreffe. Drei Tage später teilte mir die Bank mit, dass das Geld eingetroffen sei. Drei Monate dauerte es bis der Motor in Ibiza ankam. Die Almacoa (Lieferfirma) hatte mir berichtet, sie habe den Motor drei Tage nach meiner Bestellung per LKW nach Barcelona verfrachtet und auf dem Zollamt zur Weiterbeförderung gegen Bescheinigung abgegeben. Auf alle Anfragen bei der Zollbehörde bekam ich keine Antwort. Als es mir zu bunt wurde, buchte ich einen Flug und begab mich auf das Zollamt in Barcelona. Dort fand ich die beiden Kisten in einer grossen Lagerhalle zuhinderst in einer Ecke. Beim Chef machte ich ganz schön Radau. Ich drohte ihm, ich würde die Geschichte in einer Zeitung veröffentlichen. Zum Glück hatte ich einen Dolmetscher mitgenommen. Aber ich glaube, meine Drohung beeindruckte ihn nicht besonders.

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Drei Tage danach ist der Motor in Ibiza eingetroffen und ich konnte mit dem Einbau beginnen.  Bei einem Anruf in die Schweiz berichtete mir meine Schwester, dass mein Landrover, der sich noch in Interlaken befand, vom Betreibungsamt beschlagnahmt worden sei und versteigert werde. Ich bat meine Schwester, an der Versteigerung teilzunehmen und bis zu 1‘200 Franken mitzubieten. Ich hatte nämlich ein paar Monate zuvor den Motor und die Hinterachse total revidiert. Meine Schwester steigerte den Landrover für 800 Franken. Bereits im ersten Sommer hatte ich sehr viel Arbeit, so dass ich zwei Gehilfen anstellen konnte. Martin Wegmann, welcher bei mir in Interlaken gearbeitet hatte, war mit meinem Landrover nach Ibiza gekommen. Martin hatte bis im Herbst für mich gearbeitet und war danach mit dem Nissan in die Schweiz zurückgefahren, um ihn dort zu verkaufen. Dieses Fahrzeug eignete sich nicht für Ibiza, es war zu neu und zu schön. Als ich im Sommer 1982 in Santa Antonia mit einem Kunden an einer Bar sass, legte ich unvorsichtigerweise den Zündungsschlüssel zusammen mit dem Feuerzeug neben mich auf die Theke. Während ich mit dem Kunden diskutierte, bemächtigte sich jemand des Zündungsschlüssels und als ich das Lokal verliess war der Wagen weg. Ich fuhr mit dem Taxi nach Hause und begab mich am anderen Morgen zur Fähre. Der Landrover war nicht bei den Fahrzeugen, welche die Insel verliessen. Die Polizei hatte meines Erachtens nichts unternommen. Also machte ich mich selber auf die Suche. Nach zwei Tagen fand ich den Wagen in Santa Eulalia in einer Seitenstrasse. Total verschmutzt, mit einigen Beulen und einem platten Reifen. Der Landrover hat mir danach noch lange Zeit sehr gute Dienste geleistet.  Ich hatte auch immer mehr Kunden, welche grössere Boote im Hafen hatten,  an denen ich arbeiten sollte. Da musste ich jedoch ohne Arbeitsbewilligung  sehr vorsichtig sein. Ich freundete mich deshalb mit dem Hafenpolizisten an,  indem ich ihm ab und zu an der Hafenbar die Zeche bezahlte. Einmal sagte er zu mir: „Du kannst im Hafen ruhig an Booten arbeiten, wenn du Mitbesitzer des Bootes bist. Mir ist das übrigens egal. Aber wenn es Anzeigen gibt muss ich einschreiten.“ Ich wusste also, was zu tun war. Wenn mich jemand beauftragte, an seinem Boot eine grössere Reparatur auszuführen, sagte ich zu ihm: „Ich mache das gerne, aber Sie müssen mir eine Bescheinigung geben, dass ich Mitteilhaber Ihres Bootes bin. Wenn die Arbeit erledigt, von Ihnen abgenommen und bezahlt ist, bekommen Sie das Papier zurück“. Das machten meine Kunden gerne, denn gute Handwerker waren damals auf Ibiza rar. 

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Im Juli 1982 meldete sich Herr Liebmann bei mir und sagte, Herr Vogel sei wieder eingeflogen und möchte dringend mit mir sprechen. Ich dachte, was will der wohl von mir, versprach jedoch, mich am nächsten Tag zu melden. Als ich mich bei der Villa Vogel meldete, führte mich Herr Liebmann in die Privatgemächer des selbsternannten Barons. Dieser empfing mich überaus freundlich, offerierte mir einen Drink, den ich ablehnte, und sagte, er müsse unbedingt mit mir sprechen. Ich sagte zu ihm,  dann bitte sogleich, da meine Zeit knapp sei.  Im Hafen von Ibiza liege ein Ausflugsboot von ihm, welches zwei Jahre lang nicht mehr benutzt worden sei. Der Motor würde nicht mehr anspringen, ob ich ihn reparieren würde. Ich erwiderte: “ Herr Vogel, wenn das Boot zwei Jahre nicht benutzt worden ist, ist nach meiner Erfahrung bestimmt mehr zu reparieren als nur den Motor zu starten. Wir können uns das Boot einmal ansehen.“ Darauf er: „Herr Liebmann kann am Nachmittag mit Ihnen nach Ibiza fahren“. Ich konterte: „Herr Vogel, da müssen Sie schon selber mitkommen.“   Er kam mit.  Es handelte sich um ein ibizenkisches Fischerboot aus Holz von neun Metern Länge mit einem 110 PS Diesel-Innenbordmotor. Sowohl das Schiff innen und aussen wie auch der Motor waren in sehr schlechtem, ungepflegtem Zustand. Der Motor war  übrigens vom Rostfrass blockiert. Ich sagte zu ihm: “Herr Vogel,  das Schiff muss aus dem Wasser, der Motor ausgebaut und revidiert werden. Dann muss die Bootsschale bis auf das Holz abgeschliffen, zwei Mal mit Spezialgrund grundiert und dann zwei Mal mit Ölfarbe angestrichen werden.“ Am nächsten Tag brachte ich ihm den Kostenvoranschlag.  Ich sagte aber zu Adi Vogel, dass ich die Arbeit nicht übernehmen könne, es sei denn während dem Winter. Falls es ihm jedoch genehm sei, könne ich im Hafen Leute beauftragen, welche solche Arbeiten ausführen und die Arbeiten beaufsichtigen. Er war einverstanden und sagte, er kenne einen Ibizenker, welcher im Hafen Boote überhole. Darauf sagte ich zu Herrn Vogel, dass ich die Arbeiten nur übernehmen würde, wenn er ein Bankkonto eröffnen würde mit 200`000 Peseten, bei welchem es die Unterschrift von uns beiden oder von mir und Herr Liebmann brauche, um Geld abzuheben. Jede Woche würde ich den Leuten die Hälfte ihrer Arbeitsleistung ausbezahlen, den Rest wenn die Arbeiten fertig und von ihm abgenommen worden seien. Adi Vogel war auch damit einverstanden und wir begaben uns zu seinem Ibizenker Freund. Dieser bekam den Zuschlag für die Malerarbeiten. Er war sogar ziemlich günstiger als meine Offerte. Aber ich sagte ihm ausdrücklich, dass die Arbeiten so ausgeführt werden müssten wie ich es wünschte. Herr Vogel eröffnete das Konto und flog nach Argentinien.   

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Bereits nach wenigen Tagen stellte ich bei meinen Kontrollbesuchen fest, dass die Arbeiten nicht korrekt ausgeführt wurden. Der Arbeiter hatte mit einem Spachtel die lose Farbe abgestossen und bereits mit Grundieren begonnen. Ich protestierte und verlangte, dass die alte Farbe total herunter müsse. Er wollte mich nicht verstehen. Also holte ich Herrn Liebmann, welcher gut spanisch sprach. Der Arbeiter behauptete, dass man das hier so mache und arbeitete weiter. Auch die Werkstatt, welche ich mit der Motorenrevision beauftragte, arbeitete nicht ganz nach meinen Wünschen. Mehrmals holte ich Herrn Liebmann, um mit den Handwerkern zu sprechen. Aber es hatte nichts gebracht.  Als die Arbeiten „fertig“ waren sahen das Boot und der Motor mit ihrem neuen Farbanstrich ganz ordentlich aus. Trotzdem sagte ich zu den Handwerkern, mit der Restzahlung müssen sie warten bis Herr Vogel von Argentinien zurück sei. Ich bestimmte auch, dass das Boot erst ins Wasser kommt, wenn der Vogel wieder eingeflogen sei.  Anfangs September war es soweit. Ich verlangte, dass bei der Abnahme auch Herr Liebmann dabei sei. Nach der Besichtigung des Bootes sagte ich zu Herrn Vogel: “Bezahlen Sie den Leuten keine Peseten mehr für die Arbeit, welche sie gemacht haben. Sie haben bereits zuviel bekommen.“ Nachdem er eine Minute mit den Leuten gesprochen hatte, kommt er zu mir und sagt: „Sie sagen, alles sei in Ordnung, das mache man hier so. Bezahlen Sie die Leute aus!“ Ich erwidere Herrn Vogel: „Auf Ihre Verantwortung! Herr Liebmann ist mein Zeuge. Ich möchte später keine Vorwürfe hören!“ Bereits im nächsten Frühjahr begann die Farbe abzublättern. Hermann, der Freund von Adi Vogel (an seinen Nachnamen kann ich mich nicht mehr erinnern) berichtete mir Folgendes. Als Adi Vogel wieder auf der Insel eingetroffen war und das Boot besichtigte, habe er einen furchtbaren Wutanfall bekommen und der arme Sekretär musste seinen Kopf hinhalten. Bei mir hat sich Herr Vogel mit keinem Wort beschwert. Im Gegenteil war er zu mir freundlich wie nie zuvor und er lud mich oft zu einer Party ein.  Im Oktober 1982, vor Beginn der Winterstürme, habe ich meine Boote aus dem Wasser genommen, da man mir gesagt hatte, dass es im Winter sehr stürmisch sein könne auf meinem Aussichtspunkt. Deshalb erlaubte mir Herr Vogel, meine Behausung auf seinem Gelände aufzustellen. Von Heinrich Rohrer hatte ich einen grossen Auftrag an seinem Boot bekommen. Eine Ankerwinde mit Fernbedienung sowie eine automatische Bilgenpumpe und ein Gasdetektor mussten eingebaut werden. Zudem sollte das Antifowling am Unterwasserschiff erneuert werden. Zum Glück hatte Herr

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Rohrer eine grosse Garage, so dass ich meine Werkzeugkisten aus meinem Vorzelt in seine Garage mitnehmen konnte.  In meinem ersten Winter auf Ibiza beschäftigte ich drei Mann, zwei junge Deutsche und einen Spanier. Den beiden Deutschen habe ich einen Bungalow im Club besorgt, da diese im Winter unbewohnt waren. Der Spanier wohnte zu Hause.  Anfänglich arbeiteten alle drei ganz ordentlich. Gegen das Frühjahr bemerkte ich, dass die beiden Deutschen oft sehr unkonzentriert waren. Anfänglich glaubte ich, sie hätten zu wenig Schlaf gehabt. Im März luden sie mich einmal zum Nachtessen in ihren Bungalow ein. Nach dem Essen beim Kaffee nahm der eine ein Döschen mit ganz kleinen Pillen aus der Tasche. Beide nahmen eine Pille und offerierten mir auch eine. Zuerst lehnte ich ab. Dann sage ich mir aber, dass ich kein Spielverderber sein sollte und nahm eine halbe Tablette. Nach einer halben Stunde begann sich die Welt um mich zu verändern. Zuerst fiel mir auf, dass ich die Holzmaserung an den Wänden viel deutlicher, wie frisch lackiert, sah. Danach hatte ich neue Ideen und grosse Pläne. Später begaben wir uns zum unbewohnten Apartmenthaus und ich fand mich in den dunkeln Gängen sehr gut zurecht.  Natürlich wusste ich dann  Bescheid wegen den nachlassenden Leistungen und ich habe den beiden ins Gewissen geredet. Wenn ich mich richtig erinnere, hörte der eine auf den Namen Oskar und der andere hiess Hans. Bei Hans hatte ich das Gefühl, meine Worte hätten etwas bewirkt. Aber bei Oskar wurde es immer schlimmer.  Mitte März öffnete der Club wieder und mein Wohnwagen wurde von uns auf  den alten Platz zurück geschoben. Danach lag Oskar im Club auf einem Liegestuhl. Ich hatte ihn kurz vorher entlassen. Mit Hans war ich weggefahren, um ein Boot zu holen. Rolly, mein Schäferhund, befand sich im Vorzelt.  Nach einer Stunde kamen wir zurück. Als ich den Wohnwagen betrat, war alles durcheinander gewühlt. Ich stellte fest, dass meine Filmkamera, zwei  Lungenautomaten sowie ein Schlafsack und mein Fotoapparat fehlten. Ich wusste sofort, dass es kein Fremder gewesen sein konnte, denn Rolly hätte das nie zugelassen. Ich begab mich in den Club und Oskar lag noch auf seinem Liegestuhl. Ich sage ihm auf den Kopf heraus, dass er mich bestohlen habe. Er behauptete, er sei die ganze Zeit auf diesem Liegestuhl gewesen, der Barmann  könne dies bestätigen. Nach dieser Auskunft holte ich Rolly und sagte zu ihm: „Such!“ Er begab sich auf dem kürzesten Weg zu einem dichten Gebüsch etwa 50 Meter vom Wohnwagen entfernt und verschwand darin. Als ich nachsehen ging, lagen dort meine Sachen schön in einem Schlafsack verpackt. Ich begab

 

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mich mit dem Bündel in den Club und sagte zu Oskar: “Steh auf!“ Dann habe ich ihm, ohne ein Wort zu sagen, links und rechts vor allen Leuten eine kräftige Ohrfeige verpasst. Die beiden sind am selben Tag verschwunden. Ich habe sie nie mehr wiedergesehen.  Einmal ging ich in Ibiza zur Hafenbar. Vor der Türe sass ein Hippie alleine an einem Tisch. Er hatte kein Glas vor sich. Ich setze mich zu ihm und er sprach mich an: „Kannst du mir 2000 Peseten geben (20 Fr.)?“ Ich sage erstaunt: “Du willst von mir Geld leihen?“ Er antwortet: „Um Gottes willen, nein! Ich leihe mir nie Geld, denn ich weiss, dass ich es nicht zurückgeben kann!“ Ich lachte und sagte zu ihm: „ Wenn du schon so ehrlich bist, gebe ich dir jetzt die Hälfte!“ Auch im nächsten Sommer hatte ich sehr viel Arbeit. Ich mietete eine grosse Doppelgarage, welche ich als Werkstatt benutzen konnte und beschäftigte ständig zwei bis drei Arbeiter. So Martin Wegmann, der hatte, wie oben berichtet, im vorigen Herbst meinen Nissan in die Schweiz gefahren. Sein Onkel hatte in Burgdorf eine Autogarage. Diesem hat er den Nissan zum Verkauf überlassen und für mich einen älteren Toyota mitgebracht, für Ibiza das richtige Fahrzeug. Für Privatfahrten verbrauchte der Landrover zu viel Benzin.  Im Juli wurde ich wieder einmal bei Adi Vogel zu einer Party eingeladen. Es waren sicher gut 30 Gäste anwesend. An drei Kaminfeuern wurden Filets und argentinische Spezialitäten gebraten. Eine Acht-Mann-Kapelle spielte argentinische Musik. Bei einer Damenwahl forderte mich eine deutsche Dame zum Tanz auf. Ich machte einige Tänze mit ihr und sie forderte mich auf, an ihrem Tisch Platz zu nehmen, wo noch einige Deutsche und Argentinier sassen.  Am nächsten Tag sprach mich Carlo Liebmann an und sagte zu mir ganz aufgeregt: „Du, die Frau Kleindick hat sich in dich verknallt. Sie spendiert morgen Abend im Hotel Royal  in San Antonio ein Nachtessen und hat verlangt,  dass ich für dich einen Platz neben ihr reserviere. Das ist eine steinreiche Frau. Sie besitzt in Deutschland drei Steakhäuser und hat in Argentinien einen grossen Besitz!“ Ich sage zu ihm, dass der Besitz und ihr Geld mich wenig interessieren würden. Zudem habe sie für meinen Geschmack etwas zuviel Umfang, aber ich nähme die Einladung gerne an. Es wurde ein sehr schöner Abend, Frau Elsbeth Kleindick bot mir das Du an und wir unterhielten uns gut. Frau Kleindick berichtete mir, sie besitze in Aachen das Steakhaus La Pampa sowie eine schöne Villa und ebenfalls in Köln und Mönchengladbach je ein Steakhaus, welche ihr Bruder und ihr Sohn führen würden. Zudem besitze sie noch einen Importhandel für argentinisches Fleisch, ein Hotel mit einem grossen Park in Bariloche (Argentinien), ein Mehrfamilien- und fünf Einfamilienhäuser. Wie ich später anlässlich von meinem Besuch in

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Deutschland und unserer Reise nach Argentinien feststellen konnte, stimmte das alles. Von den fünf Einfamilienhäusern habe ich allerdings nur eines gesehen. Aber das will nichts heissen, Argentinien ist gross. Wie gesagt: der Abend war unterhaltsam, das Essen wunderbar und ich erzählte Elsbeth auch einiges von mir, wobei ich etwas bemüht war, mich als Habenichts darzustellen. Was ich natürlich im Vergleich zu ihr auch war. Elsbeth war ausserordentlich nett zu mir, las mir jeden Wunsch von den Augen ab und war auch freundlich zu meinem Hund. Sie erzählte mir, ihr Mann sei mit 40 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben und sie verlängere ihren Urlaub noch um eine Woche. Ich studierte ihren Charakter und wurde das Gefühl nicht los, dass die Frau von mir Sex wollte und wenn sie von mir genug haben würde, würde sie mich wegwerfen. Deshalb hielt ich mich anfänglich sehr zurück.  Beim Abschied lud sie mich noch einmal ein und meinte, dass ich sie unbedingt in Aachen besuchen müsse, was ich ihr dann auch versprochen habe. Zu dieser Zeit arbeitete ich zusammen mit Martin und einem deutschen Elektriker mit Vornamen Peter am Boot vom Herrn Eigenheer. Das war eine grosse Arbeit. Aus der Rückwand (Biete) vom Boot wurde für den Getriebefuss ein 40 cm grosses Loch ausgeschnitten und danach musste der Motor auf den Millimeter genau in der Höhe und im richtigen Winkel eingebaut werden. Martin Wegmann war seit ein paar Wochen aus der Schweiz zurück und hatte für mich einen Toyota mitgebracht. Der Club und alle Lokale im Umkreis von vier Kilometern waren bereits geschlossen und San Antonio war 15 Kilometer entfernt.  Eines Abends fragt mich Peter, ob er meinen Toyota benützen dürfe, er möchte seine Freundin in San Antonio besuchen. Ich erlaubte es und bat ihn, nicht zu spät zurückzukommen. Nach 15 Minuten kam er zu Fuss mit den Nummernschildern unter dem Arm zurück. Er war nach einem Kilometer in einer Kurve ins Schleudern geraten und der Wagen hatte Totalschaden erlitten. So musste ich wieder auf den Landrover umstellen.  Ein paar Wochen danach buchte ich einen Flug nach Aachen. Ich besuchte die internationale Bootsmesse in Düsseldorf und danach „meine“ Elsbeth. Sie war ausserordentlich freundlich zu mir, zeigte mir ihr ganzes Haus und stellte mich ihrem Vater und ihrem 20-jährigen Sohn Roland vor. Roland und ich verstanden uns auf der Stelle gut. Jedoch ihr Vater mochte mich von Anfang an nicht. Als ich Elsbeth später einmal darauf ansprach erwiderte sie: „Der Alte ist nur eifersüchtig!“   

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Am Abend speisten wir im La Pampa, einem grossen, sehr schönen Lokal mit über 50 Plätzen. Wir assen dann jeden Tag dort und zwar vom Feinsten. Zum Essen wurde immer guter Wein getrunken und von dem nicht zu wenig.  Da Elsbeth Witwe war, sprach sie schon bald vom Heiraten, und das machte mich etwas unsicher. Ich sagte zu mir, dass da etwas nicht stimmen könne. Eine reiche, gut aussehende Frau, die fast seit 20 Jahren verwitwet ist, schmeisst sich mir so an den Hals und will unbedingt mit mir ins Bett. Irgendetwas musste da faul sein. Ein paar Tage später fuhren wir nach Mönchengladbach zu ihrem älteren Sohn. Auch mit ihm verstand ich mich sofort sehr gut. Auch das Lokal in Mönchengladbach war sehr gut besetzt, sauber und gut geführt. Thomas sagte zu seiner Mutter: „Ach Mutter, hast du wieder einmal einen zum Ummodeln gefunden!“ Das hat meinen Befürchtungen genau entsprochen. Ich mischte mich ein und sagte, dass ich mich so schnell nicht ummodeln lasse. Ich vermute, dass ich danach bei Thomas einen Stein im Brett hatte. Der Urlaub in Aachen war für mich recht schön und erholsam, aber es war bei mir immer noch eine gewisse Unsicherheit. Als Elsbeth zu mir sagte, sie habe ein grosses Bett in ihrem Schlafzimmer, zog ich das Gästezimmer noch vor und beim Abschied dachte ich, von der Elsbeth höre ich nichts mehr, doch es kam anders. Kaum war ich in Ibiza hat Elsbeth mich angerufen und so hatten wir jede Woche zwei bis dreimal Kontakt. Was mich zu der Zeit nervte, dass sie am Telefon immer zu mir sagte: „Sage Elsbeth: ich liebe dich“. Als es mir einmal reichte antwortete ich: „Elsbeth, ich mag dich und ich schätze dich sehr, aber mit der Liebe geht es bei mir nicht so schnell. Da muss ich dich zuerst etwas besser kennen und heucheln möchte ich nicht“. Im Oktober wurde ich mit der Mitteilung überrascht, Elsbeth habe einen Flug nach Ibiza gebucht und käme für drei Wochen zu mir. Ich dachte mir, wenn das so ist so meint sie es vermutlich doch ernst und ich sollte ihr etwas mehr entgegenkommen. Sie kam wirklich zwei Tage später und mietete in der Nähe von Ibiza direkt am Meer eine sehr schöne Ferienwohnung. Wir verbrachten ein paar schöne Wochen obschon ich jeden Tag gearbeitet habe. Elsbeth machte mir den Vorschlag, mit ihr im Frühjahr in Argentinien Urlaub zu machen. Anfänglich willigte ich nicht ein. Erstens hatte ich einen treuen Hund, welchen ich nicht allein zurücklassen konnte, und zweitens musste ich Geld sparen denn ich wollte eine Firma gründen, damit ich nicht mehr schwarz arbeiten musste und die Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung bekam. Bis zu diesem Zeitpunkt musste ich alle drei Monate Spanien verlassen, durfte jedoch mit einem Stempel im Pass sofort wieder einreisen. Ich gab Elsbeth zu bedenken, ich hätte einen achtjährigen Hund, den könne ich nicht allein lassen. Doch auch da hatte sie sofort eine Lösung. Den Hund könne in der Zeit ihr Sohn

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Roland übernehmen und wegen dem Ticket brauche ich mir keine Sorgen zu machen, sie habe immer einige Flugtickets im Tresor und nehme jedesmal jemand mit. Das mit meinem Hund passte mir nicht. Mein Hund Rolly war 8 Jahre alt, total auf mich fixiert und bei einem für ihn fremden Menschen fühlte er sich im Stich gelassen. Doch durch Zufall fand sich etwas später auch da eine Lösung.  Ein junger Deutscher, “Uwe Dostal“, welcher in der Schweiz bei mir ein paar Monate gearbeitet hatte und in Interlaken eine Frau heiratete, hat mich im März angerufen und sagte, er und seine Frau hätten sich getrennt und er möchte gerne eine Zeitlang nach Ibiza kommen. Das war für mich die Lösung. Uwe konnte in der Zeit, wo ich mit Elsbeth nach Argentinien reiste, mit Rolly den Wohnwagen übernehmen und in einigen Bungalows vom Club hatte ich noch Arbeiten auszuführen, diese konnte er übernehmen. Weil Uwe in Interlaken vor seiner Heirat bei mir ein Zimmer hatte kannte ihn Rolly sehr gut.  Auch von Uwe möchte ich noch schnell etwas berichten: Er war etwas labil und ich musste ihn immer etwas kurz am Zügel halten, aber weil er Respekt vor mir hatte kam ich eigentlich ganz gut mit ihm zurecht. Ich habe ihm auch verboten im Bett zu rauchen, aber das konnte ich nicht gut kontrollieren. So ergab es sich, dass ich in Bern an einer Versammlung war und kurz nach Mitternacht nach Hause kam. In meine Wohnung führte ein Gang, rechts davon hatte Uwe sein Zimmer und links davon befand sich meine Wohnung. Als ich die Aussentüre aufmachte roch es nach Rauch. Ich begab mich in meine Wohnung, konnte jedoch nichts feststellen. Zurück im Gang stellte ich fest, dass der Rauch unter der Türe durch kam. Ich hämmerte mit den Fäusten an die Türe, nichts, danach warf ich mit der Schulter die Türe ein, im ersten Moment glaubte ich es brenne eine Kerze auf dem Nachtisch, aber es war die Nachtischlampe die durch den Rauch schien. Uwe lag bereits bewusstlos im Bett. Ich habe ihn an die frische Luft getragen und Mund zu Mund Beatmung gemacht. Als er nach ein paar Minuten zu sich kam schaute ich zurück und das Zimmer stand in Flammen. Mit dem Feuerlöscher, welcher sich zu Glück in Griffnähe befand, konnte ich das Feuer sofort Löschen.  Doch zurück nach Ibiza: Also glaubte ich des Rätsels Lösung gefunden zu haben, Uwe und mein Hund Rolly übernahmen meine Stellung auf Ibiza und ich fahre mit meiner Elsbeth nach Argentinien. Ganz so weit war es noch nicht. Uwe kam schon zwei Monate vorher und ich hatte Zeit, ihn einzuführen. Einige Besitzer von Privatbungalows haben mich beauftragt, in ihren Häusern einige Reparaturen zu machen. Deshalb habe ich Uwe mit ihnen bekannt gemacht und mit ihm die Arbeiten besprochen. Einer der Herren, der eine Woche nach meiner Abreise zurück nach Deutschland reiste, hatte einen älteren

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Volkswagen zu seinem Bungalow. Dieser beauftragte Uwe am Tag seiner Abreise, mit seiner Familie zum Flughafen zu fahren, den VW danach unter Zollverschluss zu machen und in seiner Garage beim Bungalow einzustellen. Ich dachte, alle Probleme hätten sich gelöst und ich könne ruhig nach Argentinien fliegen. Doch ich habe nicht daran gedacht, dass Uwe ein ziemlich labiler Typ ist und „Ist die Katze aus dem Haus so tanzt die Maus“.  Anfangs April arbeitete ich noch an einem Boot im Hafen von Ibiza Stadt. Weil unser Flug am 11. April von Frankfurt nach Buenos Aires gebucht war kam ich ziemlich in Zeitnot. Doch der Bootseigner machte mir den Vorschlag, ich könne mit ihnen fahren. Sie würden am 9. April in Ibiza mit ihrem VW-Bus abfahren und am 10. in Köln sein, von dort habe ich gute Zugverbindung nach Aachen. Also war auch dieses Problem gelöst. Am neunten April wurde losgefahren, gut dass sie mich dabei hatten. Sie haben  sich zuerst in Barcelona fürchterlich verfahren. Die Ausfahrt vom Hafen bis auf die Autobahn ist nicht leicht zu finden, man muss sich bei diesem Verkehr sehr konzentrieren und wenn zehn Leute schnattern ist das nicht so einfach. Weil ich in der Zwischenzeit Barcelona ziemlich kannte und ein Pfadfinder bin wurde ich nach einer Stunde gebeten, das Steuer zu übernehmen und nach 15 Minuten habe ich mit etwas Glück die Autobahn gefunden. Bereits in Spanien hat es geregnet und in Frankreich wurde es sehr kühl und die Heizung an unserem Volkswagen funktionierte nicht. In Deutschland begann es sogar zu schneien und die Heizung funktionierte noch immer nicht. Zum Glück waren wir neun Personen, jedoch die Luft wurde langsam dick. Ich war glücklich als wir endlich in Köln ankamen, doch es schneite noch immer. Nach einer Stunde konnte ich endlich den Zug nach Aachen besteigen. Dort angekommen habe ich Elsbeth angerufen ob ich ein Taxi nehmen soll. Ich hatte Ibiza-Kleidung - wer hätte mit solchem Wetter gerechnet? - und die wärmeren Kleider waren im Koffer. Elsbeth sagte, sie komme sofort, ich soll beim Taxistand warten. Ich wartete eine gute halbe Stunde im Schneematsch und endlich kam sie. Durchnässt und verfroren wie ich war fahren wir nach Hause. Der Abend war ziemlich hektisch und am nächsten Morgen fuhren wir nach Köln zum Flughafen. Am Schalter sagt Elsbeth zu mir, sie würde der Dame am Schalter immer ein Trinkgeld geben, damit sie einen Platz neben uns freihält. Und so kam es auch. Wir hatten zwei Plätze in einer Dreierreihe und der dritte Platz war noch frei,  obschon die Maschine in Rom praktisch bis zum letzten Platz gefüllt wurde. Ich bekam Kopfschmerzen und habe geschwitzt, deshalb faltete ich meine Jacke zusammen, legte sie auf den Sitz und begab mich zum WC. Als ich zurückkam hatte sich Elsbeth über alle drei Sitze gelegt und meine Jacke als Kopfkissen benutzt. Ich dachte mir, sie hat das Tickt bezahlt also ist sie dazu auch berechtigt, und begebe mich zuhinterst ins Flugzeug um zu sehen, wo am

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Boden noch ein Liegeplatz frei ist, denn in der Zwischenzeit haben sich in den Gängen Männer zum Schlafen niedergelegt um ihren Familienangehörigen Platz zu machen. Zuhinterst beim WC fand ich noch einen Klappsitz. Weil es mir sehr kalt wurde, begab ich mich zurück zu unserem Platz und wollte Elsbeth wecken. Ich berührte sie einige Male an der Schulter doch sie reagierte nicht. Ich dachte mir, wenn du schon meinen Platz beanspruchst so will ich wenigstens meine Jacke haben, denn die hast du nicht bezahlt, und zog ihr diese vorsichtig unter dem Kopf heraus. Sie reagierte auch da nicht, deshalb begab ich mich wieder auf meinen aufgepolsterten Klappstuhl zurück. Am Morgen hat sich der Flugkapitän entschuldigt, die Heizung habe nicht richtig funktioniert. Nun, das war kein grosses Problem, deshalb muss man ja nicht gleich eine Notlandung machen. Die Hauptsache war, dass Elsbeth wieder wach und putzmunter war.  In Buenos Aires angekommen holte uns ein Herr, welcher auf dem deutschen Konsulat arbeitete und mit welchem Elsbeth befreundet war, am Flughafen ab. Bei seiner Familie hielten wir uns zwei Tage auf. Diese Leute waren sehr zuvorkommend und freundlich. Aber ich war stark erkältet und ich kann nicht sagen, dass ich diese zwei Tage genossen habe. Von irgendwo organisierte Elsbeth Kleindick einen Wagen. Einen Ford mit einer kleinen Ladefläche hinter der Führerkabine und wir begaben uns auf die 2000 Kilometer lange Reise durch die La Pampas nach Bariloche. Unterwegs in einer kleinen Stadt sagte Elsbeth zu mir: „Halte dort bei diesem Hotel an, ich bin um 22.00 Uhr mit einem Farmer verabredet welcher seine Estanzia (Rinderfarm) verkaufen will. Mein Sohn möchte, dass ich diese kaufe, wir wollen uns diese morgen mal ansehen“. Um 23.30 Uhr ging ich ins Bett, ich hatte Fieber, und um 2.00 hat mich Elsbeth geweckt. Der Mann sei unten in der Bar, ich solle runterkommen. Ich antwortete, ich sei erkältet und wenn ich am Morgen weiterfahren müsse sollte ich jetzt schlafen. Elsbeth wurde sehr böse, denn sie hatte das Gefühl,  es mache sich schlecht wenn sie mit dem Mann allein verhandelte. Ich sagte darauf, Elsbeth du bist Manns genug, ich habe dazu ja doch nichts zu sagen, ich weiss ja erst seit ein paar Stunden, dass du hier im Vorbeigang noch ein paar Quadratkilometer Land kaufen willst.  Am anderen Morgen sahen wir uns mit dem Farmer zusammen diese Estanzia an. Für unsere Verhältnisse war es ein riesiges Grundstück. Mit dem Autozähler habe ich die Kilometer gemessen. Von einem Ende bis zum anderen waren es 14 Kilometer und wie der Mann uns versicherte, war das Gelände zwischen drei und fünf Kilometer breit, also grösser als der Brienzersee. Ausser ein paar toten Rindern haben wir kein Vieh gesehen. Wasser war genug vorhanden, ich sah einige Brunnen und wie ich mich überzeugte hatten sie alle Wasser von guter

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Qualität. Ich füllte eine Flasche ab, nahm sie mit und habe sie in der  Apotheke prüfen lassen.  Die Estanzia bestand aus dem Land, einem Farmerhaus, einem Gesellenhaus, Stallungen und einem Lagerhaus. Bei den Verhandlungen habe ich mich zurückgezogen und hingelegt, ich hatte Kopfschmerzen. Wir übernachteten im Gästezimmer und am nächsten Morgen sagte ich zu Elsbeth, es wäre besser wenn ich einen Arzt aufsuchen würde. Sie antwortete, du kannst dann in Bari Lodge ein Arzt aufsuchen, das sind nur noch 900 Kilometer. Also fuhren wir weiter, aber mit meinem heissen Kopf weigerte ich mich weiterhin das Steuer zu übernehmen. Doch Elsbeth hat das spielend geschafft. Im Krankenhaus von Bariloche stellten die Ärzte fest, dass ich eine Lungenentzündung hatte, doch Elsbeth wollte nicht dass sie mich im Spital behalten, also mietete sie eine Krankenschwester welche mir alle zwei Stunden eine Penizillinspritze verpasste. Am nächsten Tag war ich schon wieder auf den Beinen, fühlte mich jedoch sehr mies. Trotzdem bestand Elsbeth darauf, dass  ich sie zu einer Party begleitete. Ein mit ihr befreundeter Bankdirektor habe uns mit anderen Gästen zum Abendessen eingeladen. Es würde sich sehr schlecht machen wenn sie allein käme, nachdem sie ihm gesagt habe, sie habe ihren Freund mitgebracht. Also begleitete ich sie, aber ich glaube, ich habe nicht den besten Eindruck gemacht. Trotzdem sagte sie mir am nächsten Tag, die Leute seien beeindruckt von mir gewesen. Sie hätten zu ihr gesagt: „Du hast dir da einen gestandenen Mann ausgewählt“.  Drei Wochen habe ich mich mies gefühlt. Wir wurden zu Partys eingeladen an die ich mich nur noch wie durch einen Nebel erinnern kann. So auch an einen reichen Jäger, dessen Haus und Wohnung mit 100 Geweihen geschmückt war,  und er lieferte uns am nächsten Tag einen halben Hirsch ins Haus. Diesen zerlegte sie gleich auf dem Küchentisch. Wir fuhren mit dem Schiff über den Tiger See zu ihrem Hotel, welches von einem älteren Ehepaar geführt wurde.  Ebenfalls besuchten wir den Jagdsitz von Adi Vogel und machten eine Reise nach Chile. Bei unserem Besuch auf der „Vogel Jagd“ kam  am zweiten Morgen Elsbeth ganz aufgeregt zu mir und sagte: „Soeben hat Herr Liebmann von Ibiza angerufen und mir gesagt, dass die Interpol dich sucht“. Ich blieb ruhig und sagte zu ihr, ich hätte ein ruhiges Gewissen. Ich habe nichts Unrechtes getan. Das einzige was möglich wäre, vor einem Jahr wurde mir mit der Tasche auch mein Pass gestohlen. Könnte sein dass jemand meine Personalien benutzt hat. Doch das würde sich bald aufklären. 

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Um sicher zu sein, habe ich sicherheitshalber einen guten Freund in Bern, J. Frauchiger, angerufen. Sein Bruder war, wie ich wusste, zu der Zeit Chef von Interpol Schweiz. Am nächsten Tag hat mich Johann zurückgerufen und mir folgendes  gesagt: „Weltweit werden über 200 Müller von Interpol gesucht, jedoch du bist nicht dabei.“  Ein Jahr später habe ich erfahren was damals passiert war. Bei einem Besuch in der Schweiz begegnete ich in Bern einem Polizisten, welchem, wie er behauptete, ich im Roten Meer bei einem Tauchgang das Leben gerettet hatte. Er sagte, er habe mit drei Freunden (Polizisten) in Ibiza Urlaub gemacht und mich gesucht. Man sagte ihm im Hafen, ich verkehrte viel in der Bar Bruno am Strand von Ibiza. Sie haben diese Bar besucht, sich an den runden Tisch zu den dort ansässigen deutschen Stammgästen gesetzt und nach mir gefragt. Man habe ihnen versichert, ich sei in Argentinien. Während des Abends hätten sie möglicherweise erzählt sie seien Polizisten.  Natürlich dachten sich die Deutschen, welche mich alle gut kannten: „Aha, der Schweizer Werner ist nach Argentinien abgehauen weil die Interpol ihn sucht“.  Das sprach sich in kurzer Zeit auf der ganzen Insel herum. Es gibt sehr viele Deutsche auf der Insel und eine Menge kannten meinen Namen. Ich habe zu dieser Zeit in der deutschsprachigen Zeitung von Ibiza Artikel über  Motorenpflege geschrieben und mit „der Schweizer Werner“ unterzeichnet. Doch wie ich nach meiner Rücker von Argentinien nach Ibiza im nächsten Abschnitt berichte, sollte dieser Irrtum  noch Folgen haben.  Über viele weitere Erlebnisse in Brasilien, Argentinien und Chile berichte ich im Kapitel 8 „Meine Reisen durch 22 Länder“.  Jedoch zwei Begebenheiten, welche für den Charakter vom Elsbeth Kleindick sehr typisch sind, will ich hier noch berichten.  Beim Abschied von Aachen sagte ihr Sohn Thomas zu Elsbeth: „Mutter, der Pfarrer …..  im Kinderheim ….  Und gib ihm 500 Mark“. Dieser Pfarrer betrieb ein Kinderheim für Waisen und Strassenkinder ohne Unterstützung vom Staat. Nach zwei Wochen erinnerte ich sie daran. Sie antwortete, ach für was, der versäuft das doch nur. Auf mein Drängen besuchten wir ihn am nächsten Tag. Überall war Ordnung, die Kinder waren diszipliniert, einfach aber sauber gekleidet, alles macht einen guten Eindruck. Der Herr Pfarrer sagte zu uns,  sobald er das Geld zusammen habe möchte er einen Anbau machen, sie hätten viel zu wenig Platz. Ich erinnerte sie an den Wunsch von ihrem Sohn und sagte auch zu ihr, wenn sie den Wunsch nicht erfülle würde ich es Thomas berichten. Ihre Antwort: Ich bezahle für das Geld in der Baufirma Baumaterial. Ein paar

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Tage später erinnerte ich sie daran und sagte, ich habe dem Pfarrer gesagt du würdest für ihn bei der Firma xxx Baumaterial für ihn bezahlen. Daraufhin ist sie weggefahren, nach einer Stunde kam sie wieder und sagte zu mir, sie habe die Sache erledigt. Am nächsten Tag frage ich in der Firma nach und man bestätigt mir, Frau Kleindick habe vier Sack Zement bezahlt.  Als wir nach Chile fuhren waren oft Menschen zu Fuss mit schwerem Gepäck unterwegs und machten Autostopp. Ich sagte zu ihr, nimm doch die mit, hinten auf unserem Pritschen Wagen stören die doch nicht. Darauf Elsbeth: „Die haben Flöhe, die sollen zu Fuss  gehen“. Nachdem ich zu ihr sagte, Thomas würde diese Leute bestimmt aufladen, sagte sie nichts mehr als ich anhielt und Leute bat, hinten aufzusteigen.  Thomas, ihren älteren Sohn, lernte ich als hilfsbereiten tüchtigen Mann kennen. Ich fragte mich oft, wie kann der Thomas im Charakter so verschieden von seiner Mutter sein. Bei einer Diskussion der beiden, bei welchem es um ein Darlehen ging, hörte ich Thomas sagen. „Aber Mutter, ich kann doch den Mann nicht im Stich lassen, er ist doch mein Freund“. Auch Hermann war zu dieser Zeit wieder in Bariloche und wir unterhielten uns oft. Einmal erzählte er mir, der Ehemann von der Elsbeth sei ein guter Freund von ihm gewesen. Er könne sich noch gut an den Tag, an welchem er gestorben sei, erinnern. Sie haben sich auf einer Party befunden. Der Mann von Elsbeth habe sich plötzlich an die Brust gegriffen, sei bleich geworden und habe sich gesetzt. Er wollte einen Krankenwagen rufen, aber Elsbeth hätte gesagt, lass nur, das geht schon vorbei. Kurz danach sei er gestorben. Bereits ein paar Tage nachdem der Arzt bei mir eine Lungenentzündung diagnostiziert hatte, schleppte mich Elsbeth von einer Einladung zur anderen. Wenn ich sagte, ich bleibe lieber im Bett, antwortete sie: Was würden die Leute wohl denken wenn ich allein komme? Zieh dich bitte an und komm mit. Schliesslich wollte ich auch nicht als wehleidiger Waschlappen von ihr angesehen werden, deshalb habe ich sie doch begleitet. Doch zurück nach Ibiza. Auf meinen Aufenthalt in Argentinien komme ich später im Kapitel „Meine Reisen“ zu sprechen. An den Rückflug nach Deutschland kann ich mich nicht mehr erinnern, dieser muss ziemlich ereignislos gewesen sein. Ich könnte nicht einmal sagen, ob wir wieder über Rom oder direkt nach Deutschland geflogen sind. Ein paar Tage nach unserer Ankunft in Aachen begab ich mich wieder nach Ibiza und ein Bekannter fuhr mit mir in die Cale Tarida. Mein Hund Rolly war im

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Vorzelt angebunden, sein Futter- und Wassertopf waren leer und von Uwe Dostal fehlte jede Spur. Herr Liebmann erzählte mir die schönste Geschichte,   welche ich je gehört habe. Uwe sei vor 10 Tagen zu ihm gekommen mit der Nachricht, mich würde die Interpol suchen. Daraufhin sei er verschwunden. vorher habe er den VW zu Schrott gefahren. Den Hund habe er seitdem jeden Tag gefüttert.  Kurz danach gab es für mich noch eine Überraschung. Auch mein Wasserskiboot mit 60 PS Aussenbordmotor war nicht mehr an seinem Platz neben dem Wohnwagen. Das Zodyac Gummiboot mit 50 PS Motor, welches bei meiner Abreise in der Garage stationiert war, war ebenfalls verschwunden. Ebenso verschiedenes Werkzeug sowie Handmaschinen und meine Motorsäge.  Einige Mitmenschen haben sich vermutlich gesagt, wenn die Interpol den Schweizer sucht kommt der nicht von Argentinien zurück, deshalb müssen wir noch absahnen solange etwas zu holen ist.  Also machte ich mich auf die Suche, zuerst nach dem Uwe. Man sagte mir, jemand hätte ihn in Ibiza an einer Bar gesehen. Irgendwo fand ich noch ein Foto von ihm. Mit dieser begab ich mich in die besagte Bar und zeigte sie herum. Ein junger Typ sagte zu mir, er kenne den Uwe und er wüsste auch wo er wohne, aber er würde es mir nicht verraten. Nach diesen Worten kam ein breitschultriger Stammgast auf ihn zu und sagte zu ihm, sage dem Schweizer wo er ist sonst verschlage ich dir die Fresse. Ich bekam die Adresse und der Junge zeigte mir sogar seine Zimmertüre. Ich klopfte einige Male bis ich die Stimme von Uwe hörte, welcher fragte, wer da sei. Schnell sagte ich zu dem Typen: sag du seist es. Uwe machte die Türe auf und ich drückte ihn gleich in das Zimmer zurück. Auf dem Nachttisch stand mein schönes Kofferradio. Ich sagte zu Uwe, ich hole dich morgen hier ab und du zeigst mir wo meine Sachen sind, sonst komme ich mit der Polizei zu dir. Dabei habe ich die Modell- und Seriennummer vom Kofferradio aufgeschrieben.  Was ich vermutete geschah so. Am nächsten Morgen war Uwe Dostal nicht mehr da und ich wusste, der geht auf die Fähre nach Barcelona. Ich begebe mich also zur Ablegestelle und warte, bis die Passagiere einsteigen. Wer kommt da anmarschiert? Der Uwe mit einem grossen Koffer. In dem Moment wo er das Ticke übergeben will, spurte ich nach vorn und nehme ihm dieses aus der Hand. Ich packe ihn am Arm und gehe mit ihm zum nächsten Polizisten. Diesem sage ich: „Dieser Mann hat mein Kofferradio gestohlen“. Ich zeige dem Polizisten den Zettel mit Modell und Nummer und sage, sehen Sie in seinem Koffer nach, bestimmt werden wir ihn dort finden. So geschah es, und Uwe kam in den Knast anstatt auf die Fähre. 

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Am nächsten Tag besuchte ich ihn zusammen mit meinem Anwalt. Zuerst wollte er von nichts etwas wissen. Der Anwalt fragte den Polizisten, welcher dabei stand, wie lange er den Burschen hier behalte. Dieser antwortete, bis er alles zugibt oder bis er schwarz wird. Darauf wurde Uwe gesprächig. Das Sportboot habe ein Deutscher, welcher in Ibiza wohne und mich gut kenne, mitgenommen. Dieser habe ihm versprochen, sie würden zusammen eine Wasserskischule aufmachen. Das Gummiboot habe er einem Spanier verkauft, doch dieser habe es noch nicht bezahlt.  Meine weiteren Nachforschungen ergaben: der Deutsche, welcher unter dem Namen „Chaoten Walter“ bekannt war, hatte tatsächlich mit dem Boot eine Wasserskischule in der Bucht Talemanca aufgemacht. Am ersten Tag hat er einen deutschen Touristen überfahren. Dieser ist im Krankenhaus verstorben und mein Boot war von der Polizei beschlagnahmt. Der Spanier, von welchem Uwe nur den Vornamen kannte, war - wie ich nach langen Ermittlungen herausfand - im Gefängnis. Wir besuchten ihn dort, doch er behauptete, dass er keine Ahnung habe wo das Boot sei. Er glaube,  das habe jemand zum Festland mitgenommen, aber er habe damit nichts zu tun. Die Polizei versprach, sie würden der Sache nachgehen, aber nach Monaten glaubte ich, sie haben nichts unternommen  Das Wasserskiboot bekam ich nach unzähligen Vorsprachen auf der Polizei und beim Gericht Monate später stark beschädigt und ausgeraubt zurück. Uwe wurde ausgewiesen und ich habe nichts mehr von ihm gehört - was ich nicht bedaure. Mit der Elsbeth hatte ich während dem Sommer 1984 telefonischen Kontakt, gegen Herbst sagte sie zu mir: „Du musst unbedingt  für drei-vier Wochen nach Aachen kommen. Ich lasse im Geschäft die WC-Anlagen umbauen und du musst die Arbeiten überwachen“. Ich war nicht gerade begeistert, aber ich wollte sie nicht kränken und sagte zu.  Jeden Morgen bin ich um 6.30 aufgestanden, von ihrem Privathaus ins Geschäft gefahren und habe aufgeschlossen. Um 7.00 Uhr kamen die Arbeiter. Ich habe mit ihnen die Arbeiten besprochen, hier und dort etwas Hand angelegt und in den Kellern aufgeräumt.  Mittags kam Elsbeth, wir haben zusammen gegessen, dabei hat sie mich wirklich verwöhnt. Ich konnte bestellen was mein Herz begehrte und dazu noch einen guten Wein trinken.  Ein Keller war mit hunderten von leeren Korbweinflaschen bis zur Decke angefüllt. Elsbeth sagte, man sollte diese entsorgen, aber dazu müssten sie eingestampft werden sonst nähmen sie zu viel Platz. Von Morgens um 7 an

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habe ich mit einem Vorschlaghammer Korbflaschen eingestampft, nach oben gebracht und sie in Müllcontainer verladen. Am Mittag war ich ziemlich fertig. Nach dem Essen sagte ich zu Elsbeth: „Ich komme mit dir nach Hause, um mich zu duschen und umzuziehen, ich bin total verschwitzt. Darauf Elsbeth: „Bei dieser Gelegenheit könntest du mir eigentlich noch den Keller ausfegen. Ich hatte beim Hochwasser im Sommer eine Überschwemmung und der ganze Boden ist immer noch voll Schlamm.“ Da wurde ich aber richtig böse. Ich sagte zu ihr: „Wisch du deinen Keller selber auf oder besorg dir Putzfrauen. Geld hast du genug und von deiner Arroganz habe ich bald mal genug“. So etwas brauchte sie von Zeit zu Zeit, danach konnte sie wieder sehr freundlich und zuvorkommend sein.  Für die Hinfahrt nach Aachen habe ich für jemand einen Wagen von Ibiza nach Deutschland überführt. Natürlich hatte ich auch meinen Hund Rolly dabei. Dieser kam auch immer mit mir ins Geschäft, ich habe ihn nie mit Elsbeth allein gelassen. Für meine Rückreise nach Ibiza machte Elsbeth mir folgendes grosszügiges Angebot. „Ich habe da noch einen älteren Mercedes, den kannst du mitnehmen damit du nicht immer mit dem  Landrover herumfahren musst. Doch auch dabei war, wie sich bald herausstellte, ein Hintergedanken.  Im Oktober 1984 hat mich Elsbeth angerufen und sagte zu mir: „Ich komme für 14 Tage nach Ibiza. Wenn du schon nicht nach Aachen kommen willst um im La Pampa die Geschäftsführung zu übernehmen, so komme ich nach Ibiza und kaufe dort ein Haus für uns. Ist der Mercedes in Ordnung? Ich möchte nicht im Landrover herumfahren.“ Nun wusste ich, dass sie das bereits als ich noch in Deutschland weilte geplant hatte und mich deshalb mit den Mercedes  zurückschickte. Sie kam, mietete im grössten Hotel in Eulalia im achten Stock ein Doppelzimmer und wir sind mit einem Makler jeden Tag auf Haussuche gewesen.  Von der Eigentumswohnung bis zur 10-Zimmer-Villa haben wir alles gesehen. Nach fünf Tagen sagte der Makler zu ihr: „Frau Kleindick, was suchen Sie eigentlich?“ Elsbeth antwortete: „Ich möchte Geld anlegen.“  Nach 10 Tagen sagte sie zu mir: „Werner, ich muss zurück, aber bitte sieh dich noch um. Falls du etwas Geeignetes sehen solltest ruf mich an“. Und fort war sie. Eine Woche danach teilte mir der Makler mit, vermutlich hätte nun etwas für uns. Er zeigte mir ein Haus im Bungalow Park. Ein Neubau, fertig bis auf den Stromanschluss und die Fensterladen. Der Besitzer, ein Architekt von Eulalia,  hatte dort ein grosses Stück Land gekauft um darauf 10 Bungalows zu bauen. Als vier der Häuser kurz vor der Fertigstellung standen ist ihm das Geld

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ausgegangen und er brauchte dringend Geld um weiterzumachen. Deshalb hat er das erste Haus zu einem sehr günstigen Preis angeboten. Die Lage war sehr gut: 300 Meter vom Meer, unten eine schöne Dreizimmerwohnung und oben eine Zweizimmerwohnung mit Bad. Hinter dem Haus war Platz um eine Garage zu bauen, was für mich sehr wichtig war. Der Makler nannte einen günstigen Preis bei Barbezahlung. Am nächsten Tag, einem Dienstag, bin ich noch einmal zu dem Haus gefahren um es noch etwas genauer zu besichtigen. Am Nachmittag kam der Makler mit einem englischen Ehepaar um das Haus zu besichtigen. Nach einer halben Stunde hörte ich wie der Engländer zum Makler sagte: „Wir kommen am Samstag zu Ihnen um die Kaufverträge zu unterzeichnen“. Ich begab mich zur nächsten Telefonkabine um Frau Kleindick anzurufen. Nach meiner Schilderung sagt sie zu mir: „Ich habe in der Bildzeitung ein Inserat gesehen, geh schau auch dieses Haus an.“ Ich sage zu ihr: „Elsbeth, ich schaue mir jetzt keine Häuser mehr an. Entweder du kommst mit dem nächsten Flugzeug nach Ibiza und kaufst das Haus, oder es ist am Samstag verkauft und ich will nie wieder von einem Hauskauf auf Ibiza etwas hören“. Elsbeth antwortete: „Diese Woche kann ich nicht kommen, aber geh morgen zum Torres (Eigentümer) und unterzeichne die Verträge. Ich komme nächste Woche mit dem Geld“. Sie kam, besichtigte, bezahlte und flog zurück. Eine Woche später bin ich mit dem Mercedes nach Aachen gefahren, habe dort in ihren Auftrag einen gebrauchten Mercedes Möbeltransporter gekauft. Danach haben wir zusammen Grosseinkauf gemacht und mit Frau Kleindick als Beifahrerin im Möbelwagen ging es zurück nach Ibiza.  Obschon der Hauseigentümer versichert hatte, in zehn Tagen sei alles gemacht, war noch nichts fertig. Nicht einmal über den drei Meter breiten Graben zwischen dem Haus und der Strasse war eine Brücke gelegt. Ich kaufte in Ibiza Balken und Bretter und wir hatten einen Tag später eine Zufahrt zum Haus mit unserem Möbelwagen.  Ehrlich gesagt habe ich nicht erwartet, dass das Haus bei unserer Ankunft fertig ist, dafür kannte ich die Spanier damals bereits zu gut. Aber ich war ja bereits bei den Pfadfindern Brückenbauer. Von einer nahen Baustelle habe ich eine Leitung gezogen und wir hatten gratis „Baustrom“ (mit Bewilligung) und das dauerte ein ganzes Jahr.   Zurück nach Ibiza: Als erstes begab ich mich zu meinem Anwalt, welcher zu dieser Zeit die Firma „Swiss Yacht Service Ibiza“ gründete. Er machte mir die freudige Mitteilung, die Firma stehe und ich hätte als leitender Direktor die

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Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung erhalten. Ebenfalls teilte er mir mit, dass Herr Becker von Autoradio Becker Karlsbad mich suche. Der Mann habe von einem meiner Kunden ein Boot gekauft und er habe einen grossen Auftrag für mich. Ich traf mich mit diesem Herrn, das Boot kannte ich, es war ein 14 Meter Motorsegler, mit 160 PS Volvo Penta Dieselmotor bestückt. Der Vorbesitzer war ein deutscher Textilfabrikant, ich hatte an diesem Boot einige Arbeiten ausgeführt. Herr Becker hatte Pech. Bei einer der ersten Ausfahrten kam ihm im Rückwärtsgang das Ankerseil in die Schraube, wickelte sich um die Welle und riss den Motor aus der Verankerung. Bald stellte ich fest, wieso der Schaden entstanden ist. Der Motor war von der Werft falsch eingebaut worden. Anstatt an der dazu vorgesehenen Stelle am Motorblock wurde er am Stirnraddeckel aufgehängt. Um den Motor richtig aufzuhängen, musste ich eine V-förmige Aufhängeplatte aus schwerem Stahl anfertigen. Ich habe eine Zeichnung gemacht und begab mich damit zum Chef vom Zylinder Schleifwerk Ibiza. Diesen Mann kannte ich gut, wie er mir sagte hatte er 3 Jahre in der Schweiz gearbeitet und das in der Sim AG in Zürich. In der gleichen Firma habe auch ich meine Lehre gemacht, jedoch in Bern. Er sagte zu mir, leider habe er keine Zeit, aber wenn ich möchte könne ich die Maschinen benützen und es selber machen. Als ich diese Konstruktion fertig hatte kam er, hat sie mir aus den Händen genommen, von allen Seiten angesehen, mich angeschaut und zu mir mit seiner tiefen Stimme gesagt: „Sie sind ein guter Mechaniker.“ Später hat er mich einige Male gefragt ob ich nicht bei ihm arbeiten möchte.  Pro Woche hatte ich ein bis zwei Mal mit Elsbeth telefonischen Kontakt, ich war mir total unschlüssig. Auf der einen Seite sagte ich mir, du bist ja auch nicht mehr der Jüngste und du solltest endlich einen Partner finden bevor du eine Krankenschwester brauchst. Auf der andern Seite wollte ich nicht von einer reichen Frau abhängig sein, welche mir immer das Gefühl gibt sie habe das Geld und ich sei ein Nichts.  Hier nur ein Beispiel: Einmal haben wir in Aachen im Casino gegessen. Immer wenn wir auswärts gegessen haben und sie bezahlte, was meistens der Fall war, habe ich das gleiche wie sie oder etwas mit einen niedrigen Preis bestellt. Einmal in Aachen in Casino bestellte sie Fisch. Ohne auf den Preis zu achten  bestellte ich für mich ein Cordon Bleu. Wie sich herausstellte, kostete es zwei Mark mehr als ihr Fisch. Nach dem Bezahlen sagte Elsbeth zu mir: „Wenn Du es selber bezahlen würdest hättest du auch das bestellt“. Solche Kleinigkeiten gaben mir zu denken.  Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass mich Elsbeth Kleindick schlecht behandelt hat, ganz im Gegenteil. Aber sie hat mich immer wieder mit kleinen Seitenhieben und Anspielungen gekränkt.

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Arbeit hatte ich genug, meistens an grösseren Booten über zehn Meter. Einmal beauftragte mich ein deutscher Bankier von Bremen, an seiner 30 Meter Aluminium Motoryacht einen Fehler in der Bordelektronik zu suchen und zu beheben. Am nächsten Tag wollte er mit Gästen ans Festland fahren. Bevor er nach Hause ging versicherte er mir, alle Ersatzteile seien an Bord, er sagte mir jedoch nicht wo. Stundenlang suchte ich mit meinem Elektriker das defekte Teil. Gegen 21 Uhr fanden wir es: ein defektes Hilfs-Relais. Nun galt es, das Ersatzteil auf dem grossen Schiff zu finden. Morgens um 1.30 Uhr wäre ich bereits in der Lage gewesen, Pläne von diesem Schiff zu zeichnen. Ohne grosse Hoffnung öffnete ich im Salon einen Kleiderschrank. Dort standen ein Dutzend Kisten mit Flaschen sehr teuren Weins. Um 2.30 Uhr waren wir mit der Arbeit fertig, machten einen Probelauf der Motoren und danach holte ich im Salon eine Flasche Wein welche mir besonders gut gefiel, und sagte zu meinem Arbeiter: „Prost, die haben wir verdient“. Am anderen Morgen übergab ich das Schiff an den Besitzer und erzählte ihm die Geschichte. Herr Adler, so war sein Name, begab sich zum besagten Schrank und ich denke schon er will die Flaschen nachzählen. Doch er kommt zurück mit der angebrochenen Kiste und sagte: „Wenn Sie schon so ehrlich sind schenke ich Ihnen diese“. Eigentlich hatte ich auf Ibiza mit meinen Kunden sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber es gab aber auch einige Ausnahmen. So ein Schweizer Versicherungs-Direktor. Nach einer grösseren Überholung seines Bootes  bezahlte er die Rechnung nicht. Nach drei Monaten drohte ich ihm mit dem Gericht. Am nächsten Tag wurde das Boot im Hafen von Ibiza ausgewässert und ein Deutscher, welchen ich gut kannte und der auch schon einige Male für mich gearbeitet hatte, stand dabei. Ich sagte zu ihm: passe gut auf damit du dein Geld kriegst. Da lachte er und sagt zu mir: „Nun blicke ich durch. Der hat mir 10`000 Peseten versprochen (100 sFr.) wenn ich ihm eine Bestätigung mache dass du schlechte Arbeit geleistet hast. Als der Bootsbesitzer kommt gehen wir zu ihm und ich sage: „Entweder bezahlen Sie die Rechnung auf der Stelle und meinem Kollegen 20`000 Pesetas für die von Ihnen in Auftrag gegebene Expertise. Dieser hat mir soeben bestätigt, dass ich gute Arbeit geleistet habe.  Sonst gehe ich zum Hafenmeister und Ihr Schiff liegt in einer halben Stunde an der Kette“. Er hat bezahlt. Vor der Kette haben die Ausländer Respekt, und das geht in Ibiza schnell. Das  Gericht ist total überlastet, wenn das Boot einmal an der Kette ist kann es Monate dauern bis das Gericht es wieder freigibt. Im Sommer 1985 besuchte mich Elsbeth für drei Monate in ihrem neuen Haus. Sie liebte es, prominente Gäste einzuladen. So auch einmal den Niki Lauda mit seiner Frau und drei weiteren Personen zum Mittagessen. Um 15 Uhr

 

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verabschiedete sich Lauda, wie er sagte aus geschäftlichen Gründen, doch die anderen blieben noch. Frau Kleindick war eine gute Unterhalterin. Um 17 Uhr wollten sich die Gäste verabschieden, doch Elsbeth nötigte sie noch zu bleiben und sagte, sie habe bereits ein kleines Abendessen bereitgemacht. Nach dem Essen, um 21 Uhr, Frau Kleindick hatte bestimmt bereits mehr als eine Flasche Weisswein getrunken, verabschiedeten sich die restlichen Gäste. Elsbeth begleitete sie bis vor die Haustüre und war sehr freundlich zu ihnen. Kaum hat sie die Haustüre geschlossen schimpft sie „die verfluchte Scheisse, da ladet man sie zum Mittagessen ein und sie bleiben die halbe Nacht“. Darauf habe ich ihr aber ganz gehörig die Meinung gesagt und sie begab sich ins Bett. Weil ich wütend war und mir noch nicht nach Bett zumute war, habe ich noch eine Stunde das gesamte Geschirr vom Mittag- und Abendessen gespült und versorgt. Danach wollte ich mich heimlich ins Bett schleichen. Was sehe ich, Elsbeth hatte sich quer über unser Doppelbett gelegt, so dass ich sie wecken musste. Ich habe es allerdings mit etwas List anders geschafft, indem ich sie ganz vorsichtig beiseite geschoben habe. Sicherlich hat mir auch ihr Alkoholspiegel dabei etwas geholfen.  Zwischen Ibiza und Eulalia liess ein bekannter deutscher Architekt namens Brändli zu der Zeit eine grosse Bootswerft bauen. Zwei 50 Meter lange und 20 Meter breite Hallen mit allem Arbeitskomfort. Der Mann seiner Privatsekretärin arbeitete für mich. Eines Tages sagte er zu mir, Herr Brändli möchte mich dringend sprechen. Ich begab mich in sein Büro und er zeigte mir die ganze Werft. Ich muss sagen, ich war sehr beeindruckt. Ich habe jedoch ein paar Sachen gesehen welche ich anders gelöst hätte und habe ihm das auch gleich gesagt. Danach fuhr Herr Brändli mit mir in den Hafen, wo auf dem Trockendock eine italienische 15 Meter Tiger Motorjacht aufgebockt stand. Herr Brändli berichtete mir, er habe diese Jacht in Italien gekauft und es seien einige Arbeiten daran auszuführen. Die beiden 200 PS Dieselmotoren habe er bereits nach Deutschland geschickt, diese würden dort in einer Spezialfirma gründlich revidiert.  Natürlich wunderte ich mich etwas, dass er die Arbeiten nicht durch seine eigenen Leute ausführen wollte sondern mich beizog. Seine Werft war zu der Zeit bereits seit einigen Monaten im Betrieb.  Ich stellte fest, dass sich dieses Schiff in einem sehr schlechten Zustand befand. Die Isolationen der Aussenschale waren nass und zum Teil verrottet. Die wichtigste Querspante direkt hinter den Maschinen wurde bei einer Änderung der Wellenanlage herausgeschnitten und durch ein Sperrholz ersetzt. Ich stellte fest, dass dieses Schiff mindestens teilweise unter Wasser gelegen hatte.

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Ich sagte zu Herr Brändli: „Wenn ich Ihr Schiff wieder auf Vordermann bringen soll sowie die Maschinen einbauen muss ich mit drei Mann mindestens drei Monate arbeiten“. Herr Brändli war einverstanden, doch ich stellte noch zwei Bedingungen. Erstens wollte ich jede Woche abrechnen, sowohl mit den Arbeitsstunden wie mit dem Material. Er erwiderte, mit den Stunden, das sei in Ordnung, er würde seinen Geschäftsführer unterrichten. Das Material könne ich bei ihnen bestelle, das würden sie besorgen. Meine zweite Sorge: Um diese Arbeiten zu erledigen, musste ich Handwerker anstellen. Auf Ibiza gibt es im Sommer genug Deutsche, welche einen Job  suchen. Das Problem ist, dass diese keine Arbeitsgenehmigung haben. Wenn man im Hafen mit ihnen arbeiten will brauchen sie einen Arbeitsvertrag. Ein Vertrag muss man nach Gesetz für mindestens ein Jahr abschliessen. Das konnte ich nicht riskieren, deshalb machte ich ihm folgenden Vorschlag. Ich suche mir die Handwerker aus, er stellt ihnen Arbeitsverträge auf seine Firma „Islamarin“ aus und macht sie in seinem Büro bereit. Wenn eine Kontrolle kommt sage ich, die Arbeitsverträge liegen bei der Firma Islamarin und rufe ihn sofort an. Bis die Kontrolleure bei ihm sind hat er oder sein Geschäftsführer Zeit, diese zu unterschreiben. So wurde es gemacht, aber es gab keine Kontrollen.  Es war wirklich eine sehr grosse Aufgabe, es würde zu weit führen wenn ich alle Arbeiten hier beschreiben würde. Hier nur einige: Das ganze Schiff vom Bug bis zum Heck mussten wir neu isolieren. Die drei Schotträume wurden einzeln mit automatischen Bilgenpumpen, welche alle über ein zentrales System auch manuell bedient werden konnten und über einen Ölabscheider gesteuert wurden, ausgerüstet. Ein grosser Teil der elektrischen Anlagen und der Elektronik musste ausgewechselt werden. Die Motoren wurden eingebaut und auch ein neues, aus Amerika eingeflogenes „Onan“-Notstrom-Aggregat mit einer Leistung von 20 KW. Dazu ist noch einiges zu sagen: Ich beschäftigte an diesem Schiff drei bis vier Mann. Einen deutschen Elektriker, einen Schreiner, den Mann der Sekretärin von Herr Brändli und einen Hilfsarbeiter, das war der Mann von Frau König. Frau König arbeitete bei mir auf dem Büro und ist die Tochter vom Schriftsteller J.M. Simmel, welcher vor kurzem verstorben ist. Das Notstromaggregat  wurde uns von der Islamarin angeliefert und mein Elektriker baute es ein. Bereits kurz nach Beginn der Arbeiten gab es Spannungen zwischen mir und dem Geschäftsführer „Rey“. Bei den Abrechnungen versuchte er, diese immer hinauszuzögern, ich jedoch beharrte darauf dass er sich die Zeit dazu nahm. Bei den Materiallieferungen gab es grosse Verzögerungen. Einige Male musste ich Herrn Brändli in Deutschland

 

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anrufen und mich beschweren. Auch der spanische Elektriker von Islamarin,  welcher vorher sehr freundlich war, grüsste mich kaum mehr. Natürlich war da Neid im Spiel.  So ergab es sich, dass mein Elektriker in meiner Abwesenheit mit dem Einbau fertig wurde. Ich habe jedoch ausdrücklich angeordnet, dass ich bei der Inbetriebnahme dabei sein wolle. Am nächsten Morgen wollten wir das Gerät in Betrieb nehmen und ich sagte zu dem Mann: „Bitte kontrollieren Sie noch einmal alle Anschlüsse“. Nach kurzer Zeit sagt er zu mir, dass  da etwas nicht stimme. Gestern habe er die Hauptkabel richtig angeschlossen und jetzt seien  sie umgepolt. Ein nach seiner Ansicht stromführendes Kabel liege auf der Masse. Ich sage sofort: „Hängen Sie die Batterie ab, damit niemand das Gerät aus Versehen starten kann“, begab mich zur Werft und sagte zu Herr Rey: „Der Notstromgenerator wurde  von uns montiert und angeschlossen. Über Nacht von gestern auf heute wurde Sabotage daran gemacht. Ich verlange, dass Ihr Elektriker kommt und sich das ansieht“. Als dieser drei Tagen nicht erschien  habe ich Herrn Brändli in Deutschland angerufen und ihn über die Vorkommnisse unterrichtet. Er sagte, ich solle den Hafenelektriker beauftragen und dieser bestätigte unsere Vermutung. In seinem Beisein wurde die teure Anlage danach in Betrieb genommen.  Herr Brändli liess mich kurz darauf in sein Büro kommen und sagte zu mir, er offeriere mir in seinem Betrieb die Stelle als Chefmechaniker. Ich antwortete,  ich sei immer selbstständig gewesen und zudem hatten Herr Rey, sein Geschäftsführer und sein Betriebselektriker „das Heu nicht auf der gleichen Bühne.“ Darauf offerierte er mir, ich könne den hinteren Teil seiner zweiten Werfthalle übernehmen und dort eine Werkstatt einrichten. Meine ausgeführten Arbeiten stelle ich ihnen in Rechnung und diese würden von ihnen dem Kunden weiterverrechnet. Ich antwortete, das müsse ich mir überlegen.  Ich habe mit Herrn Brändli, welcher noch in Deutschland weilte, vereinbart, dass sein Schiff erst nach meiner Rückkehr aus Deutschland ins Wasser kommt. Kurz darauf waren die Arbeiten an der Yacht beendet. Frau Kleindick hatte wieder einen Wunsch. Ich musste sofort nach Aachen fahren und zehn Tage später mit Elsbeth  zurück nach Ibiza. Elsbeth hatte sehr viel Gepäck für ihr neues Haus, deshalb wollte sie nicht fliegen. Sie hat vorgeschlagen, dass wir  den Mercedes nehmen welchen ich im vorigen Jahr drei Monate in Ibiza gefahren hatte. In der Zwischenzeit hat ihr jüngster Sohn Rony nach seiner Fahrprüfung diesen gefahren.  Bevor wir losfuhren machte ich mit dem Wagen eine Probefahrt. Nach dieser sage ich zu Elsbeth, dass man am Motor vor dieser Reise die Stirnradkette

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auswechseln müsse. Sie antwortete: „Ach Quatsch, du möchtest nur lieber mit dem BMW fahren“. So leicht gab ich mich nicht geschlagen. Ich verlangte, dass sie mit den Wagen zur Mercedesvertretung fährt und ihn durchprüfen lässt. Ob sie es tat weiss ich nicht, nach knapp einer Stunde war sie zurück und sagte zu mir, die hätten gesagt der Wagen sei in Ordnung. Gut, wir fuhren los. Auf der Autobahn bin ich trotz ihrem Protestieren stur nur mit hundert gefahren. In Frankreich ist die Fahrt zu Ende. Die Stirnradkette  brach, die Ventile beschädigten die Kolben, der Wagen war schrottreif. Elsbeth besorgte einen Mietwagen, es wurde alles umgeladen und weiter ging die Reise nach Ibiza. In Ibiza bemerkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Das Schiff war im Wasser und Herr Brändli hatte keine Zeit mehr für mich. Ein Arbeiter von Islamarin sagte zu mir, die Motoren hätten zu wenig Leistung.  Bevor ich den Auftrag übernommen habe, haben Arbeiter von Islamarin die beiden Dieseltanks ausgebaut weil der Motorenausbau das erforderte. Die 400 Liter Dieselöl, welche sich noch darin befanden, wurden in Fässer abgefüllt und im Hafen in einen Schuppen gestellt. Als ich zufälligerweise einmal dort vorbei kam stellte ich fest, dass bei den beiden Fässern die Verschlussdeckel fehlten. Ich dachte mir sofort, dass die vierhundert Liter Dieselöl, welche 1½ Jahre bei oft 40° Temperaturen ohne Verschlüsse dagestanden haben, keine Kraft mehr haben. Natürlich hätte man sie noch für Reinigungszwecke oder als Beimischung zu den 2000 Litern Dieselöl, welche die Tanks fassten, verwenden können.  Ich begab mich also gewaltsam am Geschäftsführer vorbei ins Büro von Herrn  Brändli, welcher mich sehr kühl empfangen hat. Ich verlangte von ihm Auskunft, was da gespielt würde. Er sagte zu mir, ich hätte ihn sehr enttäuscht.  Ich hätte mit einem Kundenboot Privatausflüge gemacht und dieser habe sich bei ihm beschwert und sei sehr böse. Ich fragte ihn, wann das gewesen sein soll. Seine Antwort: „Am Sonntag genau vor einer Woche sind Sie mit dem Boot nach Las Palmas gefahren“. Er sei am Dienstag von Deutschland  zurückgekommen und der Kunde habe ihm eine furchtbare Szene gemacht. Darauf habe Herr Rey ihm versichert, er habe gesehen wie ich mit dem Boot den Hafen verlassen habe. Im Übrigen sagte Herr Brändli, er fahre nächste Woche nach Palma um die Motoren einzustellen. Ich sagte zu ihm: „Erstens bin ich am besagten Wochenende in Deutschland gewesen, und zweitens möchte ich Ihnen raten, vor der Fahrt nach Palma die beiden Dieseltanks aufzufüllen,  dann werden Sie nach ein bis zwei Kilometern feststellen, dass sich die Fahrt erübrigt“. 

 

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Zwei Tage später hat Herr Brändli mich zu sich gerufen, hat sich entschuldigt und  gesagt, ich hätte mit dem Dieselöl den Nagel auf den Kopf getroffen. Im Übrigen habe ihm der Kunde bestätigt, dass ich das nicht gewesen sei, er habe den Mann auf Distanz aus dem Hafen ausfahren sehen. Er kenne mich, ich sei es nicht gewesen. Noch einmal fragte er mich, ob ich nicht sein ANGEBOT annehmen möchte. Ich antwortete ihm:   „Herr Brändli, ich hatte jetzt lange genug Einblick in Ihren Betrieb. Hier arbeitet jeder gegen jeden. In so einem Betrieb könnte ich nicht einen Monat arbeiten. Ich war mein Leben lange selbständig und um meiner Gesundheit willen möchte ich es auch bleiben. Der einzige gute Mann, welchen Sie haben, ist der deutsche Mechaniker. Wenn Sie mit diesem Geschäftsführer und diesen Leuten so weitermachen ist der Betrieb in spätestens fünf Jahren bankrott. Er war etwas beleidigt, aber kurze Zeit später hat sich sein deutscher Mechaniker selbstständig gemacht und nach gut zwei Jahren hat Islamarin Konkurs gemacht und wurde von drei anderen Bootswerften übernommen. Trotzdem hatte ich von Islamarin noch einige Male Arbeit. Einmal habe ich für sie ein abgesoffenes Abateboot aus 30 Meter Tiefe gehoben und als nächstes bekam ich von ihnen den Auftrag,  ein vom Sturm an den Strand geworfenes Boot zu bergen. Mit der Elsbeth wurde es immer schlimmer. Tagsüber hielt sie sich am Strand auf und hat Wein getrunken. Am Abend kam sie nach Hause, kochte das Abendessen, ich muss sagen kochen konnte sie ausgezeichnet. Nach dem Essen setzte sie sich ins Wohnzimmer, schaltete den TV ein und trank weiter ihren Wein. Nach einer gewissen Zeit begann sie mir von ihrem Erfolg zu erzählen und wie sie zu ihrem Reichtum gekommen ist. Fast jeden Tag erzählte sie mir eine Geschichte aus ihrem Leben, wobei ich ihren Charakter einschätzen lernte. Ein Beispiel: In Bari Lodge lebte ein älterer Mann. Er war pensionierter Ingenieur und hatte früher bei den Schiffsfahrtbetrieben von Tigersee gearbeitet. Im Alter war er noch rüstig, lebte jedoch sehr zurückgezogen für sich und begab sich nicht gern unter die Leute. Elsbeth wusste, dass dieser Mann als Ingenieur eine gute Rente bekam. Sie war mit vielen Persönlichkeiten befreundet, so mit einem Bankdirektor, mit Notaren, Anwälten und Stadträten. Sie überlegte sich, der Mann lebt sehr einfach, geht nie aus und braucht bestimmt nur einen Bruchteil seiner Rente. Also erkundigte sie sich, ob er über ein Bankkonto verfüge. Das war nicht der Fall. Um sein Vertrauen zu gewinnen habe sie ihm oft aus ihrer Hotelküche persönlich etwas zu essen gebracht. Jeden Monat habe ihm der Postboote seine Rente nach Hause gebracht, also musste er es da aufbewahren. Das ging bereits ein paar Jahre so. Sie wusste,  dass er keine Angehörigen mehr, aber ein schönes Haus hatte.

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Als er 75 Jahre alt wurde und mit den Beinen etwas Probleme bekam machte sie ihm einen Vorschlag: In Buenos Aires (2‘200 km entfernt) gäbe es ein zwar nicht billiges, aber sehr komfortables, deutsches Altersheim. Wenn er ihr sein Haus überschreibe und einmal später nicht mehr selber für sich sorgen könne, bezahle sie ihm als Gegenleistung den Aufenthalt dort bis zu seinem Lebensende. Anfänglich wollte er nichts davon wissen. Also sagte sie zu ihm, sie bezahle zwei Flüge nach Buenos Aires, dort könne er das Heim besichtigen, mit ihr zurückfliegen und später selber wählen wann er dorthin übersiedeln wolle. So war er einverstanden und sie begaben sich zusammen zum Notar, die Überschreibung wurde gemacht und von beiden Seiten unterzeichnet. Daraufhin begab sich Frau Kleindick zu den Vormundschaftsbehörden, sagte dort, der Mann könne nicht mehr für sich sorgen, sie habe bereits seit langem für ihn gesorgt, er habe offene Beine, und sie habe sich bereits um ein Pflegeheim gekümmert und möchte seine Vormundschaft übernehmen. Weil Frau Kleindick eine ortsbekannte Frau war wurde es so gemacht. Nun besorgte sie ein Retour- und ein einfaches Ticket nach Buenos Aires und obschon der Mann heftig protestiert, sei sie allein zurückgeflogen. Er habe alles versucht um zurückzukommen und sei zum Glück ein paar Monate später gestorben. Sie habe ausgerechnet, dass wenn der noch ein paar Jahre gelebt hätte würde sie das viel Geld gekostet haben. Wieder zuhause untersuchte sie ihr neuerworbenes Haus und fand im Estrich,  aus vielen Jahren zurück, von jedem Jahr einen Ledersack mit Bargeld und zum Teil auch Goldmünzen. Den Betrag nannte sie mir nicht, aber eines verriet sie mir: mit dem Geld hätte sie das Haus zweimal kaufen können. Als ich mit Elsbeth in Bari Loche weilte haben wir in diesem Haus gewohnt. Im Herbst 1985 kam Frau Kleindick endlich meinem Wunsch nach und wollte hinter dem Haus eine Garage bauen. Dazu benötigten wir noch 20 Quadratmeter Land von Senior Torres. Sie sprach mit diesem am Telefon und versicherte mir, er sei einverstanden. Auf meine Frage, hast du einen Preis vereinbart, antwortet Elsbeth: nein, aber mit dem werde ich schon handelseinig wegen der paar Meter.  Elsbeth fährt zurück nach Aachen, ein mir bekannter Unternehmer macht den Aushub und ich baue zusammen mit einem Maurer und einem Hilfsarbeiter die zehn Meter lange und drei Meter breite Garage. Für das Material hat sie mir bei der Bank ein Konto von 2000 Mark  eröffnet, die Gehilfen habe ich selber bezahlt. Nach zwei Monaten konnte ich ihr berichten, die Garage sei fertig mit Betonboden, Betonflachdach, einem Eingangstor und zwei Fenstern. Als die Garage fertig war kam Herr Torres und behauptete, wir hätten auf seinem Land gebaut. Ich erwiderte, Frau Kleindick

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habe ihm doch das Land abgekauft. Er sagte: nein, sie habe nur darüber gesprochen. Ich habe sie jedoch vor ihrer Abreise nach Aachen ausdrücklich gefragt, ob wir mit dem Bau beginnen könnten. Herr Torres wollte ihr nun das ganze Grundstück verkaufen, denn er behauptete, um noch ein Haus auf dieses zu bauen sei der Rest zu klein.  Elsbeth machte mir wieder eine Szene und ich beschloss, sie endgültig zu verlassen. Doch möchte ich hier noch kurz zwei Tatsachen, welche sich ereignet haben und die ein Licht auf ihren Charakter und ihre Habgier werfen, schildern.  Ich arbeitete an einem von meinen Booten hinter ihrem Haus auf Ibiza. Bereits eine Stunde lag ich unter dem Steuerdeck auf dem Rücken und verkabelte in dem engen Raum die Armaturen. Plötzlich spürte ich den Beginn eines Krampfes in der Brust. Ich schälte mich schnell unter dem Bootsdeck heraus und kaum stand ich neben dem Boot hatte ich wirklich einen Krampf. In dem Moment kommt Elsbeth zur Türe heraus und sieht das. Ihre Reaktion: „Werner was hast Du, komm rein, setz dich.“ Sie rennt zum Sekretär, kommt mit Papier und Kugelschreiber und sagt zu mir: „Werner, schreibe hier bitte dass du nach deinem Ableben alles was dir gehört mir überschreibst.“ In dem Moment konnte ich bereits wieder lachen. Als sie bemerkte, dass ich mich von ihr trennen wollte, war sie plötzlich sehr nett zu mir. Als ich von der Arbeit nach Hause kam sagte sie zu mir: „Werner,  heute lade ich Dich zum Nachtessen in einem feinen Lokal ein“. In einem  argentinischen Restaurant haben wir sehr gut gegessen. Beim Kaffee sagt sie zu mir: „Mein Sohn Thomas wird demnächst öfters oben in unserer Ferienwohnung Urlaub machen und er möchte sein eigenes Boot haben. Ihr seid doch Freunde, würdest du ihm eines deiner Boote vermachen?“ Ich sagte zu ihr: „Ich habe da eben ein schwedisches Sportboot eingetauscht. Den Motor habe ich bereits ausgebaut, dieser muss revidiert werden. In einem Monat ist in Düsseldorf die internationale Bootsmesse, diese kann der Thomas mit mir besuchen, die Ersatzteile bestellen, ich baue sie ein und mache das Boot für ihn fahrbereit.“ Elsbeth reicht mir Papier und sagte, bitte gib mir das schriftlich. Ich mache es, schreibe jedoch dazu: mit defektem Motor.  Bei einem meiner ersten Besuche in Deutschland gab sie mir den Rat, bei ihrer Bank in Aachen ein Ausländerkonto zu eröffnen. Das mit der Begründung, ich hätte viele deutsche Kunden und ich bezöge viele Bestandteile von Deutschland, das würde die Sache vereinfachen. Das leuchtete mir ein und ich tat es. Ein paar Wochen später vor meiner Rückreise nach Ibiza sagte sie zu mir: „Werner, es wäre vielleicht gut wenn ich auf deinem Konto die Vollmacht hätte. Wenn du einmal in Ibiza dringend Geld brauchst kann ich es abheben und dir mitbringen“. Damals gab es noch keine Kreditkarten, also leuchtete mir

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auch das ein. Ein Jahr später entdeckte ich auf meinem Bankauszug Spesenabzüge von über 100 DM. Bei meiner Nachfrage auf der Bank sagte mir der Bankbeamte, Frau Kleindick habe über diese Konto mehrmals grössere Geldbeträge auf ihre Schweizerbank überwiesen. Darauf angesprochen antwortete mir Elsbeth, vorher sei sie vierteljährlich in die Schweiz gefahren und habe das Geld mitgenommen, aber so sei es einfacher. Einmal ist es genug und einmal hatte ich genug. Ich packte meine persönlichen Sachen zusammen, verabschiedete mich von meiner lieben Elsbeth und zog in meinen Wohnwagen um welcher in unmittelbarer Nähe ihres Hauses neben einer Baustelle stand. Kurz vor Mitternacht klopfte es und wer stand draussen?  Es war Elsbeth. Mit Tränen in den Augen sagte sie: „Werner, komm sofort zurück in mein Haus sonst nehme ich ein Taxi und fahre in ein Hotel“. Ich antworte „Elsbeth, wo willst Du ein Taxi hernehmen? Das Telefon kriegst du erst in einem Monat und zur nächsten Kabine sind es zwei Kilometer, aber ich fahre dich gerne hin“. Daraufhin ist sie in die Nacht verschwunden. Im Wohnwagen hatte ich noch Baustrom von damals, als ihr Haus noch nicht am Netz angeschlossen war, und weil dieser seit der Zeit nicht mehr benutzt wurde. Am nächsten Tag am Abend sah ich, wie Nachbarn sie besuchten,  welche sie anscheinend zum Essen eingeladen hatte. Gegen 23 Uhr verliessen die Leute ihr Haus, zufällig beobachtete ich wie der Mann nach einigen Minuten zurückkam und sich zur Baustelle begab. Ein paar Minuten später ging bei mir das Licht aus. Kein Problem, ich hatte eine Gaslampe und im schlimmsten Fall noch Kerzen. Am nächsten Tag hat sie unser Nachbar zum Flughafen gefahren. Ich begab mich zur Baustelle und klemmte mein Kabel wieder an. Als der Nachbar zurück war, stellte ich ihn zur Rede. Er versicherte mir, Frau Kleindick habe ihm 10`000 Pesetas (100 DM) dafür bezahlt und er möchte ja keinen Streit mit dieser Frau. Drei Wochen nach ihrer Abreise bekam ich einen Brief vom bekanntesten und teuersten Anwalt auf Ibiza. Er forderte mich mit freundlichen Worten auf,  gelegentlich bei ihm vorzusprechen. Weil ich diesen Herrn nur vom Hörensagen  kannte und keine Ahnung hatte, was der von mir wollte, nahm ich meinen Freund und Anwalt R. Sablonier mit, welcher fliessend Spanisch sprach. Der Staranwalt von den Balearen eröffnete mir, Frau Kleindick habe ihn beauftragt mir folgendes mitzuteilen. Erstens, ich würde mich strafbar machen falls ich den deutschen Behörden die Mitteilung mache, sie habe über mein Bankkonto Geld in die Schweiz überwiesen. Zweitens hätte ich ihr ein Boot verschrieben, dieses müsse in 30 Tagen fahrbereit vor ihrem Haus stehen. Ich lachte und sagte zu ihm, an die Möglichkeit, Frau Kleindick wegen des Schwarzgeldes bei den deutschen Behörden anzuschwärzen, hätte ich bis zu dem Moment noch

 

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nie gedacht. Das Boot würde ich ihr morgen vor die Türe stellen, aber ohne Motor. Auf die Frage „warum ohne Motor“ antwortete ich: „so steht es in der  Schenkungsurkunde“. Diese wollte er vom deutschen Konsulat übersetzen lassen. Bei unserer nächsten Begegnung sagte er zu mir. „Es ist alles wie Sie gesagt haben, diese Frau Kleindick scheint eine habgierige Frau zu sein. Ich werde ihr die Rechnung für meine Bemühungen schicken“.  Zum Schluss noch eine kleine Überraschung. Zwei Monate später bekam ich von der Bank in Aachen einen Brief, mein Konto sei mit 300 DM überzogen, ich sollte das umgehend in Ordnung bringen. Bei meiner letzten Buchung war ich noch 3‘500 DM im Haben. Und nun ein endgültiger Schlussstrich unter das Thema Elsbeth Kleindick. Ich habe immer gedacht, mit etwas Geduld und Anpassungswillen findest du vieleicht doch noch die richtige Frau, aber wie es aussieht soll es nicht so sein.  Dreihundert Meter vom Haus der Frau E. Kleindick entfernt stand einsam und verlassen eine sehr alte Ibicenker Finca. Sie bestand aus einem Haus mit vier mittel- bis grossen Räumen, einem acht Meter hohen Turm von 5x5 Metern und einem ummauerten Vorplatz mit einem Dach aus Weinreben. Zehn Meter neben der Finca befand sich ein fünf Meter tiefer Brunnen und auf der anderen Seite ein mächtiger Affenbrotbaum. Das Gebäude stand auf einer Lichtung von 5‘000 m2 in einem Pinienwald 200 Meter vom Meer entfernt. Auf dieses Grundstück hatte ich schon lange ein Auge geworfen. Das Haus war bestimmt 300 Jahre alt und der Zahn der Zeit hatte bereits schwer daran genagt. Die aus Pinienstämmen bestehenden Flachdächer waren mit  Schilfmatten abgedeckt und das Ganze mit einer dicken Lehmschicht abgedichtet. Weil die Dächer nicht mehr dicht waren, begannen die meterdicken Mauern abzubröckeln und das ganze Gebäude befand sich in einem chaotischen Zustand. Die Türen waren aufgebrochen und im Innern fand ich die Skelette von zwei Hunden, welche sicher bereits vor Jahren dort gestorben waren.  Meine Nachfragen im benachbarten Club ergaben, dass das Grundstück einer Anwaltsfirma in Deutschland gehörte. Ich habe daraufhin diesen Herren einen Brief geschrieben. Es sei unverantwortlich, das ehemals so schöne Gebäude,  welches in Deutschland längst unter Heimatschutz stehen würde, verfallen zu lassen. Wenn nicht sofort etwas unternommen würde sei das Haus in ein paar  Jahren nicht mehr zu retten. Ich wäre bereit, die Behausungen auf eigene Rechnung instand zustellen, wenn ich sie während der Zeit für meine Zwecke  zinsfrei benutzen könne. Die Antwort kam postwendend: „Wenn Sie das auf eigene Rechnung machen sind wir mit Ihrem Vorschlag einverstanden.“ Am

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ächsten Tag habe ich alles mit meinem Fotoapparat festgehalten: die undichten Dächer, die Mauern, von welchen der Verputz abbröckelte, die aufgebrochenen Türen, alles, selbst die zwei toten Hunde habe ich abgelichtet. Mein Freund René Sablonier gab mir den Rat, mit dem Brief von den Anwälten und den Fotos zum Notar zu gehen und eine Acta anfertigen zu lassen, was ich auch machte, und damit war ich gut beraten. Wie René als Anwalt wusste, gab es zu der Zeit auf den Balearen noch ein Gesetz, dass wenn jemand ein seit mindestens drei Jahren unbewohntes Haus besetzt und dasselbe auf eigene Rechnung instand stellt ist er unkündbar. Dieses Gesetz kannten zum Glück meine deutschen Anwälte nicht. Zuerst machte ich neue Türen und Fenster, zusammen mit einem deutschen Maurer (welchem ich als Gegenleistung sein Auto neu spritzte) und wir  überzogen die Lehmdächer mit einer armierten Betonschicht. Im Brunnen installierte ich eine Hauswasserpumpe. Unten im Turm richtete ich ein WC und eine Dusche ein und machte Kanalisationsanschluss und vieles mehr. Danach holte ich aus der Garage, welche ich in der Cale Tarida immer noch besass,  meine gesamte Habe in die Finca. Und ich kaufte ein gebrauchtes Diesel- Stromaggregat.  Weil gute und seriöse Handwerker auf Ibiza zu dieser Zeit sehr rar waren hatte ich eine Idee. Ich wollte irgendwo, wo der Boden nicht so teuer ist, ein Grundstück im Baurecht mieten.   Auf mindestens 5‘000 Quadratmeter wollte ich eine Halle mit Reparaturwerkstatt bauen und rund um das Gelände einige Handwerkerwerkstätten wie Schreiner, Segelmacher, Installateur, Elektriker und andere aufstellen. Damit hätte man alle im Bootsbau und Wartung arbeitenden Berufe auf einem Platz. Meine beiden Anwälte waren von dieser Idee begeistert und versicherten mir, sie würden nach einem geeigneten Grundstück suchen und die Finanzierung übernehmen. Das Unternehmen scheiterte leider an den Baugesetzen auf Ibiza.  Im Sommer 1986 kam ein Mann namens Peter Krüger zu mir. Peter besass in der Cale Tarida ein Bungalow, von wo ich ihn gut kannte. Er berichtete, er habe in Berlin am Innenausbau eines Reisebüros gearbeitet, dabei habe ihm der Sohn eines Freundes geholfen. Nun sei er für vier Wochen nach Ibiza in Urlaub gekommen und als Belohnung habe er ihn mitgebracht. Er heisse Norbert Bittner und sei 18 Jahre alt. Gestern habe seine Frau angerufen, sie komme am Montag mit ihrer 19-jährigen Tochter. Ihr Bungalow sei leider nur für drei Personen eingerichtet. 

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Er fragte mich, ob Norbert nicht für die restlichen zwei Wochen ihres Urlaub bei mir wohnen dürfe. Er sei sehr fleissig, interessiere sich für Boote und würde mir gerne helfen. Eigentlich kam mir das nicht ungelegen, denn ich konnte einen Gehilfen auf der Finca gut gebrauchen. Ich hatte einen deutschen Mechaniker angestellt, aber die Arbeiten an der Finca machte ich mehrheitlich  am Abend und am Wochenende. Während der Woche arbeitete ich mit zwei bis drei Mann, die ich temporär im Stundenlohn beschäftigte, im Hafen oder irgendwo an Booten. Als Chefmanager und Eigentümer der Firma SYS „Swiss Yacht Service S.L.“ konnte ich Leute anstellen, aber nur temporär oder mit einjährigen Vertrag. Und das wollte ich nicht riskieren. Ich war mit dem Vorschlag von Peter Krüger einverstanden und am nächsten Tag bezog Norbert das Turmzimmer, welches ich eigentlich für mich im Sommer eingerichtet hatte. Norbert war ein gelehriger, fleissiger Bursche‚ über Tag arbeitete er während meiner Abwesenheit an der Finca obschon ich ihm sagte, er habe Urlaub und könne an den Strand hinunter gehen.  Nach zwei Wochen hat Peter Krüger angerufen, er würde den Norbert am Morgen abholen, um 14.30 Uhr starte ihre Rückflugmaschine auf dem Flugplatz Ibiza. Norbert sagte zu mir, er möchte in Ibiza bleiben. Ich antwortete, ich würde ihn gerne behalten, das sei jedoch unmöglich. Ohne Aufenthaltsbewilligung geschweige denn Arbeitserlaubnis könne ich das nicht riskieren. Weil ich eine angemeldete Firma habe, müsste ich da sehr vorsichtig sein. Zudem wolle der Peter Krüger ihm in Berlin eine Lehrstelle besorgen. Am nächsten Morgen, als Herr Krüger ihn abholen wollte, war Norbert spurlos verschwunden, und dieser reiste ohne ihn zurück nach Deutschland. Gegen Abend meldete er sich und sagte zu mir: ich bleibe hier. Nun, was wollte ich, ich konnte ihn wirklich gut gebrauchen und war froh, während meiner Abwesenheit jemanden auf der Finca zu wissen.  Norbert erwies sich als zuverlässiger und  einfallsreicher Geselle und ich glaubte schon, einen tüchtigen Mitarbeiter gefunden zu haben. Doch ich machte einen grossen Fehler, welchen ich mir noch heute nicht entschuldigen kann. Abends bevor Norbert auf seinen Turmzimmer schlafen ging, sassen wir noch ein bis zwei Stunden im Wohnwagen und ich gab ihm Theorie über Verbrennungsmotoren und Bootsbau, was ihn sehr interessierte. Ich bin es gewöhnt, abends einige Glas Rotwein zu trinken, weil ich danach besser schlafen kann. Natürlich stellte ich auch Norbert ein Glas hin. Im Mercato kaufte ich immer die 2-Liter-Korbflaschen. Anfänglich reichte so eine Flasche gute vier Tage. Nach einigen Monaten bemerkte ich, dass die Flasche bereits nach drei Tagen leer war. Ich passte etwas besser auf und bemerkte, dass Norbert sein Glas etwas zu oft nachfüllte. Darauf aufmerksam gemacht, es sei

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nicht gut in seinem Alter so viel Alkohol zu konsumieren, antwortete er, er würde viel ertragen, ihm mache das nichts aus. In Zukunft stellte ich nur noch eine Karaffe auf den Tisch. Doch auch das war falsch, ich bemerkte, dass er in der Arbeit nachliess  und eines Tages kam er nicht zur Arbeit. Ich begab mich in sein Turmzimmer, Norbert lag im Bett und im Zimmer lagen und standen leere Weinflaschen. Natürlich machte ich ihm Vorwürfe und drohte, wenn er nicht sofort mit dem Trinken aufhöre schickte ich ihn zurück nach Berlin. Ein paar Tage glaubte ich, es sei besser, aber dann bemerkte ich, dass er alle paar Stunden für einige Zeit mit meinem Hund im nahen Wald verschwand. Wenn ich in fragte, wo er gewesen sei, antwortete er, er müsse die Natur geniessen. Ich vermutete, dass sich Norbert irgendwo im Wald ein Weinlager angelegt hatte, fand jedoch anfänglich nichts, bis ich auf eine List kam. Weil der Hund ihn immer begleitete, ging ich auf den Wald zu und sagte zu diesem: geh such, zeig mir Norberts Weinlager. Hinter einem dichten Gebüsch zeigte er mir eine Mulde, gut getarnt mit Zweigen. In der Mulde lagen bestimmt ein Dutzend  Weinflaschen. Von da an habe ich ihn, wenn ich auswärts arbeitete, mitgenommen und nach Möglichkeit bis abends, wenn die Geschäfte geschlossen hatten, nicht eine Minute aus den Augen gelassen  Von nun an wurde er zum „Quartalssäufer“. Zehn bis vierzehn Tage ging alles gut, aber wenn er eine Gelegenheit fand mir zu entwischen hat er sich total betrunken und war drei Tage nicht ansprechbar. Natürlich hat sich das herumgesprochen und war für mein Geschäft nicht gerade eine gute Werbung. Deshalb habe ich alles versucht, ihn loszuwerden. Auf dem deutschen Konsulat  wie auf der Polizei wurde mir gesagt, sie könnten nichts machen, einen deutschen Staatsangehörigen könnten sie nicht ausweisen. Wenn er nüchtern war konnte Norbert ganz gut arbeiten. Mindestens ein- bis zweimal im Monat hat er sich einen Vollrausch angetrunken und lag danach zwei bis drei Tage im Bett. Anfänglich habe ich ihm abends noch etwas zu Essen ins Zimmer hoch gebracht, mit der Zeit habe ich mir gedacht, wenn er Hunger hat wird er sich sicher melden. Im Sommer 1988 kam Peter Krüger mit seiner Frau und seiner 17-jährigen Tochter um auf Ibiza Urlaub zu machen. Wie ich später erfahren sollte, war das Mädchen drogenabhängig. Sie besuchten uns, Susi umschwärmte Norbert wie eine Wespe ein Honigglas. Als die Eltern nach Berlin zurückkehrten, büchste sie aus, wie damals der Norbert und später wohnte sie zusammen mit diesem im Bungalow ihrer Eltern. Der Bungalow lag in der Cale Tarida, 20 km von meiner Finca entfernt im Osten der Insel.  Meinen Landrover fuhr ich noch mit seinen Schweizer Kontrollschildern. Als der Mercedes von Elsbeth den Geist aufgab, kaufte ich 1985 in Berlin einen

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gebrauchten Honda und löste in dort auf den Namen von Peter Krüger ein. Nachdem ich eine Aufenthaltsbewilligung für Spanien bekam, durfte ich nur noch mit spanischen Nummernschildern fahren. Ich kaufte ein spanisches Auto und im Herbst 1987 beauftragte mich eine deutsche Dame aus Berlin, welche auf Ibiza ein Haus besass, ihren Mercedes in Berlin abzuholen und auf die Insel zu überführen. Ich sah darin die Gelegenheit, meinen Honda, welcher bereits seit längerer Zeit herumstand, in Deutschland zu verkaufen. Norbert wollte nicht mitkommen, er wusste genau, dass ich ihn auf keinen Fall mit nach Ibiza zurückgenommen hätte, also zog er zu seiner neuen Freundin nach der Cale Tarida.  Den Honda konnte ich gut verkaufen. Ich hatte ihn vor zwei Jahren für 3900 DM gekauft und bekam noch 3800 für das Gefährt. Ich wollte das Geld auf einer Bank in Berlin einzahlen, diese hatten jedoch gerade zugemacht. Also nahm ich es mit auf die Insel. Am Nachmittag um 12.00 Uhr kam ich im Hafen von Ibiza und begab mich mit dem von mir überführten Mercedes zu meiner Finca nach  El Figural. Dort angekommen sah ich, dass die Türe zu Vorbau meines Wohnwagens aufgebrochen war und die Freundin von Norbert befand sich im Vorbau in der Küche. Der Wohnwagen war noch geschlossen, aber die Türe der Finca war ebenfalls aufgebrochen. Zur Rede gestellt behauptete die Susi, sie seien heute Vormittag gekommen und das sei alles so gewesen. Ich fragte wo Norbert wäre. „Der sei zum Einkaufen gegangen“. Ich sagte zu ihr, ich fahre jetzt nach Eulalia zur Bank und wenn ich zurückkomme seid ihr verschwunden, sonst rufe ich die Polizei. Das mit der Bank hätte ich besser nicht gesagt. Sicher hat sie überlegt, der hat in Deutschland das Auto verkauft und bringt nun das Geld zur Bank.  Ich kehre ihr den Rücken zu, wasche an der Spüle die Hände und bekomme         von hinten einen Schlag auf den Kopf. Auf dem Tisch stand  ein schwerer Glasaschenbecher, mit einem Gewicht von bestimmt einem Kilogramm. Diesen hat sie mir von hinten auf den Kopf geschlagen. Ich kann nicht sagen wie lange ich „geschlafen“ habe. Als ich erwachte, lag ich mit dem Kopf in einer Blutlache auf dem Fliesenboden. Ich raffte mich auf und begab mich mit Kopfschmerzen und etwas unsicheren Beinen zum 300 Meter entfernten Nachbarn und bat ihn, die Polizei anzurufen. Er hat nicht nur die Polizei sondern auch den Krankenwagen angerufen, dieser kam zuerst. Aber ich weigerte mich einzusteigen. In der Zwischenzeit begab ich mich zurück in die Finca, habe mir das Blut aus dem Gesicht und von den Händen gewaschen und die verbluteten Kleider gewechselt und die Sanitäter haben mir einen Notverband gemacht. Die Wunde blutete noch immer, aber ich sah nicht mehr so schrecklich aus. Mein Nachbar, ein Spanier, hat später zu mir gesagt, als er mich vor der Türe gesehen habe hätte ihn vor Schreck beinahe der Schlag getroffen. Ich wollte auf die

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Polizei warten, denn meine Geldbörse mit über 4000 Franken und der Mercedes hatten das Weite gesucht. Nach 45 Minuten traf endlich auch die Polizei ein. Der Krankenwagen war weg, aber ich musste dem Arzt versprechen, mich noch am gleichen Tag im Krankenhaus zu melden.  Ich bat die Polizisten, mit mir in die Cale Tarida zu fahren. Anfänglich wollten sie nichts davon wissen, aber als ich sagte, ich kenne den Polizeichef von Ibiza gut (dessen Name ich zufälligerweise kannte) waren sie mit meinem Vorschlag einverstanden. Wir fuhren also über Eulalia, Ibiza, San Antonio in die Cale Tarida, aber das Nest war leer. Ich habe die Polizisten gebeten zu warten, aber sie wollten zurück. Doch wir hatten Glück. Kurz vor San Antonio kam uns der Mercedes entgegen. Die beiden sind unterwegs noch eingekehrt, haben mit meinem Geld gut gegessen und wollten sich danach in ihr Nest begeben. Dabei haben sie allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ich bekam mein Geld bis auf 80 DM zurück und die beiden wurden ins Gefängnis von Ibiza gefahren. Die Polizei wollte mich mit dem Mercedes nicht fahren lassen. Ich hatte starke Kopfschmerzen, also fuhren sie mich nach Hause. Wie ich dem Arzt versprochen hatte, begab ich mich am selben Abend noch ins Krankenhaus und wurde geröntgt. Nach der Besichtigung der Aufnahmen sagte der Doktor zu mir, ich müsse über Nacht - möglicherweise auch länger - im Krankenhaus bleiben. Danach faselte er etwas von einer Erschütterung, Quetschung oder Riss, genau habe ich es nicht verstanden, aber ich war eigentlich froh, dass ich endlich Ruhe hatte und wollte mich nicht noch einmal mit ihm streiten. Nebenbei sagte er zu mir, als er den blutverschmierten Aschenbecher in die Hand genommen habe, hätte er gedacht, es sei ein Wunder dass ich noch am Leben sei. Ich antwortete: „Sie vergessen, dass sie es nicht mit einem spanischen sondern mit einem Berner Schädel zu tun haben“. Am andern Tag wurde ich mit Verdacht entlassen.  Norbert Bittner und Susi Krüger wurden nach einer Woche im Gefängnis nach Deutschland abgeschoben.  Ein paar Monate darauf erlebte ich ein schlimmeres Abenteuer. Ein deutscher Industrieller besass auf Ibiza eine Villa und eine Motoryacht im Hafen. Die Villa plus die 20-Meter-Yacht vermietete er an reiche Leute aus Kuweit. Durch Adi Vogel lernte ich den Mann kennen und er sagte zu mir, er brauche für das Schiff einen zuverlässigen Kapitän. Seine Gäste mieteten die Villa mit Motoryacht in der Regel für ein paar Wochen. Für die Yacht würden sie 1000 DM pro Tag bezahlen. Ob ich jeweils, wenn sie mich am Tag vorher anrufen, das Schiff als Kapitän übernehmen würde und was ich dafür pro Tag verlange. Ich überlegte. Wenn die pro Tag, wo sie das Boot benutzen, 1000 DM bezahlen sind 300 DM

 

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für den Kapitän ein angemessener Preis. Der Mann war etwas erstaunt, aber sofort einverstanden. Einen Moment glaubte ich, er hatte das Gefühl, ich hätte mich versprochen. Später wurde mir gesagt, die Leute bezahlen jeden Tag - ob sie das Schiff benutzen oder nicht – 1000 DM plus den Kapitän. Ich hätte ruhig 600 DM verlangen können. Doch in den vier Wochen, in denen sie die Villa gemietet haben, wurde ich fünf Mal benachrichtigt, am nächsten Tag möchten sie die Motoryacht benutzen, und drei Mal sind sie wirklich gekommen. Natürlich wurde ich auch bezahlt wenn sie nicht gekommen sind, denn ich habe ja auf dem Schiff gewartet. Auf dem Hafenplatz neben „meiner“ Yacht lag ein sogenanntes Zigarrenboot. Das sind 9 Meter lange Schnellboote mit sehr starken Maschinen und einer  Spitzengeschwindigkeit von weit über hundert Kilometern. Natürlich habe ich mich für das Schnellbot interessiert, denn so eines kam mir noch nie unter die Hände, diese Leute haben in der Regel ihre Privatmechaniker.  Jedesmal wenn ich einen Anruf bekam, sie möchten am nächsten Tag fahren,  begab ich mich am Abend vorher auf das Schiff, bereitete alles vor und legte mich sehr früh in meiner Kapitänskabine zum Schlafen. Durch mein Bullauge sah ich direkt zur Kabine des Schnellbootes zwei Meter neben mir, in welcher die Vorhänge natürlich geschlossen waren. Am Nachmittag und am Abend war niemand auf dem Boot. Um Mitternacht, als ich zufällig erwachte, war Licht in der Kabine und hektischer Betrieb auf dem Boot. Kurz nach Mitternacht wurden die Leinen losgeworfen und das Boot verliess fast geräuschlos den Hafen. Das machte mich stutzig. Denn es kam oft vor, dass solche Boote in der Nacht den Hafen verliessen, aber in der Regel waren die Gäste besoffen und machten viel Lärm. Am anderen Morgen erzählte ich das meinem Freund, dem Anwalt René Sablonier. Er sagte zu mir, beobachte wann das Boot zurück kommt und rufe mich an. Auf dem Schiff befand sich ein Telefon, was zu dieser Zeit noch nicht selbstverständlich war. Also habe ich drei Nächte auf meiner Yacht übernachtet. In der dritten Nacht, am Morgen um 3.00 Uhr, sind sie eingefahren, wieder ganz ruhig. Ich war gerade vor Müdigkeit eingeschlafen und bin nur aufgewacht, weil etwas zwischen ihrem und meinem Boot, also direkt neben meinem Bullauge, ins Wasser gefallen war. Ohne Licht zu machen schlich ich mich zum Telefon und rief René an. In der Zwischenzeit tat sich auf dem Schnellboot einiges. Es kamen Leute und es gingen Leute, es sah ganz nach einer kleinen Privatparty aus, war jedoch nicht laut.   Eine halbe Stunde nachdem ich angerufen hatte erschienen zwei Polizisten. Sie begaben sich nicht auf das Boot, aber eine Person, welche das Schiff soeben verlassen hatte, wurde  angehalten. Das sah ich noch, danach verschwanden sie aus meinem Blickwinkel. Ich dachte schon, es sei alles vorbei. Da kamen drei

 

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weitere Polizisten mit einem Schäferhund und gingen aufs Schiff. Nach ein paar  Minuten verliessen sie das Boot mit drei Männern in Handschellen. Dummerweise habe ich später im Geschäft etwas von der Geschichte erzählt.  Im Büro arbeitete ein Spanier, welchen ich etwas später wegen Diebstahl fristlos entlassen habe. Wie ich später zu hören bekam, dealte dieser Spanier nebenbei auch mit Drogen. Ein paar Monate später ich habe mir noch am TV einen Krimi angesehen und legte mich gegen Mitternacht in meinem Wohnwagen schlafen. Um 1.30 Uhr schreckte ich auf, weil ein riesiges Feuer neben meinem Schlafzimmer aufloderte. Ich sprang aus dem Bett, ergriff im Vorbau in der Küche den Feuerlöscher und konnte das Feuer, welches gut drei Meter hoch loderte, innert Sekunden löschen. Das bestimmt nur weil ich das Feuer sofort bemerkte und es keine 20 Sekunden dauerte, bis ich mit dem Feuerlöscher zur Stelle war.  Von meinen beiden Gasflaschen waren die Gummischläuche durchschnitten, daneben lagen ein Benzinkanister und ein 25 Liter Plastikbehälter mit Azeton. Zum Glück war dieser randvoll, sonst wäre er bestimmt explodiert. Auch die Gasflaschen wären explodiert wenn ich nicht sofort den Hahn  zugedreht hätte.  Neben all dem lagen drei leere Verdünnerbüchsen, deren Inhalt man vorher im Gras verschüttet hatte.  Beim Löschen fügten mir die im Gras liegenden brennenden Gasschläuche schwere Verbrennungen am rechten Bein zu. Kurz vor drei Uhr morgens begab ich mich barfuss mit dem Auto nach Eulalia ins Krankenhaus.  Der behandelnde Arzt konnte mir die Haut vom Knie bis zu den Fussgelenken mit einer Pinzette  abziehen. Als der Arzt mit seinem Gehilfen mit dem „Häuten“ fertig war fragte dieser, was sie mir für ein Schmerzmittel gespritzt hätten. Der Arzt antwortete: „Ich nicht, ich habe gedacht Sie machen das selber“. Darauf der Arzt erstaunt zu mir: „Hatten Sie denn keine Schmerzen?“. Ich sagte nur: „Doch, aber hätte ich schreien sollen?“. Darauf der Arzt: „Ihre Vorfahren müssen Indianer gewesen sein“. Das habe ich leider nie erforscht. Ein paar Tage später waren mein rechter Unterschenkel und mein Fuss dick aufgeschwollen. Um drei Uhr morgens erwachte ich und hatte das Gefühl, mein Fuss stecke in einem Ameisenhaufen. Ich entfernte den Verband und – oh  Wunder - rund um meinen Unterschenkel und Fuss wimmelte es von schönen, grossen, dicken, weissen Maden. Zum Glück hatte ich eine Flasche mit Wundalkohol im Medizinschrank und einen neuen Pinsel. Ich steckte diesen in den Alkohol und fegte damit die Viecher herunter. Das hat ganz ordentlich gebrannt. Aber ich war es bereits gewöhnt. Am Morgen fuhr ich wieder ins Krankenhaus, die Maden habe ich zu Hause gelassen. Mein Bein wurde gründlich desinfiziert und neu verbunden und der Arzt wollte, dass ich im

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Krankenhaus bleibe. Das hätte ich gerne gemacht, aber ich besass einen Hund welcher auf mich wartete.  Wochenlang musste ich den Fuss hochlagern, sobald ich ihn auf den Boden gestellt habe wurden die Schmerzen fast unerträglich. Während dieser Zeit hätte ich gerne eine Frau an meiner Seite gewusst. Von dieser Zeit an habe ich meine Türe offen gelassen so dass mein grosser Schäferhund jederzeit ins Freie konnte um ungebetene Gäste zu begrüssen. Später wollten sie mir am Wagen die Bremsschläuche durchschneiden, aber mein Hund hat sie in die Flucht geschlagen. Es ist von ihnen nur ein grosses Messer unter meinem Wagen zurückgeblieben. Endlich im Frühjahr 1991 habe ich ein geeignetes Grundstück für mein Geschäft gefunden. Ein Engländer betrieb eine Gärtnerei in der Nähe von St. Carlos. Es waren 10`000 Quadratmeter, umgeben von einem zwei Meter hohen Zaun mit einem drei Meter breiten Eingangstor. Auf dem Grundstück befanden sich ein 100 Meter tiefer Brunnen und eine Betonhalle von 20 x 10 Metern. Die Treibhäuser waren total verrottet und die Halle war mit einem Naturboden versehen. Das Grundstück gehörte einer Ibizenker Frau, welche von 20 Schafen lebte. Der Mietvertrag vom Engländer dauerte noch 5 fünf Jahre. Ich machte der Frau folgendes Angebot. Sie schliesst mit mir einen Vertag auf 35 Jahre ab und ich bezahle ihr im Monat 5000 Pesetas mehr Miete und nachts kann sie ihre Schafe auf dem Grundstück weiden. Der Vertrag wurde abgeschlossen und ich kaufte dem Gärtner das Bestehende für 120`000 DM ab. Endlich, nach neun Jahren Ibiza, hatte ich festen Boden unter den Füssen.   Über den Sommer wurde aufgeräumt, betoniert und eingerichtet und im Herbst 1991 konnte ich Überwinterungs-Plätze für Boote bis 18 Meter Länge anbieten. Das Gelände befand sich allerdings einen Kilometer vom Meer entfernt, aber der Preis für einen Winterplatz kostete die Hälfte von dem das  man für einen Platz in Eulalia oder in Ibiza bezahlen musste. Deshalb lohnte sich auch der Transport mit dem Sattelschlepper.  Die Sache liess sich sehr gut an, im ersten Winter waren es 20 Boote, im Winter 92/93 waren es 35 und im letzten Winter vor meiner verhängnisvollen Operation waren es über 40 Boote. Die meisten meiner Kunden waren Deutsche, welche in Ibiza ein Haus besassen. Sobald ein Boot mit dem Sattelschlepper angeliefert wurde habe ich es gründlich untersucht, den oder die Motoren durchgecheckt und eine Mängelliste aufgenommen. Diese war unterteilt in Reparaturen welche man ausführen musste, solche die man ausführen sollte und kleine Schönheitsfehler. Hinter jeden der Mängel setzte ich gleich dessen

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Reparaturkosten dazu. Der Kunde bekam die Offerte per Fax und konnte ankreuzen was er gemacht haben wollte. Das hat sich sehr bewährt und kam bei den Kunden gut an.  Und eines Tages kam ich auf den Hund.  Wie ich auf diesen Hund gekommen bin, das ist auch wieder eine Geschichte. Im Sommer 1992 meldete sich ein deutscher Mann bei mir, mit einem VW Bus,  und wollte mir das Fahrzeug sehr günstig verkaufen. Er hatte einen grossen,  gefährlich aussehenden Schäferhund dabei. Während der Mann in meinem Büro wartete machte ich mit dem Wagen eine Probefahrt. Unterwegs habe ich angehalten und im Handschuhfach nach den Papieren gesucht. Dabei entdeckte ich, dass das Auto als Mietwagen auf eine Garage in Basel zugelassen war. Zu Hause angekommen sagte ich zu dem Landsmann, er möchte am nächsten Tag zurückkommen, ich bräuchte Bedenkzeit. Als er fort war habe ich die Garage angerufen und es stellte sich heraus, dass der Wagen seit drei Monaten als gestohlen gemeldet und von der Versicherung bereits bezahlt worden war. Ich habe ihnen geraten, der Versicherung mitzuteilen, der Wagen sei auf Ibiza.  Am nächsten Tag als der Schweizer kam, sagte ich im auf den Kopf heraus, der VW sei geklaut. Er behauptete, er habe diesen von der Garage gekauft, setzte sich hinein und ist weggefahren.  Drei Tage später gehe ich abends in ein Restaurant, in welchem ich ein paar Tage vorher mit dem Basler ein Bier getrunken hatte. Die Wirtin kommt mir aufgeregt entgegen und sagt, der Wagen sei bereits drei Tage auf ihrem Parkplatz abgestellt und der Hund befände sich darin. Ich frage sie: „Hast Du ihn gefüttert und ihm Wasser gegeben?“  Sie antwortete: „Was denkst Du? Diese Türe mache ich nicht auf“. Ich begab mich sofort mit einer Schüssel Wasser zum Auto und der Hund war kurz vor dem Verdursten, ich glaube, eine weitere Nacht hätte er nicht überlebt. Ein Jahr später erscheint der Schweizer wieder in meinem Geschäft und sagt, er möchte  seinen Hund abholen. Ich sage zu ihm, so wie er diesen Hund verantwortungslos verlassen habe gäbe ich das Tier nicht wieder heraus. Darauf antwortete er, er hänge sehr an dem Hund und er habe damals gedacht,  ich würde jeden Abend dort essen und den Hund am Abend mitnehmen. Er habe die Papiere und der Hund gehöre ihm.  Gut antworte ich, ich habe deinen Hund 300 Tage gefüttert und ausgeführt, dann bezahlst Du mir 600 Franken wenn du ihn wieder haben willst. Er nimmt seine Uhr vom Arm und sagt, das sei eine sehr teure Rolex, ich gebe Dir diese

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als Pfand. Bitte schliesse sie in den Tresor. In zehn Tagen hole ich sie wieder ab. Es war sehr dumm von mir darauf einzugehen, denn die „Rolex“ hat er nie abgeholt und wie sich herausstellte, war es eine Fälschung.  Ein weiteres erfahrungsreiches Erlebnis auf Ibiza: Ein in der Filmbranche tätiger deutscher Staatsangehöriger Mann namens Pflüger besass in der Nähe von St. Carlos eine schöne Villa. Ebenfalls war er Besitzer eines englischen Trimarans mit einer Länge von 12 und einer Breite von 6 Metern. Ein sehr schönes Boot, mit einen Salon und 4 Schlafkabinen, und in den Aussenrümpfen waren zwei Volvo Penta 6 Zylinder Motoren eingebaut. Es handelte sich um einen Motorsegler.  Herr Pflüger beauftragte mich, den Motorenservice und kleinere Reparaturen am Boot auszuführen. Dabei entdeckte ich, dass die Bootsschalen von Osmose befallen waren. Das ist für Polyesterboote zu vergleichen mit Krebs. Es unterteilt sich in drei Stadien: Befall eins: die befallenen Stellen werden bis auf das Laminat ausgeschliffen und die Schleifstellen gespachtelt. Befall zwei: an den befallenen Stellen werden auch die oberen Laminatschichten weggeschliffen, neu armiert und gespachtelt. Befall drei: sowohl die Deckschicht wie die Laminate werden entfernt und die ganze Bootsschale muss neu laminiert und mit Schlussanstrichen versehen werden. Das ist eine sehr aufwendige Arbeit, und wird sie nicht fachmännisch und seriös durgeführt kommt die Osmose nach einiger Zeit zurück.   Ich unterbreitete Herrn Pflüger einen Kostenvoranschlag von 45 bis 50`000 DM. Halb im Lachen sagte er zu mir, das Boot sei kaskoversichert und er würde einiges dafür geben wenn es „absaufen“ würde. Ich antwortete, falls das ein Typ für mich sein sollte, ich sei da um Boote zu reparieren und nicht um sie zu versenken. Kurz darauf sprach Herr Pflüger mich an und sagte, er habe das Boot ausgeschrieben und möchte es verkaufen, ob ich bei Probefahrten als Kapitän mitfahren würde. Er hatte selber keinen Bootsführerschein, was auf Ibiza keine Seltenheit war, denn das wird in der Regel nur bei einem Unfall kontrolliert. Ich sagte zu, gab aber zu bedenken, dass falls mich der Interessent über den Zustand befragen würde müsse ich ihm als Fachmann die Wahrheit sagen, das sei ich meinem Namen auf der Insel schuldig. Ein paar Tage darauf hat mich Herr Pflüger angerufen, er habe am Wochenende mit Freunden Formentera besucht und sie haben in einer Bucht am östlichen Ufer der Insel geankert und den Anker verloren. Ein Deutscher namens Siegenthaler, auf der Insel unter „Sigi“ bekannt, sei dabei gewesen. Er fragte mich, ob es möglich sei, dass ich am Wochenende mit diesem „Sigi“ mit seinem Trimaran und dem Tauchgerät hinüberfahren möchte um den Anker zu bergen. Mir kam die Angelegenheit etwas komisch vor, denn Herr Pflüger hatte gesagt „mit

 

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Freunden“ und dieser „Sigi“ war nicht ein Mann, welcher sonst in Kreisen von Herr Pflüger verkehrte. Er war von Beruf Schweisser, im Winter arbeitete er in Deutschland auf seinem Beruf und im Sommer lebte er auf Ibiza und machte kleinere Geschäfte mit Touristen.  Am Sonntagmittag fuhren wir in Santa Eulalia los. Herr Pflüger kam nicht mit, jedoch trafen wir im Hafen noch zwei junge Schweizer, welche ebenfalls einen Besuch auf Formentera machen wollten. Um 15.30 Uhr waren wir in der besagten Bucht, an der schmalsten Stelle der Insel, in der Nähe von Es Cale. Die Schweizer wollten dort aussteigen und das Restaurant Es Calo besuchen. Mit einer ganz leichten Ost Brise (d.h. mit Rückenwind) und zehn cm hohen Wellen näherten wir uns im Schritttempo dem Ufer. Ich wusste, dass auf dieser Seite der Insel nach 16.00 Uhr der Wind oft auffrischt. Mit einer Maschine hätte ich das nicht gemacht, bei zwei Maschinen war es jedoch kein Risiko. Sigi stand auf dem Bug des Boots und meldete mir mit den Fingern die Wassertiefe am Bug. Ich konnte sehen, dass er ein aufgerolltes Wasserskiseil in den Händen hielt.  Dreissig Meter vom Ufer, ich wollte gerade die Motoren in den Leerlauf schalten, blockierte die linke Maschine. Ich schaltete die rechte Maschine in den Rückwärtsgang und versuchte, das Boot mit diesem aus der Gefahrenzone hinauszuziehen. Doch nach ein paar Sekunden bei hoher Drehzahl blockierte auch die rechte Maschine. Ich warf sofort den Anker aus und konnte das Schiff damit 20 Meter vom Ufer bei vier Metern Wassertiefe zum Stehen bringen. Vom schwachen Wind erfasst hat sich das Schiff in der Zwischenzeit gedreht, so dass es mit dem Heck zum Ufer stand. Ich bat die Schweizer, die zehn Meter ans Ufer zu schwimmen und jemand mit einem schnellen Boot zu bitten,  herüber zu kommen und uns aus der Gefahrzone hinaus zu schleppen. Die Insel war an dieser Stelle 300 Meter breit und auf der anderen, windgeschützten Seite lagen viele Boote mit starken Motoren vor Anker. Die Insel an dieser Stelle zu umfahren wäre für ein solches Boot in 15 Minuten möglich gewesen. Doch es kam niemand. In der Zeit tauchte ich und stellte fest, dass eine 30 Meter lange Wasserskileine aus Polyurethan sich in beide Schrauben verfangen hatte. Diese hatte sich so zwischen Stevenlager und Schrauben verwickelt, dass man es nur mit einer Eisensäge entfernen konnte  Eine solche stand nicht zur Verfügung. Zudem frischte der Wind auf und trieb das Boot mit jeder Welle näher ans Ufer, so dass ich gezwungen war, meinen Platz unter dem Boot zu verlassen. Nun schickte ich noch den „Sigi“ in das 300 Meter entfernte Restaurant um Hilfe zu holen, doch niemand konnte sich entschliessen, seinen Becher zu verlassen. Um 16.30 Uhr hatten wir 70 cm hohe Wellen, das Schiff lief auf den felsigen Grund auf und schlug leck. Ich habe im Geschäft angerufen und mit einem

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Angestellten vereinbart, dass er und ein Gehilfe mit dem Landrover und Anhänger mit der nächsten Fähre nach Formentera kommen um über Nacht das Boot zu bewachen und möglichst viel vom Inventar an Land zu retten.  Ein Monat später war in Palma Mallorca eine Gerichtsverhandlung zwischen Herrn Pflüger und der Versicherung. Die Versicherung hat einen Experten beigezogen. Mir wurde bestätigt, dass ich richtig gehandelt habe, natürlich habe ich nicht ausgesagt in welchem Zustand die Bootsschale war; ich wurde zum Glück auch nicht danach gefragt. Auch der Experte hat nichts erwähnt, vermutlich hat er sich nicht die Mühe genommen, das Schiff auf den Zustand hin zu untersuchen. Mit ist nur aufgefallen, dass Herr Siegenthaler sich einen  Monat später ein neues Auto gekauft hat.  Ein anderes Mal hätte ich auch mein Wissen zu Geld machen können. Im Herbst 1993 fuhr die Denia Fähre mit 10 LKW und 30 PW an Bord 300 Meter neben der Einfahrt in den Deniahafen in einer kleinen Bucht auf Grund. Vermutlich wegen eines Fehlers in der automatische Steuerung. Die Zeitungen schrieben natürlich darüber und auf der ganzen Insel war das die Sensation. Um Mitternacht war es passiert und ich fuhr am nächsten Nachmittag hin, um mir die Sache anzusehen. Als ich ankam, traf gerade ein von Barcelona kommender Schlepper ein und spannte sich vor. Der Schlepper fuhr an und die armdicken Drahtseile spannten sich wie Geigensaiten. Weil es eine 80 Meter breite und 100 Meter tiefe Bucht war befand ich mich am Ufer 15 Meter vom Heck entfernt. Die Zugtrossen waren beidseitig oben auf dem Achterdeck befestigt. Beim ersten Anlauf beobachtete ich, wie die Fähre sich einen  Meter zurückversetzte, aber auch mit dem Heck einen halben Meter tiefer ging, und wenn der Zug nachliess gleich wieder auftauchte. Bei allen folgenden Versuchen passierte das gleiche, aber das Schiff bewegte sich nicht mehr von der Stelle. Nach einer Stunde gaben sie es auf und der Schlepper entfernte sich. Die Gaffer entfernten sich langsam und zuletzt war ich alleine dort. Ich setzte mich am Ufer hin und überlegte. Dabei beobachtete ich durch Zufall, dass das Heck der Fähre sich in einem bestimmten Rhythmus immer auf und ab bewegte, und das obschon der Seegang höchstens 20 cm betrug. Ich begab mich zum Bug und machte dort die gleiche Beobachtung. Also folgerte ich, wenn das Schiff sich bei diesem schwachen Seegang sowohl am Heck wie am Bug sich bei jeder Welle 10 cm rauf und runter bewegt muss es genau in der Mitte auf einem Felsbrocken aufliegen. Vorne unter dem Kiel war nur ein Meter Wassertiefe und beim Heck war es dasselbe, so dass die Fähre beim ersten Schleppversuch sich einen Meter zurückversetzt hat bis das Steuerruder oder die Schraube gegen  einen Fels gestossen ist. Ich ging nach Hause und am anderen Morgen habe ich meinen Freund René, den Anwalt, angerufen. Er sagte mir, er habe gerade in der Zeitung gelesen sie würden nun einen

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Schlepper aus Holland anfordern. Ich sagte zu ihm: „Bitte rufe sie an und sage Ihnen, ein Spezialist habe gestern das Manöver vom Land aus beobachtet. Wenn sie vorne unter den Kiel Holzbalken legen, damit dieser nicht eintauchen kann, und die Schlepptrossen am Heck nicht oben, sondern unten befestigen, kriegen sie das Schiff beim ersten Versuch los“. So wurde es gemacht und so war es. Ein paar Tage später kam der Kapitän vom Schlepper und hat sich bei mir bedankt. Ich sagte zu ihm, das nächste Mal schicken Sie einen Ihrer Offiziere an Land damit dieser die Geschehnisse von dort aus beobachtet. Ich bin überzeugt, dieser wäre zum selben Schluss gekommen. Von der Schifffahrt Gesellschaft Denia Ibiza oder von der Versicherung habe ich nie etwas gehört. Sie haben sich schliesslich durch meine Beobachtung nur einige 100`000 Franken eingespart.  Wie schon oft habe ich auch da festgestellt, ich bin zwar ein guter Beobachter und ein guter Handwerker, aber ich kann meine Leistungen schlecht verkaufen.  Immer wieder denke ich, derjenige,  welchem ich geholfen habe, sollte selber darauf kommen was ihm die Sache wert ist. Im Herbst 1994 beschäftigte ich eine Büro-Dame (eine verarmte Gräfin mit dem Namen König, sie war die Pflegetochter vom Schriftsteller J. Mario Simmel)  sowie zwei Lehrlinge, zwei Mechaniker und drei Hilfsarbeiter. Ich beschloss, von Weihnachten bis zum 18. Januar Betriebsferien zu machen. Ich wollte Weihnachten in der Schweiz verbringen, anfangs Januar die Bootsmesse in Düsseldorf besuchen und am 18. Januar mein Geschäft auf Ibiza wieder aufmachen.  Im November meldete sich ein deutscher Mann, von Beruf Elektroniker, bei mir, er suchte Arbeit auf Ibiza. Der Mann machte mir einen guten Eindruck und ich suchte einen Elektroniker, aber erst auf das Frühjahr. Ich machte ihm den Vorschlag, dass ich ihn von Mitte  Dezember bis Mitte Januar temporär anstelle für zwei Stunden pro Tag. Während unserer Urlaubszeit könne er jeden Tag von zwei bis vier Uhr ins Geschäft kommen und Post, Mail und Fax überwachen. Jeden Freitag um 14.00 würde ich ihn anrufen und das Wichtigste mit ihm besprechen. Damit war er einverstanden. Vor Weihnachten buchte ich einen Flug nach Basel, wo ich einen gebrauchten Mercedes Kombi kaufte. Die Feiertage verbrachte ich bei meiner Schwester in Ringgenberg. Anfangs Januar begab ich mich zu einem befreundeten Arzt, Professor Cottier, um meinen Motor und das Fahrgestell zu überprüfen. Der Motor hat die Prüfung knapp bestanden, er bestellte mich jedoch am nächsten Morgen ins Krankenhaus, um eine Röntgen-Aufnahme von meinem Rücken zu machen. Anschliessend folgte eine Ultraschall-Untersuchung und danach die

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sofortige Überweisung auf die Intensivstation. Die Ärzte stellten fest, dass ich einen acht cm grossen Ballon an der Aorta hatte. Und sie versicherten mir, das  sei an dieser Stelle eine sehr schwierige Operation. Und so war es. Diese dauerte 12 Stunden und, wie aus dem Operationsprotokoll ersichtlich ist, am nächsten Tag noch einmal fünf Stunden, mit zweimaligem Herzstillstand. Dass ich heute noch lebe verdanke ich dem Können und der Beharrlichkeit von Dr. Zürcher. Vier Wochen nach der Operation habe ich das Licht der Welt zum zweiten Mal erblickt. Was ich in dieser Zeit geträumt habe, daraus könnte ich ein Buch schreiben. Mein erster Traum, an welchen ich mich erinnere: Ich erwachte in einem Kloster und war an Händen und Füssen auf einen Tisch gefesselt. Ein Paar Nonnen standen um mich herum und verlangten, dass ich zum katholischen Glauben übertrete. Als ich mich weigerte, schnitten sie mir den Bauch auf und zerrten mir die Därme heraus. Seit diesem Tag bin ich nicht mehr gut auf Nonnen zu sprechen. Bis Mitte März lag ich im Krankenhaus und in den ersten Wochen haben mir die Ärzte eine Überlebenschance von höchstens zwanzig Prozent gegeben.  Als er bis am 15. Januar nichts von mir hörte, hat mein deutscher Geschäftshüter auf Ibiza meine Schwester in Unterseen angerufen und sie erzählte ihm, was ihr die Ärzte berichtet haben. Mit der Schlussbemerkung, falls ich überlebe könne ich auf keinen Fall zurück nach Ibiza kommen. In der Hafenbar lernte er einen Spanier kennen, welchen ich ein paar Monate zuvor wegen Diebstahl fristlos entlassen hatte. Davon wusste der Elektroniker natürlich nichts. Der Spanier hatte beobachtet, dass der Mann bei mir aus und ein geht und fragte ihn, ob er bei mir angestellt sei und dieser erzählte ihm, was geschehen war. Darauf behauptete der Spanier, er sei an dieser Firma beteiligt, er werde  am nächsten Tag ins Geschäft kommen um mit ihm das weitere Vorgehen zu besprechen. Am nächsten Tag verkündete er ihm, die Firma bleibe vorläufig geschlossen und verlangte von ihm die Schlüssel. Danach begab er sich zu meiner Vertragspartnerin, der Schäferfrau, und berichtete ihr, ich sei gestorben und er möchte mit ihr einen neuen Vertrag über das Grundstück machen. So wurde es auch gemacht. Als ich im Herbst 1995 wieder nach Ibiza kam, konnte ich mein Geschäft nicht mehr betreten. Die Schlösser waren ausgewechselt und kein Mensch zu sehen, 

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aber alles machte einen verwahrlosten Eindruck. Ich begab mich zu meinem Anwalt und sagte zu ihm, ich würde den Spanier, wenn er käme, hinausprügeln und ihm die Schlüssel abnehmen. Doch dieser hat mir davon abgeraten. Er würde sich der Sache annehmen, das wäre eine kurze Sache. Aus der kurzen Sache wurden acht Jahre. Dem Spanier (namens Daniel Karauz) seine Frau arbeitete beim Gericht. Dieser nahm sich einen Anwalt, welcher mit der Richterin zusammen lebte. Daraufhin ging er zu meiner gewesenen Vertragspartnerin und sagte zu ihr, sie könne wegen Vertragsbruch belangt werden, aber sie solle dem Gericht sagen, ich hätte ein Jahr lang keinen Zins bezahlt und mein Vertrag sei hinfällig. Die Quittungen habe er vernichtet.  Ein Jahr später war die erste Gerichtsverhandlung. Die Frau erschien nicht vor Gericht. Also hat die Richterin die Verhandlung auf unbestimmte Zeit verschoben. Drei Jahre danach war die zweite Verhandlung. Die Freu kam wieder nicht und mein Anwalt verlangte, das sie abgeholt werde. So geschah es nach einigem Hin und Her. Auf die Frage der Richterin, ob ich den Mietzins regelmässig bezahlt habe, antwortete sie mit „ja“. Drauf die Vorsitzende: „Was diese Frau sagt interessiert mich nicht, ich will die Quittungen sehen“.  Noch einmal vier Jahre später - seit meiner Operation waren nun acht Jahre vergangen - wurde der Fall vom Obergericht in Palma behandelt. Ich bekam in allen Punkten Recht. Doch mein Anwalt sagte zu mir, von Herrn D. Karauz könne ich höchstens einen Verlustschein kriegen. Er rate mir, gegen meine Vertrags-Partnerin zu klagen. Weil sie vertragsbrüchig geworden sei müsse sie nach spanischem Recht für meinen Schaden aufkommen. Er würde danach Regress auf das Grundstück machen. Er habe bereits ein erstes Angebot für mein Geschäft von einem Schweizer aus Belp von 200`000 Franken. Ich habe mit dem Mann aus Belp Verbindung aufgenommen, es war ein Jungunternehmer (Baubranche), welcher einige Male auf Ibiza Urlaub gemacht hat und mehrmals bei mir im Geschäft war. Er wäre sogar noch bereit gewesen,  sein Angebot zu erhöhen, denn von meinem Grundwasserbrunnen wusste er bis zu diesem Zeitpunkt nichts und Wasser ist auf Ibiza eine Rarität. Nach langen Überlegungen und einigen schlaflosen Nächten und Gewissensfragen habe ich mir folgendes überlegt.  „Du bist jetzt 73, hast keine Nachkommen, hast eine Rente mit der du bei deinem bescheidenen Lebenswandel mit sehr kleinen Ansprüchen gut zu Recht kommst. Dazu machst Du Touristenfilme für das Berner Oberland, was dir viel Arbeit und etwas Taschengeld einbringt. Also was willst Du diese Frau, welche

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ein paar Schafe ihr Eigen nennt und die belogen wurde, ins Unglück stürzen und ihr die Existenzgrundlage wegnehmen.“ Ich habe meinem Anwalt geschrieben, er solle eine Anzeige gegen den Karauz machen, dass der die Prozesskosten übernehmen muss, und danach die ganze Angelegenheit vergessen.   

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Ende Kapitel 7 Ibiza

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Abdankung für Werner Müller/Panther, gehalten am 29. Juni 2013 in der ref. Kirche Bönigen von Pfr. Heinz Leuenberger/Akko 

Abdankung für Werner Müller/Panther, gehalten am 29. Juni 2013 in der ref. Kirche Bönigen von Pfr. Heinz Leuenberger/Akko Dr Werner Müller isch ds Interlake am Kanal uf d Wält cho. Mit zwone Schwöschtere isch är ds Goldswil ufgwachse. Aer isch e Bueb gsi, wo geng ganz viel het wölle wüsse und entdecke; d Wält isch für ihn so öppis gsy wie ne Wundertrucke. Sy Schwöschter schribt: es wurde nie langweilig mit ihm. Das chöi o mir andere hie inne weiss Gott bestätige, Fründe, Fründinne und Bekannti: mit ihm isch es würklech nie längwilig worde. Der Panther het e fiinsinnige, trochnige Humor gha, o ne gwüssi Sälbstironie, e Distanz zu sich sälber u zur Wält.  Lang isch dr Panther nie bim Sinniere blibe. Aer isch e Maa vor Praxis gsi, nid vo dr Schuel. Dr Panther isch – das heit dir alli miterläbt, ke Möntsch wie anderi. Aer isch vo n ere Idee ppackt gsi, vo dr Idee, Unmüglechs müglech z mache – mit ere unerhörte Beharrlichkeit, mi chönnt o säge Sturheit. Aer het schlicht u eifach e chly gschpunne.  Und är hets, wie ne Fründ einisch gseit het, är hets nid geng druf aagleit gha, mit de Lüt guet uus z cho. Liebi Truurgmeind, mir si hüt hie, wüll mir alli dr Panther kennt hei, oder mir meine, mir heig e ne guet kennt. Dass är e usgezeichnete Automech isch gsi, das wüsse mir alli, dass är überhoupt e Outoverruckte isch gsi, das hei mir alli im Sinn vom Wort – ERFAHRE.  O Motore ufem Wasser sy sini Lydeschaft gsi. Dr Motor isch ds Härz, für e Panther, o bim Täggelibock. Dä heisst ja schliesslich eso wägem langsame Täggele vom Dieselmotor. Dass dr Werner Müller scho bald nach dr Unteroffiziersschuel als Rennmechaniker bi FIAT het gschaffet, erschtuunt üs nid. Das alles wüsse mir vom Panther.  Weniger bekannt isch sy Karriere als Berufsfotograf bi „Foto Helios“ z Mürren. Sys Ytouche i d Tourismusszene, sy Erfindig vo dr Dia–Spiegelsäule, wo i de 50er Jahr i jedere Hotelhalle gschtande isch. Sie isch e kommerzieller Erfolg i dr ganze Schweiz gsi.  Aber typisch Panther: „Als das Geschäft organisiert war und von selber lief, wurde mir die Sache zu langweilig,“ schribt är i syre Biografie 1953 erfindet är es Zweimann-Unterseeboot, wo funktioniert, es wird im Burgseeli erfolgrych teschtet, Tauchtiefi 15 Meter. Wenig später ischs ids Marzili-Bad ds Bern cho und da dermit, samt Panther, uf d Titelsyte vo dr „Schweizer Illustrierte“. De erfindet är, im Uftrag vom Stadtpräsident vo Bern, es U-Boot-Karussell für d Usstellung „Hospes“ ds Bern, o das e Weltneuheit.  Näbem Design, Bou, Teschts und Abnahm dür d Behörde isch dr Panther o grad no näbeby für d Finanzierig vom Ganze verantwortlich gsi. Am Eröffnigstag isch d Aalag mit 12 Touchboot fertig gsi u d Fürwehr het 900 000 Liter Wasser i Teich y gfüllt. Ds Karussel isch e grosse Publikumserfolg gsi. Ds Patent für d Aalag het aber längschtens em Geldgeber ghört – dä isch ir Zwüschezyt mit em ganze Ytrittsgäld verschwunde, syni Rächnige het är nid zahlt. Die letzte Schulde us däm Abentüür het dr Panther später us de Ynahme vo sire Wasser Schischuel zahlt. I la mal die Anekdote eso la stah – es isch es Bischpiel für vieli. Panthers Läbeslouf isch e einzigi Serie vo Anekdote, aber o vo Läbesabschnitte. 

Dr Panther übernimmt d Outogarage vo sym Vater ds Goldswil,  Dr Panther gründet sys Bootsgschäft ds Interlaken und d Wasserskischule im Neuhaus und ds Bönige,  Dr Panther als Abteilungsleiter vo de Interlakner Pfadi,  Dr Panther als Oberbauleiter vo der Roverbrücke ds Habkern,  Dr Panther als Initiator u Ehrekapitän vom „Täggelibock“ – mit der Restaurierig vom Täggelibock het är ganz vielne Pfader und Rover e sinnvolli Freizytarbeit ermüglichet, und är het se geng wieder chönne begeischtere für das grosse Projekt. I wirde nie vergässe, wie dr Panther albe mit glänzige Ouge vo dr Schiffstoufi het verzellt, wie s ihm glunge isch, dr Fredy Quinn vo Hamburg a Brienzersee z locke, für das Schiff z toufe. I wirde nid vergässe, wie n är albe vo de böse Möntsche, vo de böse Mächt het verzellt, kraftvoll und ungloublich farbig, wo däm Schiff hei wölle ads Läbige ga, ja wo s am liebschte im See versänkt hätte, dert wo n er am tiefschte isch. Was de o einisch fasch glunge isch. All das kenne mir. Interlaken, ds Oberland, isch sy Heimat. Dass mir hüt hie sy, zu sym Abschied, das het är sich gwünscht. Hie isch sy Läbesmittelpunkt gsi. Weni wüsse mir über sini 13 Jahr uf Ibiza, sy Läbespartnerschaft mit ere Frou – e Zyt, wo s ihm wirtschaftlich guet ggange isch. Die 13 Jahr ds Ibiza rede vo nere glückliche Zyt in ere e chly andere Wält. Dr Panther isch sich aber o dert treu bblibe. Zrügg im Diemtigtal, schliesst sich dr Kreis.  De früecher Bruefsfotograf isch zum Filmer worde. Dr Tourismus het ne wieder ppackt. Aer isch o hie dr Selfmademan, dreht d Filme sälber, schnidet se u verchouft d Filme. De gits oh hüfig Aerger. Bi PC Problem hälfe n ihm es paar vo de alte Fründe – am Telefon oder o süsch.  I sym Hüttli isch är – viel eleini. Aer isch e Möntsch, wo s de andere nid geng liecht macht. Aber am schwärschte macht är sechs sich sälber. Irgendwie het är aber dert obe Fride mit sich sälber gfunde.  Dr Panther het durchuus o syni Schattesyte gha, i wott das nid usblände. Sy Eigewilligkeit het mängem o Buuchweh gmacht und meh. Aer hat sech öppe o zueverlässigi Finde gschaffe, wen är geng wieder het probiert, de junge Verantwortliche vom Täggelibock a Chare z fahre oder ihne es mittelmässigs Sicherheitsbewusstsein vorzwärfe. Oder wenn är sech geng und geng wieder mit de Lüt vom Kantonale Schifffahrtsamt het aagleit. Oder i spätere Jahr, wes Krach het gäh mit dem einte oder andere Restaurant – oder Hotelbesitzer, wo für sini Werbeufnahme nid het wölle zahle. We mir ne de hei wölle zum Aesse ylade het aer hie und da gseit: nei, derthäre cha n ig nümm ga. De hei mir de albe gwüsst, was es gschlage het. Ir Erinnerig blibt üs e Maa, wo unbeirrbar sy Wäg ggange isch, mängisch e steinige Wäg – vo Goldswil use i die wyti Wält. Aer isch geng är sälber blibe. Aer het üs geng wieder begeischteret für Unmüglechs. – dank syre Energie, sym Wille, a syre Wält z boue – allne Unkenrufe z Trotz. Spätestens we me syni Memoire list – sy letzschti Karriere als Schriftsteller quasi – wird eim klar: dr Panther isch, i säges vorsichtig -  uf sy ganz eigeti Art es Genie gsy. Im September, kurz vor sym Tod isch ihm no e grosse Wunsch erfüllt worde: är het zäme mit em Philipp, wo n ihm geng mit em PC ghulfe het, chönne e Chrüzfahrt mache. Und für sys gliebte Büssi het me am letztschte Tag es guets nöis Plätzli gfunde. 

Sy Züglete vom Diemtigtal uf Thun i Hohmadpark het är dank viele Hälferinne und Hälfer guet überstande, är het scho zwo Nächt ir nöie Wohnig übernachtet und het sire Schwöschter Heidi am Montagmorgen am 9 Uhr no verzellt, är heigi fantastisch gschlafe, praktisch ohni Schmärze. D Heidi Müller schribt: „So ein Abtreten kann sich jeder gute Mensch nur wünschen. Meinen herzlichen Dank an alle, die Werner in den letzten Jahren, Monaten, Wochen, Tagen und Stunden so gut und verständnisvoll zur Seite gestanden haben. Werner, wir werden dich immer in guter oder der besten Erinnerung behalten.“ Gezeichnet: Heidi Müller. Geng u geng wieder isch dr Panther i sym Läbe em Tod nach cho. Es isch denn z früeh gsi für e gross Sprung über d Gränze. Jitz het är dä Sprung gwagt und sy Fride gfunde. Was är gmacht und gformet het – das BLIBT. Und üs blibt d Erinnerig an e tapfere, schwierige, grossartige, einzigartige, grosse Möntsch. Panther, mir danke dir.